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Rentenmärkte: Alle Augen auf Jackson Hole
23.08.24 08:30
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Finanzmärkte spüren zunehmend das Risiko einer Rezession in den USA, was die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen aktuell nach unten drückt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Zwar seien die Renditen in den USA und Deutschland kurzzeitig Ende letzter Woche aufgrund stärker als erwarteter US-Einzelhandelsumsätze und einer verbesserten Verbraucherstimmung gestiegen, doch habe sich der Abwärtstrend danach fortgesetzt. Derzeit lägen die Renditen der T-Notes bei 3,82% und die der Bunds bei 2,81%. Schlechter als erwartete US-Industrieproduktionszahlen und deutlich nach unten revidierte Arbeitsmarktdaten hätten erneut Zweifel am unaufhaltsamen Wachstum der US-Wirtschaft geweckt.
In der Eurozone habe es hingegen überwiegend positive Signale gegeben: Der Composite HCOB Flash PMI sei im August gestiegen, und die Bauproduktion habe im Juni zugelegt, was den bisher schrumpfenden Bausektor stütze. Die Lage in Deutschland bleibe laut den aktuellen HCOB PMI-Daten jedoch angespannt. Die Rezessionsängste in den USA, ausgelöst durch schwache Arbeitsmarktdaten, hätten die Erwartungen der Futuresmärkte hinsichtlich bevorstehender Zinssenkungen in den USA und der Eurozone stark beeinflusst.
Marktteilnehmer würden nun bis Jahresende mit mehr als vier Zinssenkungen durch die FED und mehr als zweieinhalb Zinssenkungen durch die EZB rechnen, jeweils im Umfang von 25 Basispunkten. HCOB Economics halte diese Erwartungen jedoch für übertrieben und gehe von zwei Zinssenkungen der FED und einer weiteren Zinssenkung der EZB aus. Für mehr Klarheit in dieser Frage würden sich nun alle Blicke auf das anstehende Jackson Hole Symposium richten.
Die Sorgen um die schwächelnde US-Wirtschaft seien groß, doch aktuelle Konsumdaten hätten sie etwas gemildert. Die Einzelhandelsumsätze seien im Juli 2024 gegenüber dem Vormonat um 1% gestiegen, weit über den Prognosen von 0,3%, nachdem die Juni-Zahlen auf 0,2% nach unten revidiert worden seien. Auch die Verbraucherstimmung habe sich positiver gezeigt: Der Index der University of Michigan sei im August auf 67,8 gestiegen, nach 66,4 im Juli, und habe damit über den erwarteten 66,9 gelegen. Dies sei der erste Anstieg seit fünf Monaten gewesen. Jedoch hätten schwache Industrieproduktionszahlen die Stimmung getrübt.
Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe sei im Juli um 0,6% gesunken, was stärker gewesen sei als die erwarteten -0,3% und den ersten Rückgang seit April darstelle. Zudem hätten revidierte Arbeitsmarktdaten die Stimmung weiter gedrückt: In den zwölf Monaten März 2023 bis März 2024 seien offenbar 818.000 weniger neue Jobs geschaffen worden als ursprünglich gemeldet, was einem durchschnittlichen monatlichen Rückgang von 68.000 Stellen entspreche. Zuvor sei ein durchschnittliches monatliches Wachstum von 246.000 Stellen für diesen Zeitraum angegeben worden. Diese jährliche Revision basiere auf Unterlagen der staatlichen Arbeitslosenversicherung.
Die Wirtschaft der Eurozone sende derzeit überwiegend positive Signale. Der HCOB Composite Flash PMI für die Eurozone sei im August 2024 auf 51,2 gestiegen, von 50,2 im Juli, und habe damit die Markterwartungen von 50,1 übertroffen. Dies markiere die sechste Expansion in Folge im privaten Sektor der Eurozone. Das Wachstum sei vor allem durch die viermonatige Expansion im Dienstleistungssektor getragen worden (53,3 gegenüber 51,9 im Juli), die den Rückgang im Verarbeitenden Gewerbe (45,6 gegenüber 45,8) kompensiert habe. Von einem wirklich nachhaltigen Anstieg könne man jedoch nicht sprechen, da das Wachstum insbesondere dem Einmaleffekt durch die Olympischen Spiele zu verdanken sei, was im französischen Dienstleistungssektor deutlich werde (55,0 im August gegenüber 50,1 im Juli).
Auch der gebeutelte Bausektor habe positive Entwicklungen gezeigt: Die Bauproduktion im Euroraum sei im Juni 2024 um 1% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, nachdem sie im Mai um 2,1% gesunken sei, was den ersten Anstieg der Bautätigkeit seit Januar dieses Jahres darstelle. Trotz dieser positiven Entwicklungen bleibe die wirtschaftliche Lage der Eurozone insgesamt schwierig, insbesondere aufgrund der schwachen Leistung Deutschlands.
Der HCOB Deutschland Composite Flash PMI sei im August 2024 auf 48,5 gefallen, nach 49,1 im Juli, und habe damit unter den Marktprognosen von 49,2 gelegen. Damit werde die Wahrscheinlichkeit einer technischen Rezession, die durch negatives Wirtschaftswachstum in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen definiert sei, immer größer. Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe sei weiter zurückgegangen, wenn auch etwas langsamer als im Vormonat (Index bei 42,9). Das Wachstum im Dienstleistungssektor habe sich den dritten Monat in Folge verlangsamt und den niedrigsten Stand seit März erreicht.
Nach den Panikverkäufen Anfang August habe sich an den Aktienmärkten eine gewisse "Normalität" eingestellt, doch die Rezessionsängste um die US-Wirtschaft würden weiterhin die Futuresmärkte prägen. Dies spiegele sich in den gestiegenen Erwartungen an Zinssenkungen sowohl der FED als auch der EZB wider. Vor dem mit Spannung erwarteten Jackson Hole Symposium würden FED-Mitglieder versuchen, diese Ängste kommunikativ zu dämpfen.
Mary Daly, Präsidentin der San Francisco FED, habe die Notwendigkeit eines schrittweisen Ansatzes zur Senkung der Kreditkosten betont. Sie habe darauf hingewiesen, dass die US-Wirtschaft keine Anzeichen für einen tiefen Abschwung zeige und "nicht in einer dringlichen Lage" sei. Dennoch habe Austan Goolsbee, Chef des Notenbankbezirks Chicago, davor gewarnt, zu lange mit Zinssenkungen zu zögern. Wie die FED tatsächlich vorgehen werde, würden Anleger aus der Rede von FED-Chef Jerome Powell beim Jackson Hole Symposium zu erfahren hoffen. HCOB Economics sehe das Risiko einer tiefen Rezession in den USA als gering an und gehe davon aus, dass die FED bis Jahresende zwei Zinssenkungen vornehmen werde, während die EZB eine weitere Senkung plane.
In Deutschland würden sich die Blicke auf den ifo-Index für August richten, der am 26.08. veröffentlicht werde. Nach den rückläufigen HCOB PMIs werde erwartet, dass auch der ifo-Index die anhaltende Schwäche der deutschen Wirtschaft widerspiegele. Zudem stünden die Inflationsdaten für Deutschland (29.08.) und die Eurozone (30.08.) im Fokus. Diese könnten den Weg für eine weitere Zinssenkung in diesem Jahr ebnen. Ebenfalls interessant seien die deutschen Einzelhandelsumsätze für Mai, Juni und Juli, die aufgrund von Verzögerungen bei der nationalen Statistikbehörde DeStatis am 30.08. veröffentlicht würden.
In den USA würden die Auftragseingänge langlebiger Güter für den Juli (26.08.) beobachtet, der Aufschluss über die zukünftige Entwicklung des zuletzt schwächelnden Industriesektors geben könnte. Die BIP-Zweitschätzung für das zweite Quartal (29.08.) könnte angesichts der kürzlichen Revisionen der Arbeitsmarktdaten an Bedeutung gewinnen und die bereits hohen Erwartungen an Zinssenkungen weiter befeuern. Schließlich würden die PCE-Zahlen, die ebenfalls für die Zinssenkungsthematik relevant seien, mit Spannung erwartet. Nach den relativ schwachen CPI-Zahlen werde erwartet, dass der PCE-Preisindex im Juli um 0,1% im Monatsvergleich steige, was einem Jahresvergleich von 2,5% entspreche, dem gleichen Niveau wie im Juni. (Ausgabe vom 22.08.2024) (23.08.2024/alc/a/a)
Zwar seien die Renditen in den USA und Deutschland kurzzeitig Ende letzter Woche aufgrund stärker als erwarteter US-Einzelhandelsumsätze und einer verbesserten Verbraucherstimmung gestiegen, doch habe sich der Abwärtstrend danach fortgesetzt. Derzeit lägen die Renditen der T-Notes bei 3,82% und die der Bunds bei 2,81%. Schlechter als erwartete US-Industrieproduktionszahlen und deutlich nach unten revidierte Arbeitsmarktdaten hätten erneut Zweifel am unaufhaltsamen Wachstum der US-Wirtschaft geweckt.
In der Eurozone habe es hingegen überwiegend positive Signale gegeben: Der Composite HCOB Flash PMI sei im August gestiegen, und die Bauproduktion habe im Juni zugelegt, was den bisher schrumpfenden Bausektor stütze. Die Lage in Deutschland bleibe laut den aktuellen HCOB PMI-Daten jedoch angespannt. Die Rezessionsängste in den USA, ausgelöst durch schwache Arbeitsmarktdaten, hätten die Erwartungen der Futuresmärkte hinsichtlich bevorstehender Zinssenkungen in den USA und der Eurozone stark beeinflusst.
Marktteilnehmer würden nun bis Jahresende mit mehr als vier Zinssenkungen durch die FED und mehr als zweieinhalb Zinssenkungen durch die EZB rechnen, jeweils im Umfang von 25 Basispunkten. HCOB Economics halte diese Erwartungen jedoch für übertrieben und gehe von zwei Zinssenkungen der FED und einer weiteren Zinssenkung der EZB aus. Für mehr Klarheit in dieser Frage würden sich nun alle Blicke auf das anstehende Jackson Hole Symposium richten.
Die Sorgen um die schwächelnde US-Wirtschaft seien groß, doch aktuelle Konsumdaten hätten sie etwas gemildert. Die Einzelhandelsumsätze seien im Juli 2024 gegenüber dem Vormonat um 1% gestiegen, weit über den Prognosen von 0,3%, nachdem die Juni-Zahlen auf 0,2% nach unten revidiert worden seien. Auch die Verbraucherstimmung habe sich positiver gezeigt: Der Index der University of Michigan sei im August auf 67,8 gestiegen, nach 66,4 im Juli, und habe damit über den erwarteten 66,9 gelegen. Dies sei der erste Anstieg seit fünf Monaten gewesen. Jedoch hätten schwache Industrieproduktionszahlen die Stimmung getrübt.
Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe sei im Juli um 0,6% gesunken, was stärker gewesen sei als die erwarteten -0,3% und den ersten Rückgang seit April darstelle. Zudem hätten revidierte Arbeitsmarktdaten die Stimmung weiter gedrückt: In den zwölf Monaten März 2023 bis März 2024 seien offenbar 818.000 weniger neue Jobs geschaffen worden als ursprünglich gemeldet, was einem durchschnittlichen monatlichen Rückgang von 68.000 Stellen entspreche. Zuvor sei ein durchschnittliches monatliches Wachstum von 246.000 Stellen für diesen Zeitraum angegeben worden. Diese jährliche Revision basiere auf Unterlagen der staatlichen Arbeitslosenversicherung.
Auch der gebeutelte Bausektor habe positive Entwicklungen gezeigt: Die Bauproduktion im Euroraum sei im Juni 2024 um 1% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, nachdem sie im Mai um 2,1% gesunken sei, was den ersten Anstieg der Bautätigkeit seit Januar dieses Jahres darstelle. Trotz dieser positiven Entwicklungen bleibe die wirtschaftliche Lage der Eurozone insgesamt schwierig, insbesondere aufgrund der schwachen Leistung Deutschlands.
Der HCOB Deutschland Composite Flash PMI sei im August 2024 auf 48,5 gefallen, nach 49,1 im Juli, und habe damit unter den Marktprognosen von 49,2 gelegen. Damit werde die Wahrscheinlichkeit einer technischen Rezession, die durch negatives Wirtschaftswachstum in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen definiert sei, immer größer. Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe sei weiter zurückgegangen, wenn auch etwas langsamer als im Vormonat (Index bei 42,9). Das Wachstum im Dienstleistungssektor habe sich den dritten Monat in Folge verlangsamt und den niedrigsten Stand seit März erreicht.
Nach den Panikverkäufen Anfang August habe sich an den Aktienmärkten eine gewisse "Normalität" eingestellt, doch die Rezessionsängste um die US-Wirtschaft würden weiterhin die Futuresmärkte prägen. Dies spiegele sich in den gestiegenen Erwartungen an Zinssenkungen sowohl der FED als auch der EZB wider. Vor dem mit Spannung erwarteten Jackson Hole Symposium würden FED-Mitglieder versuchen, diese Ängste kommunikativ zu dämpfen.
Mary Daly, Präsidentin der San Francisco FED, habe die Notwendigkeit eines schrittweisen Ansatzes zur Senkung der Kreditkosten betont. Sie habe darauf hingewiesen, dass die US-Wirtschaft keine Anzeichen für einen tiefen Abschwung zeige und "nicht in einer dringlichen Lage" sei. Dennoch habe Austan Goolsbee, Chef des Notenbankbezirks Chicago, davor gewarnt, zu lange mit Zinssenkungen zu zögern. Wie die FED tatsächlich vorgehen werde, würden Anleger aus der Rede von FED-Chef Jerome Powell beim Jackson Hole Symposium zu erfahren hoffen. HCOB Economics sehe das Risiko einer tiefen Rezession in den USA als gering an und gehe davon aus, dass die FED bis Jahresende zwei Zinssenkungen vornehmen werde, während die EZB eine weitere Senkung plane.
In Deutschland würden sich die Blicke auf den ifo-Index für August richten, der am 26.08. veröffentlicht werde. Nach den rückläufigen HCOB PMIs werde erwartet, dass auch der ifo-Index die anhaltende Schwäche der deutschen Wirtschaft widerspiegele. Zudem stünden die Inflationsdaten für Deutschland (29.08.) und die Eurozone (30.08.) im Fokus. Diese könnten den Weg für eine weitere Zinssenkung in diesem Jahr ebnen. Ebenfalls interessant seien die deutschen Einzelhandelsumsätze für Mai, Juni und Juli, die aufgrund von Verzögerungen bei der nationalen Statistikbehörde DeStatis am 30.08. veröffentlicht würden.
In den USA würden die Auftragseingänge langlebiger Güter für den Juli (26.08.) beobachtet, der Aufschluss über die zukünftige Entwicklung des zuletzt schwächelnden Industriesektors geben könnte. Die BIP-Zweitschätzung für das zweite Quartal (29.08.) könnte angesichts der kürzlichen Revisionen der Arbeitsmarktdaten an Bedeutung gewinnen und die bereits hohen Erwartungen an Zinssenkungen weiter befeuern. Schließlich würden die PCE-Zahlen, die ebenfalls für die Zinssenkungsthematik relevant seien, mit Spannung erwartet. Nach den relativ schwachen CPI-Zahlen werde erwartet, dass der PCE-Preisindex im Juli um 0,1% im Monatsvergleich steige, was einem Jahresvergleich von 2,5% entspreche, dem gleichen Niveau wie im Juni. (Ausgabe vom 22.08.2024) (23.08.2024/alc/a/a)


