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Rentenmarkt Sind Corporates die besseren Staatsanleihen?
22.03.12 14:50
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Kaum war in punkto Griechenland die Katze aus dem Sack und der Nebel hatte sich gelichtet, da kam es zu einer wahren Flut an Neuemissionen, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Die Refinanzierungskosten würden sich weiterhin auf Rekord-Tief befinden. Somit sei es kein Wunder, dass Unternehmen versuchen würden, sich auf lange Sicht Geld zu leihen und somit die Niedrig-Zinsen über mehrere Jahre zu sichern. Noch vor Wochenfrist hätten sich die Unternehmen nicht aus der Deckung gewagt, aber jetzt seien viele Vorstände der Meinung gewesen, die Karte "Corporates sind die besseren Staatsanleihen" spielen zu können.
Durch nachträgliche Veränderung der Anleihebedingungen habe man den solide wirtschaftenden Unternehmen einen großen Gefallen getan. Staatsanleihen würden zwar weiterhin nach Einschätzung der Politiker als krisensicher gelten und seien wegen der bevorzugten Handhabung bezüglich der Eigenkapitalunterlegung auch nicht wegzudenken. Aber bei ca. 1,5 Billionen in 2012 endfälligen Staatsanleihen sollte man vorsichtig mit den Marktteilnehmern umgehen und diesen nicht zuviel zumuten. Eine von Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret geforderte einheitliche CAC-Regelung bei Staatsanleihen habe sicherlich keine beruhigende Wirkung.
Aus deutscher Sicht sei die bereits dritte Bondemission aus dem Hause Daimler (ISIN DE0007100000/ WKN 710000) in 2012 erwähnenswert. Der Autobauer habe sich bis zum Jahre 2019 einen Betrag von 750 Mio. EUR in einer für Privatanleger freundlichen Mindeststückelung von 1.000 EUR zu 2,625% aufnehmen können.
Aber auch der Essener Baukonzern HOCHTIEF (ISIN DE0006070006/ WKN 607000) habe sein Debüt am Anleihemarkt gegeben. Die 500 Mio. EUR große Emission sei bei den Anlegern sehr stark nachgefragt gewesen und habe sich am ersten Handelstag bereits um 1,5% verteuern können. Die jährliche Verzinsung betrage 5,5% und auch hier sei im Hinblick auf viele Privatanleger die kleinste Mindeststückelung von 1.000 EUR gewählt worden. Das Unternehmen HOCHTIEF verfüge über kein Rating.
Das Versandhandelunternehmen OTTO GmbH habe eine kleine Anleihe über 150 Mio. EUR bei einer Laufzeit von fünf Jahren emittiert. Aber auch andere Gesellschaften hätten die Gunst der Stunde genutzt. So sei unter anderem die neue Anleihe des Pharmakonzerns Roche (ISIN CH0012032113/ WKN 851311) (A+) sehr gefragt gewesen. Der Konzern gelte als sehr sicheres Bondinvestment und müsse daher jährlich lediglich 2,00% Zinsen für ca. sechs Jahre zahlen. Die Zeit mache erfinderisch und es gelte die Gunst der Stunde zu nutzen.
Für sieben Jahre und 1,25 Mrd. EUR zahle der Elektrotechnikkonzern ABB (ISIN CH0012221716/ WKN 919730) seinen Anlegern einen Kupon von 2,625%. Bei einer Mindeststückelung von 100.000 EUR sei die Schuldverschreibung allerdings eher für institutionelle Kunden geeignet.
Der französische Baukonzern VINCI (ISIN FR0000125486/ WKN 867475) (Baa1) habe seinen Investoren jährlich 3,375% Zinsen geboten, um sich für acht Jahre verschulden zu dürfen. Und für 10-jährige Anleihen habe das australische Telekommunikationsunternehmen Telstra (ISIN AU000000TLS2/ WKN 909947) (A2/A ) einen Kupon in Höhe von 3,5% und der französische Industriekonzern Saint-Gobain (ISIN FR0000125007/ WKN 872087) (Baa2) in Höhe von 3,625% ausgelobt. Für 15 Jahre habe Veolia Environnement (ISIN FR0000124141/ WKN 501451) für 750 Mio. EUR 4,625% p.a. zahlen müssen.
Genug sei genug. Das würden sich einige Notenbanker sagen, die sich an ihre eigentlichen Aufgaben erinnern würden. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) werde offensichtlich laut über einen Ausstieg aus den Hilfsprogrammen zur Stabilisierung der Eurozone nachgedacht. Ziel müsse es sein, den Ausstieg sukzessive und schonend für die Wirtschaft zu initiieren. In den vergangenen vier Monaten habe die EZB den Banken mehr als 1 Bill. Euro zum "Schnäppchenzins" zur Verfügung gestellt, Staatsanleihen der EU-Krisenländer gekauft und den Leitzins auf den historischen Tiefstand von 1% geschleust. Die EZB möchte es künftig dem europäischen Rettungsschirm überlassen, Anleihen maroder europäischer Staaten zu kaufen und somit die Risiken verlagern. Die EZB warte daher auf die notwendigen Entscheidungen europäischer Politiker.
Die Pessimisten würden allerdings davor warnen, dass man auf eine Entscheidung der Politik lange warten könne. Denn eines sei gewiss: Die Bondkäufe der Zentralbanken würden Risiken für die Bilanzen und die Reputation darstellen. Voraussetzung für einen solchen Beschluss seitens der Politik sei aber, dass man gemeinsam an einem Strang ziehe. Während die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland, Niederlande, Österreich und einigen anderen Ländern eine positive Entwicklung aufzeige, sehe es in Südeuropa weiterhin finster aus. Es sei daher eine gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik notwendig, um diese Ungleichgewichte zu beseitigen. Und das sei Aufgabe der Politik und nicht der EZB.
Die Zeit dränge, denn alleine in 2012 müssten die Länder der Eurozone Anleihen im Volumen von ca. 1,5 Billionen zurückzahlen, deren Refinanzierung gesichert sein müsse. Sollten also die Kapitalmärkte nicht mehr ohne "Stützräder" auskommen, so könne aus der Staatsschuldenkrise schnell eine Bankenkrise werden.
Die Anleger sollten sich den morgigen 23. März rot in Ihrem Kalender anstreichen. Denn da laufe die Frist ab, bis zu der sich die Anleger von griechischen Anleihen, die nach internationalem Recht begeben worden seien, äußern müssten, ob sie sich freiwillig an dem Schuldschnitt beteiligen wollten oder nicht. Bis zum 11. April solle dann der Anleihetausch vollzogen sein. Sollten aber verschiedene Hedgefonds und andere Investorengruppen in einigen internationalen Anleihen so positioniert sein, dass sie über einen Anteil von mehr als 70% verfügen würden, so würden diese nicht freiwillig an dem Schuldenschnitt teilnehmen. Und schon werde es wieder spannend.
Die Regierung in Athen stehe dann wenige Tage vor den Neuwahlen vor der Entscheidung, sich entweder erpressen zu lassen oder sich zu weigern, die Anleihen zu 100% zurückzuzahlen. Diese zweite Variante oder aber die Nichtbedienung der Zinszahlungen würden definitionsgemäß einen Default bewirken. Dabei werde sich der Default allerdings nicht nur auf diese Gattungen beziehen, sondern auf alle ausstehenden griechischen Bonds. Athen werde sich also überlegen müssen, ob es diese Anleihen bediene oder nicht.
Werde die noch amtierende Regierung Griechenlands wegen der noch ausstehenden Altanleihen im Volumen von 18 Mrd. EUR einen Staatsbankrott riskieren oder allen anderen Altgläubigern gegenüber die Zweiklassen-Gesellschaft eingestehen? Es bleibe spannend.
Für den Markt sei es bereits jetzt klar, das nächste Griechenland werde Portugal sein. Obwohl es an den Geldmärkten in Europa nach den beiden Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einer Entspannung gekommen sei, würden die Prämien für Kreditausfallversicherungen Portugals in der Nähe ihrer Rekordhochs verweilen. Nach Ansicht des US-Vermögensverwalters PIMCO werde sich das Krisenland Portugal bereits im laufenden Jahr zu einem zweiten Griechenland entwickeln. Die Fondsmanager seien davon überzeugt, dass sich das erste Rettungspaket als unzureichend herausstellen werde. Eine Äußerung, die von so genannten Experten als Unsinn bezeichnet werde - wie seinerzeit auch die pessimistischen Prognosen über Griechenland. Allein mir fehlt der Glaube, so Klaus Stopp.
Dementsprechend habe der portugiesische Finanzminister Fernando Teixeira umgehend dementiert. Doch dürfte es tatsächlich nur noch eine Frage der Zeit sein, wann Portugal seine EU-Nachbarn um weiteres Geld bitten werde. Nach Schätzungen von Ökonomen werde die Wirtschaftsleistung allein im laufenden Jahr um 3,3% zurückgehen. Das sei der stärkste Einbruch seit den 70er Jahren. Dieses Schrumpfen der Wirtschaft sei die Folge des aufgezwungenen Sparprogramms, das Teil des mit EU und IWF vereinbarten Hilfspakets über 78 Mrd. EUR sei. Zwar seien viele Strukturen anders als in Griechenland, doch wie solle in einer Rezession mit einer Arbeitslosenquote von 14% die Haushaltsverschuldung von über 100% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) abgebaut werden?
Die harten Sparmaßnahmen und der Einbruch der Investitionen hätten die griechische Wirtschaft auf Talfahrt geschickt. Das hätten inzwischen auch führende europäische Politiker erkannt und eingestanden. Sicher sei es richtig gewesen, die Auswüchse zu kappen, aber mit dem Spardruck habe man Griechenland für viele Jahre aller Perspektiven einer nachhaltigen Konjunkturerholung beraubt. Für das laufende Jahr rechne die griechische Notenbank mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4,5%. Das wäre das fünfte Rezessionsjahr in Folge. Innerhalb dieses Zeitraums habe die griechische Wirtschaft ein Fünftel ihrer Wirtschaftsleistung verloren. Auch die Arbeitslosigkeit erreiche mit 22% einen Rekordwert. Unter den 15 bis 29-jährigen seien fast 40% ohne Arbeit. Ein Pulverfass ohne Gleichen.
Am Kapitalmarkt stelle man sich die Frage, ob die Rekordarbeitslosigkeit und die Rezession nicht der Nährboden für das Entstehen extremer Parteien im Vorfeld der im April anstehenden Neuwahlen sein könnte. Schon jetzt würden die Pessimisten (je nach Standpunkt auch die Optimisten) erwarten, dass Griechenland freiwillig und mit dem Einverständnis der Mitgliedsländer aus dem Euroclub austreten werde. Denn ohne massive Abwertung der Währung, könne das Land in Europa nicht konkurrenzfähig werden. Und ohne Wirtschaftswachstum sei keine Besserung in Sicht. Also werde Athen nichts anderes übrig bleiben, als mit einem deutlich reduzierten Schuldenstand den Weg Argentiniens und Uruguays zu beschreiten. Das Ergebnis der Wahl werde diesen Prozess eventuell sogar noch beschleunigen.
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Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
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Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
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Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Lurgiallee 12, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (22.03.2012/alc/a/a)
Die Refinanzierungskosten würden sich weiterhin auf Rekord-Tief befinden. Somit sei es kein Wunder, dass Unternehmen versuchen würden, sich auf lange Sicht Geld zu leihen und somit die Niedrig-Zinsen über mehrere Jahre zu sichern. Noch vor Wochenfrist hätten sich die Unternehmen nicht aus der Deckung gewagt, aber jetzt seien viele Vorstände der Meinung gewesen, die Karte "Corporates sind die besseren Staatsanleihen" spielen zu können.
Durch nachträgliche Veränderung der Anleihebedingungen habe man den solide wirtschaftenden Unternehmen einen großen Gefallen getan. Staatsanleihen würden zwar weiterhin nach Einschätzung der Politiker als krisensicher gelten und seien wegen der bevorzugten Handhabung bezüglich der Eigenkapitalunterlegung auch nicht wegzudenken. Aber bei ca. 1,5 Billionen in 2012 endfälligen Staatsanleihen sollte man vorsichtig mit den Marktteilnehmern umgehen und diesen nicht zuviel zumuten. Eine von Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret geforderte einheitliche CAC-Regelung bei Staatsanleihen habe sicherlich keine beruhigende Wirkung.
Aus deutscher Sicht sei die bereits dritte Bondemission aus dem Hause Daimler (ISIN DE0007100000/ WKN 710000) in 2012 erwähnenswert. Der Autobauer habe sich bis zum Jahre 2019 einen Betrag von 750 Mio. EUR in einer für Privatanleger freundlichen Mindeststückelung von 1.000 EUR zu 2,625% aufnehmen können.
Aber auch der Essener Baukonzern HOCHTIEF (ISIN DE0006070006/ WKN 607000) habe sein Debüt am Anleihemarkt gegeben. Die 500 Mio. EUR große Emission sei bei den Anlegern sehr stark nachgefragt gewesen und habe sich am ersten Handelstag bereits um 1,5% verteuern können. Die jährliche Verzinsung betrage 5,5% und auch hier sei im Hinblick auf viele Privatanleger die kleinste Mindeststückelung von 1.000 EUR gewählt worden. Das Unternehmen HOCHTIEF verfüge über kein Rating.
Das Versandhandelunternehmen OTTO GmbH habe eine kleine Anleihe über 150 Mio. EUR bei einer Laufzeit von fünf Jahren emittiert. Aber auch andere Gesellschaften hätten die Gunst der Stunde genutzt. So sei unter anderem die neue Anleihe des Pharmakonzerns Roche (ISIN CH0012032113/ WKN 851311) (A+) sehr gefragt gewesen. Der Konzern gelte als sehr sicheres Bondinvestment und müsse daher jährlich lediglich 2,00% Zinsen für ca. sechs Jahre zahlen. Die Zeit mache erfinderisch und es gelte die Gunst der Stunde zu nutzen.
Für sieben Jahre und 1,25 Mrd. EUR zahle der Elektrotechnikkonzern ABB (ISIN CH0012221716/ WKN 919730) seinen Anlegern einen Kupon von 2,625%. Bei einer Mindeststückelung von 100.000 EUR sei die Schuldverschreibung allerdings eher für institutionelle Kunden geeignet.
Der französische Baukonzern VINCI (ISIN FR0000125486/ WKN 867475) (Baa1) habe seinen Investoren jährlich 3,375% Zinsen geboten, um sich für acht Jahre verschulden zu dürfen. Und für 10-jährige Anleihen habe das australische Telekommunikationsunternehmen Telstra (ISIN AU000000TLS2/ WKN 909947) (A2/A ) einen Kupon in Höhe von 3,5% und der französische Industriekonzern Saint-Gobain (ISIN FR0000125007/ WKN 872087) (Baa2) in Höhe von 3,625% ausgelobt. Für 15 Jahre habe Veolia Environnement (ISIN FR0000124141/ WKN 501451) für 750 Mio. EUR 4,625% p.a. zahlen müssen.
Genug sei genug. Das würden sich einige Notenbanker sagen, die sich an ihre eigentlichen Aufgaben erinnern würden. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) werde offensichtlich laut über einen Ausstieg aus den Hilfsprogrammen zur Stabilisierung der Eurozone nachgedacht. Ziel müsse es sein, den Ausstieg sukzessive und schonend für die Wirtschaft zu initiieren. In den vergangenen vier Monaten habe die EZB den Banken mehr als 1 Bill. Euro zum "Schnäppchenzins" zur Verfügung gestellt, Staatsanleihen der EU-Krisenländer gekauft und den Leitzins auf den historischen Tiefstand von 1% geschleust. Die EZB möchte es künftig dem europäischen Rettungsschirm überlassen, Anleihen maroder europäischer Staaten zu kaufen und somit die Risiken verlagern. Die EZB warte daher auf die notwendigen Entscheidungen europäischer Politiker.
Die Pessimisten würden allerdings davor warnen, dass man auf eine Entscheidung der Politik lange warten könne. Denn eines sei gewiss: Die Bondkäufe der Zentralbanken würden Risiken für die Bilanzen und die Reputation darstellen. Voraussetzung für einen solchen Beschluss seitens der Politik sei aber, dass man gemeinsam an einem Strang ziehe. Während die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland, Niederlande, Österreich und einigen anderen Ländern eine positive Entwicklung aufzeige, sehe es in Südeuropa weiterhin finster aus. Es sei daher eine gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik notwendig, um diese Ungleichgewichte zu beseitigen. Und das sei Aufgabe der Politik und nicht der EZB.
Die Zeit dränge, denn alleine in 2012 müssten die Länder der Eurozone Anleihen im Volumen von ca. 1,5 Billionen zurückzahlen, deren Refinanzierung gesichert sein müsse. Sollten also die Kapitalmärkte nicht mehr ohne "Stützräder" auskommen, so könne aus der Staatsschuldenkrise schnell eine Bankenkrise werden.
Die Anleger sollten sich den morgigen 23. März rot in Ihrem Kalender anstreichen. Denn da laufe die Frist ab, bis zu der sich die Anleger von griechischen Anleihen, die nach internationalem Recht begeben worden seien, äußern müssten, ob sie sich freiwillig an dem Schuldschnitt beteiligen wollten oder nicht. Bis zum 11. April solle dann der Anleihetausch vollzogen sein. Sollten aber verschiedene Hedgefonds und andere Investorengruppen in einigen internationalen Anleihen so positioniert sein, dass sie über einen Anteil von mehr als 70% verfügen würden, so würden diese nicht freiwillig an dem Schuldenschnitt teilnehmen. Und schon werde es wieder spannend.
Die Regierung in Athen stehe dann wenige Tage vor den Neuwahlen vor der Entscheidung, sich entweder erpressen zu lassen oder sich zu weigern, die Anleihen zu 100% zurückzuzahlen. Diese zweite Variante oder aber die Nichtbedienung der Zinszahlungen würden definitionsgemäß einen Default bewirken. Dabei werde sich der Default allerdings nicht nur auf diese Gattungen beziehen, sondern auf alle ausstehenden griechischen Bonds. Athen werde sich also überlegen müssen, ob es diese Anleihen bediene oder nicht.
Für den Markt sei es bereits jetzt klar, das nächste Griechenland werde Portugal sein. Obwohl es an den Geldmärkten in Europa nach den beiden Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einer Entspannung gekommen sei, würden die Prämien für Kreditausfallversicherungen Portugals in der Nähe ihrer Rekordhochs verweilen. Nach Ansicht des US-Vermögensverwalters PIMCO werde sich das Krisenland Portugal bereits im laufenden Jahr zu einem zweiten Griechenland entwickeln. Die Fondsmanager seien davon überzeugt, dass sich das erste Rettungspaket als unzureichend herausstellen werde. Eine Äußerung, die von so genannten Experten als Unsinn bezeichnet werde - wie seinerzeit auch die pessimistischen Prognosen über Griechenland. Allein mir fehlt der Glaube, so Klaus Stopp.
Dementsprechend habe der portugiesische Finanzminister Fernando Teixeira umgehend dementiert. Doch dürfte es tatsächlich nur noch eine Frage der Zeit sein, wann Portugal seine EU-Nachbarn um weiteres Geld bitten werde. Nach Schätzungen von Ökonomen werde die Wirtschaftsleistung allein im laufenden Jahr um 3,3% zurückgehen. Das sei der stärkste Einbruch seit den 70er Jahren. Dieses Schrumpfen der Wirtschaft sei die Folge des aufgezwungenen Sparprogramms, das Teil des mit EU und IWF vereinbarten Hilfspakets über 78 Mrd. EUR sei. Zwar seien viele Strukturen anders als in Griechenland, doch wie solle in einer Rezession mit einer Arbeitslosenquote von 14% die Haushaltsverschuldung von über 100% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) abgebaut werden?
Die harten Sparmaßnahmen und der Einbruch der Investitionen hätten die griechische Wirtschaft auf Talfahrt geschickt. Das hätten inzwischen auch führende europäische Politiker erkannt und eingestanden. Sicher sei es richtig gewesen, die Auswüchse zu kappen, aber mit dem Spardruck habe man Griechenland für viele Jahre aller Perspektiven einer nachhaltigen Konjunkturerholung beraubt. Für das laufende Jahr rechne die griechische Notenbank mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4,5%. Das wäre das fünfte Rezessionsjahr in Folge. Innerhalb dieses Zeitraums habe die griechische Wirtschaft ein Fünftel ihrer Wirtschaftsleistung verloren. Auch die Arbeitslosigkeit erreiche mit 22% einen Rekordwert. Unter den 15 bis 29-jährigen seien fast 40% ohne Arbeit. Ein Pulverfass ohne Gleichen.
Am Kapitalmarkt stelle man sich die Frage, ob die Rekordarbeitslosigkeit und die Rezession nicht der Nährboden für das Entstehen extremer Parteien im Vorfeld der im April anstehenden Neuwahlen sein könnte. Schon jetzt würden die Pessimisten (je nach Standpunkt auch die Optimisten) erwarten, dass Griechenland freiwillig und mit dem Einverständnis der Mitgliedsländer aus dem Euroclub austreten werde. Denn ohne massive Abwertung der Währung, könne das Land in Europa nicht konkurrenzfähig werden. Und ohne Wirtschaftswachstum sei keine Besserung in Sicht. Also werde Athen nichts anderes übrig bleiben, als mit einem deutlich reduzierten Schuldenstand den Weg Argentiniens und Uruguays zu beschreiten. Das Ergebnis der Wahl werde diesen Prozess eventuell sogar noch beschleunigen.
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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (22.03.2012/alc/a/a)
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