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Rentenmärkte: Draghi stemmt sich gegen die Krise
14.08.12 09:23
Alte Leipziger Trust
Oberursel (www.anleihencheck.de) - Mario Draghi, Präsident der EZB, hat mit seiner Ankündigung "die EZB werde alles tun, um den Euro als Gemeinschaftswährung zu sichern", die Erwartungen der Marktteilnehmer auf den großen Befreiungsschlag für die Eurokrise nach oben getrieben, so die Experten der Alte Leipziger Trust.
In der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz nach der letzten EZB-Sitzung seien die von Draghi geweckten Erwartungen jedoch nicht bedient worden. Keinerlei konkrete Maßnahmen seien vereinbart worden, außer, dass man in Arbeitsgruppen über Eingriffsmöglichkeiten diskutieren wolle und in den nächsten Wochen dann Ergebnisse vorstellen werde. Der Widerstand von Deutschland, Holland, Finnland und Belgien zu der Wiederaufnahme von Anleihekäufen durch die EZB scheine weiterhin sehr deutlich zu sein.
So werde sich zeigen, inwieweit es der Südachse gelinge, durch massiven politischen Druck ein Format zu finden, in dem direkte Interventionen der EZB möglich seien und die Geberländer ihr Veto aufgeben könnten. Aufgrund der weltweiten Wachstumsschwäche gebe es derzeit keinen Grund für die Zentralbanken, die historisch tiefen Leitzinsen anzuheben. So drohe auch dem deutschen Zinsmarkt keine Gefahr.
Komplexer sei das Bild bei den langfristigen Kapitalmarktzinsen, die ja von den Inflationserwartungen der Investoren und von Angebot und Nachfrage abhängen würden. Ein weiteres Öffnen der Liquiditätsschleusen durch die Notenbanken könnte die Inflationserwartungen erhöhen und die Anleger vorsichtiger stimmen. Und jeder Zweifel an der Fähigkeit eines Landes die Schuldenlast mittelfristig stemmen zu können, erhöhe die Risikoprämie für die Staatsanleihen.
10-jährige Spanienanleihen bei mehr als 7% und einem EZB-Leitzins von 0,75% seien ein gutes Beispiel. In diesem Sinne drohe auch für deutsche Bundesanleihen ein Renditeanstieg, wenn die Vergemeinschaftung der europäischen Schulden fortschreiten sollte und in diesem Kontext die Zweifel an der Fähigkeit Deutschlands, diese Belastungen zu tragen, steigen sollten.
Die durch die EZB geweckten Hoffnungen auf Anleihekäufe könnten durch einige Stolpersteine zu einer höheren Schwankung an den Rentenmärkten beitragen. So müsse die Troika entscheiden, ob Griechenland weitere Hilfsgelder bekomme. Das Bundesverfassungsgericht werde erst am 12. September über die grundsätzliche Rechtmäßigkeit des ESM urteilen. Alleine die EZB trage mit den in Aussicht gestellten Liquiditätshilfen zu einer Zinsuntergrenze für Bundesanleihen bei.
Die Wahrscheinlichkeit anziehender Renditen deutscher Staatsanleihen am langen Ende steige, wodurch sich Kursverluste einstellen könnten. Diese würden einerseits durch das größere deutsche Haftungsrisiko, andererseits aber auch von außen mit verursacht. So dürfte sich das Wachstum in den USA im 3. Quartal 2012 wieder festigen. Dies dürfte sich in den Frühindikatoren ebenso zeigen wie in einer Belebung am US-Arbeitsmarkt.
In China habe der jüngste Inflationsrückgang die Spekulationen auf weitere geldpolitische Stimuli befeuert. Von einer Belebung der beiden größten Volkswirtschaften profitiere Deutschland. Sofern hierdurch bedingt die Renditen von US-Staatsanleihen anziehen sollten, würden auch Bundesanleihen davon betroffen.
In Deutschland habe sich der Abwärtstrend bei den Stimmungsindikatoren fortgesetzt. Sowohl das ifo-Geschäftsklima als auch der ZEW-Index seien erneut gesunken. Und auch der Arbeitsmarkt verliere an Schwung. Saisonbereinigt sei die Arbeitslosigkeit zum vierten Mal in Folge angestiegen, der Anstieg sei allerdings so gering, dass die saisonbereinigte Arbeitslosenquote unverändert mit 6,8% auf einem historisch sehr niedrigen Niveau liege. Die Daten zur Industrieproduktion (+1,6%) und zum Auftragseingang (+0,6%) für den Monat Mai würden für das 2. Quartal noch ein Wachstum der Wirtschaft andeuten.
In der Eurozone könne sich die Stimmung hingegen kaum noch verschlechtern, die Einkaufsmanagerindices würden nach wie vor im rezessiven Bereich notieren. Die EZB versuche der schwachen Konjunktur entgegenzuwirken. Im Juli sei der Leitzins auf 0,75% und der Einlagensatz auf 0% gesenkt worden. Die Senkung des Einlagensatzes habe die Tagesgeldsätze der Banken in Richtung Nullzins gedrückt. Ob diese Maßnahmen die Konjunktur stützen könnten, bleibe jedoch abzuwarten. (Ausgabe August 2012) (14.08.2012/alc/a/a)
In der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz nach der letzten EZB-Sitzung seien die von Draghi geweckten Erwartungen jedoch nicht bedient worden. Keinerlei konkrete Maßnahmen seien vereinbart worden, außer, dass man in Arbeitsgruppen über Eingriffsmöglichkeiten diskutieren wolle und in den nächsten Wochen dann Ergebnisse vorstellen werde. Der Widerstand von Deutschland, Holland, Finnland und Belgien zu der Wiederaufnahme von Anleihekäufen durch die EZB scheine weiterhin sehr deutlich zu sein.
So werde sich zeigen, inwieweit es der Südachse gelinge, durch massiven politischen Druck ein Format zu finden, in dem direkte Interventionen der EZB möglich seien und die Geberländer ihr Veto aufgeben könnten. Aufgrund der weltweiten Wachstumsschwäche gebe es derzeit keinen Grund für die Zentralbanken, die historisch tiefen Leitzinsen anzuheben. So drohe auch dem deutschen Zinsmarkt keine Gefahr.
Komplexer sei das Bild bei den langfristigen Kapitalmarktzinsen, die ja von den Inflationserwartungen der Investoren und von Angebot und Nachfrage abhängen würden. Ein weiteres Öffnen der Liquiditätsschleusen durch die Notenbanken könnte die Inflationserwartungen erhöhen und die Anleger vorsichtiger stimmen. Und jeder Zweifel an der Fähigkeit eines Landes die Schuldenlast mittelfristig stemmen zu können, erhöhe die Risikoprämie für die Staatsanleihen.
Die durch die EZB geweckten Hoffnungen auf Anleihekäufe könnten durch einige Stolpersteine zu einer höheren Schwankung an den Rentenmärkten beitragen. So müsse die Troika entscheiden, ob Griechenland weitere Hilfsgelder bekomme. Das Bundesverfassungsgericht werde erst am 12. September über die grundsätzliche Rechtmäßigkeit des ESM urteilen. Alleine die EZB trage mit den in Aussicht gestellten Liquiditätshilfen zu einer Zinsuntergrenze für Bundesanleihen bei.
Die Wahrscheinlichkeit anziehender Renditen deutscher Staatsanleihen am langen Ende steige, wodurch sich Kursverluste einstellen könnten. Diese würden einerseits durch das größere deutsche Haftungsrisiko, andererseits aber auch von außen mit verursacht. So dürfte sich das Wachstum in den USA im 3. Quartal 2012 wieder festigen. Dies dürfte sich in den Frühindikatoren ebenso zeigen wie in einer Belebung am US-Arbeitsmarkt.
In China habe der jüngste Inflationsrückgang die Spekulationen auf weitere geldpolitische Stimuli befeuert. Von einer Belebung der beiden größten Volkswirtschaften profitiere Deutschland. Sofern hierdurch bedingt die Renditen von US-Staatsanleihen anziehen sollten, würden auch Bundesanleihen davon betroffen.
In Deutschland habe sich der Abwärtstrend bei den Stimmungsindikatoren fortgesetzt. Sowohl das ifo-Geschäftsklima als auch der ZEW-Index seien erneut gesunken. Und auch der Arbeitsmarkt verliere an Schwung. Saisonbereinigt sei die Arbeitslosigkeit zum vierten Mal in Folge angestiegen, der Anstieg sei allerdings so gering, dass die saisonbereinigte Arbeitslosenquote unverändert mit 6,8% auf einem historisch sehr niedrigen Niveau liege. Die Daten zur Industrieproduktion (+1,6%) und zum Auftragseingang (+0,6%) für den Monat Mai würden für das 2. Quartal noch ein Wachstum der Wirtschaft andeuten.
In der Eurozone könne sich die Stimmung hingegen kaum noch verschlechtern, die Einkaufsmanagerindices würden nach wie vor im rezessiven Bereich notieren. Die EZB versuche der schwachen Konjunktur entgegenzuwirken. Im Juli sei der Leitzins auf 0,75% und der Einlagensatz auf 0% gesenkt worden. Die Senkung des Einlagensatzes habe die Tagesgeldsätze der Banken in Richtung Nullzins gedrückt. Ob diese Maßnahmen die Konjunktur stützen könnten, bleibe jedoch abzuwarten. (Ausgabe August 2012) (14.08.2012/alc/a/a)


