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Rentenmärkte: Trump - Powell darf bleiben


12.12.24 16:15
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Der Abwärtstrend bei den Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in Deutschland (2,16%) und den USA (4,31%) hat sich zuletzt nicht weiter fortgesetzt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Vielmehr seien die Renditen in den vergangenen Tagen leicht gestiegen. In den USA sei die Erholung stärker gewesen als in Deutschland, wo schwache Konjunktursignale angehalten hätten. Die Industrieproduktion in Deutschland sei im Oktober geschrumpft und habe die Erwartungen enttäuscht. Die politische Krise in Paris und die Lethargie in Berlin hätten die deutschen Renditen kaum beeinflusst. Der französische Zentralbankpräsident François Villeroy de Galhau fordere einen finanzpolitisch geordneten Pfad für Frankreich.

Die heutige EZB-Sitzung (12.12.) werde voraussichtlich eine Zinssenkung um 25 Basispunkte von 3,25% auf 3,00% bringen. In den USA hätten die Inflationszahlen für November für leichte Verstimmungen am Markt gesorgt, da die Kerninflation über 3% bleibe. Beruhigend hätten jedoch die US-Arbeitskosten und die einjährigen Inflationserwartungen gewirkt. HCOB Economics und die Mehrheit der Marktteilnehmer erwarteten eine Zinssenkung um 25 Basispunkte am 18. Dezember. Zudem habe der designierte US-Präsident Donald Trump in einem NBC-Interview den Verbleib von Fed-Chef Jerome Powell bis Mai 2026 befürwortet, was die Märkte beruhigt habe.

Die deutsche Wirtschaft zeige weiterhin Schwäche, besonders in der Industrie. Im Oktober 2024 sei die Industrieproduktion um 1% im Vergleich zum Vormonat gesunken, entgegen den Erwartungen einer Erholung um 1,2%. Auf Jahresbasis sei die Produktion um 4,5% gefallen, nach einem revidierten Rückgang von 4,3% im September. Politisch sei die Lage in Deutschland angespannt, da die Minderheitsregierung in Berlin wichtige Projekte nicht umsetzen könne. Alle Augen richteten sich auf die vorgezogenen Neuwahlen am 23. Februar 2024, doch schwierige Koalitionsverhandlungen könnten folgen.

Die Haushaltskrise in Frankreich biete daher deutschen Anleihenrenditen kaum Vorteile. Der Sturz der Regierung Barnier habe die Pläne zum Defizitabbau ins Wanken gebracht. Frankreichs gescheiterter Haushalt habe darauf abgezielt, das Defizit von 6,1% in diesem Jahr auf 5% im nächsten Jahr zu senken. Präsident Macron plane, innerhalb von 48 Stunden einen neuen Premierminister zu ernennen, um die Krise zu bewältigen. Die Gespräche mit den Sozialisten seien bisher ergebnislos geblieben. "Unabhängig von der politischen Situation muss Frankreich seine öffentlichen Finanzen in Ordnung bringen. Dies ist in unserem nationalen Interesse, das über parteipolitische Interessen hinausgeht", habe der Gouverneur der Bank von Frankreich, François Villeroy de Galhau, in einer Rede gesagt.

In den USA hätten die Märkte vor allem die Verbraucherpreisdaten und deren künftige Entwicklung beschäftigt. Der Verbraucherpreisindex (VPI) für November habe den Erwartungen entsprochen und sich auf 0,3% im Monatsvergleich (2,7% im Jahresvergleich) von 0,2% (2,6% im Jahresvergleich) im Oktober beschleunigt. Der Kern-VPI habe ebenfalls bei 0,3% im Monatsvergleich gelegen, wie im Oktober, und sei bei 3,3% im Jahresvergleich geblieben. Für etwas Sorge habe die Beschleunigung der Gesamtinflation und die Hartnäckigkeit der Kerninflation gesorgt. Allerdings könnten weitere US-Preisdaten für etwas Entspannung im Ausblick auf die VPI-Entwicklung im Jahr 2025 gesorgt haben.

So seien die Lohnstückkosten außerhalb der Landwirtschaft im dritten Quartal 2024 um 1,1 Prozentpunkte auf einen Anstieg von 0,8% nach unten korrigiert worden, nachdem sie in der vorläufigen Schätzung bei 1,9% gelegen hätten und unter den Markterwartungen von 1,5% gewesen seien. Außerdem seien die Inflationserwartungen der US-Verbraucher für das kommende Jahr von 2,9% im Oktober auf 3% im November 2024 gestiegen.

Der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) werde den Leitzins am 18. Dezember wahrscheinlich erneut senken. HCOB Economics erwarte 2025 ein komplizierteres Inflationsumfeld, vor allem wegen der Gefahr steigender Zölle und des damit verbundenen Preisdrucks. Daher dürfte der Rahmen für Zinssenkungen auf das Frühjahr beschränkt bleiben, mit voraussichtlich zwei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte. Anleger dürften hingegen etwas beruhigt sein, da der designierte US-Präsident Donald Trump seine harte Wahlkampfrhetorik in einem kürzlich veröffentlichten Interview mit NBC-News zurückgenommen habe. Trump wolle nach seinem Amtsantritt im Januar US-Notenbankchef Jerome Powell offenbar nicht ersetzen.

"Nein, ich glaube nicht", habe Trump dem Sender NBC auf eine entsprechende Frage gesagt. "Ich glaube, wenn ich ihm sagen würde, er solle gehen, würde er es tun", so Trump. "Aber wenn ich ihn darum bitten würde, würde er es wahrscheinlich nicht tun." Auch der von Trump vorgeschlagene Finanzminister Scott Bessent habe betont: "Wie der Präsident am Sonntag sagte, und ich stimme ihm völlig zu, wird Jay Powell seine Amtszeit zu Ende führen." Die EZB werde heute Nachmittag (12.12.) die Zinsen voraussichtlich um 25 Basispunkte senken. Für 2025 sehe HCOB Economics aufgrund möglicher Handelskonflikte und deren Auswirkungen auf die Preisstabilität nur begrenzten Spielraum für weitere Zinssenkungen und erwarte zwei Zinsschritte um jeweils 25 Basispunkte.

Noch vor Weihnachten gebe es in der Eurozone einige wichtige Datenveröffentlichungen. In Deutschland würden am 13. Dezember die Außenhandelszahlen für Oktober erwartet, die aufgrund des schwierigen globalen Umfelds für deutsche Firmen kaum positiv ausfallen dürften. Auch die Industrieproduktionszahlen der Eurozone für Oktober, die ebenfalls am 13. Dezember veröffentlicht würden, böten wenig Hoffnung auf Besserung. Am 16. Dezember folgten die HCOB Flash PMI-Zahlen für die Eurozone, Deutschland und Frankreich, die einen Einblick in den Jahresabschluss geben sollten.

Am 17. Dezember würden die Umfragedaten des Ifo-Instituts und des ZEW für Deutschland veröffentlicht, die voraussichtlich wenig optimistisch ausfallen würden. In den USA werde es spannend, da vor dem Fed-Meeting am 18. Dezember noch wichtige Daten veröffentlicht würden. Am 17. Dezember würden die Industrieproduktions- und Einzelhandelsumsatzzahlen erscheinen, die laut Konsensschätzung ein stabiles Bild der US-Konjunktur zeichnen dürften. Am 20. Dezember, nach der Fed-Sitzung, würden die PCE-Zahlen (Einnahmen/Ausgaben/Deflator) veröffentlicht, die für den Zinsausblick der Fed im Jahr 2025 relevant sein könnten. (12.12.2024/alc/a/a)