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Risiken nehmen ab, vor allem US-Renditen werden steigen


31.10.12 11:18
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - Die Unsicherheit durch die anhaltende Krise im Euroraum und die Zweifel am Wachstum in den USA und China dürften die Zinsentwicklung in den kommenden Monaten maßgeblich bestimmen, so Robert M. Hall, Institutional Fixed-Income Portfolio Manager bei MFS Investment Management.

Insgesamt würden die Experten einen leichten Rückgang der Extremrisiken, insbesondere in Europa sehen. Daher würden sie bei ihrer Erwartung leicht steigender US-Staatsanleihen-Renditen bleiben. Ihnen sei allerdings auch bewusst, dass die Renditen noch lange niedrig bleiben könnten - sofern sich die Inflation weiter in Grenzen halte, die FED ihre expansive Geldpolitik fortsetze und amerikanische Treasuries weiter als "sicherer Hafen" gelten würden.

Daher seien die Experten in Portfolios geblieben, in denen sie vom Zinsrisiko der Benchmark abweichen könnten, bei ihrer neutralen bis leicht unterdurchschnittlichen Duration. Außerdem hätten sie eine leichte Präferenz für kürzer laufende Papiere. Ihnen komme die Entschlossenheit der FED zugute, den Leitzins bis 2015 unverändert zu lassen.

Die Käufe von Hypothekenanleihen im Rahmen des QE3-Programms der FED würden auf absehbare Zeit die Fundamentaldaten in den Hintergrund drängen. Zwar stabilisiere sich der Wohnimmobilienmarkt weiter, doch dürfte die Wertentwicklung von MBS vor allem von technischen Faktoren getrieben werden.

Nach Ansicht der Experten würden bonitätsstarke Unternehmensanleihen im Vergleich zu anderen Rentenmarktsegmenten weiter ein gutes Kurspotenzial bieten. Das große Anlegerinteresse an Unternehmensanleihen habe allerdings die Bewertungen der Papiere mit sehr hohen Ratings auf ein Niveau steigen lassen, das weitere Spreadrückgänge unwahrscheinlich mache. Industrieanleihen mit BBB-Rating und Finanzanleihen mit A-Rating würden aus Sicht der Experten das beste Risiko-Ertrags-Profil aller Investmentgradeanleihen bieten. In beiden Segmenten würden sie einen weiteren Spreadrückgang für möglich halten.

Die hohen Kurse von Hochzinsanleihen, die daraus resultierende negative Konvexität an einem Markt, an dem vorzeitige Rückzahlungen sehr selten seien, sowie die historisch niedrigen Renditen würden die Experten zur Vorsicht mahnen. Auf dem derzeitigen Bewertungsniveau würden sie die Verlustrisiken für größer als die Gewinnchancen halten. Auf lange Sicht bleibe die Assetklasse aber eine gute Quelle laufender Erträge für Investoren, die bereit seien, eine aktienähnliche Volatilität zu akzeptieren.

Das bessere Konjunkturumfeld habe die Experten veranlasst, die Risiken in ihren Emerging-Market-Anleiheportfolios zu erhöhen. In ihren Fremdwährungsanleihenportfolios hätten sie verstärkt in Unternehmensanleihen investiert und seien zusätzliche Währungsengagements eingegangen. Außerdem hätten sie mehr Titel mit hohen Renditen gekauft. In den Lokalwährungsanleihenportfolios hätten die Experten die überdurchschnittliche Duration verringert und verstärkt in Währungen mit hohem Beta investiert. Die Fundamentaldaten würden ebenso wie die Markttechnik weiter für die Assetklasse sprechen.

Die Performance dieser Assetklasse hänge noch immer maßgeblich vom Verhältnis von Angebot und Nachfrage ab. Wie schon in den Monaten zuvor hätten Municipals auch im September US-Staatsanleihen hinter sich gelassen, deren Renditen zu Beginn des 3. Quartals gestiegen seien. In diesem Jahr seien mehr Stadtanleihen begeben worden als im letzten (als das Emissionsvolumen äußerst bescheiden gewesen sei), doch sei auch die Nachfrage hoch geblieben.

Für Risiken würden weiter negative Schlagzeilen über mögliche Finanzprobleme von Kommunen sorgen. Die Experten von MFS Investment Management rechnen mit mehr Insolvenzen und Anträgen nach "Chapter 9" (der so genannte "Pleiteparagraph" des US-Konkurs- und Ausgleichsrechts für Gebietskörperschaften) sowie weiteren Ratingherabstufungen. Insgesamt würden sie die Kreditwürdigkeit der kommunalen Gebietskörperschaften aber nicht für schlecht halten. (31.10.2012/alc/a/a)