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Rentenmärkte: Deutschland stagniert in 2024


27.03.24 16:26
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in den USA und Deutschland sind in den vergangenen Tagen gesunken, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Aktuell stünden die T-Notes bei 4,24% und die Bunds bei 2,33%. Diese langsame Abwärtsbewegung der Renditen scheine diese Woche unabhängig von Konjunkturdaten und Zentralbankkommunikation zu sein. Die US-Wirtschaft habe erneut Rezessionssorgen zerstreuen können, und auch die Industrie habe positive Entwicklungen in der Form robuster Aufträge für langlebige Güter im Februar verzeichnet. Gleichzeitig habe der Arbeitsmarkt keine Anzeichen einer Entspannung signalisiert, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe seien überraschend niedrig ausgefallen.

In der Eurozone habe sich der HCOB PMI im März besser als erwartet präsentiert, obwohl er kein Wachstum signalisiert habe. Die deutsche Wirtschaft habe erste verhaltene Anzeichen einer Erholung gezeigt, da sowohl der ifo- als auch der GfK-Index zumindest eine Enttäuschung vermieden hätten. Allerdings habe die jüngste Herabstufung der Wachstumsprognose der führenden Forschungsinstitute für Deutschland für einen Dämpfer gesorgt. Sie würden für das laufende Jahr nur einen BIP-Zuwachs von 0,1% prognostizieren. Die Finanzmärkte würden erwarten, dass die FED ab Juni drei Zinsschritte und die EZB bis zu vier Zinsschritte nach unten unternehmen werde. HCOB Economics gehe von drei Zinsschritten der FED und zwei Zinsschritten der EZB in diesem Jahr aus.

Die US-Wirtschaft setze ihren Wachstumskurs fort, wenn auch mit einem reduzierten Tempo. Die Zahlen für die US-Aufträge für langlebige Güter seien mit Spannung erwartet worden und im Februar im Vergleich zum Vormonat um 1,4% gestiegen. Dies habe die Markterwartungen von 1,1% und den Januar-Wert von 6,9% übertroffen. Der unerwartete Rückgang der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 2000 auf 210.000 unterstreiche ein weiteres Mal, dass der US-Arbeitsmarkt angespannt bleibe.

Die Konjunkturdaten in der Eurozone hätten interessante Einblicke geboten. Die erste Schätzung der HCOB PMIs habe darauf hingedeutet, dass sich der Privatsektor allmählich stabilisiere. Der HCOB Eurozone Composite PMI sei im März 2024 auf 49,9 gestiegen, verglichen mit 49,2 im Vormonat, und habe leicht die Markterwartungen von 49,7 übertroffen. Dies sei der höchste Wert seit neun Monaten gewesen und habe auf eine nahezu stabile Geschäftstätigkeit hingedeutet. Die Industrie bleibe aber weiterhin das Sorgenkind der Eurozone, da die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe den zwölften Monat in Folge zurückgegangen sei.

Der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland habe etwas freundlichere Daten geliefert. Der Index sei im März 2024 auf 87,8 gestiegen und habe die Markterwartungen von 86,0 übertroffen. Die Stimmung in Europas größter Volkswirtschaft habe damit den höchsten Stand seit Juni 2023 erreicht, bleibe aber dennoch verhalten. Der GfK-Konsumindikator habe ebenfalls eine verbesserte Konsumstimmung gezeigt. Dennoch schreite die wirtschaftliche Erholung in Deutschland nur langsam voran.

Die verbesserten Stimmungsindikatoren seien hauptsächlich auf die Erwartung möglicher Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank und eine allmähliche Abschwächung des Inflationsdrucks zurückzuführen. Die Gemeinschaftsdiagnose der führenden Forschungsinstitute stelle ernüchternd fest, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nur um 0,1 Prozent wachsen werde - im Herbst sei noch ein Plus von 1,3 Prozent erwartet worden. Diese deutliche Korrektur sei nicht überraschend gewesen. Bereits im Februar habe die Bundesregierung in ihrem Jahreswirtschaftsbericht ein minimales Wachstum von nur 0,2 Prozent für dieses Jahr prognostiziert.

Die Mitglieder der FED hätten sich diese Woche ziemlich vorsichtig gezeigt und sich bemüht, die Erwartungen hinsichtlich des Ausmaßes der Zinssenkungen zu dämpfen. Laut Direktorin Lisa Cook sollte die US-Notenbank bei der Zinswende vorsichtig vorgehen und einen behutsamen Ansatz bei der Lockerung der Geldpolitik verfolgen, um die vollständige Rückkehr zur Preisstabilität zu ermöglichen. Der US-Notenbanker Raphael Bostic habe sich etwas direkter geäußert und in diesem Jahr nur noch mit einer Zinssenkung um einen Viertelpunkt statt der drei Zinsschritte gerechnet, die der Durchschnitt der FED-Mitglieder erwarte. Er habe dies mit der anhaltenden Inflation und überraschend guten Wirtschaftsdaten begründet.

In der Eurozone habe die Rede des Chefvolkswirts der EZB, Philip Lane, im Fokus gestanden. Er habe sich in eher dovishen Tönen und die Zuversicht geäußert, dass sich das Lohnwachstum auf ein normaleres Niveau verlangsamen werde, was möglicherweise den Weg für Zinssenkungen öffnen könnte. Die Märkte schienen vor allem die Aussagen der FED-Mitglieder zu ignorieren und preisen weiterhin drei Zinssenkungen für 2024 ein, während bei der EZB die Marktteilnehmer bei bis zu vier Zinssenkungen in diesem Jahr bleiben, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Datenseitig würden die Analysten in den USA einen Blick auf den PCE-Deflator (29.3. für Februar) werfen, der aufgrund der anhaltenden Spekulationen über den ersten Zinsschritt für die Marktteilnehmer besonders interessant sein dürfte. Das Nowcast der Analysten prognostiziere eine Jahresrate von 2,5% (0,3% MoM). Des Weiteren stehe der ISM-Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie (1.4.) für den Monat März an. Nach einem Wert von 47,8 im Februar werde erwartet, dass dieser nun mit 48,1 den Sektor näher an die Marke von 50 bringe, die Wachstum von Schrumpfung trenne.

In der Eurozone dürften die März-Zahlen des HCOB PMI-Einkaufsmanagerindex für die Euro-Industrie (2.4.) interessant sein. Die EZB werde wahrscheinlich gespannt auf die Ergebnisse der bisher unveröffentlichten Daten für Italien und Spanien blicken. Zudem stünden die Inflationszahlen der Eurozone (3.4.) an. Die anstehenden März-Zahlen könnten zeigen, ob die bisher verhandelten Lohnabschlüsse in den jeweiligen Ländern die Euro-Inflation wieder anheizen würden. (27.03.2024/alc/a/a)