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Rentenmarkt: Fixed-Income-Anleger haben es schwer


23.04.14 13:47
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - In den letzten Monaten war es schwierig, attraktive Rentenmarktsektoren zu finden, berichten die Experten von MFS Investment Management.

Die lange Zeit außergewöhnlich niedrigen Zinsen sollten nun im Zuge der Konjunkturerholung sowie der geldpolitischen Normalisierung steigen. Die Kursverluste seien dann auf sehr zinssensitiven Märkten höher als die Couponerträge gewesen. An den meisten Credit-Märkten seien die Spreads wieder so niedrig wie vor der Krise, sodass selbst höher rentierende Anleihen relativ wenig Schutz gegen steigende Zinsen bieten würden. Rentenanleger hätten es derzeit also nicht leicht. Kein Marktsegment erscheine besonders günstig bewertet. Bei den Einzelwerten kommt es auf eine sorgfältige Auswahl an, denn die Investoren scheinen zunehmend die Spreu vom Weizen zu trennen, so die Experten von MFS Investment Management.

Im Folgenden würden die Experten die Hauptargumente für ihre Über- oder Untergewichtung der großen Rentenmarktsektoren gegenüber ihrer neutralen Positionierung (MFS verwende oft Indices als neutrale Investments) zusammenfassen. Da uns einige Teilsektoren attraktiver als andere erscheinen, gehen wir auch auf unsere Positionierung innerhalb der Sektoren ein, so die Experten von MFS Investment Management. Eines sollte jedoch jeder Anleger berücksichtigen: Diversifikation - und damit eine gute Verteilung der Risiken - seien besonders wichtig.

Die Experten würden nach wie vor Credits bevorzugen. Staatsanleihen könnten aber bei einer Eskalation der weltpolitischen Spannungen von einer Flucht in sichere Häfen profitieren. Am wahrscheinlichsten sei allerdings, dass der Aufschwung und die Normalisierung der US-Geldpolitik mit der Zeit weltweit die Renditen steigen lassen würden. Im Fokus der Experten stehe der Euroraum, wo die Zinsen noch länger niedrig bleiben dürften und die Geldpolitik weiter gelockert werden könnte. Daneben seien Industrieländer interessant, deren Staatsanleihen nur geringfügig mit US-Staatsanleihen korrelieren würden.

Im Basisszenario der Experten von MFS Investment Management wird das US-Wachstum bald über dem Trendwachstum liegen, obwohl das Tapering fortgesetzt wird und die Renditen der immer noch teuren amerikanischen Staatsanleihen steigen. Man stelle sich die Frage, was aber geschehe, wenn die jüngste Wachstumsabschwächung nicht nur wetterbedingt gewesen sei. Das Tapering wirke offenbar am stärksten auf den zwei- bis zehnjährigen Laufzeitenbereich, während Langläufer weniger reagieren und die Kurzfristzinsen nach wie vor der Kontrolle der FED unterliegen würden.

Agency-MBS würden stabilere Spreads und eine höhere Liquidität als Unternehmensanleihen bieten. Allerdings sei der Sektor aufgrund der Käufe der FED fundamental überbewertet. CMBS seien möglicherweise günstiger bewertet als Agency-MBS und würden ein attraktives Spread/Duration-Verhältnis (also eine ordentliche Mehrrendite für das Zinsrisiko) bieten, aber zum Preis höherer Volatilität und geringerer Liquidität. Im MBS-Bereich würden die Experten Titel mit hohen Coupons und relativ kurzer Duration sowie Papiere von Fannie Mae favorisieren. Meiden würden sie dagegen MBS mit niedrigem Coupon und längerer Duration.

Investmentgrade-Unternehmensanleihen würden normalerweise einen relativ stabilen Zinsvorteil gegenüber Staatsanleihen bieten. Ihre fundamentale Attraktivität habe zwar ihren Höhepunkt überschritten, sei aber immer noch beachtlich. Neuemissionen seien auf rege Nachfrage gestoßen. Allerdings würden die relativ engen Spreads nur einen leichten Zinsanstieg kompensieren. Zudem sei eine Spreadausweitung wahrscheinlicher als eine Spreadverengung. Die Favoriten der Experten seien ausgewählte BBB-Industrieanleihen, Finanzanleihen mit A-Rating und Crossovers, die aus fundamentaler Sicht ein klares Investmentgrade-Rating verdienen würden. Große Vorsicht sei bei den hohen Bewertungen in den obersten Ratingkategorien der Investmentgrade-Unternehmensanleihen geboten.

Bei weiterhin niedriger Volatilität könnten High-Yield-Anleihen dank ihrer hohen Coupons 2014 erneut überdurchschnittlich abschneiden. Dies gelte umso mehr, als die Ausfallquoten im Vergangenheitsvergleich immer noch niedrig seien. Allerdings sei die Bewertung wegen der hohen Kurse und niedriger Renditen ziemlich ausgereizt. Die Experten von MFS Investment Management bevorzugen BB-Anleihen mit der Aussicht auf eine bessere Einstufung, während die unteren Rating-Kategorien am stärksten gefährdet zu sein scheinen.

Verglichen mit anderen Credits erscheinen Emerging Markets-Anleihen recht attraktiv, so die Experten von MFS Investment Management. Ihre Spreads seien hoch genug, um höhere US-Renditen auszugleichen. Andererseits würden die Zinsen in den Emerging Markets steigen und nach wie vor fließe Kapital ab. Das Wirtschaftswachstum habe enttäuscht und die nötigen Anpassungen könnten einige Emerging Markets in die Rezession stürzen. Auch Emerging Markets-Anleihen würden ein selektives, fundamental begründetes Vorgehen erfordern.

Auf US-Dollar lautende Staats- und Unternehmensanleihen hätten in der Regel besser abgeschnitten als Lokalwährungsanleihen. Indonesien und Indien scheinen sich zu stabilisieren, aber bei Russland und den "schrecklichen Drei", der Ukraine, Argentinien und Venezuela, sind die Experten von MFS Investment Management vorsichtig.

Staatsanleihen hätten höhere Nachsteuerrenditen als steuerpflichtige Unternehmensanleihen vergleichbarer Bonität und Laufzeit. Zudem stütze das geringe Neuemissionsvolumen die Kurse. Da die Zinsen steigen würden, sei allerdings die vergleichsweise lange Duration zu bedenken. Darüber hinaus bestünden nach wie vor rechtliche und regulatorische Risiken sowie ungedeckte Pensionsverpflichtungen der Emittenten.

Wegen der stabilen Cashflows würden die Experten von öffentlichen Infrastrukturbetreibern begebene Essential Service Revenue Bonds bevorzugen. Auf der Bonitätsskala würden sie Titel mit niedrigem Investmentgrade-Rating favorisieren und von Bundesstaaten oder Kommunen emittierte General Obligation Bonds meiden, die der allgemeinen Deckung öffentlicher Ausgaben dienen würden und möglicherweise nicht mehr so sicher seien wie einst angenommen. (23.04.2014/alc/a/a)