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Sind Negativrenditen bei Unternehmensanleihen irrational?
22.09.16 11:53
GAM
Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Negativrenditen am Anleihemarkt haben ein neues Niveau erreicht: In der vergangenen Woche wurden die ersten Euro-Unternehmensanleihen mit einer negativen Rendite emittiert, so Enzo Puntillo, Head of Fixed Income bei GAM.
Auf Euro lautende Anleihen mit negativen Renditen seien prinzipiell nichts Neues, erkläre der Experte: "Einige Staatsanleihen aus der Eurozone werden zu Kursen gehandelt, die negative Renditen für bis zu zehn Jahre implizieren. Neu sind Negativrenditen allerdings bei Unternehmensanleihen, bei denen Investoren ein Kreditrisiko tragen."
Wenn Anleihen eine negative Rendite aufweisen würden, dann liege der Marktpreis über den ausstehenden Kupon- und Kapitalrückzahlungen. Anleiheemittenten würden somit dafür bezahlt, dass sie sich Geld leihen würden, während Investoren mit Sicherheit Geld verlieren würden, wenn sie die Anleihe bis zur Fälligkeit halten würden. Warum sollten Anleger also in solche Anleihen investieren?
Die in der vergangenen Woche emittierten Anleihen hätten Investoren eine Rendite von -0,05 Prozent für Laufzeiten über zwei sowie über dreieinhalb Jahre geboten. "Diese Renditen mögen irrational niedrig erscheinen", kommentiere Puntillo. "Allerdings haben diese kurzlaufenden Investmentgrade-Unternehmensanleihen für bestimmte Investoren dennoch einen Wert. Regulierte Investoren wie Versicherer und Pensionseinrichtungen werden im Grunde dazu gezwungen, Anleihen zu kaufen, und können daher nicht als irrational angesehen werden. Für sie stellen solche Unternehmensanleihen eine bessere Investmentgelegenheit dar als beispielsweise zweieinhalbjährige Bundesanleihen mit einer Rendite von -0,64 Prozent." Die Negativrenditen sollten daher nicht auf irrationales Verhalten von Anlegern zurückgeführt werden, sondern auf die Bemühungen der Notenbanken, die Renditen künstlich niedrig zu halten, so Puntillo weiter.
Die europäischen Zentralbanken würden niedrige Renditen anstreben, um das Wirtschaftswachstum zu stimulieren. "Allerdings nutzen Unternehmen das Geld, das sie durch Anleiheemissionen einnehmen, vor allem für so genanntes Financial Engineering", erkläre Puntillo. "Sie refinanzieren ältere, teurere Schulden oder nutzen die Mittel für Aktienrückkaufprogramme. In meinen Augen sollten sich die Zentralbanken zurückziehen und die Regierungen die seit Langem nötigen strukturellen Reformen angehen lassen. Das sollte letztlich zu einem nachhaltig höheren Wirtschaftswachstum führen - hoffentlich, bevor alle Investoren irrational agieren." (22.09.2016/alc/a/a)
Auf Euro lautende Anleihen mit negativen Renditen seien prinzipiell nichts Neues, erkläre der Experte: "Einige Staatsanleihen aus der Eurozone werden zu Kursen gehandelt, die negative Renditen für bis zu zehn Jahre implizieren. Neu sind Negativrenditen allerdings bei Unternehmensanleihen, bei denen Investoren ein Kreditrisiko tragen."
Die in der vergangenen Woche emittierten Anleihen hätten Investoren eine Rendite von -0,05 Prozent für Laufzeiten über zwei sowie über dreieinhalb Jahre geboten. "Diese Renditen mögen irrational niedrig erscheinen", kommentiere Puntillo. "Allerdings haben diese kurzlaufenden Investmentgrade-Unternehmensanleihen für bestimmte Investoren dennoch einen Wert. Regulierte Investoren wie Versicherer und Pensionseinrichtungen werden im Grunde dazu gezwungen, Anleihen zu kaufen, und können daher nicht als irrational angesehen werden. Für sie stellen solche Unternehmensanleihen eine bessere Investmentgelegenheit dar als beispielsweise zweieinhalbjährige Bundesanleihen mit einer Rendite von -0,64 Prozent." Die Negativrenditen sollten daher nicht auf irrationales Verhalten von Anlegern zurückgeführt werden, sondern auf die Bemühungen der Notenbanken, die Renditen künstlich niedrig zu halten, so Puntillo weiter.
Die europäischen Zentralbanken würden niedrige Renditen anstreben, um das Wirtschaftswachstum zu stimulieren. "Allerdings nutzen Unternehmen das Geld, das sie durch Anleiheemissionen einnehmen, vor allem für so genanntes Financial Engineering", erkläre Puntillo. "Sie refinanzieren ältere, teurere Schulden oder nutzen die Mittel für Aktienrückkaufprogramme. In meinen Augen sollten sich die Zentralbanken zurückziehen und die Regierungen die seit Langem nötigen strukturellen Reformen angehen lassen. Das sollte letztlich zu einem nachhaltig höheren Wirtschaftswachstum führen - hoffentlich, bevor alle Investoren irrational agieren." (22.09.2016/alc/a/a)


