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Rentenmärkte: Gerücht über Ende des EZB-Anleihekaufprogramms, Renditen angestiegen
07.10.16 12:58
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Bekanntlich reicht schon ein Gerücht aus, um an den Finanzmärkten größere Kursbewegungen auszulösen, sofern das Gerücht nur auf entsprechend nervöse Marktteilnehmer trifft, so die Analysten der Weberbank.
So geschehen in dieser Woche: Eine Agenturmeldung über einen graduellen Ausstieg der Europäischen Zentralbank (EZB) aus ihrem Anleihekaufprogramm habe den Rentenmarkt auf dem falschen Fuß erwischt. Dass diese Meldung weder den Zeitpunkt des Ausstiegs spezifizierte noch Genaueres beinhaltet habe, habe die Zinsen nicht an einer sprunghaften Korrektur gehindert. Die zehnjährigen Renditen in Deutschland, in Italien und in den USA seien um 5 bis 6 Basispunkte angestiegen. Auch wenn dieser Anstieg nicht allzu hoch anmuten möge, wecke der beschriebene Fall doch Erinnerungen an den Ausstieg der Amerikaner aus ihrer ultralockeren geldpolitischen Praxis der Anleihenkäufe.
Die Ankündigung im Mai 2013 des damaligen Vorsitzenden der amerikanischen Zentralbank (FED) Ben Bernanke, in nicht allzu ferner Zukunft das Kaufprogramm graduell zurückzufahren, habe eine heftige Reaktion am Rentenmarkt ausgelöst, die sich bis heute tief in das Gedächtnis der Anleger eingebrannt habe. Derzeit sehe man in der Eurozone jedoch noch nicht die Gefahr einer baldigen geldpolitischen Wende aufziehen. Die Analysten würden aber zur Vorsicht mahnen, insbesondere was phasenweise Renditeanstiege betreffe. Konkret würden sie erwarten, dass es vor allem durch aufflackernde Inflationsanstiege zum Ende des Jahres und Anfang nächsten Jahres immer mal wieder zu erhöhten Schwankungen am Rentenmarkt kommen könne.
In den USA seien die zuletzt schwachen Einkaufsmanagerindices relativiert worden, indem die aktuellen Zahlen wieder deutlich besser herausgekommen seien und somit alles andere als rezessive Tendenzen gezeigt hätten. Das passe auch in das positive Bild der Fundamentaldaten, wie die Analysten es bereits in der letzten Ausgabe von "Finanzmarkt aktuell" gezeichnet hätten und welches weiterhin Bestand habe. Unternehmensseitig seien ähnlich erfreuliche Tendenzen in der gerade erst angelaufenen Berichtssaison zu sehen.
Dem stehe die US-Präsidentschaftswahl am 8. November als "Ereignisrisiko" gegenüber. Damit Donald Trump ein Kandidat zur Wahl stehe, dessen Politik zum einen wohl die Kontinuität seines Vorgängers unterbrechen würde und zum anderen seine Programmatik protektionistische Züge aufweise, müsse mit phasenweiser Unsicherheit an den Aktienmärkten gerechnet werden. Dieses Ereignisrisiko sollte aber aus Sicht der Analysten nicht überbewertet werden. Durch das Prinzip der sogenannten "Checks and Balances", was die gegenseitige Kontrolle der staatlichen Organe sicherstellen und übermäßige Macht verhindern solle, würden radikale Maßnahmen nicht ohne Weiteres durchsetzbar sein. Ein wichtiger Faktor sei deswegen auch die Zusammensetzung des Kongresses nach der Wahl.
Insgesamt würden die Analysten ihre moderat positive Einstellung zum amerikanischen Aktienmarkt beibehalten. Als Beimischung würden sie weiterhin Gold positiv sehen. Auch wenn das Edelmetall diese Woche kräftig nachgegeben habe, was zu einem gewissen Grad auf das oben angesprochene EZB-Gerücht zurückgeführt werde, würden sie es als Sicherheitskomponente für sinnvoll halten, um gegen kommende (politische) Unsicherheiten an den Märkten gewappnet zu sein.
Abgeschlossen werden solle dieser Marktkommentar mit einem Blick auf die aktuellen Entwicklungen zum Thema "Brexit": Auch wenn nach positiven Volkswirtschaftszahlen aus Großbritannien, wie z.B. den wiederholt steigenden Einzelhandelsumsätzen oder den erholten Einkaufsmanagerumfragen, die Brisanz des Themas etwas abgeschwächt worden sei, sei es längst nicht endgültig vom Tisch. Premierministerin Theresa May habe zwar einen Fahrplan zum Brexit-Antrag vorgegeben, der spätestens Ende März 2017 gestellt werden solle, sie habe damit aber den Anlegern die Sorgen um einem "harten Brexit" nicht nehmen können. Diese Variante des Brexits sei ein Austritt aus der Europäischen Union ohne Anschlussvereinbarungen über Handelsbeziehungen. Das Pfund habe dementsprechend seinen Abwärtstrend fortgesetzt und sei gegenüber dem US-Dollar auf ein 31-Jahres-Tief und gegenüber dem Euro auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen.
Ein sogenannter "Flash Crash" um über 6 Prozent im asiatischen Handel, also ein Einbruch, der sich nach kurzer Zeit wieder erhole, habe am heutigen Freitagmorgen die Marktteilnehmer zusätzlich verunsichert. Ähnlich starke Abwertungen des Pfundes hätten das letzte Mal zur Finanzkrise 2008 und beim Austritt Großbritanniens aus dem Europäischen Währungssystem (EWS) 1992 beobachtet werden können. Kurzfristig sehe man aber aufgrund der soliden Wirtschaftsdaten derzeit keine rezessiven Tendenzen in Großbritannien aufkommen. Mittelfristig seien aber die tatsächlichen Auswirkungen auf den Warenverkehr nach dem Brexit noch nicht kalkulierbar, und somit habe die Untergewichtung Großbritanniens weiterhin Bestand. (07.10.2016/alc/a/a)
So geschehen in dieser Woche: Eine Agenturmeldung über einen graduellen Ausstieg der Europäischen Zentralbank (EZB) aus ihrem Anleihekaufprogramm habe den Rentenmarkt auf dem falschen Fuß erwischt. Dass diese Meldung weder den Zeitpunkt des Ausstiegs spezifizierte noch Genaueres beinhaltet habe, habe die Zinsen nicht an einer sprunghaften Korrektur gehindert. Die zehnjährigen Renditen in Deutschland, in Italien und in den USA seien um 5 bis 6 Basispunkte angestiegen. Auch wenn dieser Anstieg nicht allzu hoch anmuten möge, wecke der beschriebene Fall doch Erinnerungen an den Ausstieg der Amerikaner aus ihrer ultralockeren geldpolitischen Praxis der Anleihenkäufe.
Die Ankündigung im Mai 2013 des damaligen Vorsitzenden der amerikanischen Zentralbank (FED) Ben Bernanke, in nicht allzu ferner Zukunft das Kaufprogramm graduell zurückzufahren, habe eine heftige Reaktion am Rentenmarkt ausgelöst, die sich bis heute tief in das Gedächtnis der Anleger eingebrannt habe. Derzeit sehe man in der Eurozone jedoch noch nicht die Gefahr einer baldigen geldpolitischen Wende aufziehen. Die Analysten würden aber zur Vorsicht mahnen, insbesondere was phasenweise Renditeanstiege betreffe. Konkret würden sie erwarten, dass es vor allem durch aufflackernde Inflationsanstiege zum Ende des Jahres und Anfang nächsten Jahres immer mal wieder zu erhöhten Schwankungen am Rentenmarkt kommen könne.
Dem stehe die US-Präsidentschaftswahl am 8. November als "Ereignisrisiko" gegenüber. Damit Donald Trump ein Kandidat zur Wahl stehe, dessen Politik zum einen wohl die Kontinuität seines Vorgängers unterbrechen würde und zum anderen seine Programmatik protektionistische Züge aufweise, müsse mit phasenweiser Unsicherheit an den Aktienmärkten gerechnet werden. Dieses Ereignisrisiko sollte aber aus Sicht der Analysten nicht überbewertet werden. Durch das Prinzip der sogenannten "Checks and Balances", was die gegenseitige Kontrolle der staatlichen Organe sicherstellen und übermäßige Macht verhindern solle, würden radikale Maßnahmen nicht ohne Weiteres durchsetzbar sein. Ein wichtiger Faktor sei deswegen auch die Zusammensetzung des Kongresses nach der Wahl.
Insgesamt würden die Analysten ihre moderat positive Einstellung zum amerikanischen Aktienmarkt beibehalten. Als Beimischung würden sie weiterhin Gold positiv sehen. Auch wenn das Edelmetall diese Woche kräftig nachgegeben habe, was zu einem gewissen Grad auf das oben angesprochene EZB-Gerücht zurückgeführt werde, würden sie es als Sicherheitskomponente für sinnvoll halten, um gegen kommende (politische) Unsicherheiten an den Märkten gewappnet zu sein.
Abgeschlossen werden solle dieser Marktkommentar mit einem Blick auf die aktuellen Entwicklungen zum Thema "Brexit": Auch wenn nach positiven Volkswirtschaftszahlen aus Großbritannien, wie z.B. den wiederholt steigenden Einzelhandelsumsätzen oder den erholten Einkaufsmanagerumfragen, die Brisanz des Themas etwas abgeschwächt worden sei, sei es längst nicht endgültig vom Tisch. Premierministerin Theresa May habe zwar einen Fahrplan zum Brexit-Antrag vorgegeben, der spätestens Ende März 2017 gestellt werden solle, sie habe damit aber den Anlegern die Sorgen um einem "harten Brexit" nicht nehmen können. Diese Variante des Brexits sei ein Austritt aus der Europäischen Union ohne Anschlussvereinbarungen über Handelsbeziehungen. Das Pfund habe dementsprechend seinen Abwärtstrend fortgesetzt und sei gegenüber dem US-Dollar auf ein 31-Jahres-Tief und gegenüber dem Euro auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen.
Ein sogenannter "Flash Crash" um über 6 Prozent im asiatischen Handel, also ein Einbruch, der sich nach kurzer Zeit wieder erhole, habe am heutigen Freitagmorgen die Marktteilnehmer zusätzlich verunsichert. Ähnlich starke Abwertungen des Pfundes hätten das letzte Mal zur Finanzkrise 2008 und beim Austritt Großbritanniens aus dem Europäischen Währungssystem (EWS) 1992 beobachtet werden können. Kurzfristig sehe man aber aufgrund der soliden Wirtschaftsdaten derzeit keine rezessiven Tendenzen in Großbritannien aufkommen. Mittelfristig seien aber die tatsächlichen Auswirkungen auf den Warenverkehr nach dem Brexit noch nicht kalkulierbar, und somit habe die Untergewichtung Großbritanniens weiterhin Bestand. (07.10.2016/alc/a/a)


