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Schaffen die Notenbanken eine weiche Landung?
25.03.22 10:16
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Preise für Öl und Gas können derzeit als Barometer der Entwicklungen im Krieg Russlands gegen die Ukraine angesehen werden, so Bastian Ernst von der Weberbank.
Nachdem die Preise von ihren Hochpunkten zwischenzeitlich etwas gesunken seien, seien sie ab der Wochenmitte wieder kräftig nach oben geklettert. Hintergrund sei die Ankündigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin gewesen, dass man künftig für Öl- und Gaslieferungen Zahlungen in Russischen Rubel verlangen werde. Am Donnerstag seien nun die Regierungschefs der G7 sowie Vertreter der NATO in Brüssel zusammengekommen. Hierbei habe insbesondere die Frage nach einem Embargo für russisches Öl und Gas im Raum gestanden. Die USA und Großbritannien hätten bereits zuvor angekündigt, kein russisches Öl mehr zu beziehen. Deutschland und viele andere europäische Länder seien dem jedoch nicht gefolgt, zu groß sei Europas Abhängigkeit von russischen Energielieferungen. So habe man sich vorerst nicht auf ein Embargo für russisches Öl und Gas einigen können. Die Unsicherheit darüber, ob die EU doch noch ein Embargo verhängen werde, dürfte den Markt dennoch weiter beschäftigen.
In der vergangenen Woche hätten die Analysten der Weberbank berichtet, dass die US-amerikanische Zentralbank Federal Reserve (FED) eine Phase steigender Leitzinsen eingeläutet habe und voraussichtlich auch früher mit der Reduzierung ihrer Bilanz beginnen werde. Am Montag habe FED-Präsident Jerome Powell noch einmal betont, dass angesichts der zu hohen Inflation die Möglichkeit einer noch aggressiveren geldpolitischen Straffung bestünde. In der Folge hätten die Renditen von US-Staatsanleihen weiter angezogen. Insbesondere Anleihen kurzer Laufzeiten, welche in besonderem Maße durch die Geldpolitik beeinflusst seien, seien angestiegen. Dadurch habe sich die US-Zinskurve, die Differenz zwischen zwei- und zehnjährigen US-Staatsanleihen, auf zuletzt 0,2 Prozentpunkte verflacht. Zu Jahresbeginn habe die Differenz noch 0,9 Prozentpunkte betragen.
Volkswirte würden auf Basis historischer Daten eine sehr geringe Renditedifferenz zwischen kurz- und langlaufendenden Anleihen als Signal einer wirtschaftlichen Eintrübung interpretieren. Dies unterstreiche zusätzlich die ohnehin hohe Unsicherheit der Marktteilnehmer. In den vergangenen Jahren sei der Aktienmarkt von den enormen geldpolitischen Maßnahmen beflügelt worden. Insofern stelle sich die Frage, wie Aktien auf eine Straffung der Notenbankpolitik reagieren würden. Die Vergangenheit zeige, dass Aktien in einem Umfeld steigender Zinsen üblicherweise ordentliche Erträge hätten erwirtschaften können. So habe der Beginn eines Zinserhöhungszyklus in der Regel nicht zu einem Bärenmarkt geführt. Entscheidend sei stattdessen, dass die Notenbanken eine "weiche Landung" erreichen würden, das heiße, dass sie die Zinsen anheben würden, um die Inflation in den Griff zu bekommen, ohne dabei die Konjunktur abzuwürgen - ein schwieriger Spagat in der aktuellen Gemengelage.
Neben Rohstoffen würden auch Aktien als Profiteure steigender Inflation gelten, da Unternehmen steigende Kosten meist durch eine Erhöhung ihrer Verkaufspreise und der sogenannten operativen Hebelwirkung, der Relation zwischen fixen und variablen Kosten, kompensieren könnten. So seien die Gewinnschätzungen der Analysten für den US-amerikanischen Markt in den vergangenen Wochen sogar weiter gestiegen. Insbesondere der Energiesektor dürfte durch die höheren Ölpreise ein deutliches Gewinnwachstum erzielen, aber auch die Gewinnerwartungen für Grundstoffunternehmen und Technologiekonzerne seien nach oben geklettert. Hingegen würden die erwarteten Gewinne im Konsumbereich sinken. Auch in Umfragen zeige sich, dass die Stimmung der Konsumenten derzeit angespannt sei. So sei zu befürchten, dass die steigende Inflation zu geringeren Konsumausgaben führen dürfte, da der Konsument die steigenden Kosten letztendlich schultern müsse. Gleichzeitig würden die Konsumenten jedoch über hohe Ersparnisse verfügen und der Arbeitsmarkt in den USA sei Jerome Powell zufolge sogar "zu stark", sodass Lohnerhöhungen durchgesetzt werden könnten.
Die Analysten der Weberbank würden daher weiter empfehlen in Aktien investiert zu bleiben und dabei einerseits US-Aktien zu bevorzugen und andererseits auf Unternehmen zu setzen, die sich durch eine hohe Preissetzungsmacht und hohe Margen auszeichnen würden. Diese Unternehmen dürften im Umfeld steigender Kosten besser abschneiden. (25.03.2022/alc/a/a)
Nachdem die Preise von ihren Hochpunkten zwischenzeitlich etwas gesunken seien, seien sie ab der Wochenmitte wieder kräftig nach oben geklettert. Hintergrund sei die Ankündigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin gewesen, dass man künftig für Öl- und Gaslieferungen Zahlungen in Russischen Rubel verlangen werde. Am Donnerstag seien nun die Regierungschefs der G7 sowie Vertreter der NATO in Brüssel zusammengekommen. Hierbei habe insbesondere die Frage nach einem Embargo für russisches Öl und Gas im Raum gestanden. Die USA und Großbritannien hätten bereits zuvor angekündigt, kein russisches Öl mehr zu beziehen. Deutschland und viele andere europäische Länder seien dem jedoch nicht gefolgt, zu groß sei Europas Abhängigkeit von russischen Energielieferungen. So habe man sich vorerst nicht auf ein Embargo für russisches Öl und Gas einigen können. Die Unsicherheit darüber, ob die EU doch noch ein Embargo verhängen werde, dürfte den Markt dennoch weiter beschäftigen.
Volkswirte würden auf Basis historischer Daten eine sehr geringe Renditedifferenz zwischen kurz- und langlaufendenden Anleihen als Signal einer wirtschaftlichen Eintrübung interpretieren. Dies unterstreiche zusätzlich die ohnehin hohe Unsicherheit der Marktteilnehmer. In den vergangenen Jahren sei der Aktienmarkt von den enormen geldpolitischen Maßnahmen beflügelt worden. Insofern stelle sich die Frage, wie Aktien auf eine Straffung der Notenbankpolitik reagieren würden. Die Vergangenheit zeige, dass Aktien in einem Umfeld steigender Zinsen üblicherweise ordentliche Erträge hätten erwirtschaften können. So habe der Beginn eines Zinserhöhungszyklus in der Regel nicht zu einem Bärenmarkt geführt. Entscheidend sei stattdessen, dass die Notenbanken eine "weiche Landung" erreichen würden, das heiße, dass sie die Zinsen anheben würden, um die Inflation in den Griff zu bekommen, ohne dabei die Konjunktur abzuwürgen - ein schwieriger Spagat in der aktuellen Gemengelage.
Neben Rohstoffen würden auch Aktien als Profiteure steigender Inflation gelten, da Unternehmen steigende Kosten meist durch eine Erhöhung ihrer Verkaufspreise und der sogenannten operativen Hebelwirkung, der Relation zwischen fixen und variablen Kosten, kompensieren könnten. So seien die Gewinnschätzungen der Analysten für den US-amerikanischen Markt in den vergangenen Wochen sogar weiter gestiegen. Insbesondere der Energiesektor dürfte durch die höheren Ölpreise ein deutliches Gewinnwachstum erzielen, aber auch die Gewinnerwartungen für Grundstoffunternehmen und Technologiekonzerne seien nach oben geklettert. Hingegen würden die erwarteten Gewinne im Konsumbereich sinken. Auch in Umfragen zeige sich, dass die Stimmung der Konsumenten derzeit angespannt sei. So sei zu befürchten, dass die steigende Inflation zu geringeren Konsumausgaben führen dürfte, da der Konsument die steigenden Kosten letztendlich schultern müsse. Gleichzeitig würden die Konsumenten jedoch über hohe Ersparnisse verfügen und der Arbeitsmarkt in den USA sei Jerome Powell zufolge sogar "zu stark", sodass Lohnerhöhungen durchgesetzt werden könnten.
Die Analysten der Weberbank würden daher weiter empfehlen in Aktien investiert zu bleiben und dabei einerseits US-Aktien zu bevorzugen und andererseits auf Unternehmen zu setzen, die sich durch eine hohe Preissetzungsmacht und hohe Margen auszeichnen würden. Diese Unternehmen dürften im Umfeld steigender Kosten besser abschneiden. (25.03.2022/alc/a/a)


