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SNB muss kräftig intervenieren


28.02.17 15:46
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Kontinuierliche Währungsinterventionen bergen diverse Schwierigkeiten: 1. Sie senken die Zinsunterschiede zu Euroland und reduzieren damit die Effektivität der Fremdwährungskäufe, 2. die Bilanzrisiken nehmen zu, 3. das internationale politische Umfeld wird komplizierter für Währungsinterventionen, so Ursina Kubli, Ökonomin bei der Bank J. Safra Sarasin AG.

Da die Nachfrage nach dem Schweizer Franken kaum abklingen werde, sei nach Meinung der Analysten eine weitere Zinssenkung der SNB wahrscheinlich.

Während einige Leser ein paar Tage in den Bergen hätten genießen dürfen, habe die SNB offensichtlich keine Zeit, sich zu erholen. Der steile Anstieg der Franken-Sichtguthaben bei der SNB deute auf kräftige Währungsinterventionen der SNB. In den ersten acht Wochen des Jahres hätten die Sichtguthaben bereits mehr als CHF 19 Mia. zugelegt. Im Vergleich zu den Interventionen der SNB im Jahr 2016 von insgesamt CHF 60 Mia. seien die gegenwärtigen Fremdwährungskäufe beachtlich.

Die politischen Risiken in Euroland seien der Hauptgrund für die Beliebtheit des Schweizer Frankens. Die kommenden Wahlen in Holland, Frankreich und Deutschland würden die Gefahr bergen, dass populistische Parteien Aufwind erhalten würden - ein Risiko, welches nach den Erfahrungen im letzten Jahr nicht mehr ignoriert werden könne. Angesichts der geringen Zinsunterschiede zwischen Euroland und der Schweiz würden Investoren für diese politischen Risiken nicht adäquat kompensiert.

Die SNB versuche, mit ihren Währungsinterventionen den Aufwertungsdruck auf den Franken zu lindern. Mit den Fremdwährungskäufen senke sie jedoch die Renditen von deutschen Anleihen und stärke somit ungewollt die Nachfrage nach dem Franken. Damit seien die Währungsinterventionen weniger effektiv.

Die Ausweitung der Zentralbankbilanz werde die Schwankungen der zukünftigen Gewinne bzw. Verluste der SNB verstärken. Diese Thematik sei letzte Woche von der Deutschen Bundesbank aufgegriffen worden. In Anbetracht dieser Risiken habe die Bundesbank ihre Rückstellungen für generelle Risiken erhöht. Die Zentralbank-Bilanz der SNB sei jedoch einem höheren Risiko ausgesetzt. Erstens sei die SNB-Bilanz auf rund 115% vom BIP angewachsen, während die Bilanz der Bundesbank 46% vom deutschen BIP betrage. Zweitens sei die SNB-Bilanz hohen Währungsschwankungen ausgesetzt, da mehr als 90% der Anlagen in Fremdwährungen notieren würden. Setze die SNB ihre Währungsinterventionen in dem jetzigen Ausmass fort, dürften die Bilanz-Risiken der SNB ebenfalls wieder zum Thema werden.

Ein weiterer Belastungsfaktor für die Deviseninterventionen komme von der internationalen Politik. Kommentare der Trump-Administration bezüglich der Währungspolitik nicht nur in China, sondern auch Japan und Deutschland dürften das politische Klima für Währungsinterventionen prägen. Das US-Finanzministerium habe die Schweiz im Oktober 2016 auf die Liste derjenigen Länder gesetzt, welche möglicherweise ihre Währungen manipulieren würden. Gemäß den jetzigen Kriterien erfülle die Schweiz zwei von drei der Manipulations-Faktoren. Die Tatsache, dass die SNB gegen eine deutlich überbewertete Währung interveniere, dürfte die Trump-Administration wenig beeindrucken.

Angesichts der Schwierigkeiten der Währungsinterventionen dürfte die SNB etwas zurückhaltender sein mit weitreichenden Währungsinterventionen. Eine weitere Zinssenkung scheine den Analysten demnach wahrscheinlich, da größere Zinsunterschiede zu Euroland die Nachfrage nach dem Franken bremsen würden. Die Analysten würden davon ausgehen, dass die SNB eine Kombination der drei (ungeliebten) Optionen benützen werde: 1. eine geringfügige Aufwertung des Schweizer Franken, 2. weitere Währungsinterventionen, 3. eine weitere Zinssenkung. (28.02.2017/alc/a/a)