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Rentenmärkte: Lagarde - EZB fast am Ziel
10.01.25 08:21
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - In den letzten Tagen haben die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen ihren Aufwärtstrend fortgesetzt, was in Zinssenkungsphasen der Zentralbanken ungewöhnlich ist, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Die Renditen der zehnjährigen T-Notes seien auf 4,68% gestiegen und die der Bunds mit entsprechender Laufzeit auf 2,50%. Diese Zinsrallye an den Anleihenmärkten werde in der Eurozone durch steigende Inflationszahlen und in den USA durch relativ robuste ökonomische Daten angetrieben.
Die US-Wirtschaft habe insbesondere vom ISM-Dienstleistungs-PMI, der Anzahl der offenen Stellen und stark gestiegenen Importen profitiert. Zwar seien die Auftragseingänge für Industriegüter gesunken, jedoch weniger als erwartet. Einziger Wermutstropfen seien die ADP-Beschäftigungszahlen gewesen, die deutlich schwächer als erwartet ausgefallen seien, aber eine schwache Korrelation mit den tatsächlichen Arbeitsmarktdaten aufweisen würden. Hoffnungen auf entspanntere Meldungen aus der US-Politik blieben vorerst unwahrscheinlich. Der designierte US-Präsident Trump erwäge, einen nationalen wirtschaftlichen Notstand auszurufen, um eine rechtliche Grundlage für universelle Zölle gegen verbündete und gegnerische Staaten zu schaffen.
In der Eurozone habe vor allem Deutschland die Stimmung der Anleger verschlechtert. Einzelhandelsumsätze und Industrieaufträge zeichneten ein weiterhin schwaches Konjunkturbild. Überraschend positiv seien jedoch die Zahlen zur Industrieproduktion gewesen, die die Marktprognosen deutlich übertroffen hätten. Geldpolitisch scheine sich ein Keil zwischen den USA und der Eurozone aufzutun. Die konjunkturelle Lage sei so unterschiedlich, dass die Fed angesichts einer stabilen wirtschaftlichen Gesamtlage die Erwartungen hinsichtlich kontinuierlicher Zinssenkungen deutlich senke, während die EZB angesichts rezessiver Entwicklungen und trotz eines leichten Wiederanstiegs der Inflation relativ dazu deutlicher auf sinkende Zinssätze setze.
Die US-Wirtschaft zeige sich weiterhin robust. Besonders die Dienstleistungszahlen seien bei Anlegern auf positive Resonanz gestoßen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor sei im Dezember 2024 auf 54,1 Punkte gestiegen, nach 52,1 im November, und habe damit die Markterwartungen von 53,3 übertroffen. Dies sei das zehnte Mal in diesem Jahr gewesen, dass der Composite-Index im Expansionsbereich gelegen habe. Auch die Arbeitsmarktzahlen hätten überzeugt. Die Zahl der offenen Stellen sei im November 2024 um 259.000 auf 8,098 Millionen gestiegen, nach revidierten 7,839 Millionen im Oktober und über den Erwartungen von 7,70 Millionen.
Die US-Industrie hingegen bleibe hinter den Erwartungen zurück. Die Auftragseingänge für Industriegüter seien im November 2024 um 0,4% auf 586,1 Mrd. USD gesunken, was über dem erwarteten Rückgang von 0,3% gelegen habe (Oktober: +0,5%). Eine Enttäuschung für Anleger sei die ADP-Beschäftigungsumfrage gewesen. Die Privatunternehmen hätten im Dezember 2024 nur 122.000 neue Mitarbeiter eingestellt, der niedrigste Wert seit vier Monaten, verglichen mit 146.000 im November und unter den Prognosen von 140.000. Am 9. Januar 2025 seien die stärker beachteten Payroll-Daten herausgekommen. Der Arbeitsmarkt habe sich im letzten Monat des Jahres 2024 auf ein bescheideneres Wachstumstempo verlagert, wobei sich sowohl die Einstellungs- als auch die Lohnzuwächse verlangsamt hätten.
Die wirtschaftliche Lage in der Eurozone bleibe angespannt, während die Inflationsdaten wieder moderat zugelegt hätten. Die jährliche Inflationsrate im Euroraum habe sich im Dezember 2024 den dritten Monat in Folge auf 2,4% beschleunigt, den höchsten Stand seit Juli, verglichen mit 2,2% im November und im Rahmen der Erwartungen. Dieser Anstieg sei aufgrund von Basiseffekten erwartet worden, da die starken Energiepreisrückgänge des Vorjahres nicht mehr berücksichtigt seien.
Unter den großen Volkswirtschaften der Eurozone zeige sich ein heterogenes Bild: Die harmonisierte Rate der Inflation sei in Deutschland (2,8% gegenüber 2,4%), Frankreich (1,8% gegenüber 1,7%) und Spanien (2,8% gegenüber 2,4%) gestiegen, während sie sich in Italien verlangsamt habe (1,4% gegenüber 1,5%). Konjunkturell besonders besorgniserregend sei die Lage in Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Zone, die keine Erholungssignale sende. Die Einzelhandelsumsätze seien im November 2024 um 0,6% zurückgegangen, nachdem sie im Oktober um 0,4% nach oben revidiert worden seien und die Prognosen eines Anstiegs von 0,5% verfehlt hätten.
Noch kritischer sei die Situation in der Industrie. Die Industrieaufträge seien im November 2024 um 5,4% gegenüber dem Vormonat geschrumpft, stärker als der Rückgang von 1,5% im Oktober und weit unter den Marktschätzungen, die von einem flachen Wert ausgegangen seien. Dies sei der stärkste Rückgang seit August gewesen, bedingt durch einen Rückgang der Bestellungen für Flugzeuge, Schiffe und Züge um 58,4% nach umfangreichen Großaufträgen im Oktober.
Die Europäische Zentralbank stehe nach Einschätzung ihrer Präsidentin Christine Lagarde kurz davor, ihr Inflationsziel in der Eurozone zu erreichen. "Wir nähern uns dem Punkt, an dem wir erklären können, dass wir die Inflation nachhaltig auf unser mittelfristiges Ziel von zwei Prozent gebracht haben", habe Lagarde gesagt. Sie habe jedoch gewarnt, dass man hinsichtlich der Inflation im Dienstleistungssektor sehr wachsam sein müsse. Die Finanzmärkte teilten diese Einschätzung und preisten sogar vier Zinssenkungen ein. HCOB Economics hingegen erwarte lediglich zwei Zinssenkungen im ersten Quartal, da die EZB aufgrund der wieder ansteigenden Inflation keinen weiteren Spielraum für Zinssenkungen haben dürfte.
In den USA hätten die jüngsten konjunkturellen Entwicklungen die Futuresmärkte vorsichtiger werden lassen. Für 2025 würden nur noch maximal eineinhalb Zinssenkungen eingepreist. Diese Haltung spiegle die Sichtweise einiger Fed-Mitglieder wider. Fed-Direktorin Adriana Kugler habe die große Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2025 betont und erklärt, dass die Fed angesichts ihrer Prognosen vom vergangenen Monat, die eine geringere Zinssenkung vorsehen würden, langsamer und schrittweiser vorgehen könne.
In den kommenden Tagen werde es in den USA datenseitig äußerst spannend. Das größte Highlight dürften die von Anlegern erwarteten Non-Farm Payrolls am 10. Januar sein, die laut Konsensschätzung um 175.000 Angestellte wachsen sollten, etwas schwächer als im Vormonat. Weitere wichtige Indikatoren für den Zustand des US-Konsums seien das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (10.01.), die Verbraucherpreise (15.01.) und die Einzelhandelsumsätze (16.01.). Anleger würden zudem die US-Industrie genau beobachten, die bisher keine Erholungssignale gesendet habe. Wichtige Daten hierzu seien die Lagerbestände der Industrie (16.01.) und die Industrieproduktion.
In der Eurozone gebe es in den kommenden Tagen kaum Highlights, einzig die Industrieproduktion dürfte Aufschluss über die momentane Situation geben. In China stünden die BIP-Zahlen zum Jahresabschluss 2024 (Q4) am 17. Januar an. Laut HCOB Economics dürften diese bei 1% QoQ liegen, wodurch China das selbstgesetzte Wachstumsziel von 5% für 2024 knapp verpassen könnte. (Ausgabe vom 09.01.2025) (10.01.2025/alc/a/a)
Die Renditen der zehnjährigen T-Notes seien auf 4,68% gestiegen und die der Bunds mit entsprechender Laufzeit auf 2,50%. Diese Zinsrallye an den Anleihenmärkten werde in der Eurozone durch steigende Inflationszahlen und in den USA durch relativ robuste ökonomische Daten angetrieben.
Die US-Wirtschaft habe insbesondere vom ISM-Dienstleistungs-PMI, der Anzahl der offenen Stellen und stark gestiegenen Importen profitiert. Zwar seien die Auftragseingänge für Industriegüter gesunken, jedoch weniger als erwartet. Einziger Wermutstropfen seien die ADP-Beschäftigungszahlen gewesen, die deutlich schwächer als erwartet ausgefallen seien, aber eine schwache Korrelation mit den tatsächlichen Arbeitsmarktdaten aufweisen würden. Hoffnungen auf entspanntere Meldungen aus der US-Politik blieben vorerst unwahrscheinlich. Der designierte US-Präsident Trump erwäge, einen nationalen wirtschaftlichen Notstand auszurufen, um eine rechtliche Grundlage für universelle Zölle gegen verbündete und gegnerische Staaten zu schaffen.
In der Eurozone habe vor allem Deutschland die Stimmung der Anleger verschlechtert. Einzelhandelsumsätze und Industrieaufträge zeichneten ein weiterhin schwaches Konjunkturbild. Überraschend positiv seien jedoch die Zahlen zur Industrieproduktion gewesen, die die Marktprognosen deutlich übertroffen hätten. Geldpolitisch scheine sich ein Keil zwischen den USA und der Eurozone aufzutun. Die konjunkturelle Lage sei so unterschiedlich, dass die Fed angesichts einer stabilen wirtschaftlichen Gesamtlage die Erwartungen hinsichtlich kontinuierlicher Zinssenkungen deutlich senke, während die EZB angesichts rezessiver Entwicklungen und trotz eines leichten Wiederanstiegs der Inflation relativ dazu deutlicher auf sinkende Zinssätze setze.
Die US-Wirtschaft zeige sich weiterhin robust. Besonders die Dienstleistungszahlen seien bei Anlegern auf positive Resonanz gestoßen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor sei im Dezember 2024 auf 54,1 Punkte gestiegen, nach 52,1 im November, und habe damit die Markterwartungen von 53,3 übertroffen. Dies sei das zehnte Mal in diesem Jahr gewesen, dass der Composite-Index im Expansionsbereich gelegen habe. Auch die Arbeitsmarktzahlen hätten überzeugt. Die Zahl der offenen Stellen sei im November 2024 um 259.000 auf 8,098 Millionen gestiegen, nach revidierten 7,839 Millionen im Oktober und über den Erwartungen von 7,70 Millionen.
Die US-Industrie hingegen bleibe hinter den Erwartungen zurück. Die Auftragseingänge für Industriegüter seien im November 2024 um 0,4% auf 586,1 Mrd. USD gesunken, was über dem erwarteten Rückgang von 0,3% gelegen habe (Oktober: +0,5%). Eine Enttäuschung für Anleger sei die ADP-Beschäftigungsumfrage gewesen. Die Privatunternehmen hätten im Dezember 2024 nur 122.000 neue Mitarbeiter eingestellt, der niedrigste Wert seit vier Monaten, verglichen mit 146.000 im November und unter den Prognosen von 140.000. Am 9. Januar 2025 seien die stärker beachteten Payroll-Daten herausgekommen. Der Arbeitsmarkt habe sich im letzten Monat des Jahres 2024 auf ein bescheideneres Wachstumstempo verlagert, wobei sich sowohl die Einstellungs- als auch die Lohnzuwächse verlangsamt hätten.
Unter den großen Volkswirtschaften der Eurozone zeige sich ein heterogenes Bild: Die harmonisierte Rate der Inflation sei in Deutschland (2,8% gegenüber 2,4%), Frankreich (1,8% gegenüber 1,7%) und Spanien (2,8% gegenüber 2,4%) gestiegen, während sie sich in Italien verlangsamt habe (1,4% gegenüber 1,5%). Konjunkturell besonders besorgniserregend sei die Lage in Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Zone, die keine Erholungssignale sende. Die Einzelhandelsumsätze seien im November 2024 um 0,6% zurückgegangen, nachdem sie im Oktober um 0,4% nach oben revidiert worden seien und die Prognosen eines Anstiegs von 0,5% verfehlt hätten.
Noch kritischer sei die Situation in der Industrie. Die Industrieaufträge seien im November 2024 um 5,4% gegenüber dem Vormonat geschrumpft, stärker als der Rückgang von 1,5% im Oktober und weit unter den Marktschätzungen, die von einem flachen Wert ausgegangen seien. Dies sei der stärkste Rückgang seit August gewesen, bedingt durch einen Rückgang der Bestellungen für Flugzeuge, Schiffe und Züge um 58,4% nach umfangreichen Großaufträgen im Oktober.
Die Europäische Zentralbank stehe nach Einschätzung ihrer Präsidentin Christine Lagarde kurz davor, ihr Inflationsziel in der Eurozone zu erreichen. "Wir nähern uns dem Punkt, an dem wir erklären können, dass wir die Inflation nachhaltig auf unser mittelfristiges Ziel von zwei Prozent gebracht haben", habe Lagarde gesagt. Sie habe jedoch gewarnt, dass man hinsichtlich der Inflation im Dienstleistungssektor sehr wachsam sein müsse. Die Finanzmärkte teilten diese Einschätzung und preisten sogar vier Zinssenkungen ein. HCOB Economics hingegen erwarte lediglich zwei Zinssenkungen im ersten Quartal, da die EZB aufgrund der wieder ansteigenden Inflation keinen weiteren Spielraum für Zinssenkungen haben dürfte.
In den USA hätten die jüngsten konjunkturellen Entwicklungen die Futuresmärkte vorsichtiger werden lassen. Für 2025 würden nur noch maximal eineinhalb Zinssenkungen eingepreist. Diese Haltung spiegle die Sichtweise einiger Fed-Mitglieder wider. Fed-Direktorin Adriana Kugler habe die große Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2025 betont und erklärt, dass die Fed angesichts ihrer Prognosen vom vergangenen Monat, die eine geringere Zinssenkung vorsehen würden, langsamer und schrittweiser vorgehen könne.
In den kommenden Tagen werde es in den USA datenseitig äußerst spannend. Das größte Highlight dürften die von Anlegern erwarteten Non-Farm Payrolls am 10. Januar sein, die laut Konsensschätzung um 175.000 Angestellte wachsen sollten, etwas schwächer als im Vormonat. Weitere wichtige Indikatoren für den Zustand des US-Konsums seien das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (10.01.), die Verbraucherpreise (15.01.) und die Einzelhandelsumsätze (16.01.). Anleger würden zudem die US-Industrie genau beobachten, die bisher keine Erholungssignale gesendet habe. Wichtige Daten hierzu seien die Lagerbestände der Industrie (16.01.) und die Industrieproduktion.
In der Eurozone gebe es in den kommenden Tagen kaum Highlights, einzig die Industrieproduktion dürfte Aufschluss über die momentane Situation geben. In China stünden die BIP-Zahlen zum Jahresabschluss 2024 (Q4) am 17. Januar an. Laut HCOB Economics dürften diese bei 1% QoQ liegen, wodurch China das selbstgesetzte Wachstumsziel von 5% für 2024 knapp verpassen könnte. (Ausgabe vom 09.01.2025) (10.01.2025/alc/a/a)


