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Rentenmärkte: niedrige Renditen infolge der Unsicherheiten in der Eurozone


08.06.12 16:01
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Der Renditeverfall an den Rentenmärkten für sichere Staatsanleihen scheint kein Ende zu finden, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

In Deutschland, den USA und in Großbritannien würden sich derzeit die Renditen im Staatsanleihesektor auf einem historisch niedrigen Niveau befinden. Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit hätten zuletzt mit weniger als 1,2 Prozent wiederholt eine neue Rekordmarke erreicht. Zweijährige Bundesschatzanweisungen hätten Anlegern zwischenzeitlich sogar eine leicht negative Rendite (-0,01 Prozent) beschert. Selbst Langläufer wie 30-jährige Anleihen des Bundes hätten unter der Marke von 1,7 Prozent notiert.

10-jährige US-Treasuries hätten mit weniger als 1,5 Prozent ebenfalls ein Rekordtief erzielt. Ungeachtet des an den Kernmärkten derzeit vorherrschenden Zinsniveaus bleibe der Faktor Sicherheit das zentrale Anlagekriterium vieler Investoren. Diese Entwicklung habe zuletzt zu einer weiteren Verflachung der Zinsstrukturkurven geführt. Während es im kurzen Laufzeitbereich so gut wie kaum noch Spielraum nach unten gebe, verflache die Zinskurve zusehends, bedingt durch den Renditeverfall im mittleren und vor allem langen Laufzeitbereich.

Angesichts der zu erzielenden Minimalrenditen bei Bund- und US-Papieren seien die Anleger in den vergangenen Tagen dazu übergegangen, Alternativen im Bereich festverzinslicher Papiere in Betracht zu ziehen. Diese hätten sie in den Staatsanleihen weiterer, zum Kreis der europäischen Kernländer zählenden Emittenten gefunden. So seien aufgrund des gegenüber Bundesanleihen realisierbaren Renditevorteils vor allem auch französische, niederländische, finnische und auch belgische Staatsanleihen gefragt gewesen. Darauf seien deutliche Renditerückgänge gefolgt, die - wie im Falle Frankreichs - bis zu 60 Basispunkte (Frankreich) umgefasst hätten. Die Renditeniveaus finnischer oder niederländischer Papiere im Zehnjahresbereich seien dabei auf zuletzt 1,4 respektive 1,5 Prozent gefallen.

Die angespannte Lage in den europäischen Peripherieländern und die damit einhergehende Flucht der Anleger in sichere Papiere hätten hingegen am spanischen Anleihemarkt zu weiter nachgebenden Notierungen geführt. In der Folge hätten sich dort die Renditen kräftig erhöht. Mit zuletzt 6,5 Prozent für zehn Jahre Anlagedauer habe sich gegenüber laufzeitgleichen Bundespapieren ein Aufschlag von mehr als fünf Prozentpunkten ergeben. Die italienischen Pendants hätten zuletzt hingegen seitwärts tendiert.

Das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone habe im 1. Quartal 2012 stagniert. Ohne die deutsche Volkswirtschaft, die als Zugpferd der Eurozone gegenüber dem Vorquartal sogar habe wachsen können, ergebe sich für die Eurozone sogar ein moderater Rückgang der Wirtschaftsleistung. Dies müsse vor allem auf die schwierige ökonomische Situation in den Randlagen der Eurozone zurückgeführt werden. In Italien habe es mit 0,8% den stärksten Rückgang der Wirtschaftsleistung gegeben. Die hohe Unsicherheit über die Zukunft der Eurozone drücke die Stimmung in den Unternehmen. Die Einkaufsmanagerindices für die Eurozone würden nach wie vor auf Rezessionsniveau notieren, in Deutschland trübe sich die Stimmung der Einkaufsmanager immer weiter ein.

Insbesondere der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe notiere auf einem niedrigen Niveau und deute damit, auch für Deutschland, eine Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität an. Der ifo-Geschäftsklimaindex und der ZEW seien ebenfalls zurückgegangen und würden damit das Bild einer sich abschwächenden Wirtschaft unterstreichen. Auch am deutschen Arbeitsmarkt habe die Aufwärtsdynamik nachgelassen, die Frühjahrserholung sei schwächer ausgefallen und die Arbeitslosenquote sei nur auf 6,7% gefallen.

Die Entwicklung in Spanien beunruhige die Märkte besonders. So müsse der spanische Staat die Bankengruppe Bankia mit rund 23 Milliarden Euro unterstützen. Der immer noch daniederliegende spanische Häusermarkt belaste das Bankensystem, es würden den spanischen Banken weitere deutliche Wertberichtigungen drohen.

Spanien selbst habe zunehmend Probleme, die Mittel für die Stützung des Bankensektors zu beschaffen und gefährde damit die Haushaltskonsolidierung. Das Erreichen des Defizitziels von 3% sei schon von 2013 auf 2014 verschoben worden. Stimmen, die Spanien offen dazu drängen würden, sich wegen seiner Bankenprobleme unter den europäischen Rettungsschirm EFSF zu begeben, würden sich mehren.

Weiterhin seien die Märkte bzgl. des Wahlausgangs in Griechenland und den Auswirkungen auf das griechische Sparprogramm und den Verbleib Griechenlands in der Eurozone beunruhigt. Aktuell würden sich die konservative Partei "Nea Demokratia" und die linksradikale "Syriza" ein Kopf an Kopf Rennen leisten. Griechenland habe im Mai 18 Mrd. Euro zur Rekapitalisierung des Bankensektors erhalten.

Auf der anderen Seite würden sich die Marktakteure auf den Exit Griechenlands vorbereiten. Die Annahme des Fiskalpaketes in Irland habe den Markt nicht "positiv" beeinflussen können. In diesem Umfeld würden Eurobonds wieder verstärkt diskutiert, wobei die deutsche Bundesregierung Eurobonds weiter ablehne. Auch die EZB halte sich mit Stützungskäufen zurück. (Ausgabe Juni 2012) (08.06.2012/alc/a/a)