Spanien-Anleihen: Weiterhin ein heißes Eisen für Spekulative


18.07.12 15:04
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Spanische Staatsanleihen bleiben nach Einschätzung des Analysen Henning Wagener von Anleihencheck Research weiterhin ein heißes Eisen für spekulativ orientierte Investoren.

Die Kurse spanischer Staatsanleihen hätten zuletzt wieder etwas mehr unter Druck gestanden. So notiere eine vom Königreich Spanien begebene Anleihe (ISIN ES00000123J2 / WKN A1GU8C) zur Zeit bei 92,80 Prozent. Ende März habe das Papier hingegen noch bei über 100 Prozent notiert. Die Anleihe sei mit einem Kupon von 4,25 Prozent ausgestattet und habe noch eine Laufzeit bis zum 31. Oktober 2016. Daraus errechne sich aktuell eine jährliche Rendite von 6,2 Prozent. Sowohl die Anleihe als auch der Emittent würden von Moody's mit "Baa3" bewertet, was gerade noch so auf Investmentgrade-Niveau liege.

Allerdings habe sich das Land gestern erneut erfolgreich am Kapitalmarkt refinanzieren können. So seien Anleihen im Volumen von rund 3,56 Mrd. Euro ausgegeben worden. Damit habe man das angestrebte Ziel von 3,5 Mrd. Euro übertreffen können. Gleichzeitig habe Spanien die Anleihen auch zu deutlich günstigeren Konditionen begeben können. So sei die durchschnittliche Rendite bei Papieren mit einjähriger Laufzeit von zuletzt knapp 5,1 Prozent auf 3,92 Prozent gesunken. Bei Papieren mit 18-monatiger Laufzeit sei die Rendite von 5,1 Prozent auf 4,24 Prozent gedrückt worden.

Nach Ansicht der Analysten von Anleihencheck Research hat sich die Lage Spaniens im Zuge der erfolgreichen Anleiheauktionen etwas entspannt. Die Auktionen seien zudem auch ein wichtiger Test für die morgen geplanten Auktionen länger laufender Papiere gewesen.

Ein wesentliches Problem des Landes sei der marode Bankensektor, der insbesondere unter der Immobilienkrise Spaniens leide. Da das Land aktuell nicht in der Lage sei, diesen aus eigener Kraft zu unterstützen, sei nun offiziell der Hilfsantrag bei der EU gestellt worden. Der Rettungsschirm EFSF habe bereits im Vorfeld angekündigt, eine Summe von bis zu 100 Mrd. Euro zur Sanierung des Bankensektors zur Verfügung zu stellen. Die Euro-Finanzminister würden nun am Freitag in einer Telefonkonferenz über das Hilfsprogramm für Spanien beraten wollen.

Ein weiteres Problem des Landes sei die ausufernde Arbeitslosigkeit, wenngleich es hier zuletzt leicht positive Signale gegeben habe. So sei im Juni die Zahl der registrierten Arbeitslosen im Monatsvergleich um fast 100.000 auf etwa 4,62 Mio. zurückgegangen. Zwar sei ein Rückgang der Arbeitslosigkeit im Juni in Spanien durchaus üblich, da der wichtige Tourismussektor von dem Höhepunkt der Feriensaison profitiere. Dennoch sei der Rückgang höher ausgefallen als üblich. Allerdings sei die Arbeitslosigkeit in Spanien für die europäische Union nach wie vor auf einem Rekordniveau. So sei nahezu ein Viertel aller Spanier arbeitslos. Bei den Jugendlichen unter 25 Jahren liege die Quote sogar bei mehr als 50 Prozent.

Ferner sei die Industrieproduktion in Spanien im Mai nach Angaben der nationalen Statistikbehörde INE erneut geschrumpft. So habe sich der Output gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,4 Prozent verringert. Für April sei allerdings noch ein Minus von 8,2 Prozent vermeldet worden. Schließlich habe die jährliche Inflationsrate Spaniens im Juni, wie bereits im Vormonat, bei 1,9 Prozent gelegen.

Um den Staatshaushalt wieder in den Griff zu bekommen, habe die Regierung um den Ministerpräsidenten Rajoy zuletzt ein umfassendes Paket aus Einsparungen und Steuererhöhungen vorgestellt, mit dem der Haushalt um etwa 65 Mrd. Euro entlastet werden solle.

Die EU-Kommission erwarte für Spanien für dieses Jahr einen BIP-Rückgang von 1,0 Prozent. Gleichzeitig werde durch die auf der anderen Seite aber notwendigen Einsparungen im Staatshaushalt voraussichtlich auch die Wachstumsdynamik der Wirtschaft Spaniens auch im kommenden Jahr weiter deutlich belastet. Dem Land könnte es aber gelingen, die Krise zu meistern, auch wenn man dazu nun die Hilfe der EU in Anspruch nehme. Das Beispiel Irland zeige, dass externe Hilfe kein Nachteil sein müsse. So habe Irland die Krise bereits hinter sich gelassen und befinde sich wieder auf Wachstumskurs.

Nach Ansicht der Analysten von Anleihencheck Research könnten Staatsanleihen von Spanien eine interessante Investmentalternative für den europäischen Staatsanleihen-Sektor sein. Die Papiere würden aber weiterhin eher für spekulativ veranlagte Anleger interessant bleiben. (Analyse vom 18.07.2012) (18.07.2012/alc/a/a)


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