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Schwellenländer-Schuldtitel: Verhaltener Optimismus


09.08.19 10:40
Barings

Boston (www.anleihencheck.de) - Das zweite Quartal 2019 bot Anlegern solide Renditen in allen Anlageklassen der Schwellenländer-Schuldtitel (EMD), so die Experten von Barings.

EM Local Currency sei vorangegangen mit einer Rendite von 5,6% (4,1% aus Zinsen und 1,5% aus Wechselkursen), gefolgt von EM Sovereign (4,1%) und EM Corporate (3,5%). Die Zinsen für US-Staatsanleihen seien gesunken - inmitten einer expansiven Geldpolitik der U.S. Federal Reserve (FED) und der Europäischen Zentralbank (EZB) - während des Quartals um weitere 40 Basispunkte bzw. seit Jahresbeginn um insgesamt 67 Basispunkte und hätten Niveaus erreicht, die zuletzt im Dezember 2016 erreicht worden seien, nachdem Trump die Wahl gewonnen habe. Der Umschwung in den Erwartungen hin zu einer expansiven Geldpolitik habe zu einer optimistischen Stimmung für die Auslandsverschuldung geführt.

EM Local habe sich erholt, da die Inflation über die Schwellenländer hinweg in Verbindung mit einem niedrigen Wachstum gedämpft geblieben sei, was dazu geführt habe, dass die Zentralbanken ihre auf die Stimulierung des Wachstums gerichteten expansiven Maßnahmen fortgesetzt hätten. Vor dem Hintergrund einer größeren finanziellen Stabilität, positiven politischen Entwicklungen und steigendem Verbrauchervertrauen hätten die Schwellenländer-Währungen - angeführt vom Russischen Rubel, dem Thailändischen Baht, der Tschechischen Krone und dem Argentinischen Peso - das Quartal trotz niedrigerer Rohstoffpreise stärker beendet.

Die Nachrichten aus den Schwellenländern würden die Anleger weiterhin an ihren Bildschirmen festhalten - insbesondere in der Türkei, wo Erdogans Partei sowohl die Wahlen im April als auch ihre Wiederholung im Juni verloren habe. Die USA und China hätten ihren Handelskrieg fortgesetzt, bevor sie einen vorübergehenden Waffenstillstand während des G20-Gipfels verkündet hätten. Ebenfalls beachtenswert sei die Tatsache, dass Russland und Saudi-Arabien auf dem Gipfel dazu aufgerufen hätten, die OPEC-Produktionskürzungen bis in das Jahr 2020 hinein zu verlängern, da sich die Nachfrage nach Öl verlangsame.

Im zweiten Quartal habe die FED die Zinsen konstant gehalten, aber signalisiert, dass sie sich alle Möglichkeiten offenhalte. Die Märkte hätten positiv reagiert und die Rendite von 10-Jahres-US-Staatsanleihen auf 2,01% gebracht. Eine Reihe von Schwellenländern - einschließlich Russlands, Chiles, Indiens und Tschechiens - habe ihre Geldpolitik gelockert und einige entwickelte Länder - einschließlich Australiens, Neuseelands und Norwegens - hätten dies ebenfalls getan. In dem Bemühen, die chinesische Wirtschaft weiter zu stimulieren, habe die chinesische Regierung die Reserveanforderungen für Immobilien- und Unternehmenskredite verringert. Inmitten von Befürchtungen über eine Abschwächung der Weltwirtschaft seien die Rohstoffpreise während des Quartals gesunken. Trotz der Schocks in der Golfregion sei Brent Crude um 2,69% und Kupfer um 7,58% gefallen. Andererseits sei Gold im Quartal um 9,1% gestiegen und habe sein höchstes Niveau seit 2013 erreicht.

Insgesamt würden die Experten von Barings in Bezug auf Schwellenländer-Anleihen im Großen und Ganzen zuversichtlich bleiben, da die Bewertungen attraktiv bleiben und die Spreads das Ausfallrisiko weiterhin kompensieren würden. Schwellenländer würden sich in Zeiten expansiver Geldpolitik im Allgemeinen gut entwickeln. Außerdem sähen die Experten trotz der Abschwächung des europäischen Wachstums keine plötzlichen Änderungen des Wachstums in den entwickelten Ländern, die dazu führen würden, das wirtschaftliche Wachstum in den Schwellenländern aus der Bahn zu werfen. Allerdings bestünden weiterhin Risiken im Zusammenhang mit den laufenden Handelsverhandlungen zwischen den USA und China, den Spannungen mit dem Iran im Persischen Golf sowie Zinsbewegungen und Währungsschwankungen.

Die Experten von Barings würden weiterhin Hartwährungsanlagen bevorzugen, da Staats- und Unternehmensanleihen tendenziell am meisten von der Erwartung niedrigerer Zinsen und einem soliden Wirtschaftswachstum profitieren würden. Die örtlichen Zinsen würden jedoch auch attraktiv bleiben, da die Regierungen weiterhin Maßnahmen zur Stimulierung ihrer Volkswirtschaften ergreifen würden. Auf regionaler Ebene biete Lateinamerika auf Risiko-Rendite-Basis nach wie vor einige der attraktivsten Anlagenmöglichkeiten, und die Experten fänden auch bei bestimmten osteuropäischen Emittenten von Hochzins-Hartwährungsschuldtiteln positive Werte. Insgesamt würden sie Länder mit soliden und gut geführten Bilanzen favorisieren, die über die Flexibilität verfügen würden, sich an Änderungen der Rohstoffpreise, der Kernzinsen und des Wachstums in entwickelten Ländern anzupassen.

Die Hauptrisiken für den Rest des Jahres lägen in der US-Handelspolitik und ihren potenziellen Auswirkungen auf den Welthandel, insbesondere im Zusammenhang mit dem wachsenden Handelsdefizit der USA gegenüber China. Trotz der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken und eines vorübergehenden Waffenstillstands im Handelskrieg sähen die Experten von Barings gegenwärtig keinen starken Katalysator für eine allgemeine Währungsaufwertung. Sie würden glauben, dass es nach wie vor von entscheidender Bedeutung sei, bei der Währungsauswahl kritisch zu sein, wenn man bedenke, dass Schwellenländer ihre Währungen als Schockabsorber und Mittel zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exporte auf dem Weltmarkt einsetzen würden, um die wirtschaftliche Aktivität zu beleben.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation der Schwellenländer - die sich seit Dezember 2018 deutlich verbessert habe - spreche viel dafür, optimistisch zu sein. Es würden jedoch Risiken bleiben und, wenn man auf das verbleibende Jahr 2019 vorausblicke, würden die Experten glauben, dass eine strikte Fokussierung auf eine rigorose Bottom-up-Wertpapierauswahl verbunden mit aktivem Management ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal in der Performance sein werde. (09.08.2019/alc/a/a)