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Rentenmärkte: FED will plötzlich 2024 Zinsen stärker senken


14.12.23 14:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - In den letzten Tagen reagierten Anleger verstärkt auf wirtschaftliche Signale, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in den USA und Deutschland hätten trotz kurzfristiger Volatilität insgesamt einen Abwärtstrend verzeichnet. Aktuell lägen die Renditen der T-Notes bei 3,94% und die der Bunds bei 2,18%. Der US-Arbeitsmarktbericht habe für Aufsehen gesorgt, indem er sämtliche Erwartungen bezüglich Neueinstellungen, Arbeitslosenquote und Lohnwachstum deutlich übertroffen habe. Die Renditen der zehnjährigen T-Notes seien am Veröffentlichungstag aufgrund der starken Zahlen um 10 Basispunkte gestiegen, seien jedoch durch VPI-Zahlen ausgeglichen worden, die leicht unter den Erwartungen gelegen hätten.

In Deutschland hätten sich gemischte Signale gezeigt: Der ZEW-Stimmungsindikator habe die Erwartungen übertroffen, während die Industrieproduktionszahlen die Rezession fortgesetzt hätten. Das FOMC-Meeting habe erwartungsgemäß keine Zinsänderungen gebracht, überraschenderweise seien jedoch drei Zinssenkungen für 2024 prognostiziert worden. Dies habe zu einem Rückgang der Renditen der Staatsanleihen geführt. Bei der bevorstehenden EZB-Ratssitzung werde voraussichtlich keine Zinsänderung erwartet. Die Prognose der Analysten sehe weiterhin vor, dass die FED erst in der zweiten Jahreshälfte 2024 zwei Zinssenkungen vornehmen werde, während die EZB ihre erste Zinssenkung Anfang 2025 erwarten lasse.

Die starken US-Arbeitsmarktzahlen hätten die Anleger stark beeindruckt und den erwarteten Zeitpunkt für die erste Zinssenkung von Frühjahr auf Mitte 2024 verschoben. Im November 2023 habe der Arbeitsmarktbericht beeindruckende Entwicklungen verzeichnet: Die Arbeitslosenquote in den USA sei von 3,9% im Vormonat auf 3,7% gefallen - der niedrigste Stand seit Juli und deutlich unter den Erwartungen von unveränderten 3,9%. Die Schaffung von 199.000 neuen Arbeitsplätzen habe sowohl die Oktoberzahl von 150.000 als auch die Markterwartungen von 180.000 übertroffen.

Beachtenswert sei, dass besondere Einmaleffekte, bedingt durch das Ende von Streiks in der Automobil- und Filmindustrie, den Beschäftigungszuwachs beeinflusst hätten. Der jüngste Rückgang der Inflation habe zu Spekulationen geführt, dass die US-Notenbank im nächsten Jahr ihre Zinssenkungen beschleunigen könnte. Die Gesamtinflationsrate sei von 3,2% im Oktober auf 3,1% im November gesunken - der niedrigste Wert seit fünf Monaten. Der Rückgang sei maßgeblich durch einen 5,4%igen Rückgang der Energiepreise im Jahresvergleich verursacht worden.

Die deutschen Wirtschaftsdaten seien wenig ermutigend gewesen. Obwohl sich der ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen im Dezember besser als erwartet um drei Punkte auf 12,8 Punkte erholt habe, verharre die Industrieproduktion im Oktober mit einem Rückgang von 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat weiterhin in der Rezession. Insbesondere in Branchen wie dem Maschinenbau, wo ein Rückgang von 6,3 Prozent verzeichnet worden sei, sei der Abschwung deutlich spürbar gewesen. Die Gesamtwirtschaft zeige zwar leichte positive Signale, aber der Rückgang in einigen Sektoren belaste die Gesamtsituation. Trotz der Erwartung eines leichten Anstiegs von 0,2 Prozent nach einem Rückgang von 1,3 Prozent im September habe die Industrieproduktion enttäuscht.

Zusammen mit der Entscheidung, vorerst die Zinsen stabil zu halten, würden Mitglieder des FED-Ausschusses im Jahr 2024 mindestens drei Zinssenkungen erwägen, voraussichtlich in Viertelpunkt-Schritten. Der Markt erwarte vier Zinssenkungen im nächsten Jahr, dennoch sei die Ankündigung der FED aggressiver als das, was bisher kommuniziert worden sei. Die Signale der EZB dürften heute weniger dovish in Bezug auf die Märkte ausfallen. Ein klares Bekenntnis zu Zinssenkungen sei für die EZB derzeit zu früh, da sie für 2024 steigende Inflationsraten erwarte. Die Prognose der Analysten sehe weiterhin vor, dass die FED Mitte nächsten Jahres die ersten Zinssenkungen durchführe, während die EZB ihre erste Zinssenkung Anfang übernächsten Jahres plane.

Datenseitig würden sich die Analysten insbesondere auf die HCOB Flash PMI-Einkaufsmanagerindex-Zahlen für die Eurozone (15.12.) fokussieren, um Aufschluss über den Jahresabschluss der Euro-Konjunktur zu erhalten. Der ifo-Geschäftsklimaindex (18.12.) habe in den letzten Monaten das Tal dieses Jahres überwunden, mit einem zuletzt im November bei 87,3 Punkten. Es werde erwartet, dass der Index im Dezember leicht steigen werde. Das gelte auch für den GfL-Konsumklimaindex (20.12.), der aktuell im November bei -27,8 Indexpunkten stehe.

In den USA seien Industrieproduktionszahlen (15.12.) anstehend, die im Oktober um 0,7% im Jahresvergleich gefallen seien. Im November werde voraussichtlich die Rezession der US-Industrie mit einer etwas sanfteren Schrumpfung fortgesetzt. Der Preisindex für Konsumgüter und Dienstleistungen (PCE) in den USA habe sich zuletzt auf 3.0% YoY abgeschwächt. Für den November (22.12.) werde laut Konsensschätzung ein weiterer Rückgang auf 2.8% YoY erwartet. (14.12.2023/alc/a/a)