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Rentenmärkte mit vereinzelten Opportunitäten


14.04.22 17:30
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Auch zu Ostern bestimmt der Ukraine-Krieg die Nachrichtenlage, so die Analysten der Weberbank.

Warum die westliche Staatengemeinschaft genauso in einem Dilemma stecke wie die Notenbanken, könne in der heutigen Ausgabe von Finanzmarkt aktuell erfahren werden.

Leider könne man auch in der Karwoche, die im Christentum die Gläubigen auf das Leid und Sterben Jesu einstimme und in der frohen Botschaft der Auferstehung münde, keine positiven Neuigkeiten vom Krieg in der Ukraine berichten. Im Gegenteil. Die Auswirkungen des völkerrechtswidrigen Angriffs auf das Land würden sich von Woche zu Woche verschärfen, und es sei kein Ende in Sicht. Neben dem unvorstellbaren humanitären Leid in der Ukraine, das wohl an keinem von uns spurlos vorbeigeht, spürt die restliche Welt die Auswirkungen vor allem in Form von gestiegenen Preisen für Rohstoffe und nun auch für Lebensmittel, so die Analysten der Weberbank. Das Gespenst der Stagflation mache die Runde. Dieser Begriff bezeichne die unselige Mischung aus stagnierendem Wirtschaftswachstum und gleichzeitig steigenden Preisen.

Noch würden die Analysten erwarten, dass die großen und relevanten internationalen Volkswirtschaften auch im Jahr 2022 mit rund drei Prozent wachsen würden. Doch die Wachstumsrisiken würden mit jeder Woche zunehmen, die der Krieg andauere und in der neue Sanktionen beschlossen würden. Die europäischen Volkswirtschaften, allen vorweg die deutsche, seien besonders vulnerabel, sollten russisches Gas und Öl ausbleiben. Dieses Szenario sei mittlerweile nicht mehr unrealistisch. Russland werde allem Anschein nach - ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung - seine militärischen und politischen Ziele in der Ukraine durchsetzen wollen und somit die westliche Staatengemeinschaft dazu zwingen, weitere Sanktionen auf den Weg zu bringen.

Nach dem nun beschlossenen Embargo gegen russische Kohle ab August ist der Boykott von Öl und dem für uns nach wie vor so wichtigen Gas vermutlich nur noch eine Frage der Zeit, so die Analysten der Weberbank. Auch ein Lieferstopp seitens Russlands als Vergeltung für die zahlreichen Sanktionen sei denkbar. Käme es dazu, hätte dies deutlich negative Auswirkungen auf die Wirtschaft, vor allem in Europa. Die westliche Staatengemeinschaft sei somit in einem Dilemma, eine Entscheidung treffen zu müssen zwischen klarer Positionierung gegen den russischen Angriff und dem wirtschaftlichen Preis, den man letztendlich dafür zahlen müsse.

In einem ähnlichen Dilemma seien mehr und mehr auch die Notenbanker. Ihre Aufgabe sei in erster Linie, die Geldwertstabilität zu gewährleisten, also die Inflation im Zaum zu halten. Dafür sei das Mittel der Wahl eine Erhöhung der Zinsen. Die beiden wichtigen Zentralbanken EZB (Europäische Zentralbank) und die FED (US-Notenbank) hätten die Märkte angesichts der Inflation, die sich auf einem 40-Jahreshoch befinde, bereits auf ein Ende der lockeren Geldpolitik der letzten Jahre eingestimmt. Die FED habe sogar bereits angefangen, die Zinsen anzuheben. Diese Maßnahmen sollten im Normalfall die Geldentwertung einfangen und somit die Wirtschaft vor einer Überhitzung bewahren. Doch ausgerechnet jetzt bremsen sie die Wirtschaftsaktivität zusätzlich, da wir aufgrund der Sanktionen möglicherweise in eine schwache Wirtschaftsphase eintreten werden, so die Analysten der Weberbank. Im schlimmsten Fall drohe in einigen Ländern eine Rezession. Der Handlungsspielraum der EZB wäre dann begrenzt, möchte sie der Wirtschaft nicht zusätzlich schaden.

Die Nominalrenditen diesseits und jenseits des Atlantiks seien in den vergangenen Wochen aus den geschilderten Gründen spürbar angestiegen, was zu Verlusten am Rentenmarkt geführt habe. Aus Sicht der Analysten könnten sich erste Opportunitäten bei Anleihen ergeben, wenn die wirtschaftlichen Risiken adäquat eingepreist seien. Derzeit würden die Analysten aber noch Renten mit einer geringen Restlaufzeit sowie variabel verzinsliche Papiere bevorzugen. Beide Anlageinstrumente seien vor weiter steigenden Zinsen weitestgehend immun.

Interessant seien zunehmend auch US-Anleihen, da das Zinsniveau in den USA deutlich höher und somit attraktiver sei. So würden beispielsweise US-Anleihen mit Laufzeiten bis zu zwei Jahren selbst in Euro währungsgesichert eine Rendite von mittlerweile ca. 1,5% ausweisen. Für durch Negativzinsen geplagte Investoren würden sich somit langsam wieder Anlagemöglichkeiten eröffnen.

Am Aktienmarkt herrsche naturgemäß Nervosität. Dabei stehe eine Vielzahl der Unternehmen gar nicht schlecht da. In Krisenzeiten sei es als Aktionär wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich keinesfalls von Emotionen leiten zu lassen. Vielmehr sollte das Portfolio die Erwartung an die künftige Wirtschaftsentwicklung spiegeln. Die Analysten würden aktuell zwar eine stärkere Belastung der europäischen Wirtschaft, aber keine Rezession, und ein stabileres Wachstum in den USA bei fortgesetzt hoher globaler Inflation erwarten. Historisch hätten sich in vergleichbaren Phasen Unternehmen aus defensiven Branchen aber auch IT-Werte mit soliden Bilanzen und Geschäftsmodellen besser als der Gesamtmarkt entwickelt. Auch Energietitel hätten sich häufig überdurchschnittlich gezeigt. Die Analysten würden daher aktuell Aktien aus diesen Segmenten präferieren. Zyklische Branchen hätten sich hingegen anfälliger gezeigt und würden von den Analysten aktuell weniger bevorzugt. (14.04.2022/alc/a/a)