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Schwellenländeranleihen: Mehr "Ramsch" im Portfolio?


11.07.17 11:21
VanEck

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Investoren scheinen mehr "Ramsch" in ihrem Portfolio zu haben und müssen dementsprechend mit einem höheren Ausfallrisiko als noch vor vier Jahren rechnen, so die Experten von VanEck.

Seit 2013 seien die Durchschnittsratings der Schwellenländeranleihen von BBB- auf BB+ gefallen. Zur gleichen Zeit hätten sich die Renditen trotz höheren Risikoaufschlägen verringert.

Bedingt durch die Ratingabwertungen von China, Brasilien und Südafrika stünden aktuell die Ausfallrisiken der Schwellenländer im Fokus der Investoren. Seit 2013 sei das Kreditrating der Schwellenländeranleihen, die in Hartwährungen begeben worden seien, signifikant heruntergestuft worden. Mehr als 51 Prozent des J.P. Morgan EMBI Global Diversified Index sei am 31. Mai 2017 als High-Yield oder "Ramsch" eingestuft worden. Ende 2013 seien es nur 34 Prozent gewesen.

Moody's Abwertung von chinesischen Anleihen habe im Mai für große Aufmerksamkeit gesorgt. Und das, obwohl diese Abwertung angesichts der Tatsache, dass China kaum in Anleihenindices für Schwellenländer enthalten sei, bisher wenig Einfluss auf die Investoren habe. Im Gegensatz dazu hätten Brasilien und Südafrika Abwertungen erlitten, die einen größeren Einfluss auf Investoren hätten. Beide Länder seien aufgrund erhöhter politischer Risiken abgewertet worden, die wichtige steuerliche und wirtschaftliche Reformen gefährdet hätten. Südafrika sei sowohl von S&P als auch von Fitch vom Status Investment-Grade zu High-Yield herabgestuft worden. Brasilien sei der Investment-Grade-Status von S&P im Jahr 2015 anerkannt worden.

Obwohl sich der Spread des J.P. Morgan EMBI Global Diversified Index nicht grundlegend verändert habe, zeige die individuelle Betrachtung der High-Yield- und Investment-Grade-Segmente im Index eine andere Geschichte. Vor allem im High-Yield-Segment zeige sich eine deutliche Verengung des Spreads. Weil aber der High-Yield-Anteil im Index größer geworden sei, falle die Verengung der Spreads im Gesamtindexes weniger auf.

Eine Option, für Investoren Mehrwert zu erzielen, liefere der J.P. Morgan Custom EM Investment Grade Plus BB-Rated Sovereign USD Bond Index, der überwiegend aus Investment-Grade-bewerteten Anleihen mit nur einer limitierten Anzahl an BB-Ratings bestehe. Per 31. Mai 2017 habe sich die Rendite auf 3,74 Prozent belaufen. Dies habe zu einem Anstieg von 60 Basispunkten im Vergleich zu in US-Dollar denominierten Investment-Grade Unternehmensanleihen geführt, wie sie beispielsweise im Bloomberg Barclays U.S. Corporate Bond Index enthalten seien.

Um dem Kreditrisiko zu trotzen, würden auch auf Lokalwährungen denominierte Staatsanleihen von Schwellenländern eine Alternative bieten. Anders als Hartwährungsanleihen seien sie durchschnittlich besser geratet. Der Grund dafür sei, dass sie gegenüber Währungsschwankungen resistent seien. Der Kurs von Fremdwährungen habe nicht direkt Einfluss auf die Fähigkeit des Landes, seine Lokalwährungsanleihen auszuzahlen. Des Weiteren scheinen die Länder, die Anleihen in Lokalwährungen begeben, entwickelte lokale Märkte zu haben, die für ausländische Investoren zugänglich sind, so die Experten von VanEck. Stärker geöffnete Märkte würden zu einem höheren Rating führen. Investoren würden sich einem höheren Währungsrisiko aussetzen, in dem sie in lokale Währungen investieren würden, würden dadurch aber auch ein reduziertes Kreditexposure erlangen und könnten von höheren Renditen profitieren. (11.07.2017/alc/a/a)