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So wird das zweite Halbjahr an den globalen Rentenmärkten


30.06.25 09:45
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die globalen Rentenmärkte stehen unter dem Eindruck politischer Entwicklungen in den USA, insbesondere was die Inflation und die langfristige Tragfähigkeit der Staatsverschuldung angeht, so Sam Vereecke, CIO Fixed Income von DPAM.

Würden die USA ihre derzeitige Politik beibehalten, könnte die US-Verschuldung innerhalb des nächsten Jahrzehnts von rund 100% des BIP auf 125% steigen. Der Markt müsste erheblich mehr Staatsanleiheemissionen absorbieren. Dies könnte zu einem Anstieg der Renditen führen.

US-Renditen hoch, aber auch ausreichend?

Vor der Pandemie seien die Zinsen über einen längeren Zeitraum ungewöhnlich niedrig gewesen. Sie seien erst mit dem Inflationsschock von 2022/23 gestiegen. Seit Anfang 2023 würden sich die US-Renditen, insbesondere bei einer Laufzeit von 10 Jahren, in einer stabilen Bandbreite um 4,5% bewegen. Inflationsbereinigte 2,1 bis 2,2% für 10jährige und fast 2,6% bei längeren Laufzeiten seien für langfristige Anleger, die inflationsbereinigte Renditen anstreben würden, außergewöhnlich attraktiv. Angesichts der ausufernden Staatsausgaben und der steigenden Emissionen sei die Sorge jedoch verständlich, dass selbst diese Renditen nicht ausreichen könnten, um den längerfristigen Angebotsdruck auszugleichen.

Lockerung, aber gedehnt

Trumps fortgesetzte Zoll-Ankündigungen und die daraus folgende Inflationsunsicherheit verkompliziere das Bild zusätzlich. Die Preissteigerung habe sich zwar abgeschwächt, aber in den USA nicht vollständig normalisiert. Tatsächlich könnten Trumps protektionistische Maßnahmen den Trend umkehren und die FED bei der weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik zu mehr Vorsicht veranlassen. Sie werde die Zinsen zwar senken, da die aktuellen geldpolitischen Rahmenbedingungen restriktiv seien und sich die Anzeichen einer Konjunkturabkühlung verdichten würden. Doch dürfte der Zinssenkungszyklus zurückhaltender erfolgen und über einen längeren Zeitraum ausgedehnt werden.

Das kurze Ende der US-Zinsstrukturkurve (d. h. Laufzeiten unter 10 Jahren) beurteile DPAM positiv. Bei längerfristigen US-Staatsanleihen sei DPAM vorsichtiger, da hier die Bedenken hinsichtlich Schuldentragfähigkeit und Inflation stärker greifen würden.

Noch eine EZB-Zinssenkung

In Europa sei das Konjunkturumfeld gedämpfter, die Inflation habe sich weitgehend normalisiert und dürfte unter das EZB-Ziel von 2% fallen. Hierzu würden ein starker Euro, eine gedämpfte Binnennachfrage und steigende Importe von Billigwaren (insbesondere aus China) beitragen. Höhere Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben würden Jahre brauchen, bis sie spürbar für mehr Wachstum sorgen würden. Dies stärke die kurz- bis mittelfristigen Disinflationsaussichten und dürfte die EZB in ihrer unterstützenden Haltung bestärken. DPAM sehe Spielraum für mindestens eine weitere Zinssenkung; was künftige Erhöhungen angehe, dürfte der Markt derzeit falsch liegen. Daher stehe DPAM der Duration in Europa über die gesamte Zinsstrukturkurve hinweg positiv gegenüber.

Neutrale Position bei Kreditanleihen

Neue Kreditanleihen seien zuletzt reichlich an den Markt gekommen und dort aufgenommen worden. Die Renditeaufschläge (Spreads) hätten sich kurzzeitig ausgeweitet, lägen jetzt wieder nahe ihrem Niveau zu Jahresbeginn. Dies vergüte das Halten von Unternehmensanleihen angemessen, eine weitere Spreadeinengung sei jedoch unwahrscheinlich. DPAM bleibe bei seiner neutralen Position. Die aktuellen Bewertungen würden zwar keine unmittelbare Outperformance erwarten lassen, aber auch das Risiko einer Ausweitung sei begrenzt - sowohl bei Investment-Grade- als auch bei Hochzinsanleihen. (30.06.2025/alc/a/a)