Erweiterte Funktionen

Rentenmärkte: FED - Nicht so restriktiv wie befürchtet


02.05.24 15:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in den USA und Deutschland haben sich leicht unterschiedlich entwickelt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Die Renditen der T-Notes seien in den vergangenen Tagen marginal gefallen und lägen nun bei 4,60%. Im Gegensatz dazu würden sich die Bundrenditen stabil bei 2,55% halten. Neben den wieder ansteigenden Inflationszahlen und schwachen Konjunkturdaten, wie der Zahl der offenen Stellen am US-Arbeitsmarkt und der laut ISM-Einkaufsmanagerindex leicht schrumpfenden US-Industrieproduktion sei vor allem das eher dovish verlaufene Mai-Meeting der FED ausschlaggebend für den Rückgang der Renditen gewesen.

In Europa würden sich hingegen stabilere Konjunkturdaten zeigen, und die Inflation bleibe zumindest stabil, nahe am 2%-Ziel der EZB. Damit scheine die erste Zinssenkung der EZB im Juni bereits so gut wie sicher zu sein. Die Märkte würden mit einer Wahrscheinlichkeit von 91% mit einer Zinssenkung im Juni in Frankfurt rechnen. Für Washington bleibe das Bild unübersichtlich. Dort scheinen die Märkte den ersten Zinsschritt erst für November einzupreisen, während HCOB Economics vom ersten Zinsschritt im September ausgeht, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

In den USA würden die Konjunkturdaten weitere Anzeichen einer Schwäche zeigen, jedoch nicht auf eine Rezession deuten. Die Zahl der offenen Stellen am US-Arbeitsmarkt sei im März 2024 gegenüber dem Vormonat um 325.000 auf 8,488 Millionen gesunken, habe damit den niedrigsten Stand seit Februar 2021 erreicht und den Marktkonsens von 8,690 Millionen verfehlt. Außerdem sei unerwartet die US-Industrieproduktion geschrumpft. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe sei von 50,3 im Vormonat auf 49,2 im April 2024 gefallen und habe damit deutlich unter den Markterwartungen eines Stillstands gelegen. Diese Daten würden eine Kontraktion im Verarbeitenden Gewerbe widerspiegeln.

Im Vorfeld des Mai-Meetings der FED hätten höher als erwartet eingegangene Inflationszahlen die Angst vor Zinsanstiegen geschürt. Die Preise für persönliche Konsumausgaben (PCE Deflator) in den USA seien im März 2024 im Vergleich zum Vormonat um 0,3% gestiegen, genauso wie im Februar und im Einklang mit den Marktprognosen. Dennoch habe es in der FED-Sitzung Entwarnung durch den FED-Chef Jerome Powell gegeben. "Ich halte es für unwahrscheinlich, dass der nächste Leitzinsschritt eine Anhebung sein wird. Ich würde sagen, dass es unwahrscheinlich ist", habe Powell gesagt. Trotzdem habe Powell gewarnt, dass der Preisdruck weiterhin bestehen bleibe.

In Europa hätten die Inflationszahlen den bisherigen Kurs der EZB bestätigt. Die jährliche Inflationsrate im Euroraum habe im April 2024 bei 2,4% verharrt und damit den Markterwartungen entsprochen. Auf Monatsbasis seien die Verbraucherpreise im April um 0,4% gestiegen. Die Kerninflationsrate, die die Lebensmittel- und Energiepreise herausfiltere, habe sich von 2,9% im März auf 2,7% abgekühlt. Auch die Inflation in der größten Volkswirtschaft der Eurozone, Deutschland, sei auf einem akzeptablen Niveau verblieben. Die Verbraucherpreisinflation in Deutschland habe im April 2024 bei 2,2% und damit auf dem niedrigsten Stand seit Mai 2021 und leicht unter den Marktprognosen von 2,3% gelegen. Für weitere Freude dürften bei den Anlegern die stärker als erwarteten eingegangenen Einzelhandelsumsätze gesorgt haben.

Die deutschen Einzelhandelsumsätze seien im März 2024 im Vergleich zum Vormonat um 1,8% gestiegen und hätten damit die Marktprognosen von 1,3% übertroffen, während sie sich von einem Rückgang von 1,5% im Februar erholt hätten. Des Weiteren hätten die Anleger stärker als erwartet ausgefallene BIP-Wachstumszahlen in Europa beruhigt. Die Wirtschaft der Eurozone sei im ersten Quartal 2024 um 0,3% gewachsen, die schnellste Wachstumsrate seit dem dritten Quartal 2022, und habe damit die Markterwartungen von 0,1% übertroffen. Unter den größten Volkswirtschaften des Währungsblocks seien sowohl das deutsche als auch das französische BIP um 0,2% gewachsen, während das italienische BIP um 0,3% und das spanische um 0,7% zugenommen und damit über den Marktschätzungen gelegen habe.

Insbesondere die BIP-Zahlen der Eurozone würden der Europäischen Zentralbank zusätzlichen Spielraum verschaffen, in diesem Jahr von größeren Zinssenkungen abzusehen, sollte sich der Inflationsdruck hartnäckiger erweisen als bisher erwartet. Angesichts dieser möglichen Gefahr äußere sich der EZB-Notenbanker Fabio Panetta besorgt und fordere zeitnahe und kleine Zinssenkungen, um das Risiko einer anhaltenden wirtschaftlichen Stagnation im Euroraum einzudämmen.

"Frühzeitiges Handeln würde es der EZB ermöglichen, wendig zu sein und in kleinen, progressiven Schritten vorzugehen", habe der italienische Notenbankchef gesagt. Kleine Zinssenkungen würden der schwachen Nachfrage entgegenwirken und könnten pausiert werden, wenn es zu Inflationsschocks kommen sollte. Große Zinssenkungen könnten dagegen die Glaubwürdigkeit der EZB beschädigen.

Datenseitig würden morgen (03.05.) die US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Nach der gestrigen FED-Zinssitzung werde hier mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Zahlen gewartet - FED-Chef Powell habe gestern erneut die Wichtigkeit dieser Zahlen für die Zinsentscheidung betont. Damit sei auch klar geworden, dass gegebenenfalls höhere Inflationsraten in Kauf genommen würden, sofern sich der Arbeitsmarkt stark genug abkühle. Insgesamt erwarte der Konsens 240.000 neu geschaffene Stellen und eine unveränderte Arbeitslosenrate von 3,8%. Ansonsten werde das US-Verbrauchervertrauen der Universität von Michigan für den Berichtsmonat Mai am 10.05. veröffentlicht. Hier gehe der Konsens von einem stabilen Wert von 77 aus, nachdem der Wert im April mit 77,2 nahezu unverändert im Vergleich zum Jahresanfang ausgefallen sei.

Die positive Stimmung der US-Konsumenten scheine weiterhin zu bleiben, und davon profitiere die US-Wirtschaft erheblich - immerhin würden die privaten Konsumausgaben knapp 70% der Wirtschaftsleistung ausmachen. In Deutschland würden die Analysten die HCOB PMI-Zahlen für die wichtigsten Ökonomien der Eurozone für den April sowohl im Dienstleistungssektor (am 06.05.) als auch im Bausektor (am 07.05.) erwarten.

Des Weiteren stehe die Arbeitslosenquote für die Eurozone im März an. Diese habe im Februar auf einem Rekordtief von 6,5% gelegen. Laut der Reuters Konsensschätzung dürfte diese stabil bleiben. Darüber hinaus würden die Analysten Industrieproduktionszahlen für den März in Deutschland (am 08.05.) erwarten. Nach einem unerwartet hohen Wachstum im Februar von 2,1% gegenüber dem Vormonat dürfte das Wachstum im März deutlich abnehmen. (02.05.2024/alc/a/a)