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Rentenmärkte: Rückschläge weiterhin erwartet
26.06.20 13:00
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Noch mitten in der Krise, und keiner merkt es? Während die Frühindikatoren weiterhin ein freundliches Bild zeichnen und die Aktienmärkte auf eine schnelle Erholung setzen, sitzen viele Deutsche gern wieder in brechend vollen Cafés, so Hannah Thielcke von der Weberbank.
Am Horizont würden jedoch zunehmend Warnsignale auftauchen. Werde aus der Einbahnstraße der Kursbewegungen und Lockerungsmaßnahmen nun eine Sackgasse?
Gesundheit oder Geld? Am liebsten beides! US-Präsident Trump versuche diesen Weg einzuschlagen und wage damit einen Spagat. Während die Öffnung in vielen, insbesondere den wirtschaftsstärksten Bundesstaaten weiter voranschreitet und die US-Stimmungsindikatoren ebenso wie die US-Einzelhandelsumsätze wie an einem Gummiband zurück in Richtung Normalität zu schnellen scheinen, nimmt die Pandemie weiter ihren Lauf, so die Analysten der Weberbank.
Seit den Öffnungen gebe es in den Vereinigten Staaten vielerorts nun zunehmend regionale Infektionsherde, die außer Kontrolle zu geraten drohen würden, und die Gefahr einer erneut flächendeckenden Ausbreitung steige. Houston, wir haben ein Problem, so die Analysten der Weberbank. Die Region steuere mit Höchstgeschwindigkeit auf eine Überlastung des Gesundheitssystems zu. Die Situation sehe zwar aktuell in Europa und Deutschland noch etwas entspannter aus, jedoch würden auch hier regional die Fallzahlen teilweise wieder deutlich ansteigen. Erneute Lockdowns - zumindest auf regionaler Ebene - würden von Peking bis Los Angeles weltweit an der Tagesordnung bleiben.
Die große Frage sei, inwieweit diese partiellen Einschränkungen die breite wirtschaftliche Erholung beeinträchtigen würden. So habe die Wochenzeitung "The Economist" schon die "90 percent economy" ausgerufen, in der beispielsweise nicht unbedingt notwendige Freizeitaktivitäten auch längerfristig ausbleiben würden. Viele Experten würden ebenso vor bleibenden Schäden für die Industrie und den internationalen Handel warnen. So würden die Unternehmensumfragen vermehrt ein zweigeteiltes Bild zeigen: Während die Produktion bereits wieder erfolgreich anlaufe, würden sich die Auftragsbücher jedoch zunehmend leeren. Der Ausblick vieler Unternehmen habe sich zuletzt stark verbessert - die Hoffnung auf eine schnelle Erholung lebe. Die Lage bleibe jedoch weiterhin angespannt und nur ein kleines bisschen Sand im Getriebe könne die Fahrt Richtung Normalität auf unbestimmte Zeit unterbrechen. So würden nachhaltige strukturelle Schäden, fehlendes Vertrauen der privaten Konsumenten und anderer Wirtschaftsteilnehmer oder eine zweite größere Infektionswelle Risikofaktoren bleiben. Diese vielen widersprüchlichen positiven und negativen Nachrichten halten das Gefühl der Unsicherheit weiterhin hoch und werden uns auf unserem Weg begleiten, so die Analysten der Weberbank.
Unterdessen würden sich die Kapitalmärkte auf die Regierungen und Zentralbanken als Pannendienst verlassen und wie auf einer Einbahnstraße weiter Richtung Allzeithoch fahren. Die Gefahr, dass den Marktteilnehmern der Sprit ausgehe, bleibe dabei groß. Für den Notfall stünden die Tanklastwagen der Europäischen Zentralbank und der Federal Reserve in den USA bereit - Nachschub in Form von zusätzlichen Liquiditätsinstrumenten scheine noch auf Lager zu sein.
Die US-Aktienmärkte würden weiter von den führenden Technologieunternehmen dominiert. Diese hätten in der Coronakrise ihre Stärken weiter ausbauen können, wodurch die Kluft zwischen New und Old Economy weiter wachse. In dieser Situation schmerzt hierzulande der meteoritenartige Absturz eines bis dato als führend angesehenen deutschen Technologieunternehmens umso mehr, da der Wirecard-Bilanz-Skandal ein riesiges Loch in die Reputation des Standorts Deutschland reißt und gleichzeitig ein vormals strahlender deutscher Fintech-Stern als globaler Player erlischt, so die Analysten der Weberbank. Der Rest der DAX 30 Unternehmen kämpfe sich währenddessen mal mehr, mal weniger erfolgreich durch die Turbulenzen. Die auf dem Weg aus der Krise notwendigen Schritte würden nicht immer allen Parteien schmecken und könnten weiterhin für Schwankungen sorgen.
Auch an den Rentenmärkten sei weiterhin mit Rückschlägen zu rechnen. Nachdem die Risikoprämien zuletzt wieder deutlich zurückgegangen seien, sollten sich Investoren auf den Aufprall der sich aufbauenden Kreditausfallwelle gefasst machen. In diesem Umfeld bleibe eine defensive Positionierung an Aktien- und Rentenmärkten ergänzt um eine äußerst sorgfältige Titelselektion unabdingbar, um größere Unfälle zu vermeiden. Letzteres sei zwar nichts Neues, bewahrheite sich in Krisenzeiten jedoch umso mehr. Dabei sollte auch der Nebel aus großzügigen Liquiditätsmaßnahmen den Blick nicht trüben. Wir schauen daher weiter jeden Titel aus der Nähe an und sehen von riskanten Manövern ab, so die Analysten der Weberbank.
Die ärmsten Bevölkerungsgruppen und Länder seien global am stärksten von der Krise betroffen, habe der Internationale Währungsfonds in seiner jüngsten Prognose betont. In vielen Teilen der Welt - insbesondere in Lateinamerika und den Regionen um Indien - sei die Dynamik der Infektionszahlen nach wie vor äußerst hoch und verschärfe sich weiter. Die Implikationen, die dies nicht nur für die Situation innerhalb der Länder selbst, sondern auch für internationale Vernetzung von Wirtschaftssystemen und Menschen habe, seien jetzt noch nicht abzusehen. Für exportorientierte Länder wie Deutschland und auch China würde eine zunehmende Abschottung jedoch merklichen Wohlstandsverlust bedeuten - das würden die zuletzt veröffentlichten chinesischen Außenhandelszahlen bereits andeuten. Auch erneute Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten könnten wirtschaftlich bereits angeschlagene Staaten in zusätzliche Schwierigkeiten bringen und den globalen Handel noch zusätzlich schwächen.
Die internationale Gemeinschaft müsse daher den Dialog suchen und gemeinsam an Lösungen arbeiten, um diese Krise zu überwinden. Europa könne und müsse dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Dass die Bereitschaft für großangelegte Rettungsmaßnahmen grundsätzlich vorhanden ist, haben Regierungen und Zentralbanken uns bereits eindrucksvoll bewiesen, so die Analysten der Weberbank. (26.06.2020/alc/a/a)
Am Horizont würden jedoch zunehmend Warnsignale auftauchen. Werde aus der Einbahnstraße der Kursbewegungen und Lockerungsmaßnahmen nun eine Sackgasse?
Gesundheit oder Geld? Am liebsten beides! US-Präsident Trump versuche diesen Weg einzuschlagen und wage damit einen Spagat. Während die Öffnung in vielen, insbesondere den wirtschaftsstärksten Bundesstaaten weiter voranschreitet und die US-Stimmungsindikatoren ebenso wie die US-Einzelhandelsumsätze wie an einem Gummiband zurück in Richtung Normalität zu schnellen scheinen, nimmt die Pandemie weiter ihren Lauf, so die Analysten der Weberbank.
Seit den Öffnungen gebe es in den Vereinigten Staaten vielerorts nun zunehmend regionale Infektionsherde, die außer Kontrolle zu geraten drohen würden, und die Gefahr einer erneut flächendeckenden Ausbreitung steige. Houston, wir haben ein Problem, so die Analysten der Weberbank. Die Region steuere mit Höchstgeschwindigkeit auf eine Überlastung des Gesundheitssystems zu. Die Situation sehe zwar aktuell in Europa und Deutschland noch etwas entspannter aus, jedoch würden auch hier regional die Fallzahlen teilweise wieder deutlich ansteigen. Erneute Lockdowns - zumindest auf regionaler Ebene - würden von Peking bis Los Angeles weltweit an der Tagesordnung bleiben.
Unterdessen würden sich die Kapitalmärkte auf die Regierungen und Zentralbanken als Pannendienst verlassen und wie auf einer Einbahnstraße weiter Richtung Allzeithoch fahren. Die Gefahr, dass den Marktteilnehmern der Sprit ausgehe, bleibe dabei groß. Für den Notfall stünden die Tanklastwagen der Europäischen Zentralbank und der Federal Reserve in den USA bereit - Nachschub in Form von zusätzlichen Liquiditätsinstrumenten scheine noch auf Lager zu sein.
Die US-Aktienmärkte würden weiter von den führenden Technologieunternehmen dominiert. Diese hätten in der Coronakrise ihre Stärken weiter ausbauen können, wodurch die Kluft zwischen New und Old Economy weiter wachse. In dieser Situation schmerzt hierzulande der meteoritenartige Absturz eines bis dato als führend angesehenen deutschen Technologieunternehmens umso mehr, da der Wirecard-Bilanz-Skandal ein riesiges Loch in die Reputation des Standorts Deutschland reißt und gleichzeitig ein vormals strahlender deutscher Fintech-Stern als globaler Player erlischt, so die Analysten der Weberbank. Der Rest der DAX 30 Unternehmen kämpfe sich währenddessen mal mehr, mal weniger erfolgreich durch die Turbulenzen. Die auf dem Weg aus der Krise notwendigen Schritte würden nicht immer allen Parteien schmecken und könnten weiterhin für Schwankungen sorgen.
Auch an den Rentenmärkten sei weiterhin mit Rückschlägen zu rechnen. Nachdem die Risikoprämien zuletzt wieder deutlich zurückgegangen seien, sollten sich Investoren auf den Aufprall der sich aufbauenden Kreditausfallwelle gefasst machen. In diesem Umfeld bleibe eine defensive Positionierung an Aktien- und Rentenmärkten ergänzt um eine äußerst sorgfältige Titelselektion unabdingbar, um größere Unfälle zu vermeiden. Letzteres sei zwar nichts Neues, bewahrheite sich in Krisenzeiten jedoch umso mehr. Dabei sollte auch der Nebel aus großzügigen Liquiditätsmaßnahmen den Blick nicht trüben. Wir schauen daher weiter jeden Titel aus der Nähe an und sehen von riskanten Manövern ab, so die Analysten der Weberbank.
Die ärmsten Bevölkerungsgruppen und Länder seien global am stärksten von der Krise betroffen, habe der Internationale Währungsfonds in seiner jüngsten Prognose betont. In vielen Teilen der Welt - insbesondere in Lateinamerika und den Regionen um Indien - sei die Dynamik der Infektionszahlen nach wie vor äußerst hoch und verschärfe sich weiter. Die Implikationen, die dies nicht nur für die Situation innerhalb der Länder selbst, sondern auch für internationale Vernetzung von Wirtschaftssystemen und Menschen habe, seien jetzt noch nicht abzusehen. Für exportorientierte Länder wie Deutschland und auch China würde eine zunehmende Abschottung jedoch merklichen Wohlstandsverlust bedeuten - das würden die zuletzt veröffentlichten chinesischen Außenhandelszahlen bereits andeuten. Auch erneute Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten könnten wirtschaftlich bereits angeschlagene Staaten in zusätzliche Schwierigkeiten bringen und den globalen Handel noch zusätzlich schwächen.
Die internationale Gemeinschaft müsse daher den Dialog suchen und gemeinsam an Lösungen arbeiten, um diese Krise zu überwinden. Europa könne und müsse dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Dass die Bereitschaft für großangelegte Rettungsmaßnahmen grundsätzlich vorhanden ist, haben Regierungen und Zentralbanken uns bereits eindrucksvoll bewiesen, so die Analysten der Weberbank. (26.06.2020/alc/a/a)


