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Rentenmarkt: Renditen der entwickelten Länder geben nach
17.08.18 10:30
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Und da war er wieder - der Moment, in dem Donald Trump alle überrascht, so Alexander Lokat bei der Weberbank.
Nach den sich zuletzt hochschaukelnden politischen Anfeindungen zwischen den USA und der Türkei und damit verbundenen wechselseitigen Sanktionen habe Donald Trump am 10. August die nächste Karte gezogen: Er habe die bereits bestehenden Zölle auf Importe von Stahl und Aluminium aus der Türkei verdoppelt.
Eigentlich sollte diese Entscheidung wirtschaftlich keinen massiven Einfluss auf die Türkei haben, weil der Anteil der Stahl- und Aluminiumexporte in die USA relativ zu den Gesamtexporten gering sei, wäre da nicht das Problem der Türkei, trotz stetigen Wirtschaftswachstums fundamental vor einigen Herausforderungen zu stehen. Das Land importiere regelmäßig mehr als es exportiere und müsse dies durch ausländische Kreditgeber und Investoren finanzieren. Das gehe in der Regel so lange gut, bis das Vertrauen in die heimische Wirtschaft und Währung sinke.
Seit dem Putschversuch vor zwei Jahren sei die Türkei von politscher Unsicherheit geprägt. Zuletzt sei durch die Errichtung der Präsidialherrschaft zusätzlich noch die Unabhängigkeit einzelner wichtigen Institutionen infrage gestellt worden. Und genau jetzt sei die türkische Notenbank wegen fehlender Souveränität ins Kreuzfeuer geraten. Marktteilnehmer hätten vermisst, dass man dem Verfall der Währung z.B. durch geeignete Zinserhöhungen effektiv entgegensteuere und sich somit unabhängig und kontrovers zur Meinung Erdogans positioniere. Eine Konsequenz aus den US-Zöllen sei der Boykott von US-Elektronikprodukten. Ob das helfe oder eher noch mehr Öl ins Feuer gieße, sei fraglich. Faktum sei, seit Jahresanfang habe die Türkische Lira nun fast 40 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. Die hohe Verschuldung in Auslandswährung werde daher für türkische Unternehmen zu einem Problem, denn durch die Abwertung der Lira würden die Rückzahlungsverpflichtungen steigen.
Bei der ganzen Aufregung um die Türkei ging fast unter, dass das deutsche Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal anzog und uns ein positives Signal für die inländische Entwicklung gab, so die Analysten der Weberbank. Nach Ansicht der Analysten sollte das Wirtschaftswachstum sowohl in Deutschland als auch in Europa weiterhin moderat zulegen. Allerdings seien die Auswirkungen des Verfalls der Türkischen Lira auch aufgrund der zahlreichen Verflechtungen der internationalen Handelspartner untereinander schwer analysierbar, sodass derzeit mit einer gewissen Unsicherheit am Kapitalmarkt gerechnet werden müsse.
Diese Unsicherheit an den Kapitalmärkten habe sich auch in den Renditen der 10-jährigen deutschen und amerikanischen Staatsanleihen widergespiegelt, die zuletzt nachgegeben hätten. Dies sei ein deutliches Zeichen dafür, dass die aktuelle Situation in der Türkei eben doch ein Szenario sei, auf das die Marktteilnehmer reagieren würden. Zur Verdeutlichung: Der Risikoaufschlag der fünfjährigen türkischen Staatsanleihen gegenüber den deutschen weise derzeit ein Niveau wie auf dem Hoch der Finanzkrise von 2009 auf. Auch andere Regionen der Schwellenländer wie Südafrika oder Lateinamerika hätten sich dem Anstieg der Risikoprämien zuletzt nicht entziehen können. Für die Schwellenländer ein erneuter Rückschlag, denn der anhaltenden Protektionismus der Amerikaner belaste bereits. Unter der Annahme, dass sich die politische Lage nicht weiter verschlechtert, gehen wir dennoch mittelfristig davon aus, dass die Renditen der deutschen Bundesanleihen wieder moderat ansteigen, so die Analysten der Weberbank.
Die Berichtssaison in den USA, Europa und Japan befinde sich aktuell in den letzten Zügen. Die Ergebnisse seien gemischt gewesen. In den USA haben die Unternehmen unsere Erwartungen erfüllt und meist sogar nochmal übertroffen, so die Analysten der Weberbank. Daher würden die Analysten den amerikanischen Unternehmen aufgrund der brillanten Ergebnisse mit ca. 25 Prozent Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr die Schulnote "eins" geben. Und auch in die Zukunft blickend sehen wir die USA derzeit als den stabilsten und attraktivsten Markt an, so die Analysten der Weberbank.
Charttechnisch gebe auch der S&P 500 ein wesentlich besseres Bild als der DAX ab, bei dem es sich ein bisschen eingetrübt habe. Ein Grund dafür sei auch, dass die deutschen Unternehmen insgesamt nicht so deutlich hätten überraschen können wie die Konkurrenz aus den USA. Zusätzlich laste derzeit die angespannte Situation der Türkei auf Europa, was zuletzt die Kurse unter Druck gesetzt habe. Besonderes Augenmerk sei dabei auf vereinzelte Banken aus Frankreich oder Spanien gerichtet, die durch ihr direktes Engagement in der Türkei auffallen würden.
Abseits der in den Nachrichten dominierenden Meldungen über europäische und amerikanische Unternehmen hätten vor allem die japanischen Unternehmen besonders gute Ergebnisse berichten und alle Erwartungen übertreffen können. Die japanische Wirtschaft sei nach einem kurzen Rückschlag im ersten Quartal wieder auf Wachstumskurs, und die Unternehmen würden weiterhin Geld verdienen. Wir glauben, dass gerade der japanische Aktienmarkt noch einiges an Überraschungspotenzial für die zweite Jahreshälfte zu bieten hat, sollte sich das globale Umfeld nicht weiter eintrüben, so die Analysten der Weberbank. (17.08.2018/alc/a/a)
Nach den sich zuletzt hochschaukelnden politischen Anfeindungen zwischen den USA und der Türkei und damit verbundenen wechselseitigen Sanktionen habe Donald Trump am 10. August die nächste Karte gezogen: Er habe die bereits bestehenden Zölle auf Importe von Stahl und Aluminium aus der Türkei verdoppelt.
Eigentlich sollte diese Entscheidung wirtschaftlich keinen massiven Einfluss auf die Türkei haben, weil der Anteil der Stahl- und Aluminiumexporte in die USA relativ zu den Gesamtexporten gering sei, wäre da nicht das Problem der Türkei, trotz stetigen Wirtschaftswachstums fundamental vor einigen Herausforderungen zu stehen. Das Land importiere regelmäßig mehr als es exportiere und müsse dies durch ausländische Kreditgeber und Investoren finanzieren. Das gehe in der Regel so lange gut, bis das Vertrauen in die heimische Wirtschaft und Währung sinke.
Seit dem Putschversuch vor zwei Jahren sei die Türkei von politscher Unsicherheit geprägt. Zuletzt sei durch die Errichtung der Präsidialherrschaft zusätzlich noch die Unabhängigkeit einzelner wichtigen Institutionen infrage gestellt worden. Und genau jetzt sei die türkische Notenbank wegen fehlender Souveränität ins Kreuzfeuer geraten. Marktteilnehmer hätten vermisst, dass man dem Verfall der Währung z.B. durch geeignete Zinserhöhungen effektiv entgegensteuere und sich somit unabhängig und kontrovers zur Meinung Erdogans positioniere. Eine Konsequenz aus den US-Zöllen sei der Boykott von US-Elektronikprodukten. Ob das helfe oder eher noch mehr Öl ins Feuer gieße, sei fraglich. Faktum sei, seit Jahresanfang habe die Türkische Lira nun fast 40 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. Die hohe Verschuldung in Auslandswährung werde daher für türkische Unternehmen zu einem Problem, denn durch die Abwertung der Lira würden die Rückzahlungsverpflichtungen steigen.
Diese Unsicherheit an den Kapitalmärkten habe sich auch in den Renditen der 10-jährigen deutschen und amerikanischen Staatsanleihen widergespiegelt, die zuletzt nachgegeben hätten. Dies sei ein deutliches Zeichen dafür, dass die aktuelle Situation in der Türkei eben doch ein Szenario sei, auf das die Marktteilnehmer reagieren würden. Zur Verdeutlichung: Der Risikoaufschlag der fünfjährigen türkischen Staatsanleihen gegenüber den deutschen weise derzeit ein Niveau wie auf dem Hoch der Finanzkrise von 2009 auf. Auch andere Regionen der Schwellenländer wie Südafrika oder Lateinamerika hätten sich dem Anstieg der Risikoprämien zuletzt nicht entziehen können. Für die Schwellenländer ein erneuter Rückschlag, denn der anhaltenden Protektionismus der Amerikaner belaste bereits. Unter der Annahme, dass sich die politische Lage nicht weiter verschlechtert, gehen wir dennoch mittelfristig davon aus, dass die Renditen der deutschen Bundesanleihen wieder moderat ansteigen, so die Analysten der Weberbank.
Die Berichtssaison in den USA, Europa und Japan befinde sich aktuell in den letzten Zügen. Die Ergebnisse seien gemischt gewesen. In den USA haben die Unternehmen unsere Erwartungen erfüllt und meist sogar nochmal übertroffen, so die Analysten der Weberbank. Daher würden die Analysten den amerikanischen Unternehmen aufgrund der brillanten Ergebnisse mit ca. 25 Prozent Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr die Schulnote "eins" geben. Und auch in die Zukunft blickend sehen wir die USA derzeit als den stabilsten und attraktivsten Markt an, so die Analysten der Weberbank.
Charttechnisch gebe auch der S&P 500 ein wesentlich besseres Bild als der DAX ab, bei dem es sich ein bisschen eingetrübt habe. Ein Grund dafür sei auch, dass die deutschen Unternehmen insgesamt nicht so deutlich hätten überraschen können wie die Konkurrenz aus den USA. Zusätzlich laste derzeit die angespannte Situation der Türkei auf Europa, was zuletzt die Kurse unter Druck gesetzt habe. Besonderes Augenmerk sei dabei auf vereinzelte Banken aus Frankreich oder Spanien gerichtet, die durch ihr direktes Engagement in der Türkei auffallen würden.
Abseits der in den Nachrichten dominierenden Meldungen über europäische und amerikanische Unternehmen hätten vor allem die japanischen Unternehmen besonders gute Ergebnisse berichten und alle Erwartungen übertreffen können. Die japanische Wirtschaft sei nach einem kurzen Rückschlag im ersten Quartal wieder auf Wachstumskurs, und die Unternehmen würden weiterhin Geld verdienen. Wir glauben, dass gerade der japanische Aktienmarkt noch einiges an Überraschungspotenzial für die zweite Jahreshälfte zu bieten hat, sollte sich das globale Umfeld nicht weiter eintrüben, so die Analysten der Weberbank. (17.08.2018/alc/a/a)


