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Rentenmarkt attraktiv - Welche Laufzeit wählen?


14.07.23 10:00
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Sommerzeit hat doch etwas Gutes: Sonne im Überfluss und eine wieder reisefreudige Bevölkerung, so Björn Hallex, CIIA bei der Weberbank.

Blicke man ein Jahr zurück, dann habe sich damals eine Erwartungshaltung immer weiter steigender Energiepreise aufgebaut. Heute reibe man sich verwundert die Augen, dass die Strom- und Gaspreise unter dem Vorkriegsniveau notieren würden. Was sei der Grund? Die Stromproduktion von Photovoltaikanlagen schreite voran, und auch die Gaslager seien weiterhin sehr gut gefüllt. So ergebe sich gerade an sonnigen Tagen in der Zeit zwischen 10:00 Uhr und 17:00 Uhr, dass an der Strombörse negative Strompreise gehandelt würden. Es sei schlichtweg ein Überangebot vorhanden. Solange es keine adäquaten Speichermöglichkeiten gebe, werde das Phänomen im Sommer zukünftig zur Normalität gehören. Daraus ergebe sich, dass die Gesamtinflationsrate aufgrund des Basiseffektes weiter rückläufig sei.

Am Mittwoch dieser Woche sei die Konsumentenpreisentwicklung in den USA mit plus 3 Prozent ggü. Vorjahr veröffentlicht worden und bestätige die Analysten darin, dass das Hoch der Inflation hinter uns liegen sollte. Der Blick der Notenbanken in Europa und den USA dürfte jedoch stärker auf die Entwicklung der Inflationsraten ohne Einbeziehung der Energie- und Nahrungsmittelpreise gehen. Diese Kennzahl sei weiterhin recht hoch. Hier würden sich die Zweitrundeneffekte aus höheren Lohnkosten und höheren Dienstleistungspreisen wiederspiegeln. Damit sei die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschrittes für beide Notenbanken auf der nächsten Sitzung recht hoch.

An dieser Stelle hätten die Analysten in den letzten Monaten die Attraktivität des Rentenmarktes bereits häufig erwähnt. Die reine Betrachtung der Attraktivität der Rendite im Segment der europäischen Staatsanleihen über ein Laufzeitenband von ein bis zehn Jahre würde zu einer Positionierung am kurzen Laufzeitenrand führen. Hintergrund sei, dass dieser Bereich am stärksten von der Notenbankpolitik beeinflusst werde. Je länger die Laufzeit, desto stärker gewinne der wirtschaftliche Einfluss an Bedeutung. Dieser sei aktuell mit einem schwachen Ausblick versehen und führe zum ungewöhnlichen Phänomen, dass mit zunehmender Laufzeit die Renditen fallen würden. Die Zinskurve sei also invers.

Dennoch sei es sinnvoll, nicht nur den kurzen Laufzeitenbereich zu beachten. Sollte sich ein schwaches Wirtschaftsbild durchsetzen, wovon die Analysten ausgehen würden, würden die Renditen wieder fallen und zusätzliche Kursgewinne seien möglich. Anders sehe es im Bereich der Unternehmensanleihen aus. Hier würden die Analysten eine relativ flache Renditekurve sehen. Der Anleger werde für eine längere Laufzeit der Unternehmensanleihe also nicht zusätzlich belohnt. Insofern würden die Analysten raten, bei Emittenten mit schwächeren Bonitäten eher kürzere und bei Emittenten mit guten Bonitäten längere Laufzeiten zu wählen.

Im ersten Halbjahr hätten robuste Unternehmensgewinne den Aktienmarkt getragen. Viele institutionelle Anleger seien zu defensiv aufgestellt gewesen und hätten eine hohe Liquiditätsquote gehalten. Aktuell könne man beobachten, dass diese Haltung langsam aufgegeben werde. Sei das ein falsches Timing? Die Analysten würden nach dem positiven ersten Halbjahr in den kommenden Monaten eine Konsolidierung am Aktienmarkt erwarten, die von einem leichten Rückgang der Unternehmensgewinne bis zum vierten Quartal begleitet werde. Die positive Kursentwicklung habe bei schwachen Gewinnen die Bewertung des Aktienmarktes insgesamt angsteigen lassen. Die Zeichen stünden somit auf Sommerpause.

Dennoch gebe es einen Ausreißer: Die Reisebranche erfreue sich gerade in Europa wieder großer Beliebtheit. Das zeige auch die Gewinnentwicklung dieser Branche. So habe der Sektor, von einem niedrigen Niveau aus, die Gewinne im Vergleich zum letzten Jahr fast verdoppeln können. Daran lasse sich auch die Lust am Reisen und der Nachholbedarf der letzten Jahre trotz der deutlich gestiegenen Preise für Flüge und Hotels ablesen. Viele Konsumenten seien bereit, Ersparnisse zugunsten des Reisens aufzulösen. Ebenfalls würden die Analysten Aktien aus dem nicht-zyklischen Konsum wie zum Beispiel Supermarktketten favorisieren. Das Segment beinhalte Unternehmen, die konjunkturunabhängig eine stabile Gewinnentwicklung zeigen würden. Zusätzlich sollten die rückläufigen Rohstoffpreise zu einer Kostenentlastung beitragen. (14.07.2023/alc/a/a)