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Schwellenländer-Anleihen im Minus, US-Renditen steigen weiter
14.11.18 11:00
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Nicht wenige Marktteilnehmer waren am Abend des 31.10. immerhin erleichtert, dass der "Rote Oktober" zumindest sein kalendarisches Ende gefunden hatte. Denn der Monat war geprägt von weltweit kräftig fallenden Aktienkursen und einer generellen "risk-off" Stimmung, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "emreport".
Der MSCI-EM Aktienindex sei um fast neun Prozent gesunken. Brasilien sei die hervorstechende Ausnahme mit einem - innenpolitisch getriebenen - Anstieg von rund zehn Prozent gewesen. Erwähnenswert auch der ungarische Aktienindex, der den Monat faktisch unverändert beendet habe.
Generell hätten sich die europäischen Schwellenländer-Aktienmärkte zumeist deutlich besser als der Rest der Emerging Markets gehalten. Vor allem in Asien würden die zunehmenden chinesischen Wachstumssorgen und die Unwägbarkeiten rund um den Handelsstreit zwischen den USA und China belasten. Die wachsenden politischen und militärischen Spannungen im südchinesischen Meer und um Taiwan würden noch hinzukommen.
Bei Schwellenländer-Anleihen hätten ebenfalls die Minuszeichen überwogen, speziell bei jenen in Hartwährung. Bei Lokalwährungsanleihen habe es allerdings einige Sonderbewegungen gegeben. So hätten sich türkische Anleihen und die Lira nach den schweren Verlusten der Vormonate erholt. Brasilianische Anleihen wiederum hätten ebenso wie der Aktienmarkt den Wahlsieg des ultrarechten, aber als "marktfreundlich" eingestuften Jair Bolsonaro bei der Präsidentschaftswahl gefeiert.
Interessanterweise hätten US-Staatsanleihen kaum von den Aktienmarktturbulenzen profitiert. Das sei kein allzu gutes Vorzeichen für die kommenden Monate für die Schwellenländer. Es lege nahe, dass der Aufwärtsdruck bei den US-Anleiherenditen noch immer recht hoch sei. Einige Analysten würden meinen, dass die US-Finanzmärkte das Inflationspotenzial noch immer unterschätzen würden und ebenso das Potenzial für weitere Zinsanhebungen durch die US-Notenbank (FED). Letztere befinde sich in einer komplizierten Situation. Die Qualität des US-Wirtschaftswachstums scheine alles andere als überragend. Es könnte fragiler sein als es die Wachstumszahlen suggerieren würden, speziell wenn man sich die eher enttäuschende Investitionsneigung der US-Unternehmen anschaue. Das spräche gegen einen zu aggressiven Anhebungspfad bei den Leitzinsen.
Zugleich würden die Preise in den USA aber anziehen und sowohl die Steuersenkungen als auch die immer neuen Sanktionen und Strafzölle könnten den Preisauftrieb in den kommenden Monaten weiter verstärken. Das US-Haushaltsdefizit expandiere derzeit so stark wie früher nur in Rezessionen. Das gestalte zum einen die Aufgabe für die FED noch komplexer. Zum anderen heize es die Nachfrage nach US-Dollar an. Das US-Finanzministerium sauge durch seinen enormen Finanzbedarf Investorengelder förmlich auf. Andere Emittenten, darunter viele aus den Schwellenländern, seien dementsprechend gezwungen, höhere Renditen zu bieten, um ausreichendes Investoreninteresse für ihre Anleihen zu erzeugen.
Bereits vor Monaten hätten einige führende Notenbanker aus den Schwellenländern gemahnt, dass nicht so sehr die Zinsanhebungen der FED ein Problem für die globalen Finanzmärkte darstellen könnten als vielmehr das Reduzieren ihrer Anleihebestände und damit der verfügbaren Menge an US-Dollar. Summa summarum stünden angesichts dieser Gemengelage die Vorzeichen auf weiter steigende US-Renditen und einen weiter anziehenden US-Dollar. Beides wirke negativ auf die Weltkonjunktur insgesamt sowie auf die Rohstoffpreise und es belaste - wie hier immer wieder betont - tendenziell, Anleihen, Aktien und Währungen der Schwellenländer.
Aus langfristiger Bewertungssicht seien etliche EM-Aktienmärkte, Anleihen und Währungen inzwischen vergleichsweise attraktiv. Die geschilderten Belastungsfaktoren dürften aber noch einige Zeit lang für Gegenwind sorgen. Eine Erholung sei nach den Kursrückgängen der letzten elf Monate aber jederzeit möglich und zunehmend wahrscheinlich. Katalysatoren dafür könnte eine Erholung der chinesischen Konjunktur sein oder eine nachhaltige Entspannung zwischen den USA und China. Wenn man bedenke, dass der Handelsstreit bislang in erster Linie die Investorenstimmung belastet habe und noch vergleichsweise geringe realwirtschaftliche Auswirkungen gehabt habe, könnte die Aussicht auf ein Ende der Eskalationen erhebliche Wirkung entfalten. Das gelte umso mehr als, global betrachtet, noch immer sehr viel Investorengeld nach Anlagechancen suche.
Die Schwellenländer könnten davon stark profitieren, wenn die aktuelle "risk-off"-Stimmung wieder drehe und die Furcht vieler Investoren wieder größerem Optimismus weiche. Dass die Anfang November einsetzende Erholung bereits den Start einer solchen Entwicklung markiere, sei zwar möglich, aus heutiger Sicht aber eher fraglich. Vorerst bleibe die Situation fragil und sehr stark abhängig von geld- und geopolitischen Entwicklungen. (Ausgabe November 2018) (14.11.2018/alc/a/a)
Der MSCI-EM Aktienindex sei um fast neun Prozent gesunken. Brasilien sei die hervorstechende Ausnahme mit einem - innenpolitisch getriebenen - Anstieg von rund zehn Prozent gewesen. Erwähnenswert auch der ungarische Aktienindex, der den Monat faktisch unverändert beendet habe.
Generell hätten sich die europäischen Schwellenländer-Aktienmärkte zumeist deutlich besser als der Rest der Emerging Markets gehalten. Vor allem in Asien würden die zunehmenden chinesischen Wachstumssorgen und die Unwägbarkeiten rund um den Handelsstreit zwischen den USA und China belasten. Die wachsenden politischen und militärischen Spannungen im südchinesischen Meer und um Taiwan würden noch hinzukommen.
Bei Schwellenländer-Anleihen hätten ebenfalls die Minuszeichen überwogen, speziell bei jenen in Hartwährung. Bei Lokalwährungsanleihen habe es allerdings einige Sonderbewegungen gegeben. So hätten sich türkische Anleihen und die Lira nach den schweren Verlusten der Vormonate erholt. Brasilianische Anleihen wiederum hätten ebenso wie der Aktienmarkt den Wahlsieg des ultrarechten, aber als "marktfreundlich" eingestuften Jair Bolsonaro bei der Präsidentschaftswahl gefeiert.
Zugleich würden die Preise in den USA aber anziehen und sowohl die Steuersenkungen als auch die immer neuen Sanktionen und Strafzölle könnten den Preisauftrieb in den kommenden Monaten weiter verstärken. Das US-Haushaltsdefizit expandiere derzeit so stark wie früher nur in Rezessionen. Das gestalte zum einen die Aufgabe für die FED noch komplexer. Zum anderen heize es die Nachfrage nach US-Dollar an. Das US-Finanzministerium sauge durch seinen enormen Finanzbedarf Investorengelder förmlich auf. Andere Emittenten, darunter viele aus den Schwellenländern, seien dementsprechend gezwungen, höhere Renditen zu bieten, um ausreichendes Investoreninteresse für ihre Anleihen zu erzeugen.
Bereits vor Monaten hätten einige führende Notenbanker aus den Schwellenländern gemahnt, dass nicht so sehr die Zinsanhebungen der FED ein Problem für die globalen Finanzmärkte darstellen könnten als vielmehr das Reduzieren ihrer Anleihebestände und damit der verfügbaren Menge an US-Dollar. Summa summarum stünden angesichts dieser Gemengelage die Vorzeichen auf weiter steigende US-Renditen und einen weiter anziehenden US-Dollar. Beides wirke negativ auf die Weltkonjunktur insgesamt sowie auf die Rohstoffpreise und es belaste - wie hier immer wieder betont - tendenziell, Anleihen, Aktien und Währungen der Schwellenländer.
Aus langfristiger Bewertungssicht seien etliche EM-Aktienmärkte, Anleihen und Währungen inzwischen vergleichsweise attraktiv. Die geschilderten Belastungsfaktoren dürften aber noch einige Zeit lang für Gegenwind sorgen. Eine Erholung sei nach den Kursrückgängen der letzten elf Monate aber jederzeit möglich und zunehmend wahrscheinlich. Katalysatoren dafür könnte eine Erholung der chinesischen Konjunktur sein oder eine nachhaltige Entspannung zwischen den USA und China. Wenn man bedenke, dass der Handelsstreit bislang in erster Linie die Investorenstimmung belastet habe und noch vergleichsweise geringe realwirtschaftliche Auswirkungen gehabt habe, könnte die Aussicht auf ein Ende der Eskalationen erhebliche Wirkung entfalten. Das gelte umso mehr als, global betrachtet, noch immer sehr viel Investorengeld nach Anlagechancen suche.
Die Schwellenländer könnten davon stark profitieren, wenn die aktuelle "risk-off"-Stimmung wieder drehe und die Furcht vieler Investoren wieder größerem Optimismus weiche. Dass die Anfang November einsetzende Erholung bereits den Start einer solchen Entwicklung markiere, sei zwar möglich, aus heutiger Sicht aber eher fraglich. Vorerst bleibe die Situation fragil und sehr stark abhängig von geld- und geopolitischen Entwicklungen. (Ausgabe November 2018) (14.11.2018/alc/a/a)


