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Rentenmärkte: Trump in aller Munde


29.11.24 09:50
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in Deutschland und den USA sind in den vergangenen Tagen deutlich gesunken, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Aktuell würden die Renditen der T-Notes bei 4,27% und die der Bunds bei 2,17% liegen. Die deutsche Wirtschaft, als größte Volkswirtschaft der Eurozone, stehe besonders im Fokus, da diverse Umfragen wie der HCOB Einkaufsmanagerindex (PMI), der Ifo-Geschäftsklimaindikator und der GfK Konsumklimaindikator ein verheerendes Bild im vierten Quartal zeichneten. EZB-Ratsmitglied Isabel Schnabel habe angesichts der schwachen Frühindikatoren vor einem alarmistisch getriebenen, wuchtigen Zinssenkungszyklus gewarnt, da sie die Zinsen aktuell nahe des neutralen Zinses sehe, der die wirtschaftliche Aktivität weder bremse noch ankurbele.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe sich in einem Interview mit der Financial Times auffällig politisch geäußert und vor einem Handelskrieg mit den USA unter der Trump-Administration 2.0 gewarnt, der aus ihrer Sicht nur Verlierer hervorbringen würde. Die US-Märkte würden sich ebenfalls zunehmend mit Trumps möglicher Handelspolitik beschäftigen. Der deutliche Rücksetzer bei den Renditen der zehnjährigen T-Notes wäre kaum durch Konjunkturdaten zu erklären gewesen, da der ISM-Einkaufsmanagerindex, der PCE-Preisindex, die persönlichen Ausgaben und das persönliche Einkommen keinen Anlass für eine Flucht in sichere Staatsanleihen gegeben hätten.

Die deutsche Wirtschaft bleibe im vierten Quartal weiterhin in einer Rezession, zumindest laut verschiedenen Umfragedaten. Der HCOB Flash Deutschland Composite PMI sei im November 2024 auf 47,3 gesunken, den niedrigsten Stand seit neun Monaten, verglichen mit 48,6 im Oktober und deutlich unter den Prognosen von 48,6. Der Ifo-Geschäftsklimaindex zeige ebenfalls, dass es der deutschen Wirtschaft aktuell und perspektivisch an Kraft fehle. Der Ifo-Geschäftsklimaindikator für Deutschland sei von 86,5 im Oktober auf 85,7 im November 2024 gesunken und habe damit unter den Prognosen von 86 gelegen.

Diskussionen über eine mögliche Abschwächung der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse, um die deutsche Wirtschaft zukunftsfähiger zu machen, hätten Anleger nervös gemacht. Ein Ausverkauf bei 10-jährigen deutschen Staatsanleihen in den letzten Wochen habe dazu geführt, dass die Rendite zeitweise erstmals über dem Zinssatz für Euro-Zinsswaps mit gleicher Laufzeit gehandelt worden sei. Nach dem jüngsten deutlichen Absinken der Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen würden diese nun wieder unterhalb des Zinssatzes für zehnjährige Euro-Zinsswaps liegen.

In den USA hätten die Konjunkturdaten kaum Anlass für ein deutliches Absinken der Renditen der T-Notes geboten. Die US-Wirtschaft befinde sich nach wie vor in stabiler Verfassung. Der S&P Global US Composite PMI sei im November 2024 auf 55,3 gestiegen, gegenüber 54,1 im Oktober, was eine robuste Expansion des privaten Sektors signalisiere und das stärkste Wachstum seit April 2022 markiere. Der Preisindex für persönliche Konsumausgaben sei im Oktober 2024 um 0,2% gegenüber dem Vormonat gestiegen, ebenso wie im September und im Rahmen der Erwartungen.

Die persönlichen Ausgaben in den USA seien im Oktober 2024 um 0,4% gestiegen, was eine Verlangsamung gegenüber dem Anstieg von 0,6% im Vormonat darstelle, aber über den Markterwartungen von 0,3% liege. Das persönliche Einkommen sei im Oktober 2024 um 0,6% gestiegen, der größte Anstieg seit sieben Monaten, verglichen mit 0,3% im September und Erwartungen von 0,3%. Große Sorgen bereiteten den Märkten hingegen die möglichen Effekte von Trumps konfrontativer Handelspolitik.

Der designierte US-Präsident Donald Trump drohe als eine seiner ersten Amtshandlungen drastische Zollerhöhungen für Importe aus Kanada (+25%), Mexiko (+25%) und China (+10%). Er habe den Schritt gegen die Nachbarländer mit dem illegalen Drogen- und Menschenschmuggel über die Grenze begründet. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum habe am Mittwoch gesagt, Mexiko werde Vergeltung üben, wenn Trump seine vorgeschlagenen Zölle von 25 Prozent durchsetze, ein Schritt, vor dem ihre Regierung gewarnt habe, der 400.000 US-Arbeitsplätze vernichten und die Preise für US-Verbraucher in die Höhe treiben könnte.

Bemerkenswerte politische Töne seien von der EZB gekommen. Präsidentin Christine Lagarde habe die Staatschefs Europas aufgefordert, mit Donald Trump bei den Zöllen zusammenzuarbeiten und mehr in den USA hergestellte Produkte zu kaufen. Sie habe davor gewarnt, dass ein erbitterter Handelskrieg das globale Wirtschaftswachstum zunichtemachen könnte. Alle Blicke richteten sich nun auf den 12. Dezember, wenn der EZB-Rat zusammenkomme.

Nicht erst nach den hawkischen Aussagen von EZB-Ratsmitglied Isabel Schnabel scheine ein großer Zinssenkungsschritt von 50 Basispunkten vom Tisch zu sein. Dies würde sich mit der Prognose von HCOB Economics decken, die eine kleinere Senkung um 25 Basispunkte erwarteten. Schnabel sehe den Einlagensatz von derzeit 3,25% bereits nahe am neutralen Niveau und warne davor, in den expansiven Bereich überzugehen.

In der Eurozone stünden viele spannende Veröffentlichungen an, die die EZB-Ratsmitglieder vor dem Dezember-Meeting genau unter die Lupe nehmen dürften. Am 29.11. würden die Einzelhandelsumsätze und die Arbeitslosenquote für Deutschland sowie die ersten Inflationsdaten für die Eurozone erwartet. Am 2.12. und 4.12. folgten die HCOB PMI-Daten für das Verarbeitende Gewerbe und die Dienstleistungen für die Eurozone und eine Reihe von Euro-Ländern, die voraussichtlich ein pessimistisches Bild der Euro-Konjunktur zeichnen würden. Am 6.12. würden die Oktober-Daten zur Industrieproduktion veröffentlicht.

Das Dezember-Meeting der Fed sei noch etwas weiter entfernt (18.12.), aber die Fed-Mitglieder dürften ebenfalls gespannt auf die kommenden Zahlen schauen. Am 2.12. und 4.12. würden die ISM-Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe und die Dienstleistungen für November veröffentlicht, die ein robustes Bild der US-Wirtschaft zeichnen dürften. Besonders interessant werde der 6.12. sein, wenn die Beschäftigungszahlen anhand der Payrolls sowie der Index für das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für November veröffentlicht würden. (Ausgabe vom 28.11.2024) (29.11.2024/alc/a/a)