Erweiterte Funktionen

Rentenmarkt: Neue Rekordhochs? Investiert bleiben!


25.07.14 12:44
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Analysten der Weberbank fragen sich, ob die alte Börsenregel "Sell in May and go away" doch gilt.

Immerhin habe der Deutsche Aktienindex Ende Mai und auch in den Juni hinein noch mit neuen Höchstständen gerungen. Seitdem jedoch verliere er Schritt für Schritt an Boden. Für jede vermeintliche Börsenweisheit könne auch eine Begründung herbeigezaubert werden. In diesem Fall würden häufig die in den Sommermonaten geringeren Umsätze angeführt. Sinke die Handelsaktivität, würden auch kleinere Transaktionen ausreichen, um den Märkten einen Impuls in die eine oder andere Richtung zu geben. Auch in diesem Jahr seien seit Juni weniger Umsätze festzustellen. Dies allein reiche jedoch nicht aus, die Stimmung müsse sich ebenso bewegen.

Und in der Tat habe sich ein wenig Skepsis ausgebreitet. Neben der politischen und nun auch menschlichen Brisanz der Krisen in Osteuropa und Nahost hätten schwache Wirtschaftsimpulse für Unsicherheit gesorgt. Ein Beispiel: Einer der wohl am intensivsten beobachteten Indikatoren für die Konjunkturentwicklung in Deutschland sei der ifo-Index. Auch hier gelte eine grobe Daumenregel: Falle der ifo drei Mal in Folge, so deute dieser eine Richtungsänderung an. Im Mai sei er gesunken und im Juni ebenso. Ein weiterer Rückgang im Juli würde daher auf eine Abschwächung der zuletzt erfreulichen Entwicklung in Deutschland deuten und damit auch für die Dynamik der gesamten Währungsunion.

Aber eine Abschwächung sei eben nicht gleichzusetzen mit einem Rückfall in eine Rezession. Im Gegenteil: Eine Korrektur war nach Erachten der Analysten der Weberbank sogar längst überfällig. Die Vorschusslorbeeren für den Wirtschaftsaufschwung seien einfach schon zu hoch gewesen. Wichtig sei, dass sich die Normalisierung nicht in eine ausgeprägte negative Erwartungshaltung wandle und die Unternehmen anfangen würden, Investitionen zurückzustellen. Stand heute würden die Analysten dies nicht sehen und bereits bei den kommenden Daten wieder Verbesserungen erwarten. Übersetzt in die Aktienmarktmeinung der Analysten der Weberbank bedeutet dies, grundsätzlich investiert zu bleiben. Die aktuelle Korrektur sollte jedoch genau beobachtet werden, sodass im Fall der Fälle kurzfristig Liquidität geschaffen werden könne.

Auch auf die Gefahr hin, dass der geneigte Leser sie für verrückt erklärt, aber am Rentenmarkt würden die Analysten der Weberbank derzeit noch investiert bleiben. In ihren vorhergehenden Publikationen hätten die Analysten recht ausführlich über die Gründe für die niedrigen Renditen gesprochen. Nur zur Erinnerung: Die Hauptargumente waren und sind die rückläufigen Inflationserwartungen und eine noch lockere Geldpolitik der EZB mit möglicherweise weiteren Anleihekäufen, so die Analysten der Weberbank.

Die aktuelle wirtschaftliche Unsicherheit unterstütze nun auch noch zusätzlich. Langlaufende öffentliche Anleihen seien auf dem Weg, neue Rekorde zu erklimmen. Wer hätte das gedacht? Auch wenn die Analysten von einem freundlichen Umfeld für festverzinsliche Papiere ausgegangen seien, seien die aktuellen Bewegungen selbst in ihren optimistischsten Szenarien nicht erwartet worden. Selbst die sichersten Anleihen würden seit Jahresanfang einen durchschnittlichen Gesamtertrag von über 4 Prozent ausweisen. Aber sei dies auch für das zweite Halbjahr so fortzuschreiben? Nach Erachten der Analysten nicht. Zumindest unter der Bedingung, dass Europa nicht wieder in eine Rezession zurückfalle. Und das erwarte man nicht.

Warum empfehlen die Analysten der Weberbank dennoch derzeit investiert zu bleiben? Erstens sei es nicht klar auszumachen, wie lange die Unsicherheit, insbesondere die politische, noch anhalte. Zweitens werde die Europäische Zentralbank an ihrer lockeren Geldpolitik noch lange festhalten. Und Drittens, und das sei für die Analysten das schwerwiegendste Argument, könne man derzeit keinerlei Inflationsdruck feststellen. Daher sollten Anleihen mit kurzer Restlaufzeit auf dem niedrigen Niveau verharren. Mit zunehmender Fristigkeit dürfte die Schwankungsbreite der Preisbewegungen zunehmen, aber eben nicht signifikant negativ werden. Die Empfehlung bleibe, den Fokus auf mittlere Laufzeiten zwischen vier und sieben Jahren zu legen.

Von einem Segment sind die Analysten der Weberbank jedoch ein wenig enttäuscht: Allem Unbehagen zum Trotz konnte der Goldpreis nicht durchstarten und seine Seitwärtsbewegung verlassen. Gelte doch das Gold als eigentliche Krisenwährung, sodass spätestens mit dem noch ungeklärten Flugzeugunglück über der Ostukraine der Preis hätte steigen sollten. Was hemme den Goldpreis? Eine eindeutige Erklärung gebe es hierfür nicht. Jedoch seien zwei Bremsklötze auszumachen: Die Erwartung an steigende Zinsen in den USA und die niedrigen Inflationserwartungen. Beide dürften auf kurzfristige Sicht die Perspektiven noch dämpfen. Ein Verfall des Goldpreises sollte jedoch nicht drohen, sodass es als strategische Schutzposition gegen einen sprunghaften Inflationsanstieg in den kommenden Jahren haltenswert sei. (25.07.2014/alc/a/a)