Erweiterte Funktionen
Rentenmarkt es geschehen seltsame Dinge
01.03.12 16:21
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Bereits seit mehreren Wochen ist am Rentenmarkt die Hölle los, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Rentenhändler seien leidgeprüft, aber aktuell werde sehr viel Neues am früher so sicheren Rentenmarkt wahrgenommen. Dass Griechenlandbonds Zockerpapiere geworden seien, sei hinlänglich bekannt. Ob diese mit oder ohne Stückzinsen gehandelt würden, ob es einen Zwang zum Umtausch geben werde oder ob es doch noch einen Totalausfall geben werde, seien nur einige von vielen Fragen. Auch in einem weiteren Aspekt werde deutlich, dass sich die Zeiten ändern würden.
Dass Unternehmen und insbesondere Banken die niedrigen Kapitalmarktzinsen dazu nutzen würden, ihre Finanzierungsstrukturen zu verändern bzw. zu vereinheitlichen, sei rechtens. Die Käufer von solchen Produkten wussten um die Risiken der Geldanlage in lang laufenden und nachrangig besicherten Anleihen, so die Analysten der Baader Bank. Somit sei es nicht verwunderlich, dass kein Tag vergehe, an dem nicht neue Rückkaufprogramme veröffentlicht würden.
Hierbei werde z.B. von der Raiffeisen Bank International den Investoren einer variabel verzinsten Anleihe (z.B. ISIN XS0193631040 / WKN A0BC9Z) ein Rückkaufangebot zu 58% offeriert. Andere Banken wie die Commerzbank (z.B. ISIN DE000A0KAAA7 / WKN A0KAAA), die Royal Bank of Scotland (z.B. ISIN XS0259579547 / WKN A0GURB) und die KFW (ISIN DE000A0AZA78 / WKN A0AZA7) würden ebenfalls solche Angebote abgeben. Es handle sich hierbei aber nicht nur um auf Euro lautende Anleihen. Nein, auch bei Fremdwährungsanleihen werde die Marktsituation vor dem Hintergrund von Basel III sowie dem Rückkauf unter Nominalwert und Einsparung der noch hohen Zinsen ausgenutzt. Nun komme aber noch eine weitere Variante zum Vorschein.
Das Unternehmen Praktiker habe gestern alle Gläubiger der am 10.02.2016 endfälligen Anleihe (ISIN DE000A1H3JZ8 / WKN A1H3JZ) aufgefordert, einen Sanierungsbeitrag zu leisten. Im Rahmen des Restrukturierungs-Programms solle der jährliche Zins mit Wirkung vom 10. Februar 2012 von derzeit 5,875% auf 1,0% gesenkt werden. Hierzu sei eine Zustimmung innerhalb einer vordefinierten Frist notwendig.
Es würden sich also seltsame Dinge am Rentenmarkt ereignen und diese könnten nicht als vertrauensbildende Maßnahmen bezeichnet werden.
Für Anleger, die aus spekulativen Gründen in griechische Papiere eingestiegen seien, sei das Rettungspaket und die Umschuldung wahrlich kein gutes Geschäft. Sie sollten bzw. müssten ihre alten Staatsanleihen in neue Papiere tauschen. Das Umtauschangebot sei sehr komplex. Für je 1.000 Euro Nennwert sollten Anleger 20 neue Anleihen von Griechenland mit Fälligkeiten ab dem 24. Februar 2023 im Gesamtnennwert von 315 Euro bekommen.
Hinzu kämen so genannte GDP-Linked-Notes im Nennwert von 315 Euro. Zahlungen aus diesen Anleihen würden von der Entwicklung des Bruttosozialprodukts Griechenlands abhängen. Hinzu kämen so genannte PSI Payment Notes im Nennwert von je 150 Euro, die je zur Hälfte mit einjähriger und zweijähriger Laufzeit ausgestattet seien. Dabei handle es sich um Anleihen des europäischen Rettungsschirms EFSF.
Dieser Korb von Papieren werde ergänzt durch Accrued Interest Notes also Schuldverschreibungen im Gegenwert der aufgelaufenen Zinsen. Das Umtauschangebot gelte bis zum 8. März. Die Anleger sollten bei der Annahme des Angebots bedenken, dass sie am Ende 24 unterschiedliche Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten und verschiedenen kleinen Nennwerten im Depot hätten. Im Falle eines vorzeitigen Verkaufs sei das mit nicht unerheblichen Kosten verbunden.
An den Börsen würden die Anleihen auf Norwegische Kronen für Gesprächsstoff sorgen und die Anleger könnten sich über kräftige Währungsgewinne freuen. So sei die Norwegische Krone seit Monaten im Aufwind und hat gegenüber dem Euro ein Neun-Jahres-Hoch erreicht. Seit dem Jahreswechsel seien es bereits 3,4%. Zusammen mit den Kursgewinnen bei den Anleihen könnten sich die Anleger über eine überdurchschnittliche Rendite freuen.
Die Krone habe nicht nur von der Angst vor einem Auseinanderbrechen des Euros, sondern auch vom steigenden Ölpreis profitiert. Die zunehmenden Spannungen zwischen dem Westen und Iran wegen des Atomprogramms sowie den angekündigten Sanktionen hätten den Ölpreis in der vergangenen Woche auf 125 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit 2008 geschoben. Da Norwegen auch ein großer Ölproduzent sei, profitiere die Krone von dem Anstieg der Energiepreise. Steige der Ölpreis weiter, profitiere der Anleihen-Anleger auch davon.
Das "Problem" bei Anleihen auf Norwegische Kronen sei allerdings, dass Norwegen selbst wenig Refinanzierungsbedarf habe und somit der Markt auf Emissionen von Institutionen und Unternehmen außerhalb Norwegens angewiesen sei.
Es sei gekommen, wie es habe kommen müssen: Nur wenige Tage nach dem ausgehandelten Schuldenschnitt mit Griechenland habe die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit Athens auf das Niveau eines teilweisen Zahlungsausfalls herabgestuft, mit möglicherweise negativen Auswirkungen auf das Finanzsystem. Hellas sei somit das erste Land im Euroraum, dem ein Zahlungsausfall bescheinigt worden sei - vielleicht aber auch nicht das letzte Land.
Die Entscheidung von S&P sei nicht wirklich überraschend gewesen, weil die Bonitätswächter den Schritt bereits angedroht hätten. S&P habe kritisiert, dass Griechenland Investoren notfalls per Gesetz zwingen könne, beim Schuldenschnitt mitzumachen. Das würden die nachträglich eingefügten Umschuldungsklauseln, so genannte Collective Action Clauses (CAC) ermöglichen, die vom Parlament beschlossen worden seien. Dies habe nicht nur bei Privatanlegern einen faden Beigeschmack hintergelassen.
Bedingt durch die Herabstufung habe der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen, die griechischen Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten zu akzeptieren. Das werde vor allem griechische Banken treffen, die besonders viele Griechenland-Anleihen halten würden. Normalerweise könnten diese bei der EZB als Pfand für Kredite hinterlegt werden. Notfalls werde die Zentralbank den Mittelbedarf Griechenlands aber über die Notfall-Liquiditätslinien des Eurosystems sicherstellen.
Einen ersten Schritt zur Stabilisierung des europäischen Finanzsystems habe die EZB mittels des gestrigen Drei-Jahres-Tender unternommen. 800 Banken seien ca. 529 Mrd. EUR zur Verfügung gestellt worden. Dieses sei der zweite Streich gewesen, und der dritte…
Greife das Hellas-Syndrom auch auf andere Staaten über? Spanien habe bekannt gegeben, dass die Neuverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2011 bei 8,51% gelegen habe. Das habe nicht nur über den vorläufig berechneten 8,2% gelegen, sondern habe deutlich die Schätzung der EU-Kommission übertroffen. Bei der EU hätten sich die Iberer sogar dazu verpflichtet, das Defizit auf 6,0% zu senken. Ein Déjàvu - möchte man meinen. Alles schon einmal bei Griechenland erlebt.
Jetzt hoffe auch noch Spaniens neue konservative Regierung um Ministerpräsident Mariano Rajoy darauf, dass die EU-Kommission möglichst von dem bisher geltenden Ziel für 2012 von 4,4% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) abweiche. Allerdings beharre Brüssel darauf, dass die Zielvorgaben weiterhin gültig seien und poche auf deren Einhaltung. Auch dieses Niveau scheine in weiter Ferne zu liegen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste nämlich das Land ca.40 Mrd. Euro einsparen.
Auch ohne EZB müssten sich Unternehmen weiterhin keine Gedanken machen, woher und ob sie frisches Kapital erhalten würden. Die große Nachfrage nach Emissionen guter und solventer Schuldner bewirke, dass sich viele in- und ausländische Unternehmen zur Finanzierung ihrer Vorhaben an den Kapitalmarkt wagen würden.
So habe sich der niederländische Telekommunikationskonzern KPN zu einer Refinanzierung über zehn Jahre in Höhe von 750 Mio. EUR entschieden. Bei einer Bewertung mit Baa2/BBB hätten hierfür 4,25% Zinsen geboten werden müssen. In der gleichen Branche sei auch TDC, ein dänischer Telekommunikationskonzern tätig. Dieses Unternehmen sei zwar mit dem gleichen Rating (Baa2/BBB) wie KPN ausgestattet, habe aber den Investoren für eine ebenfalls 10-jährige Anleihe im Volumen von 500 Mio. EUR lediglich einen Kupon von 3,75% bieten müssen.
Es seien aber nicht nur ausländische Unternehmen am Kapitalmarkt tätig gewesen und so habe sich die Deutsche Bahn - als privatrechtliches Staatsunternehmen- aufgrund der niedrigen Refinanzierungskosten zu einer Mittelaufnahme in Höhe von 500 Mio. EUR bis 2024 entschieden. Mit einem Rating Aa1/AA ausgestattet müssten nur 3% jährlich an die Investoren bezahlt werden.
Mit einer Laufzeit von fünf Jahren sei allerdings bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen die Daimler AG (ISIN DE0007100000 / WKN 710000) am Markt aktiv geworden und habe 750 Mio. EUR zu 2% über fünf Jahre refinanziert.
Es sei also weiterhin davon auszugehen, dass der Kapitalmarkt für Unternehmen eine wichtige Alternative zur klassischen Kreditfinanzierung bleiben werde. Allerdings werde sich die Spreu vom Weizen deutlich trennen!
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.
Copyright © 2011: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Lurgiallee 12, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (01.03.2012/alc/a/a)
Rentenhändler seien leidgeprüft, aber aktuell werde sehr viel Neues am früher so sicheren Rentenmarkt wahrgenommen. Dass Griechenlandbonds Zockerpapiere geworden seien, sei hinlänglich bekannt. Ob diese mit oder ohne Stückzinsen gehandelt würden, ob es einen Zwang zum Umtausch geben werde oder ob es doch noch einen Totalausfall geben werde, seien nur einige von vielen Fragen. Auch in einem weiteren Aspekt werde deutlich, dass sich die Zeiten ändern würden.
Dass Unternehmen und insbesondere Banken die niedrigen Kapitalmarktzinsen dazu nutzen würden, ihre Finanzierungsstrukturen zu verändern bzw. zu vereinheitlichen, sei rechtens. Die Käufer von solchen Produkten wussten um die Risiken der Geldanlage in lang laufenden und nachrangig besicherten Anleihen, so die Analysten der Baader Bank. Somit sei es nicht verwunderlich, dass kein Tag vergehe, an dem nicht neue Rückkaufprogramme veröffentlicht würden.
Hierbei werde z.B. von der Raiffeisen Bank International den Investoren einer variabel verzinsten Anleihe (z.B. ISIN XS0193631040 / WKN A0BC9Z) ein Rückkaufangebot zu 58% offeriert. Andere Banken wie die Commerzbank (z.B. ISIN DE000A0KAAA7 / WKN A0KAAA), die Royal Bank of Scotland (z.B. ISIN XS0259579547 / WKN A0GURB) und die KFW (ISIN DE000A0AZA78 / WKN A0AZA7) würden ebenfalls solche Angebote abgeben. Es handle sich hierbei aber nicht nur um auf Euro lautende Anleihen. Nein, auch bei Fremdwährungsanleihen werde die Marktsituation vor dem Hintergrund von Basel III sowie dem Rückkauf unter Nominalwert und Einsparung der noch hohen Zinsen ausgenutzt. Nun komme aber noch eine weitere Variante zum Vorschein.
Das Unternehmen Praktiker habe gestern alle Gläubiger der am 10.02.2016 endfälligen Anleihe (ISIN DE000A1H3JZ8 / WKN A1H3JZ) aufgefordert, einen Sanierungsbeitrag zu leisten. Im Rahmen des Restrukturierungs-Programms solle der jährliche Zins mit Wirkung vom 10. Februar 2012 von derzeit 5,875% auf 1,0% gesenkt werden. Hierzu sei eine Zustimmung innerhalb einer vordefinierten Frist notwendig.
Es würden sich also seltsame Dinge am Rentenmarkt ereignen und diese könnten nicht als vertrauensbildende Maßnahmen bezeichnet werden.
Für Anleger, die aus spekulativen Gründen in griechische Papiere eingestiegen seien, sei das Rettungspaket und die Umschuldung wahrlich kein gutes Geschäft. Sie sollten bzw. müssten ihre alten Staatsanleihen in neue Papiere tauschen. Das Umtauschangebot sei sehr komplex. Für je 1.000 Euro Nennwert sollten Anleger 20 neue Anleihen von Griechenland mit Fälligkeiten ab dem 24. Februar 2023 im Gesamtnennwert von 315 Euro bekommen.
Hinzu kämen so genannte GDP-Linked-Notes im Nennwert von 315 Euro. Zahlungen aus diesen Anleihen würden von der Entwicklung des Bruttosozialprodukts Griechenlands abhängen. Hinzu kämen so genannte PSI Payment Notes im Nennwert von je 150 Euro, die je zur Hälfte mit einjähriger und zweijähriger Laufzeit ausgestattet seien. Dabei handle es sich um Anleihen des europäischen Rettungsschirms EFSF.
Dieser Korb von Papieren werde ergänzt durch Accrued Interest Notes also Schuldverschreibungen im Gegenwert der aufgelaufenen Zinsen. Das Umtauschangebot gelte bis zum 8. März. Die Anleger sollten bei der Annahme des Angebots bedenken, dass sie am Ende 24 unterschiedliche Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten und verschiedenen kleinen Nennwerten im Depot hätten. Im Falle eines vorzeitigen Verkaufs sei das mit nicht unerheblichen Kosten verbunden.
An den Börsen würden die Anleihen auf Norwegische Kronen für Gesprächsstoff sorgen und die Anleger könnten sich über kräftige Währungsgewinne freuen. So sei die Norwegische Krone seit Monaten im Aufwind und hat gegenüber dem Euro ein Neun-Jahres-Hoch erreicht. Seit dem Jahreswechsel seien es bereits 3,4%. Zusammen mit den Kursgewinnen bei den Anleihen könnten sich die Anleger über eine überdurchschnittliche Rendite freuen.
Die Krone habe nicht nur von der Angst vor einem Auseinanderbrechen des Euros, sondern auch vom steigenden Ölpreis profitiert. Die zunehmenden Spannungen zwischen dem Westen und Iran wegen des Atomprogramms sowie den angekündigten Sanktionen hätten den Ölpreis in der vergangenen Woche auf 125 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit 2008 geschoben. Da Norwegen auch ein großer Ölproduzent sei, profitiere die Krone von dem Anstieg der Energiepreise. Steige der Ölpreis weiter, profitiere der Anleihen-Anleger auch davon.
Das "Problem" bei Anleihen auf Norwegische Kronen sei allerdings, dass Norwegen selbst wenig Refinanzierungsbedarf habe und somit der Markt auf Emissionen von Institutionen und Unternehmen außerhalb Norwegens angewiesen sei.
Es sei gekommen, wie es habe kommen müssen: Nur wenige Tage nach dem ausgehandelten Schuldenschnitt mit Griechenland habe die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit Athens auf das Niveau eines teilweisen Zahlungsausfalls herabgestuft, mit möglicherweise negativen Auswirkungen auf das Finanzsystem. Hellas sei somit das erste Land im Euroraum, dem ein Zahlungsausfall bescheinigt worden sei - vielleicht aber auch nicht das letzte Land.
Die Entscheidung von S&P sei nicht wirklich überraschend gewesen, weil die Bonitätswächter den Schritt bereits angedroht hätten. S&P habe kritisiert, dass Griechenland Investoren notfalls per Gesetz zwingen könne, beim Schuldenschnitt mitzumachen. Das würden die nachträglich eingefügten Umschuldungsklauseln, so genannte Collective Action Clauses (CAC) ermöglichen, die vom Parlament beschlossen worden seien. Dies habe nicht nur bei Privatanlegern einen faden Beigeschmack hintergelassen.
Bedingt durch die Herabstufung habe der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen, die griechischen Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten zu akzeptieren. Das werde vor allem griechische Banken treffen, die besonders viele Griechenland-Anleihen halten würden. Normalerweise könnten diese bei der EZB als Pfand für Kredite hinterlegt werden. Notfalls werde die Zentralbank den Mittelbedarf Griechenlands aber über die Notfall-Liquiditätslinien des Eurosystems sicherstellen.
Einen ersten Schritt zur Stabilisierung des europäischen Finanzsystems habe die EZB mittels des gestrigen Drei-Jahres-Tender unternommen. 800 Banken seien ca. 529 Mrd. EUR zur Verfügung gestellt worden. Dieses sei der zweite Streich gewesen, und der dritte…
Jetzt hoffe auch noch Spaniens neue konservative Regierung um Ministerpräsident Mariano Rajoy darauf, dass die EU-Kommission möglichst von dem bisher geltenden Ziel für 2012 von 4,4% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) abweiche. Allerdings beharre Brüssel darauf, dass die Zielvorgaben weiterhin gültig seien und poche auf deren Einhaltung. Auch dieses Niveau scheine in weiter Ferne zu liegen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste nämlich das Land ca.40 Mrd. Euro einsparen.
Auch ohne EZB müssten sich Unternehmen weiterhin keine Gedanken machen, woher und ob sie frisches Kapital erhalten würden. Die große Nachfrage nach Emissionen guter und solventer Schuldner bewirke, dass sich viele in- und ausländische Unternehmen zur Finanzierung ihrer Vorhaben an den Kapitalmarkt wagen würden.
So habe sich der niederländische Telekommunikationskonzern KPN zu einer Refinanzierung über zehn Jahre in Höhe von 750 Mio. EUR entschieden. Bei einer Bewertung mit Baa2/BBB hätten hierfür 4,25% Zinsen geboten werden müssen. In der gleichen Branche sei auch TDC, ein dänischer Telekommunikationskonzern tätig. Dieses Unternehmen sei zwar mit dem gleichen Rating (Baa2/BBB) wie KPN ausgestattet, habe aber den Investoren für eine ebenfalls 10-jährige Anleihe im Volumen von 500 Mio. EUR lediglich einen Kupon von 3,75% bieten müssen.
Es seien aber nicht nur ausländische Unternehmen am Kapitalmarkt tätig gewesen und so habe sich die Deutsche Bahn - als privatrechtliches Staatsunternehmen- aufgrund der niedrigen Refinanzierungskosten zu einer Mittelaufnahme in Höhe von 500 Mio. EUR bis 2024 entschieden. Mit einem Rating Aa1/AA ausgestattet müssten nur 3% jährlich an die Investoren bezahlt werden.
Mit einer Laufzeit von fünf Jahren sei allerdings bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen die Daimler AG (ISIN DE0007100000 / WKN 710000) am Markt aktiv geworden und habe 750 Mio. EUR zu 2% über fünf Jahre refinanziert.
Es sei also weiterhin davon auszugehen, dass der Kapitalmarkt für Unternehmen eine wichtige Alternative zur klassischen Kreditfinanzierung bleiben werde. Allerdings werde sich die Spreu vom Weizen deutlich trennen!
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.
Copyright © 2011: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Lurgiallee 12, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (01.03.2012/alc/a/a)
Werte im Artikel




