Spanien-Anleihen: Weiter sehr renditestark, aber auch risikoträchtig


30.07.12 14:54
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Spanische Staatsanleihen bleiben nach Einschätzung des Analysten Henning Wagener von Anleihencheck Research weiterhin ein heißes Eisen für spekulativ orientierte Investoren.

Eine vom Königreich Spanien begebene Anleihe (ISIN ES00000121L2 / WKN A0T6KX) notiere zur Zeit bei 90,15 Prozent. Im Rahmen der letzten Empfehlung der Analysten vom 25. Juli habe die Anleihe sogar bei nur 84,75 Prozent notiert. Die Anleihe sei mit einem Kupon von 4,60 Prozent ausgestattet und habe noch eine Laufzeit bis zum 30. Juli 2019. Daraus errechne sich aktuell eine jährliche Rendite von fast 6,4 Prozent, womit das Renditeniveau der Anleihe zuletzt wieder deutlicher gesunken sei. Sowohl die Anleihe als auch der Emittent würden von Moody's mit "Baa3" bewertet, was gerade noch so auf Investmentgrade-Niveau liege.

Das die Rendite spanischer Staatsanleihen zuletzt zurückgekommen sei, sei vor allem Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi geschuldet. Dieser habe am Donnerstag verlautbart, dass die Währungshüter alles tun würden, um den Euro zu retten. Die Investoren würden nun vor allem auch auf ein Eingreifen zur Stabilisierung der Anleihenmärkte bedrohter Länder wie etwa Spanien hoffen. Allerdings würden die Renditen, die Spanien am Markt zahlen müsse, weiterhin bedrohlich hoch bleiben.

Das zentrale Problem des Landes sei der marode Bankensektor, der insbesondere unter der Immobilienkrise Spaniens leide. Da das Land aktuell nicht in der Lage sei, diesen aus eigener Kraft zu unterstützen, sei offiziell der Hilfsantrag bei der EU gestellt worden. Der Rettungsschirm EFSF habe bereits im Vorfeld angekündigt, eine Summe von bis zu 100 Mrd. Euro zur Sanierung des Bankensektors zur Verfügung zu stellen.

Die letzten Wirtschaftsdaten aus Spanien würden auch nicht gerade Mut machen. So habe sich das Bruttoinlandsprodukt des Landes nach Angaben des Statistikamtes im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent verringert. Damit seien die zuvor bereits getätigten Angaben der Bank of Spain bestätigt worden. Zuvor habe es im ersten Quartal 2012 und im vierten Quartal 2011 bereits um jeweils 0,3 Prozent nachgegeben. Gegenüber dem Vorjahresquartal sei die Wirtschaftsleistung des Landes um 1 Prozent zurückgegangen. Für das Gesamtjahr 2012 prognostiziere der Internationale Währungsfonds für Spanien einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 1,5 Prozent. Die EU-Kommission rechne indes sogar mit einem Minus von 1,8 Prozent.

Die spanische Regierung wolle aber trotz der Rezession an ihrem strikten Sparkurs festhalten. So habe man ein Maßnahmenpaket bekannt gegeben, mit dem bis Ende 2014 bis zu 65 Mrd. Euro eingespart werden sollten. Dabei solle unter anderem die Mehrwertsteuer erhöht und das Arbeitslosengeld gekürzt werden. Dies werde sich voraussichtlich allerdings negativ auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes auswirken. Um die Wirtschaft des Landes gleichzeitig wieder anzukurbeln, breche die Regierung sogar mit Tabus. So solle ab September die Siesta abgeschafft werden. Damit könne der Einzelhandel dann nachmittags durcharbeiten.

Gleichzeitig werde sich aber möglicherweise in Spanien noch ein weiteres Problem weiter verschärfen. So seien die spanischen Verbraucherpreise im Juli mit beschleunigtem Tempo angestiegen. Die jährliche Inflationsrate habe sich von 1,9 Prozent im Juni auf 2,2 Prozent im Juli erhöht und damit die kritische Marke von 2 Prozent überschritten.

Insgesamt würden die Analysten damit rechnen, dass die spanische Wirtschaft durch das von der Regierung geplante drastische Sparpaket weiter ausgebremst werde und das Land bis weit in das nächste Jahr hinein nicht aus der Rezession herauskommen werde. Auf der anderen Seite seien die Sparmaßnahmen allerdings auch notwendig, um die Staatsfinanzen zu konsolidieren.

Nach Ansicht der Analysten von Anleihencheck Research sind Staatsanleihen von Spanien nach wie vor eine riskante Investmentalternative für den europäischen Staatsanleihen-Sektor. Allerdings sollten nur spekulativ orientierte Investoren ein Investment in die Anleihen in Betracht ziehen. (Analyse vom 30.07.2012) (30.07.2012/alc/a/a)


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