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Rentenmärkte: Shutdown in Washington droht
20.12.24 10:45
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - In den USA und Deutschland sind die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in den letzten Tagen gestiegen, so Dr. Tariq Chaudhry, Analyst bei der Hamburg Commercial Bank.
T-Notes lägen bei 4,52% und Bunds bei 2,28%. Hawkische Töne bei der FED-Sitzung am 18. Dezember hätten die Anleger überrascht. Die FED habe ihre BIP-Wachstums- und Inflationsprognosen angehoben und die Arbeitslosenquote gesenkt. Sie erwarte nun nur noch zwei Zinssenkungen im nächsten Jahr, statt der vier, die im September prognostiziert worden seien. Dies habe zu Kurskorrekturen auf den Aktien- und Anleihenmärkten geführt. Zusätzlich hätten die Pläne des designierten US-Präsidenten Donald Trump, die US-Regierung in einen Shutdown zu führen, die Anleger verunsichert. Trump wolle die überparteilich ausgehandelte Haushaltsfinanzierung im Kongress blockieren.
Die kleine Zinssenkung um 25 Basispunkte im Dezember habe angesichts schwacher Industrieproduktion und stabiler Einzelhandelsumsätze breite Zustimmung im FED-Komitee gefunden. In der Eurozone bleibe die Stimmung schlecht. Umfragedaten des HCOB PMIs und des ifo-Geschäftsklimaindexes würden ein pessimistisches Bild der deutschen Wirtschaft zeichnen. HCOB Economics erwarte aufgrund anhaltender Preisauftriebe sowohl für die USA als auch für die Eurozone nur zwei Zinssenkungen im Jahr 2025.
Die US-Wirtschaft habe im Vorfeld der Zinsentscheidung am 18.12. stabile, aber keinesfalls überschwängliche Signale gesendet. Die Industrieproduktion in den Vereinigten Staaten sei im November 2024 gegenüber dem Vormonat um 0,1% gesunken und habe damit den Rückgang von 0,4% im Oktober fortgesetzt, was im Gegensatz zu den Markterwartungen eines Anstiegs von 0,2% stehe.
Dieses Ergebnis habe mit anderen Umfragen übereingestimmt, die auf eine Schwäche im Verarbeitenden Gewerbe in den USA hingedeutet hätten, und die Schwierigkeiten des Sektors vor möglichen Gegenzöllen enthüllt, falls der gewählte Präsident Trump im nächsten Jahr seine Zollpläne umsetzen sollte. Die Einzelhandelsumsätze in den USA seien im November 2024 um 0,7% gegenüber dem Vormonat gestiegen, nachdem sie im Oktober um 0,5% gestiegen seien und über den Prognosen von 0,5% gelegen hätten. Diese Daten hätten weiterhin auf robuste Verbraucherausgaben während der Weihnachtseinkaufssaison hingedeutet.
Die Zinssitzung der FED am 18. Dezember habe bei Anlegern für Besorgnis gesorgt. Die FED habe den Leitzins wie erwartet um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 4,25% bis 4,5% gesenkt, die dritte Senkung in diesem Jahr. Die neuen Projektionen für 2025 würden jedoch nur noch Zinssenkungen um 50 Basispunkte vorsehen, statt der zuvor erwarteten 100 Basispunkte. Dies liege an höheren Inflationsprognosen: Der Kern-PCE-Deflator werde nun für 2025 bei 2,5% statt 2,2% erwartet und solle erst 2027 auf 2% sinken.
Die Wirtschaft wachse weiterhin robust, der Arbeitsmarkt kühle sich ab, breche aber nicht ein, und die Aktienmärkte seien auf Allzeithochs. Zusätzliche Sorgen bereite die Einmischung des designierten US-Präsidenten Donald Trump und seines Beraters Elon Musk in die Haushaltsdebatte, was die Gefahr eines Shutdowns ab Samstag erhöhe. Trump und sein designierter Vizepräsident JD Vance würden den Kongress auffordern, nicht dem ausgehandelten Gesetz für eine Übergangsfinanzierung zuzustimmen, sondern die Schuldenobergrenze zu erhöhen und "Geschenke der Demokraten" zu streichen. Die Demokraten würden warnen, dass der Regierung das Geld ausgehen könnte.
Die Konjunkturdaten in Deutschland würden schwach bleiben und chronische Züge zeigen. Trotz der verlorenen Vertrauensfrage von Bundeskanzler Olaf Scholz und den anstehenden Neuwahlen am 23. Februar 2025 bleibe die Unsicherheit bei den Unternehmen bestehen. Neuwahlen würden keine stabile Regierung garantieren. Der HCOB Flash Germany Composite PMI sei im Dezember 2024 leicht auf 47,8 von 47,2 im November gestiegen, habe damit die Prognosen von 47,5 übertroffen, deute aber weiterhin auf den sechsten Monat in Folge mit rückläufiger Aktivität im privaten Sektor hin. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sei im Dezember auf 84,7 gesunken, den niedrigsten Stand seit Mai 2020, verglichen mit 85,6 im November. Der Teilindex für Geschäftserwartungen sei von 87 auf 84,4 gefallen, während sich der Indikator für aktuelle Bedingungen von 84,3 auf 85,1 verbessert habe.
Die EZB sehe sich im Kampf gegen die Inflation auf einem besseren Weg als die FED. EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe verkündet, dass man dem Sieg gegen die Inflation näher sei: "Die dunkelsten Tage des Winters scheinen hinter uns zu liegen." Weitere Zinssenkungen seien wahrscheinlich. Lagarde habe betont, dass die EZB nun "nahe dran ist, ihr Ziel von 2 Prozent zu erreichen." Das Lohnwachstum, die größte Sorge der EZB, solle von 4,8 Prozent in diesem Jahr auf 3 Prozent im Jahr 2025 zurückgehen, ein Niveau, das als mit dem Inflationsziel vereinbar gelte. Lagarde habe die schwächer als erwartete wirtschaftliche Erholung in der Eurozone als "Abwärtsrisiko" für die Inflation bezeichnet und darauf hingewiesen, dass "kleine sequentielle Abwärtskorrekturen der Wachstumsaussichten" seit 2023 "im Laufe der Zeit einer deutlichen Herabstufung gleichkamen."
Aufgrund der anstehenden Feiertage gebe es datenseitig kaum Highlights. In den USA stünden noch die PCE-Daten für November am 20.12. an, die nach der Anhebung der Inflationsprojektionen durch die FED besonders beachtet werden dürften. Nach dem Jahreswechsel würden wöchentliche Arbeitsmarktdaten veröffentlicht, wobei die FED die Anträge auf Arbeitslosenhilfe am 2.1. genauer betrachten dürfte. In Deutschland würden am 20.12. die Erzeugerpreisindexzahlen für November veröffentlicht, noch vor Weihnachten. Am 2.1. würden die finalen Zahlen der HCOB PMIs für das Verarbeitende Gewerbe im Dezember folgen, die einen Eindruck über die zuletzt schwächelnde Industrie in der Eurozone und den beiden größten EU-Volkswirtschaften, Deutschland und Frankreich, geben würden. (20.12.2024/alc/a/a)
T-Notes lägen bei 4,52% und Bunds bei 2,28%. Hawkische Töne bei der FED-Sitzung am 18. Dezember hätten die Anleger überrascht. Die FED habe ihre BIP-Wachstums- und Inflationsprognosen angehoben und die Arbeitslosenquote gesenkt. Sie erwarte nun nur noch zwei Zinssenkungen im nächsten Jahr, statt der vier, die im September prognostiziert worden seien. Dies habe zu Kurskorrekturen auf den Aktien- und Anleihenmärkten geführt. Zusätzlich hätten die Pläne des designierten US-Präsidenten Donald Trump, die US-Regierung in einen Shutdown zu führen, die Anleger verunsichert. Trump wolle die überparteilich ausgehandelte Haushaltsfinanzierung im Kongress blockieren.
Die kleine Zinssenkung um 25 Basispunkte im Dezember habe angesichts schwacher Industrieproduktion und stabiler Einzelhandelsumsätze breite Zustimmung im FED-Komitee gefunden. In der Eurozone bleibe die Stimmung schlecht. Umfragedaten des HCOB PMIs und des ifo-Geschäftsklimaindexes würden ein pessimistisches Bild der deutschen Wirtschaft zeichnen. HCOB Economics erwarte aufgrund anhaltender Preisauftriebe sowohl für die USA als auch für die Eurozone nur zwei Zinssenkungen im Jahr 2025.
Die US-Wirtschaft habe im Vorfeld der Zinsentscheidung am 18.12. stabile, aber keinesfalls überschwängliche Signale gesendet. Die Industrieproduktion in den Vereinigten Staaten sei im November 2024 gegenüber dem Vormonat um 0,1% gesunken und habe damit den Rückgang von 0,4% im Oktober fortgesetzt, was im Gegensatz zu den Markterwartungen eines Anstiegs von 0,2% stehe.
Die Zinssitzung der FED am 18. Dezember habe bei Anlegern für Besorgnis gesorgt. Die FED habe den Leitzins wie erwartet um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 4,25% bis 4,5% gesenkt, die dritte Senkung in diesem Jahr. Die neuen Projektionen für 2025 würden jedoch nur noch Zinssenkungen um 50 Basispunkte vorsehen, statt der zuvor erwarteten 100 Basispunkte. Dies liege an höheren Inflationsprognosen: Der Kern-PCE-Deflator werde nun für 2025 bei 2,5% statt 2,2% erwartet und solle erst 2027 auf 2% sinken.
Die Wirtschaft wachse weiterhin robust, der Arbeitsmarkt kühle sich ab, breche aber nicht ein, und die Aktienmärkte seien auf Allzeithochs. Zusätzliche Sorgen bereite die Einmischung des designierten US-Präsidenten Donald Trump und seines Beraters Elon Musk in die Haushaltsdebatte, was die Gefahr eines Shutdowns ab Samstag erhöhe. Trump und sein designierter Vizepräsident JD Vance würden den Kongress auffordern, nicht dem ausgehandelten Gesetz für eine Übergangsfinanzierung zuzustimmen, sondern die Schuldenobergrenze zu erhöhen und "Geschenke der Demokraten" zu streichen. Die Demokraten würden warnen, dass der Regierung das Geld ausgehen könnte.
Die Konjunkturdaten in Deutschland würden schwach bleiben und chronische Züge zeigen. Trotz der verlorenen Vertrauensfrage von Bundeskanzler Olaf Scholz und den anstehenden Neuwahlen am 23. Februar 2025 bleibe die Unsicherheit bei den Unternehmen bestehen. Neuwahlen würden keine stabile Regierung garantieren. Der HCOB Flash Germany Composite PMI sei im Dezember 2024 leicht auf 47,8 von 47,2 im November gestiegen, habe damit die Prognosen von 47,5 übertroffen, deute aber weiterhin auf den sechsten Monat in Folge mit rückläufiger Aktivität im privaten Sektor hin. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sei im Dezember auf 84,7 gesunken, den niedrigsten Stand seit Mai 2020, verglichen mit 85,6 im November. Der Teilindex für Geschäftserwartungen sei von 87 auf 84,4 gefallen, während sich der Indikator für aktuelle Bedingungen von 84,3 auf 85,1 verbessert habe.
Die EZB sehe sich im Kampf gegen die Inflation auf einem besseren Weg als die FED. EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe verkündet, dass man dem Sieg gegen die Inflation näher sei: "Die dunkelsten Tage des Winters scheinen hinter uns zu liegen." Weitere Zinssenkungen seien wahrscheinlich. Lagarde habe betont, dass die EZB nun "nahe dran ist, ihr Ziel von 2 Prozent zu erreichen." Das Lohnwachstum, die größte Sorge der EZB, solle von 4,8 Prozent in diesem Jahr auf 3 Prozent im Jahr 2025 zurückgehen, ein Niveau, das als mit dem Inflationsziel vereinbar gelte. Lagarde habe die schwächer als erwartete wirtschaftliche Erholung in der Eurozone als "Abwärtsrisiko" für die Inflation bezeichnet und darauf hingewiesen, dass "kleine sequentielle Abwärtskorrekturen der Wachstumsaussichten" seit 2023 "im Laufe der Zeit einer deutlichen Herabstufung gleichkamen."
Aufgrund der anstehenden Feiertage gebe es datenseitig kaum Highlights. In den USA stünden noch die PCE-Daten für November am 20.12. an, die nach der Anhebung der Inflationsprojektionen durch die FED besonders beachtet werden dürften. Nach dem Jahreswechsel würden wöchentliche Arbeitsmarktdaten veröffentlicht, wobei die FED die Anträge auf Arbeitslosenhilfe am 2.1. genauer betrachten dürfte. In Deutschland würden am 20.12. die Erzeugerpreisindexzahlen für November veröffentlicht, noch vor Weihnachten. Am 2.1. würden die finalen Zahlen der HCOB PMIs für das Verarbeitende Gewerbe im Dezember folgen, die einen Eindruck über die zuletzt schwächelnde Industrie in der Eurozone und den beiden größten EU-Volkswirtschaften, Deutschland und Frankreich, geben würden. (20.12.2024/alc/a/a)


