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Rentenmärkte eilen den Notenbanken voraus
27.07.22 09:15
St.Galler Kantonalbank Dtld.
München (www.anleihencheck.de) - Obwohl sich die Märkte auch weiterhin im Spannungsfeld zwischen Inflations- und Rezessionssorgen mit einer deutlich höheren Volatilität bewegen, ist unterm Strich eine vergleichsweise freundliche Woche für die Aktienmärkte zu Ende gegangen, so Michael Winkler, Leiter Anlagestrategie bei der St.Galler Kantonalbank Deutschland AG.
So habe die Nachricht über eine Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch Russland zu einer ersten kleinen Erleichterungsrally an den europäischen Märkten geführt und auch der lang herbeigesehnte Beginn der US-Berichtssaison sei bislang mit gemischten bis positiven Eindrücken aufgenommen worden.
Trotz des jüngsten Höhenflugs an den Börsen sollten Anleger jedoch bedenken, dass die anstehenden Ereignisse, allen voran die Bekanntgabe der Ergebnisse der Sitzung der US-Notenbank FED, die Aktien- und Anleihekurse erneut in Unruhe versetzen könnten. Denn angesichts der für Juni überraschend hoch ausgefallenen US-Inflationsrate von 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat dürfte die FED ihre Geldpolitik weiter straffen. Eine Erhöhung der US-Leitzinsen um 0,75 Prozentpunkte wie im Juni gelte inzwischen als sicher, wobei auch eine Anpassung um sogar 1,0 Prozent von mehreren Experten nicht mehr völlig ausgeschlossen werde. Hinzu komme, dass vor allem in Europa die Veröffentlichung von wichtigen Konjunkturdaten und Inflationszahlen anstehe.
Mit Blick auf die Anleihemärkte zeige sich derweil, dass die Renditen von zehnjährigen US-Treasuries von ihrem Hoch von 3,5 Prozent im Juni auf mittlerweile unter 3 Prozent zurückgefallen seien. Damit würden die Rentenmärkte wieder einmal schneller auf die konjunkturelle Entwicklung als die US-Notenbank FED reagieren. Zwar werde der Zinserhöhungszyklus in den USA wohl noch einige Monate dauern. Doch sei dieser bereits jetzt nach oben hin begrenzt, da bei einer Verschlechterung der Konjunkturdaten die FED ihren geldpolitischen Kurs wohl kaum fortsetzen können werde.
Angesichts der auch im Euro-Währungsraum seit Monaten deutlich höher ausfallenden Inflation sei inzwischen auch die Europäische Zentralbank EZB in Aktion getreten und habe mit einem Zinsschritt von 50 Basispunkten die erste Zinserhöhung seit elf Jahren vollzogen. Dies sei für viele Marktteilnehmer allerdings überraschend gekommen, da lediglich mit einer Zinserhöhung von 25 Basispunkten gerechnet worden sei. Außerdem habe der EZB-Rat am vergangenen Donnerstag einstimmig mit dem Transmission Protection Instrument (kurz TPI) ein neues Kriseninstrument beschlossen, das gezielte und unbegrenzte Anleihekäufe einzelner Länder ermöglichen solle, deren Refinanzierung durch einen steigenden Leitzins in der Währungsgemeinschaft möglicherweise in Gefahr gerate. Damit möchte die EZB die Spannungen in der Währungsunion eindämmen und eine Neuauflage der Euro-Krise verhindern.
In diesem Gesamtkontext seien die Augen der Marktteilnehmer einmal mehr auf die US-Notenbank FED gerichtet, wobei eine weitere Zinserhöhung in den USA den Markt vorerst nicht mehr erschrecken sollte. Gleiches gelte auch für das mögliche Eintreten einer Rezession in Europa und/ oder den USA, zumal diese in den Aktienkursen inzwischen eingepreist sei. Als spannend dürfte sich dagegen die weitere konjunkturelle Entwicklung in Europa und den USA in den nächsten Monaten erweisen, wobei hier vor allem die Unternehmensergebnisse für das dritte Quartal im Vordergrund stehen würden. (27.07.2022/alc/a/a)
So habe die Nachricht über eine Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch Russland zu einer ersten kleinen Erleichterungsrally an den europäischen Märkten geführt und auch der lang herbeigesehnte Beginn der US-Berichtssaison sei bislang mit gemischten bis positiven Eindrücken aufgenommen worden.
Mit Blick auf die Anleihemärkte zeige sich derweil, dass die Renditen von zehnjährigen US-Treasuries von ihrem Hoch von 3,5 Prozent im Juni auf mittlerweile unter 3 Prozent zurückgefallen seien. Damit würden die Rentenmärkte wieder einmal schneller auf die konjunkturelle Entwicklung als die US-Notenbank FED reagieren. Zwar werde der Zinserhöhungszyklus in den USA wohl noch einige Monate dauern. Doch sei dieser bereits jetzt nach oben hin begrenzt, da bei einer Verschlechterung der Konjunkturdaten die FED ihren geldpolitischen Kurs wohl kaum fortsetzen können werde.
Angesichts der auch im Euro-Währungsraum seit Monaten deutlich höher ausfallenden Inflation sei inzwischen auch die Europäische Zentralbank EZB in Aktion getreten und habe mit einem Zinsschritt von 50 Basispunkten die erste Zinserhöhung seit elf Jahren vollzogen. Dies sei für viele Marktteilnehmer allerdings überraschend gekommen, da lediglich mit einer Zinserhöhung von 25 Basispunkten gerechnet worden sei. Außerdem habe der EZB-Rat am vergangenen Donnerstag einstimmig mit dem Transmission Protection Instrument (kurz TPI) ein neues Kriseninstrument beschlossen, das gezielte und unbegrenzte Anleihekäufe einzelner Länder ermöglichen solle, deren Refinanzierung durch einen steigenden Leitzins in der Währungsgemeinschaft möglicherweise in Gefahr gerate. Damit möchte die EZB die Spannungen in der Währungsunion eindämmen und eine Neuauflage der Euro-Krise verhindern.
In diesem Gesamtkontext seien die Augen der Marktteilnehmer einmal mehr auf die US-Notenbank FED gerichtet, wobei eine weitere Zinserhöhung in den USA den Markt vorerst nicht mehr erschrecken sollte. Gleiches gelte auch für das mögliche Eintreten einer Rezession in Europa und/ oder den USA, zumal diese in den Aktienkursen inzwischen eingepreist sei. Als spannend dürfte sich dagegen die weitere konjunkturelle Entwicklung in Europa und den USA in den nächsten Monaten erweisen, wobei hier vor allem die Unternehmensergebnisse für das dritte Quartal im Vordergrund stehen würden. (27.07.2022/alc/a/a)


