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Solides Anleihenjahr 2024 zu erwarten


01.12.23 11:47
Swisscanto

Zürich (www.anleihencheck.de) - Der überwiegende Teil der aktuellen Ökonomen-Einschätzungen zur wirtschaftlichen Einwicklung im kommenden Jahr prognostiziert einen Wachstumsabschwung in den USA und in Europa sowie eine zurückgehende Inflation. Wenngleich der Zielwert von zwei Prozent Inflation in Europa und vor allem in den USA noch nicht in Reichweite erscheint, so Thomas Kirchmair, Head Global Rates bei Swisscanto.

In diesem Szenario sei das Ende des Zinszyklus vorgesehen mit sinkenden Zinsniveaus. Entsprechend sei ein solides Anleihenjahr 2024 zu erwarten. Allerdings sei nicht davon auszugehen, dass die Bäume in den Himmel wachsen würden. "Es gibt zu viele geopolitische und makroökonomische Unwägbarkeiten, die für eine wechselhafte Investorenstimmung sorgen und 2024 nicht sorgenfrei erscheinen lassen", so Kirchmair.

Zumal eine Konsensmeinung selbstverständlich keine Garantie für das Eintreffen eingangs erwähnter Entwicklung darstelle - und sich schon häufiger als Kontraindikator erwiesen habe. So könnte das Bild von der Abschwächung auch ins Wanken geraten. Die für die momentane Wirtschaftssituation unüblicherweise nach wie vor festen Arbeitsmarktdaten wären ein Beleg dafür. Zwar seien die Unternehmen momentan nicht positiv gestimmt, aber auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten sähen sie bereits wieder Licht am Ende des Tunnels. Es könne demnach passieren, dass Unternehmen das höhere Zinsniveau tolerieren würden. Dann wären steigende Zinsen am langen Ende im Bereich des Möglichen. Insbesondere da es zu einem deutlichen Angebotsüberhang an US-Staatsanleihen kommen werde. Und falls dadurch die langfristigen Zinsen ansteigen würden, sei Unruhe an den Märkten vorprogrammiert.

Investoren sollten bei ihren Anlageentscheidungen diese Faktoren zumindest nicht außer Acht lassen. Generell erscheine es aber realistisch, dass Anleihen in 2024 zumindest gegenüber Aktien das Potenzial hätten für eine höhere Gesamtrendite. Interessant seien Staatsanleihen aufgrund ihres aktuell hohen Carrys. Auch Unternehmensanleihen im Bereich Investment Grade würden zu den Favoriten gehören, obgleich ihre Kreditrisikoprämien in den vergangenen Wochen schon stark gesunken seien. Anleihen mit Laufzeiten bis fünf Jahre seien gegenüber Langläufern zu empfehlen. Bei Papieren mit längeren Laufzeiten sei Vorsicht angebracht aufgrund der Unsicherheiten bezüglich der weiteren Notenbank-Entscheidungen.

High Yield-Anleihen hätten in diesem Jahr bereits sehr gut performt und sie würden auch im kommenden Jahr zu den Anleihengattungen mit Potenzial für eine adäquate Rendite gehören. Da der Markt ein "Soft landing" erwarte, sei der High Yield-Markt momentan in einem ruhigen Fahrwasser und relativ stressfrei. Nahende Refinanzierungen bei deutlich höheren Zinsen als in den letzten Jahren könnten hier die Volatilität allerdings erhöhen. Interessant für das kommende Jahr seien AT1-Anleihen, die so genannten CoCo-Bonds. Deren Rendite in Euro betrage aktuell rund neun Prozent. Angesichts der historisch hohen Renditen in Kombination mit soliden Fundamentaldaten bezüglich Rentabilität, die bei großen europäischen Banken so hoch sei wie seit 15 Jahren nicht mehr, und Solvenz der Emittenten würden AT1-Anleihen einen guten Risikoausgleich bieten.

Wie bei High Yield-Anleihen und CoCo-Bonds müssten Investoren auch bei Emerging Markets-Anleihen über eine gewisse Risikoaffinität verfügen, da die Schwellenländer-Märkte historisch betrachtet die höchste Volatilität aufweisen würden. Für lokale Anleihen in den Schwellenländern würden die hohen Realrenditen und ein sich potenziell abschwächender US-Dollar sprechen. Bei den Hartwährungsanleihen der Emerging Markets sei die Kombination aus langer Duration und attraktiver Risikoaufschläge in einem Umfeld von generell sinkenden Zinsen sehr interessant - solange eine Rezession ausbleibe. (01.12.2023/alc/a/a)