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Rentenmärkte feiern im Vorgriff auf Zinssenkungen
18.07.19 12:00
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank hat ihre zu Jahresbeginn eingeleitete geldpolitische Wende nahezu vollendet, so die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "emreport".
FED-Chef Powell habe zwar noch nicht explizit Zinsmaßnahmen angekündigt, seine Äußerungen seien aber nahezu einhellig als faktischer Einstieg in einen neuen Zinssenkungszyklus interpretiert worden. Die FED dürfte also in Kürze erste "vorsorgliche" Zinssenkungen vornehmen, trotz Aktienindices auf Allzeithoch, Arbeitslosigkeit so tief wie seit Jahrzehnten nicht und einer Inflation, deren Kernrate bereits seit fast einem Jahr sogar knapp über dem Ziel der US-Notenbank liege. Gestiegene Unwägbarkeiten (Handelskonflikte), nachlassende Inflationsdynamik sowie konjunkturelle Abschwächungszeichen seien angesichts dessen von der FED als Begründung für mögliche geldpolitische Lockerungen angeführt worden. Drei Zinssenkungen würden die US-Finanzmärkte für die kommenden sechs bis neun Monate derzeit einpreisen. Sehe die FED tatsächlich ernsthafte Konjunktur- und Deflationsrisiken in den USA? Schaue sie möglicherweise auf den "Rest der Welt" und wolle Zinssenkungen anderswo erleichtern (China, Europa)? Oder beuge sie sich letztlich dem Druck von US-Präsident Trump?
Was auch immer die genauen Motive sein mögen und wie auch immer man grundsätzlich zur Politik der Notenbanken in diesen Zeiten steht, die Finanzmärkte zeigten sich hocherfreut, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. Das habe für riskantere Vermögenswerte (Aktien, HighYield-Anleihen) ebenso wie für weniger riskante (Staatsanleihen, Gold, Yen) gegolten. Der MSCI-EM-Index habe im Juni um fast 6% zugelegt; die entwickelten Aktienmärkte gar um rund 6,5%. Die Kurse von Staats- und Unternehmensanleihen seien ebenfalls fast überall auf der Welt gestiegen. Schwellenländer-Anleihen hätten erneut Zuflüsse verzeichnet, speziell jene in Hartwährung.
Damit sind wir zurück in einem Umfeld, in dem die Finanzmärkte schwächere Konjunkturdaten eher positiv aufnehmen, weil sie weitere Zinssenkungen wahrscheinlicher machen, während sie auf "zu gute" Daten eher negativ reagieren dürften, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. Diese Konstellation sei langfristig natürlich nicht stabil. Schlechte Nachrichten würden spätestens dann wieder negativ aufgenommen, wenn sich trotz der "vorsorglichen" Zinssenkungen die Wirtschaftsdaten nicht wie erhofft verbessern würden bzw. die Unternehmensgewinne dennoch unter den Erwartungen lägen. Im Gegenzug werde man aber positive Nachrichten auch wieder als solche aufnehmen, wenn sie implizieren würden, dass Volkswirtschaften und Unternehmen auch wieder sehr gut ohne neue Notenbankhilfen auskämen.
Die Vergangenheit habe gezeigt, dass dies gerade auch in den Emerging Markets gelte. Zinssenkungen in den USA und ein - potenziell - schwächerer Dollar seien zwar prinzipiell gut für Aktien- und Rentenmärkte in den Schwellenländern, wichtiger sei jedoch letztlich die Gewinnentwicklung der Unternehmen. Diesbezüglich würden die Indikatoren für die kommenden Monate zumeist noch nach unten zeigen. Abzuwarten bleibe, ob der Fokus der Marktteilnehmer auf Zinssenkungen und auf einen erwarteten weltwirtschaftlichen Aufschwung im zweiten Halbjahr ausreichen würden, um die Zeit bis zu höheren Unternehmensgewinnen zu überbrücken (und natürlich, ob sich eine solche verbesserte Gewinnentwicklung überhaupt einstelle). Ebenso sollte nicht unterschätzt werden, dass das Arsenal der US-Notenbank zur Stimulierung der Wirtschaft weitaus bescheidener sei als in der Vergangenheit, von der EZB und der Bank of Japan ganz zu schweigen. (Ausgabe Juli 2019) (18.07.2019/alc/a/a)
FED-Chef Powell habe zwar noch nicht explizit Zinsmaßnahmen angekündigt, seine Äußerungen seien aber nahezu einhellig als faktischer Einstieg in einen neuen Zinssenkungszyklus interpretiert worden. Die FED dürfte also in Kürze erste "vorsorgliche" Zinssenkungen vornehmen, trotz Aktienindices auf Allzeithoch, Arbeitslosigkeit so tief wie seit Jahrzehnten nicht und einer Inflation, deren Kernrate bereits seit fast einem Jahr sogar knapp über dem Ziel der US-Notenbank liege. Gestiegene Unwägbarkeiten (Handelskonflikte), nachlassende Inflationsdynamik sowie konjunkturelle Abschwächungszeichen seien angesichts dessen von der FED als Begründung für mögliche geldpolitische Lockerungen angeführt worden. Drei Zinssenkungen würden die US-Finanzmärkte für die kommenden sechs bis neun Monate derzeit einpreisen. Sehe die FED tatsächlich ernsthafte Konjunktur- und Deflationsrisiken in den USA? Schaue sie möglicherweise auf den "Rest der Welt" und wolle Zinssenkungen anderswo erleichtern (China, Europa)? Oder beuge sie sich letztlich dem Druck von US-Präsident Trump?
Damit sind wir zurück in einem Umfeld, in dem die Finanzmärkte schwächere Konjunkturdaten eher positiv aufnehmen, weil sie weitere Zinssenkungen wahrscheinlicher machen, während sie auf "zu gute" Daten eher negativ reagieren dürften, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. Diese Konstellation sei langfristig natürlich nicht stabil. Schlechte Nachrichten würden spätestens dann wieder negativ aufgenommen, wenn sich trotz der "vorsorglichen" Zinssenkungen die Wirtschaftsdaten nicht wie erhofft verbessern würden bzw. die Unternehmensgewinne dennoch unter den Erwartungen lägen. Im Gegenzug werde man aber positive Nachrichten auch wieder als solche aufnehmen, wenn sie implizieren würden, dass Volkswirtschaften und Unternehmen auch wieder sehr gut ohne neue Notenbankhilfen auskämen.
Die Vergangenheit habe gezeigt, dass dies gerade auch in den Emerging Markets gelte. Zinssenkungen in den USA und ein - potenziell - schwächerer Dollar seien zwar prinzipiell gut für Aktien- und Rentenmärkte in den Schwellenländern, wichtiger sei jedoch letztlich die Gewinnentwicklung der Unternehmen. Diesbezüglich würden die Indikatoren für die kommenden Monate zumeist noch nach unten zeigen. Abzuwarten bleibe, ob der Fokus der Marktteilnehmer auf Zinssenkungen und auf einen erwarteten weltwirtschaftlichen Aufschwung im zweiten Halbjahr ausreichen würden, um die Zeit bis zu höheren Unternehmensgewinnen zu überbrücken (und natürlich, ob sich eine solche verbesserte Gewinnentwicklung überhaupt einstelle). Ebenso sollte nicht unterschätzt werden, dass das Arsenal der US-Notenbank zur Stimulierung der Wirtschaft weitaus bescheidener sei als in der Vergangenheit, von der EZB und der Bank of Japan ganz zu schweigen. (Ausgabe Juli 2019) (18.07.2019/alc/a/a)


