Erweiterte Funktionen
Rentenmärkte: China-Stimulus weckt Begeisterung
27.09.24 07:30
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in den USA und Deutschland haben sich zuletzt divergierend entwickelt, Dr. Tariq Chaudhry, Economist bei der Hamburg Commercial Bank.
Während die Rendite der US-Treasury Notes (T-Notes) auf 3,78% gestiegen sei, hätten die deutschen Bunds bei 2,15% verharrt. Konjunkturdaten aus den USA hätten wenig Impulse geliefert: Der Bausektor bleibe angesichts hoher Zinsen schwach, auch wenn die Verkäufe neuer Einfamilienhäuser weniger stark als erwartet gesunken seien. In der Eurozone trübe sich das Bild weiter ein. Die HCOB Flash PMIs hätten eine Vertiefung der Rezession im Verarbeitenden Gewerbe gezeigt, während der Dienstleistungssektor zunehmend unter Druck gerate. Insbesondere Frankreich, das im August einen olympiabedingten Wachstumsimpuls erfahren habe, habe einen erneuten Rückgang verzeichnet. Politische Unsicherheiten würden die französische Wirtschaft zusätzlich belasten. Positive Nachrichten seien überraschend aus China gekommen, wo die Zinssenkungen der Notenbank Chinas (PBoC) und angekündigte fiskalische Stimuli die Aktienmärkte beflügelt hätten. Anleger würden hoffen, dass diese Maßnahmen das Wachstum stützen könnten. Der Fokus richte sich vermehrt auf das Oktober-Meeting (17.10.) der Europäischen Zentralbank (EZB), nachdem die US-Notenbank (FED) ihren Leitzins um 50 Basispunkte gesenkt habe. Ob die EZB mit einer weiteren Senkung um 25 Basispunkte nachziehe, bleibe offen. Die vorsichtigen Signale aus dem EZB-Rat würden auf lediglich eine moderate Zinssenkung in diesem Jahr hindeuten. Die FED hingegen dürfte laut HCOB Economics bis Jahresende noch zwei weitere Zinsschritte vornehmen.
In den vergangenen Tagen seien die Konjunkturdaten aus den USA spärlich ausgefallen, mit einem Fokus auf den weiterhin unter hohen Zinsen leidenden Bausektor. Die Verkäufe neuer Einfamilienhäuser seien im August 2024 um 4,7% im Vergleich zum Vormonat zurückgegangen und hätten eine saisonbereinigte annualisierte Rate von 716.000 erreicht. Trotz der deutlichen Verlangsamung im Vergleich zum revidierten Anstieg von 10,3% im Juli hätten die Zahlen leicht über den Erwartungen von 700.000 gelegen. Auch bei den Eigenheimpreisen habe sich eine Abschwächung gezeigt: Der S&P CoreLogic Case-Shiller 20-Städte-Hauspreisindex sei im Juli um 5,9% im Jahresvergleich gestiegen, nach einem Anstieg von 6,5% im Vormonat. Dies habe den Prognosen entsprochen und den geringsten Zuwachs seit November 2023 markiert.
Die wirtschaftliche Lage in der Eurozone bleibe äußerst angespannt, wie die jüngsten Daten verdeutlichen würden. Der HCOB Flash Eurozone Composite PMI sei im September 2024 auf 48,9 gesunken und habe damit den niedrigsten Stand seit Januar erreicht. Dies sei der vierte Rückgang in Folge und spiegele die anhaltende Schwäche wider. Besonders das Verarbeitende Gewerbe bleibe im Abschwung und habe mit einem Wert von 44,5 den 18 verzeichnet. Monat in Folge eine rückläufige Produktion, besonders ausgeprägt in Deutschland und Frankreich. Auch der Dienstleistungssektor habe sich weiter abgeschwächt und sei von 52,9 im August auf 50,5 Punkte gefallen, wobei Frankreich erneut schwache Zahlen verzeichnet habe. Der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland habe die Besorgnis weiter verschärft, indem er auf 85,4 Punkte gesunken sei, den tiefsten Stand seit Januar. Die Erwartungen von 86 seien verfehlt worden, was die Unsicherheit in der deutschen Wirtschaft unterstreiche. Ein leichter Hoffnungsschimmer sei vom GfK-Konsumklimaindex gekommen, der für Oktober 2024 auf -21,2 gestiegen sei, etwas besser als der revidierte Wert von -21,9 im September und über den Prognosen von -21,5. Allerdings zeige dies eher eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau, ohne Hinweise auf eine deutliche Erholung des Konsums.
Die Ankündigungen aus China, dass die Regierung fiskalische und geldpolitische Maßnahmen zur Stützung der schwächelnden Wirtschaft plane, hätten die Märkte weltweit beflügelt. Insbesondere die Lockerungsschritte der People’s Bank of China (PBoC) hätten eine Welle der Euphorie ausgelöst. Die chinesischen Börsen hätten massive Kursgewinne verzeichnet, während auch die Kurse von Staatsanleihen in Folge der Zinssenkungen zugelegt hätten . Der S&P 500 sei auf ein neues Rekordhoch geklettert und die Goldpreise seien weiter gestiegen. Zentralbankchef Pan Gongsheng habe eine Senkung des Mindestreservesatzes für Banken um 0,5 Prozentpunkte angekündigt. Zudem würden wichtige Zinssätze reduziert, darunter der siebentägige Repo-Satz um 0,2 Prozentpunkte auf 1,5%. Auch die Einlagen- und Hypothekenzinsen sollten gesenkt werden. Dennoch bleibe Vorsicht geboten: Das genaue Ausmaß der Unterstützungsmaßnahmen sei noch nicht bekannt und das Vertrauen der privaten Haushalte und Unternehmen sei durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten stark erschüttert worden. Eine nachhaltige Erholung könnte daher Zeit in Anspruch nehmen.
Die geldpolitische Landschaft bleibe spannend, insbesondere in der Eurozone. Die Märkte würden bis Ende nächsten Jahres sechs Zinsschritte von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten. Die EZB signalisiere jedoch Zurückhaltung. Präsidentin Christine Lagarde habe erklärt, dass sich die Inflation im Euroraum zwar deutlich verlangsamt habe und voraussichtlich auch im kommenden Monat weiter abschwächen werde, dennoch sei die Gefahr noch nicht gebannt. Auf die Frage, ob die Inflation besiegt sei, habe Lagarde geantwortet: "Nicht ganz - wir sind auf dem Weg dahin." In den USA habe die Federal Reserve (FED) ihren Fokus von der Inflation zunehmend auf den Arbeitsmarkt verlagert. Gouverneurin Adriana Kugler habe betont, dass der Arbeitsmarkt weiterhin robust sei, jedoch müsse der Offenmarktausschuss der FED (FOMC) nun eine Balance finden, um die Inflation weiter zu bekämpfen, ohne unnötige Belastungen für die Wirtschaft zu verursachen. Die FED versuche damit, eine "weiche Landung" der US-Wirtschaft zu erreichen, während die Inflation weiter im Fokus bleibe.
In den USA stünden wichtige Daten an: Am 27.09. würden der PCE-Deflator (August) und das Verbrauchervertrauen der University of Michigan (September) veröffentlicht. Am 01.10. folge der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe (September) und am 04.10. die Non-Farm Payrolls, bei denen eine weitere Abkühlung des Arbeitsmarktes erwartet werde. In der Eurozone werde am 27.09. Frankreichs Inflationsrate für September veröffentlicht, eine Abschwächung dürfte die EZB erfreuen. Am 01.10. und 03.10. würden die finalen HCOB PMIs für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor folgen, die weitere Einblicke in die schwächelnde Wirtschaft der Eurozone liefern würden. Über dies stehe die Inflation der Eurozone an. Dem Hcob Nowcast zufolge werde die Gesamtinflation im September im Jahresvergleich von 2,2% auf 2,1% steigen. Die Kerninflation werde erneut steigen und wahrscheinlich 3,2% erreichen. (Wochenbarometer vom 26.09.2024)
(27.09.2024/alc/a/a)
Während die Rendite der US-Treasury Notes (T-Notes) auf 3,78% gestiegen sei, hätten die deutschen Bunds bei 2,15% verharrt. Konjunkturdaten aus den USA hätten wenig Impulse geliefert: Der Bausektor bleibe angesichts hoher Zinsen schwach, auch wenn die Verkäufe neuer Einfamilienhäuser weniger stark als erwartet gesunken seien. In der Eurozone trübe sich das Bild weiter ein. Die HCOB Flash PMIs hätten eine Vertiefung der Rezession im Verarbeitenden Gewerbe gezeigt, während der Dienstleistungssektor zunehmend unter Druck gerate. Insbesondere Frankreich, das im August einen olympiabedingten Wachstumsimpuls erfahren habe, habe einen erneuten Rückgang verzeichnet. Politische Unsicherheiten würden die französische Wirtschaft zusätzlich belasten. Positive Nachrichten seien überraschend aus China gekommen, wo die Zinssenkungen der Notenbank Chinas (PBoC) und angekündigte fiskalische Stimuli die Aktienmärkte beflügelt hätten. Anleger würden hoffen, dass diese Maßnahmen das Wachstum stützen könnten. Der Fokus richte sich vermehrt auf das Oktober-Meeting (17.10.) der Europäischen Zentralbank (EZB), nachdem die US-Notenbank (FED) ihren Leitzins um 50 Basispunkte gesenkt habe. Ob die EZB mit einer weiteren Senkung um 25 Basispunkte nachziehe, bleibe offen. Die vorsichtigen Signale aus dem EZB-Rat würden auf lediglich eine moderate Zinssenkung in diesem Jahr hindeuten. Die FED hingegen dürfte laut HCOB Economics bis Jahresende noch zwei weitere Zinsschritte vornehmen.
In den vergangenen Tagen seien die Konjunkturdaten aus den USA spärlich ausgefallen, mit einem Fokus auf den weiterhin unter hohen Zinsen leidenden Bausektor. Die Verkäufe neuer Einfamilienhäuser seien im August 2024 um 4,7% im Vergleich zum Vormonat zurückgegangen und hätten eine saisonbereinigte annualisierte Rate von 716.000 erreicht. Trotz der deutlichen Verlangsamung im Vergleich zum revidierten Anstieg von 10,3% im Juli hätten die Zahlen leicht über den Erwartungen von 700.000 gelegen. Auch bei den Eigenheimpreisen habe sich eine Abschwächung gezeigt: Der S&P CoreLogic Case-Shiller 20-Städte-Hauspreisindex sei im Juli um 5,9% im Jahresvergleich gestiegen, nach einem Anstieg von 6,5% im Vormonat. Dies habe den Prognosen entsprochen und den geringsten Zuwachs seit November 2023 markiert.
Die Ankündigungen aus China, dass die Regierung fiskalische und geldpolitische Maßnahmen zur Stützung der schwächelnden Wirtschaft plane, hätten die Märkte weltweit beflügelt. Insbesondere die Lockerungsschritte der People’s Bank of China (PBoC) hätten eine Welle der Euphorie ausgelöst. Die chinesischen Börsen hätten massive Kursgewinne verzeichnet, während auch die Kurse von Staatsanleihen in Folge der Zinssenkungen zugelegt hätten . Der S&P 500 sei auf ein neues Rekordhoch geklettert und die Goldpreise seien weiter gestiegen. Zentralbankchef Pan Gongsheng habe eine Senkung des Mindestreservesatzes für Banken um 0,5 Prozentpunkte angekündigt. Zudem würden wichtige Zinssätze reduziert, darunter der siebentägige Repo-Satz um 0,2 Prozentpunkte auf 1,5%. Auch die Einlagen- und Hypothekenzinsen sollten gesenkt werden. Dennoch bleibe Vorsicht geboten: Das genaue Ausmaß der Unterstützungsmaßnahmen sei noch nicht bekannt und das Vertrauen der privaten Haushalte und Unternehmen sei durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten stark erschüttert worden. Eine nachhaltige Erholung könnte daher Zeit in Anspruch nehmen.
Die geldpolitische Landschaft bleibe spannend, insbesondere in der Eurozone. Die Märkte würden bis Ende nächsten Jahres sechs Zinsschritte von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten. Die EZB signalisiere jedoch Zurückhaltung. Präsidentin Christine Lagarde habe erklärt, dass sich die Inflation im Euroraum zwar deutlich verlangsamt habe und voraussichtlich auch im kommenden Monat weiter abschwächen werde, dennoch sei die Gefahr noch nicht gebannt. Auf die Frage, ob die Inflation besiegt sei, habe Lagarde geantwortet: "Nicht ganz - wir sind auf dem Weg dahin." In den USA habe die Federal Reserve (FED) ihren Fokus von der Inflation zunehmend auf den Arbeitsmarkt verlagert. Gouverneurin Adriana Kugler habe betont, dass der Arbeitsmarkt weiterhin robust sei, jedoch müsse der Offenmarktausschuss der FED (FOMC) nun eine Balance finden, um die Inflation weiter zu bekämpfen, ohne unnötige Belastungen für die Wirtschaft zu verursachen. Die FED versuche damit, eine "weiche Landung" der US-Wirtschaft zu erreichen, während die Inflation weiter im Fokus bleibe.
In den USA stünden wichtige Daten an: Am 27.09. würden der PCE-Deflator (August) und das Verbrauchervertrauen der University of Michigan (September) veröffentlicht. Am 01.10. folge der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe (September) und am 04.10. die Non-Farm Payrolls, bei denen eine weitere Abkühlung des Arbeitsmarktes erwartet werde. In der Eurozone werde am 27.09. Frankreichs Inflationsrate für September veröffentlicht, eine Abschwächung dürfte die EZB erfreuen. Am 01.10. und 03.10. würden die finalen HCOB PMIs für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor folgen, die weitere Einblicke in die schwächelnde Wirtschaft der Eurozone liefern würden. Über dies stehe die Inflation der Eurozone an. Dem Hcob Nowcast zufolge werde die Gesamtinflation im September im Jahresvergleich von 2,2% auf 2,1% steigen. Die Kerninflation werde erneut steigen und wahrscheinlich 3,2% erreichen. (Wochenbarometer vom 26.09.2024)
(27.09.2024/alc/a/a)


