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Rentenmärkte: Anleger fürchten Trumps Schuldenpolitik
17.01.25 11:44
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in den USA und Deutschland waren in den letzten Tagen äußerst volatil, blieben jedoch insgesamt stabil, so Dr. Tariq Chaudhry, Analyst bei der Hamburg Commercial Bank.
Nachdem die Renditen der US T-Notes in der vergangenen Woche stark angestiegen seien, angetrieben von robusten Konjunkturdaten wie den überraschend starken NonFarm Payrolls, die eine brummende Wirtschaft und eine stark angefachte Inflation signalisiert hätten, hätten weniger stark gestiegene US-Erzeugerpreise diesen Eindruck nicht umkehren können. Erst die Veröffentlichung der Verbraucherpreise, insbesondere der rückläufigen Kernrate nach vier Monaten, habe den Eindruck einer bald galoppierenden Inflation dämpfen können.
Die Renditen der T-Notes und Bunds hätten nach Wochen des kontinuierlichen Anstiegs eine Verschnaufpause eingelegt. Diese Entwicklung sollte jedoch nicht überbewertet werden, da die Pläne der kommenden Trump-Administration als inflationstreibend und fiskalisch unnachhaltig eingeschätzt würden. Anleger würden daher gespannt den Worten des designierten Finanzministers und bisherigen Hedgefonds-Managers Scott Bessent lauschen, der in einer Anhörung vor dem US-Senat zu Trumps Steuersenkungs-, Zoll- und Deregulierungsplänen befragt werde.
In der Eurozone hätten die deutschen BIP-Quartalszahlen zum Jahresende 2024 daran erinnert, dass die Konjunktur weiterhin schwach bleibe. Geldpolitisch ergebe sich an den Kapitalmärkten ein geteiltes Bild hinsichtlich Zinssenkungen zwischen der FED und der EZB. Der FED werde eine vorsichtigere Rolle bei Zinssenkungen zugeschrieben, da die Wirtschaft robust wachse und die Inflation hoch bleibe. Die EZB hingegen müsse darauf achten, dass die Wirtschaft nicht zu stark abrutsche und gleichzeitig die Dienstleistungsinflation im Blick behalten, die mit 3,9% nach wie vor weit vom Inflationsziel entfernt sei.
Die US-Wirtschaft habe in den vergangenen Tagen ihre Stärke erneut unter Beweis gestellt, insbesondere durch den Arbeitsmarkt. Im Dezember 2024 seien 256.000 Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft geschaffen worden, der höchste Wert seit neun Monaten, nachdem die Zahl für November auf 212.000 nach unten revidiert worden sei und die Marktprognosen von 160.000 erneut übertroffen worden seien. Die robusten Konjunkturdaten, darunter die NonFarm Payrolls, hätten eine widerstandsfähige Wirtschaft signalisiert, die zu zäherer Inflation führen könnte.
Weniger stark gestiegene Erzeugerpreise (PPI) hätten diesen Eindruck nicht umkehren können. Die Erzeugerpreise seien im Dezember 2024 um 0,2% gegenüber dem Vormonat gestiegen, nach einem Anstieg von 0,4% im November. Der Kern-PPI sei unverändert geblieben, nachdem er im November um 0,2% gestiegen sei und die Prognosen von 0,3% verfehlt habe.
Erst die Verbraucherpreise (CPI) hätten Erleichterung für die Märkte gebracht und die hohen Inflationserwartungen der Anleger gedämpft. Die US-Verbraucherpreisinflation sei im Dezember zwar von 2,7% auf 2,9% gestiegen, das sei aber von den meisten Analysten erwartet gewesen. Auch der Anstieg auf Monatsbasis um 0,4% habe den Erwartungen entsprochen. Positiv aufgenommen worden sei vor allem der Rückgang der Kernrate auf 3,2% und der Monatsrate auf 0,2% nach drei Monaten in Folge mit Jahresraten von 3,3%. Dies dürfte auch die US-Währungshüter mit Erleichterung zur Kenntnis genommen haben.
Damit seien nur ein Teil der Sorgen der Anleger vorerst erledigt. Die Schuldenproblematik in den USA bereite weiterhin strukturelle Bauchschmerzen, die durch die Pläne der bald vereidigten zweiten Trump-Administration verstärkt würden. Diese möchte Steuersenkungen im Inland durch Zollerhöhungen nach außen hin finanzieren, was allgemein als unzureichend betrachtet werde und letztlich zu einer Erhöhung der Staatsschulden führen könnte. Daher werde die Anhörung des designierten Finanzministers und Hedgefonds-Managers Scott Bessent besonders spannend sein. Die Märkte würden darauf hoffen, dass es jemanden am Tisch gebe, der nicht glaube, dass es eine gute Idee sei, die Steuern übermäßig zu senken und die Schulden in die Höhe zu treiben.
Die wirtschaftliche Lage in der Eurozone bleibe ernst. Nach vorläufigen Daten sei die deutsche Wirtschaft im Jahr 2024 um 0,2% geschrumpft. Dies sei das zweite Jahr in Folge, in dem das BIP in Deutschland zurückgegangen sei, nachdem es 2023 um 0,3% gesunken sei, so das Statistische Bundesamt (Destatis). Konjunkturelle und strukturelle Belastungen hätten 2024 eine bessere wirtschaftliche Entwicklung behindert. Dazu würden die zunehmende Konkurrenz für die deutsche Exportwirtschaft auf wichtigen Absatzmärkten, hohe Energiekosten, ein nach wie vor erhöhtes Zinsniveau und unsichere wirtschaftliche Aussichten zählen.
In dieser schwierigen Lage in der Eurozone fordere der Chefökonom der EZB, Philip Lane, entschlossenes Handeln. Er habe gewarnt, dass die Inflation unter das 2-Prozent-Ziel der EZB fallen könnte, wenn die Zinssätze nicht weiter gesenkt würden. Die Kreditkosten sollten "nicht zu lange zu hoch bleiben", da das schwache Wachstum die Inflation erheblich unter den Zielwert drücken könnte, was ebenso unerwünscht sei wie hohe Inflationsraten. Lanes Kommentare würden die wachsende transatlantische Lücke in der Geldpolitik verdeutlichen.
Hingegen sei die Lage bei der FED etwas entspannter. Tom Barkin, Präsident der Federal Reserve Bank of Richmond, habe betont, dass neue Daten anhaltende Fortschritte bei der Senkung der Inflation in Richtung des 2%-Ziels zeigen würden, die Zinssätze jedoch restriktiv bleiben sollten. "Die Inflation sinkt in Richtung des Ziels", so Barkin, "aber es gibt noch viel zu tun."
In den kommenden Tagen werde die Industrieproduktion in den USA für Dezember (17.01.) im Fokus stehen. Die Industrieproduktion befinde sich in einer Phase der strukturellen Stagnation. Die protektionistische Agenda des designierten Präsidenten Trump könnte ab dem zweiten Quartal 2025 kurzfristiges Wachstum bringen, für Dezember werde jedoch nur ein Anstieg von 0,3% MoM erwartet. Zudem werde das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für Januar zeigen, wie der Konsum ins neue Jahr starte.
In der Eurozone werde auf die Januardaten des HCOB Flash PMIs (24.01.) geachtet, insbesondere auf den Composite-Index, um die Einschätzungen der Unternehmen zum Jahresbeginn erfassen zu können. Die Verbraucherpreise für Dezember (17.01.) dürften laut Konsensschätzung stabil bleiben. Auch die Erzeugerpreise für Dezember (20.01.) könnten wichtige Hinweise auf die Dynamik im verarbeitenden Gewerbe geben.
Für die deutsche Wirtschaft werde der ZEW-Konjunkturindikator für Januar spannend sein, da die bisherigen Signale kaum eine spürbare Verbesserung des Umfelds würden erwarten lassen. Am Freitag würden alle Blicke auf China gerichtet sein, das die BIP-Zahlen für das vierte Quartal veröffentlicht. HCOB Economics erwarte ein Wachstum von 1% QoQ, was zu einem Jahreswachstum von 4,7% für 2024 führen würde, unter dem selbst gesetzten Ziel von 5%. (Ausgabe vom 16.01.2025) (17.01.2025/alc/a/a)
Nachdem die Renditen der US T-Notes in der vergangenen Woche stark angestiegen seien, angetrieben von robusten Konjunkturdaten wie den überraschend starken NonFarm Payrolls, die eine brummende Wirtschaft und eine stark angefachte Inflation signalisiert hätten, hätten weniger stark gestiegene US-Erzeugerpreise diesen Eindruck nicht umkehren können. Erst die Veröffentlichung der Verbraucherpreise, insbesondere der rückläufigen Kernrate nach vier Monaten, habe den Eindruck einer bald galoppierenden Inflation dämpfen können.
Die Renditen der T-Notes und Bunds hätten nach Wochen des kontinuierlichen Anstiegs eine Verschnaufpause eingelegt. Diese Entwicklung sollte jedoch nicht überbewertet werden, da die Pläne der kommenden Trump-Administration als inflationstreibend und fiskalisch unnachhaltig eingeschätzt würden. Anleger würden daher gespannt den Worten des designierten Finanzministers und bisherigen Hedgefonds-Managers Scott Bessent lauschen, der in einer Anhörung vor dem US-Senat zu Trumps Steuersenkungs-, Zoll- und Deregulierungsplänen befragt werde.
In der Eurozone hätten die deutschen BIP-Quartalszahlen zum Jahresende 2024 daran erinnert, dass die Konjunktur weiterhin schwach bleibe. Geldpolitisch ergebe sich an den Kapitalmärkten ein geteiltes Bild hinsichtlich Zinssenkungen zwischen der FED und der EZB. Der FED werde eine vorsichtigere Rolle bei Zinssenkungen zugeschrieben, da die Wirtschaft robust wachse und die Inflation hoch bleibe. Die EZB hingegen müsse darauf achten, dass die Wirtschaft nicht zu stark abrutsche und gleichzeitig die Dienstleistungsinflation im Blick behalten, die mit 3,9% nach wie vor weit vom Inflationsziel entfernt sei.
Die US-Wirtschaft habe in den vergangenen Tagen ihre Stärke erneut unter Beweis gestellt, insbesondere durch den Arbeitsmarkt. Im Dezember 2024 seien 256.000 Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft geschaffen worden, der höchste Wert seit neun Monaten, nachdem die Zahl für November auf 212.000 nach unten revidiert worden sei und die Marktprognosen von 160.000 erneut übertroffen worden seien. Die robusten Konjunkturdaten, darunter die NonFarm Payrolls, hätten eine widerstandsfähige Wirtschaft signalisiert, die zu zäherer Inflation führen könnte.
Weniger stark gestiegene Erzeugerpreise (PPI) hätten diesen Eindruck nicht umkehren können. Die Erzeugerpreise seien im Dezember 2024 um 0,2% gegenüber dem Vormonat gestiegen, nach einem Anstieg von 0,4% im November. Der Kern-PPI sei unverändert geblieben, nachdem er im November um 0,2% gestiegen sei und die Prognosen von 0,3% verfehlt habe.
Damit seien nur ein Teil der Sorgen der Anleger vorerst erledigt. Die Schuldenproblematik in den USA bereite weiterhin strukturelle Bauchschmerzen, die durch die Pläne der bald vereidigten zweiten Trump-Administration verstärkt würden. Diese möchte Steuersenkungen im Inland durch Zollerhöhungen nach außen hin finanzieren, was allgemein als unzureichend betrachtet werde und letztlich zu einer Erhöhung der Staatsschulden führen könnte. Daher werde die Anhörung des designierten Finanzministers und Hedgefonds-Managers Scott Bessent besonders spannend sein. Die Märkte würden darauf hoffen, dass es jemanden am Tisch gebe, der nicht glaube, dass es eine gute Idee sei, die Steuern übermäßig zu senken und die Schulden in die Höhe zu treiben.
Die wirtschaftliche Lage in der Eurozone bleibe ernst. Nach vorläufigen Daten sei die deutsche Wirtschaft im Jahr 2024 um 0,2% geschrumpft. Dies sei das zweite Jahr in Folge, in dem das BIP in Deutschland zurückgegangen sei, nachdem es 2023 um 0,3% gesunken sei, so das Statistische Bundesamt (Destatis). Konjunkturelle und strukturelle Belastungen hätten 2024 eine bessere wirtschaftliche Entwicklung behindert. Dazu würden die zunehmende Konkurrenz für die deutsche Exportwirtschaft auf wichtigen Absatzmärkten, hohe Energiekosten, ein nach wie vor erhöhtes Zinsniveau und unsichere wirtschaftliche Aussichten zählen.
In dieser schwierigen Lage in der Eurozone fordere der Chefökonom der EZB, Philip Lane, entschlossenes Handeln. Er habe gewarnt, dass die Inflation unter das 2-Prozent-Ziel der EZB fallen könnte, wenn die Zinssätze nicht weiter gesenkt würden. Die Kreditkosten sollten "nicht zu lange zu hoch bleiben", da das schwache Wachstum die Inflation erheblich unter den Zielwert drücken könnte, was ebenso unerwünscht sei wie hohe Inflationsraten. Lanes Kommentare würden die wachsende transatlantische Lücke in der Geldpolitik verdeutlichen.
Hingegen sei die Lage bei der FED etwas entspannter. Tom Barkin, Präsident der Federal Reserve Bank of Richmond, habe betont, dass neue Daten anhaltende Fortschritte bei der Senkung der Inflation in Richtung des 2%-Ziels zeigen würden, die Zinssätze jedoch restriktiv bleiben sollten. "Die Inflation sinkt in Richtung des Ziels", so Barkin, "aber es gibt noch viel zu tun."
In den kommenden Tagen werde die Industrieproduktion in den USA für Dezember (17.01.) im Fokus stehen. Die Industrieproduktion befinde sich in einer Phase der strukturellen Stagnation. Die protektionistische Agenda des designierten Präsidenten Trump könnte ab dem zweiten Quartal 2025 kurzfristiges Wachstum bringen, für Dezember werde jedoch nur ein Anstieg von 0,3% MoM erwartet. Zudem werde das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für Januar zeigen, wie der Konsum ins neue Jahr starte.
In der Eurozone werde auf die Januardaten des HCOB Flash PMIs (24.01.) geachtet, insbesondere auf den Composite-Index, um die Einschätzungen der Unternehmen zum Jahresbeginn erfassen zu können. Die Verbraucherpreise für Dezember (17.01.) dürften laut Konsensschätzung stabil bleiben. Auch die Erzeugerpreise für Dezember (20.01.) könnten wichtige Hinweise auf die Dynamik im verarbeitenden Gewerbe geben.
Für die deutsche Wirtschaft werde der ZEW-Konjunkturindikator für Januar spannend sein, da die bisherigen Signale kaum eine spürbare Verbesserung des Umfelds würden erwarten lassen. Am Freitag würden alle Blicke auf China gerichtet sein, das die BIP-Zahlen für das vierte Quartal veröffentlicht. HCOB Economics erwarte ein Wachstum von 1% QoQ, was zu einem Jahreswachstum von 4,7% für 2024 führen würde, unter dem selbst gesetzten Ziel von 5%. (Ausgabe vom 16.01.2025) (17.01.2025/alc/a/a)


