Erweiterte Funktionen
Rentenmärkte: Reformiert die Schuldenbremse!
06.12.24 09:15
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in Deutschland und den USA haben sich in den vergangenen Tagen per saldo kaum bewegt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Die Bunds lägen aktuell bei 2,08% und die T-Notes bei 4,21%. Vor dem anstehenden EZB-Meeting am 12.12. blieben die Investoren abwartend und hätten vorerst die Talfahrt der vergangenen Wochen gestoppt. Erstaunlich stabil hätten sich die Renditen der Bunds trotz der politischen Krise in Frankreich gezeigt, möglicherweise sei das verlorene Misstrauensvotum gegen Premierminister Michel Barnier bereits eingepreist gewesen. Es werde erwartet, dass die politischen Folgen das Wirtschaftswachstum verlangsamen und Bedenken hinsichtlich der Haushaltsstabilität Frankreichs aufkommen lassen könnten. Datenseitig sei nur der Einzelhandelsumsatz in Deutschland überraschend schwach gewesen.
In den USA habe sich die Wirtschaft weiterhin stabil gezeigt. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe habe besser als erwartet abgeschnitten, während der für die Dienstleistungen die Erwartungen enttäuscht habe. Die Arbeitsmarktdaten hätten ein abschwächendes, aber kein kollabierendes Bild gezeichnet. Somit scheine die Einschätzung von Fed-Präsident Jerome Powell, dass sich die Wirtschaft besser entwickle als noch im September erwartet, gerechtfertigt. Auch wenn Powell sich hinsichtlich einer Zinssenkung im Dezember vorsichtig zeige, bleibe HCOB Economics bei der Einschätzung, dass die Fed eine kleine Zinssenkung am 18.12. verkünden werde. Bei der EZB gebe es ebenfalls seitens der HCOB keine Zweifel, dass man eine kleine Zinssenkung sehen werde.
Die Regierung von Premierminister Michel Barnier sei durch ein Misstrauensvotum gestürzt worden, das von der rechtsnationalen Partei Rassemblement National und der Linken unterstützt worden sei. Der Auslöser sei ein Streit über Haushaltseinsparungen in Zeiten knapper Kassen gewesen. Barnier habe eine Minderheitsregierung geführt, die sich auf das von Präsident Emmanuel Macron gegründete Parteienbündnis Ensemble und die Republikaner gestützt habe. Insgesamt hätten 331 der 574 Parlamentarier für den Antrag gestimmt. Das Kabinett bleibe übergangsweise im Amt, um die Tagesgeschäfte zu erledigen. Die Märkte hätten relativ gelassen reagiert, insbesondere hätten sich die Risikoprämien für die französischen Anleihen nicht weiter ausgeweitet.
Die Konjunkturdaten der Eurozone ließen keine eindeutige Richtung erkennen. Die Einzelhandelsumsätze in Deutschland hätten die Märkte überrascht, aber angesichts der insgesamt desolaten wirtschaftlichen Lage sei dies kein großer Aufreger gewesen. Im Oktober 2024 seien die Einzelhandelsumsätze im Vergleich zum Vormonat um 1,5% zurückgegangen, nachdem sie im September um 1,6% nach oben revidiert worden seien, und hätten deutlich unter den Prognosen eines Rückgangs von 0,3% gelegen. Die Inflationszahlen hätten trotz eines leichten Anstiegs kaum zu Reaktionen auf den Anleihenmärkten geführt. Die jährliche Inflationsrate in der Eurozone habe sich im November 2024 auf 2,3% beschleunigt und damit den Markterwartungen entsprochen. Im Vergleich zum Vormonat sei der VPI um 0,3% gefallen, nachdem er im Oktober um 0,3% gestiegen sei.
In Deutschland sei die jährliche Inflationsrate im November 2024 auf 2,2% gestiegen, gegenüber 2% im Oktober, habe aber leicht unter den Markterwartungen von 2,3% gelegen. Im Monatsvergleich seien die harmonisierten Verbraucherpreise um 0,7% gesunken, stärker als der prognostizierte Rückgang von 0,5%, und hätten den Anstieg von 0,4% im Vormonat wieder wettgemacht. Die US-Wirtschaft habe sich weiterhin robust gezeigt, wie auch Fed-Präsident Jerome Powell bestätigt habe. Sie habe sich besser entwickelt als noch im September erwartet.
"Wir können es uns leisten, ein wenig vorsichtiger zu sein", habe Powell mit Blick auf mögliche weitere Zinssenkungen erklärt. Infolgedessen sei die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte im Dezember auf rund 79% gestiegen, gegenüber 66,5% in der Vorwoche. HCOB Economics gehe weiterhin von einem relativ sicheren kleinen Zinsschritt nach unten am 18.12. aus. Datenseitig habe es in den USA wenige Highlights gegeben. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sei von 46,5 im Oktober auf 48,4 im November 2024 gestiegen und habe die Prognosen von 47,5 übertroffen. Die Daten hätten auf eine weitere, wenn auch schwächere Schrumpfung im verarbeitenden Gewerbe hingedeutet.
Der Arbeitsmarkt habe sich weiterhin robust gezeigt, obwohl eine leichte Abschwächung in den letzten Monaten erkennbar gewesen sei. Im Oktober sei die Zahl der offenen Stellen von 7,44 Millionen im September auf 7,74 Millionen gestiegen. Laut JOLTS-Bericht habe sich die Zahl der offenen Stellen im Oktober 2024 um 372.000 auf 7,744 Millionen erhöht, was über den Markterwartungen von 7,48 Millionen gelegen habe. In der Eurozone stehe am 12. Dezember die nächste Sitzung der Zentralbank an. Kurz vor der Blackoutphase, in der Zentralbanker vor einer Zinssitzung nicht sprechen dürften, habe es reichlich Kommunikationsbedarf gegeben.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe vor einer anhaltenden Konjunkturschwäche in der Eurozone gewarnt. Jüngste Daten hätten darauf hingedeutet, dass kurzfristig mit einem schwächeren Wachstum zu rechnen sei, habe Lagarde bei einer Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel gesagt. Auf längere Sicht dürfte die wirtschaftliche Erholung im gemeinsamen Währungsraum allerdings wieder etwas Fahrt aufnehmen.
Bundesbankpräsident Joachim Nagel habe sich besorgt über das Wachstum in Deutschland geäußert und habe einen für deutsche Zentralbanker unkonventionellen Vorschlag gemacht: die Reform der Schuldenbremse. Er habe gesagt, die nächste Regierung müsse die Schuldenbremse reformieren, um die langfristigen wirtschaftlichen Risiken für Deutschland anzugehen. Mehr fiskalischer Spielraum zur Bewältigung struktureller Bedrohungen, wie die Erhöhung der Verteidigungsausgaben und die Modernisierung der Infrastruktur des Landes, wäre ein "sehr kluger Ansatz", so Nagel.
Vor ihrem Dezember-Meeting werde die EZB in den kommenden Tagen besonders auf deutsche Zahlen achten. Am 6. Dezember würden Außenhandelsdaten und Industrieproduktionszahlen veröffentlicht, die einen guten Eindruck davon vermitteln dürften, wohin sich die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal entwickle. EZB-Präsidentin Lagarde dürfte in ihrer Skepsis hinsichtlich des BIP-Wachstums im vierten Quartal bestätigt werden.
Zudem stünden Industrieproduktionszahlen für die Eurozone an, die einen guten Eindruck vom Zustand des verarbeitenden Gewerbes in der Zone vermitteln dürften, das zuletzt stark geschwächelt habe. In den USA gebe es in den kommenden Tagen lediglich ein Highlight: die Veröffentlichung der Nonfarm-Payrolls (6.12.). Diese Daten würden die Anzahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft messen und seien ein wichtiger Indikator für die Gesundheit des US-Arbeitsmarktes. Es dürften laut Konsensschätzung im November rund 215.000 neue Stelle geschaffen worden sein. (Ausgabe vom 05.12.2024) (06.12.2024/alc/a/a)
Die Bunds lägen aktuell bei 2,08% und die T-Notes bei 4,21%. Vor dem anstehenden EZB-Meeting am 12.12. blieben die Investoren abwartend und hätten vorerst die Talfahrt der vergangenen Wochen gestoppt. Erstaunlich stabil hätten sich die Renditen der Bunds trotz der politischen Krise in Frankreich gezeigt, möglicherweise sei das verlorene Misstrauensvotum gegen Premierminister Michel Barnier bereits eingepreist gewesen. Es werde erwartet, dass die politischen Folgen das Wirtschaftswachstum verlangsamen und Bedenken hinsichtlich der Haushaltsstabilität Frankreichs aufkommen lassen könnten. Datenseitig sei nur der Einzelhandelsumsatz in Deutschland überraschend schwach gewesen.
In den USA habe sich die Wirtschaft weiterhin stabil gezeigt. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe habe besser als erwartet abgeschnitten, während der für die Dienstleistungen die Erwartungen enttäuscht habe. Die Arbeitsmarktdaten hätten ein abschwächendes, aber kein kollabierendes Bild gezeichnet. Somit scheine die Einschätzung von Fed-Präsident Jerome Powell, dass sich die Wirtschaft besser entwickle als noch im September erwartet, gerechtfertigt. Auch wenn Powell sich hinsichtlich einer Zinssenkung im Dezember vorsichtig zeige, bleibe HCOB Economics bei der Einschätzung, dass die Fed eine kleine Zinssenkung am 18.12. verkünden werde. Bei der EZB gebe es ebenfalls seitens der HCOB keine Zweifel, dass man eine kleine Zinssenkung sehen werde.
Die Regierung von Premierminister Michel Barnier sei durch ein Misstrauensvotum gestürzt worden, das von der rechtsnationalen Partei Rassemblement National und der Linken unterstützt worden sei. Der Auslöser sei ein Streit über Haushaltseinsparungen in Zeiten knapper Kassen gewesen. Barnier habe eine Minderheitsregierung geführt, die sich auf das von Präsident Emmanuel Macron gegründete Parteienbündnis Ensemble und die Republikaner gestützt habe. Insgesamt hätten 331 der 574 Parlamentarier für den Antrag gestimmt. Das Kabinett bleibe übergangsweise im Amt, um die Tagesgeschäfte zu erledigen. Die Märkte hätten relativ gelassen reagiert, insbesondere hätten sich die Risikoprämien für die französischen Anleihen nicht weiter ausgeweitet.
Die Konjunkturdaten der Eurozone ließen keine eindeutige Richtung erkennen. Die Einzelhandelsumsätze in Deutschland hätten die Märkte überrascht, aber angesichts der insgesamt desolaten wirtschaftlichen Lage sei dies kein großer Aufreger gewesen. Im Oktober 2024 seien die Einzelhandelsumsätze im Vergleich zum Vormonat um 1,5% zurückgegangen, nachdem sie im September um 1,6% nach oben revidiert worden seien, und hätten deutlich unter den Prognosen eines Rückgangs von 0,3% gelegen. Die Inflationszahlen hätten trotz eines leichten Anstiegs kaum zu Reaktionen auf den Anleihenmärkten geführt. Die jährliche Inflationsrate in der Eurozone habe sich im November 2024 auf 2,3% beschleunigt und damit den Markterwartungen entsprochen. Im Vergleich zum Vormonat sei der VPI um 0,3% gefallen, nachdem er im Oktober um 0,3% gestiegen sei.
"Wir können es uns leisten, ein wenig vorsichtiger zu sein", habe Powell mit Blick auf mögliche weitere Zinssenkungen erklärt. Infolgedessen sei die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte im Dezember auf rund 79% gestiegen, gegenüber 66,5% in der Vorwoche. HCOB Economics gehe weiterhin von einem relativ sicheren kleinen Zinsschritt nach unten am 18.12. aus. Datenseitig habe es in den USA wenige Highlights gegeben. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sei von 46,5 im Oktober auf 48,4 im November 2024 gestiegen und habe die Prognosen von 47,5 übertroffen. Die Daten hätten auf eine weitere, wenn auch schwächere Schrumpfung im verarbeitenden Gewerbe hingedeutet.
Der Arbeitsmarkt habe sich weiterhin robust gezeigt, obwohl eine leichte Abschwächung in den letzten Monaten erkennbar gewesen sei. Im Oktober sei die Zahl der offenen Stellen von 7,44 Millionen im September auf 7,74 Millionen gestiegen. Laut JOLTS-Bericht habe sich die Zahl der offenen Stellen im Oktober 2024 um 372.000 auf 7,744 Millionen erhöht, was über den Markterwartungen von 7,48 Millionen gelegen habe. In der Eurozone stehe am 12. Dezember die nächste Sitzung der Zentralbank an. Kurz vor der Blackoutphase, in der Zentralbanker vor einer Zinssitzung nicht sprechen dürften, habe es reichlich Kommunikationsbedarf gegeben.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe vor einer anhaltenden Konjunkturschwäche in der Eurozone gewarnt. Jüngste Daten hätten darauf hingedeutet, dass kurzfristig mit einem schwächeren Wachstum zu rechnen sei, habe Lagarde bei einer Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel gesagt. Auf längere Sicht dürfte die wirtschaftliche Erholung im gemeinsamen Währungsraum allerdings wieder etwas Fahrt aufnehmen.
Bundesbankpräsident Joachim Nagel habe sich besorgt über das Wachstum in Deutschland geäußert und habe einen für deutsche Zentralbanker unkonventionellen Vorschlag gemacht: die Reform der Schuldenbremse. Er habe gesagt, die nächste Regierung müsse die Schuldenbremse reformieren, um die langfristigen wirtschaftlichen Risiken für Deutschland anzugehen. Mehr fiskalischer Spielraum zur Bewältigung struktureller Bedrohungen, wie die Erhöhung der Verteidigungsausgaben und die Modernisierung der Infrastruktur des Landes, wäre ein "sehr kluger Ansatz", so Nagel.
Vor ihrem Dezember-Meeting werde die EZB in den kommenden Tagen besonders auf deutsche Zahlen achten. Am 6. Dezember würden Außenhandelsdaten und Industrieproduktionszahlen veröffentlicht, die einen guten Eindruck davon vermitteln dürften, wohin sich die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal entwickle. EZB-Präsidentin Lagarde dürfte in ihrer Skepsis hinsichtlich des BIP-Wachstums im vierten Quartal bestätigt werden.
Zudem stünden Industrieproduktionszahlen für die Eurozone an, die einen guten Eindruck vom Zustand des verarbeitenden Gewerbes in der Zone vermitteln dürften, das zuletzt stark geschwächelt habe. In den USA gebe es in den kommenden Tagen lediglich ein Highlight: die Veröffentlichung der Nonfarm-Payrolls (6.12.). Diese Daten würden die Anzahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft messen und seien ein wichtiger Indikator für die Gesundheit des US-Arbeitsmarktes. Es dürften laut Konsensschätzung im November rund 215.000 neue Stelle geschaffen worden sein. (Ausgabe vom 05.12.2024) (06.12.2024/alc/a/a)


