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Rentenmärkte: Notenbanksitzungen vor der Tür


08.12.23 08:50
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Bei den Renditen der Staatsanleihen setzt sich der Sinkflug fort, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Die zehnjährigen T-Notes-Renditen lägen jetzt bei 4,15%, die entsprechenden Bunds bei 2,18%. Das Jahreshoch habe bei den T-Notes bei knapp 5% (Tageschluss, per Mitte Oktober) und bei den Bunds bei knapp 3 % (Ende September) gelegen. Grundsätzlich würden für den Rückgang die letzten überraschend stark rückläufigen Inflationszahlen Verantwortung zeichnen, auf deren Basis die Investoren darauf setzen würden, dass die Notenbanken schon bald mit einer Reihe von Zinssenkungen beginnen könnten.

Unterstützend habe zuletzt der fallende Ölpreis gewirkt. Brent liege jetzt bei knapp 75 US-Dollar/ Barrel. Die freiwilligen Ölkürzungen der OPEC, die immerhin 2,2 Mio. Barrel/Tag umfassen würden, hätten also bislang keine Wirkung entfaltet. Das liege vermutlich auch daran, dass die amerikanische Ölförderung wieder ein Allzeithoch von 13,2 Mio Barrel/Tag erreicht habe. Prognosen zufolge werde sich die Steigerung der Ölproduktion in 2024 in den USA noch fortsetzen.

Am Donnerstag (14.12.) werde die EZB wieder zusammenkommen. Alles spreche dafür, dass die Notenbank den Leitzins unverändert lassen werde. Gemäß unserer Auswertung der Reden und Interviews, die von EZB-Mitgliedern seit der letzten Sitzung veröffentlicht wurden, werden sich gut vier Fünftel der Mitglieder dafür aussprechen, die Zinsen unverändert bei 4,00% (Einlagenfazilität) zu lassen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Nur ein knappes Zehntel zeige eine Neigung, die Leitzinsen ein weiteres Mal zu erhöhen.

Es gebe zwar Andeutungen dazu, dass das eigentlich für Dezember 2024 angekündigte Ende der Reinvestitionen beim PEPP-Programm vorgezogen werden könnte. Ob dies aber tatsächlich bei der Sitzung in der kommenden Woche bereits Thema sein dürfte, sei unklar.

Die US-Notenbank werde einen Tag vor der EZB ihre Entscheidung treffen (13.12.). Auch hier werde allgemein davon ausgegangen, dass die FED die Füße still halte. Powell habe vergangene Woche noch festgestellt, dass weitere Zinserhöhungen im nächsten Jahr nicht ausgeschlossen seien. An den Forwardmärkten und auch an den Aktienmärkten habe diese Warnung nicht verfangen. Offensichtlich gehe man davon aus, dass sich die Wirtschaft und vor allem die Inflation in den nächsten Monaten so stark abschwächen werde, dass sich die Frage nach Zinserhöhungen gar nicht mehr stelle; dass vielmehr die FED gar nicht mehr anders könne als die Zinsen zu senken.

Die Analysten würden in ihrer neuen Prognose davon ausgehen, dass die EZB ihre Leitzinsen im nächsten Jahr zwei Mal und die FED drei Mal senken werde (ihre bisherige Prognose: keine Zinssenkung der EZB, zwei Zinssenkungen der FED). Das sei deutlich weniger als die Finanzmärkte erwarten würden. Der Unterschied liege darin begründet, dass die Analysten nicht davon ausgehen würden, dass der Inflationsrückgang nachhaltig sein werde. Vielmehr dürfte zur Jahresmitte die Inflation wieder steigen.

Wichtig werde bei der Einschätzung des künftigen FED-Kurses sein, wie die US-Arbeitsmarktzahlen ausfallen würden (08.12.). Beim Zuwachs der Beschäftigung zeige der Trend seit geraumer Zeit nach unten, aber das Beschäftigungswachstum bleibe immer noch recht robust.

Darüber hinaus erscheinen wegen der Weihnachtstage bereits nächste Woche die HCOB PMI Flash Einkaufsmanagerindices, einschließlich des HCOB Germany PMI Export Conditions Index, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Letzteren würden die Analysten als guten Indikator für Exportperspektiven deutscher Unternehmen und - angesichts der herausragenden Bedeutung der Exporte für das Wirtschaftswachstum in Deutschland - als wichtigen Konjunkturindikator sehen. (Ausgabe vom 07.12.2023) (08.12.2023/alc/a/a)