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Rentenmärkte: Die 5%-Marke fest im Blick
26.10.23 13:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Rentenmärkte zeigen weiterhin ein ungewöhnliches Maß an Volatilität, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Die zehnjährigen T-Notes hätten am Montagmorgen noch die 5%-Marke übersprungen, um dann bis Dienstag um rund 20 Basispunkte auf 4,80% zurückzufallen. Von dort aus habe der Markt dann einen neuen Anlauf genommen, sodass die zehnjährigen Renditen nunmehr bereits bei 4,97% lägen. Die entsprechenden Bundrenditen hätten 2,80% und 2,97% geschwankt.
Durchgeschüttelt werde der Markt unter anderem durch den Krieg zwischen Hamas und Israel, einer enttäuschend verlaufenen Treasury-Auktion sowie der Nachricht, dass der Fondsmanager Bill Ackman seine Wette auf fallende US-Anleihekurse glatt gestellt habe. Für die nächsten Tage sei auf die heutige EZB-Sitzung zu schauen und auf die Frage, ob unter dem neuen Sprecher des Repräsentantenhauses - ja, die Republikaner hätten es tatsächlich geschafft, einen neuen Sprecher zu wählen - ein neuer Haushalt verabschiedet werden könne oder nicht.
In Bezug auf den Krieg zwischen der Hamas und Israel schwinge das Pendel gerade in Richtung "umfassende Bodenoffensive Israels in Gaza weniger wahrscheinlich", weswegen die Ölpreise kräftig nachgegeben hätten. Kurzzeitig habe dies die fallenden Renditen verstärkt, da weniger Inflationsdruck erwartet werde. Mittlerweile sei dieser Effekt aber verpufft, unter anderem weil die Auktion neuen zehnjähriger Titel im Volumen von 52 Mrd. US-Dollar vom Markt nicht ganz reibungslos absorbiert worden sei. Dies habe die Furcht geweckt, ob der Rentenmarkt die Neuverschuldung der nächsten Monate bewerkstelligen könne, ohne dass es zu höheren Zinsen komme.
Dazu könnte sich noch die Unsicherheit darüber gesellen, ob der neue Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson die Verabschiedung eines neuen Haushalts erschwere oder nicht. Der temporärere Haushalt laufe am 17. November aus. Ohne neuen Haushalt drohe mal wieder ein Government Shutdown, also ein Ausgabestopp in vielen Bereichen des öffentlichen Sektors. Johnson sei dem Trump-Lager zuzurechnen und leugne weiterhin, dass dieser die Wahl verloren habe.
Konjunkturindikatoren hätten an den Rentenmärkten eine nachgelagerte Rolle gespielt. Die HCOB PMI für die Eurozone hätten einen sehr schwachen Start in das vierte Quartal signalisiert. Die Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe seien von einem niedrigen Niveau aus nochmals leicht gesunken und der Dienstleistungsindex habe recht kräftig nachgegeben. Die Schrumpfung des deutschen BIP, die vermutlich im dritten Quartal eingesetzt habe, dürfte sich im vierten Quartal fortgesetzt haben. Den schwachen PMI-Daten stehe allerdings der überraschend deutlich gestiegene ifo-Index für Deutschland gegenüber.
Das Highlight des heutigen Tages, das auch auf die Entwicklungen in den nächsten Tagen ausstrahlen könne, sei die EZB-Notenbanksitzung, die dieses Mal in Athen stattfinde. Es gebe wenig Zweifel daran, dass es die EZB dieses Mal tatsächlich pausieren werde, sodass der Einlagenzins bei 4,00% bleiben sollte (Hauptrefinanzierungssatz: 4,50%). Es werde daher eher auf die Rhetorik ankommen bzw. darauf, wie stark das Wort Pause betont werde. Denn das Wort Pause sei letztlich mit der "Drohung" verknüpft, dass der Zins zu einem späteren Zeitpunkt doch noch angehoben werden könnte. Aber vermutlich werde auch über andere monetäre Instrumente diskutiert oder gar entschieden.
Möglich sei beispielsweise, dass der Mindestreservesatz angepasst werde. Dieser liege bei 1%. Vordergründig würde eine Anhebung bedeuten, dass die Geldpolitik auf diesem Weg gestrafft werde. Tatsächlich sei aber immer noch so viel Liquidität im Markt, dass es auch nach einer deutlichen Erhöhung des Mindestreservesatzes nicht zu einer Knappheit an Liquidität kommen werde. Geldpolitisch würde diese Maßnahme also verpuffen. Warum also die Idee, den Mindestreservesatz zu erhöhen? Um die Ausgabenseite der EZB und damit letztlich ihr Eigenkapital zu schonen, da die Mindestreserve seit einigen Monaten nicht mehr verzinst werde. Letztlich gehe es einigen Befürwortern dieses Schrittes wohl auch darum, dass die Staaten um ihre Einnahmen fürchten würden, denn die EZB zahle - wenn sie Gewinne erwirtschafte - diese an die Finanzminister aus. Kritiker würden daher monieren, dass die EZB die Geldpolitik nicht mit fiskalpolitischen Überlegungen vermischen sollte.
Eine andere Frage sei, ob die Anleihen aus dem PEPP Programm, das unverändert bis Ende 2024 laufen solle, nicht doch schneller abgebaut würden. Aus Sicht der EZB habe das PEPP Programm einen wichtigen Vorteil. Wenn es zu massiven Spreadausweitungen bei einigen Ländern komme, dann könnten die monatlichen Reinvestitionen von Anleihen, die gerade auslaufen würden, auf die Länder konzentriert werden, deren Spreads gerade besonders stark steigen würden. Dadurch könne der Bondmarkt stabilisiert werden. Eine jüngst erschienene Studie des Forschungsinstituts ZEW habe gezeigt, dass die EZB in den Monaten April bis September 2023 frei werdende Gelder verstärkt in italienische Anleihen investiert habe. Angesichts der großen Unsicherheit, die gerade die Finanzmärkte beherrsche, sei zu vermuten, dass die EZB dieses Instrument so lange wie möglich behalten möchte.
Datenseitig erscheine morgen (27.10.) der PCE-Preisindex für den September. Unser Nowcast stimmt mit dem Konsens überein, dass die Preise um 3,4% auf Jahresbasis respektive 0,3% auf Monatsbasis gestiegen sind, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Des Weiteren würden morgen Zahlen zur spanischen Konjunktur (BIP Q3) veröffentlicht, die einen ersten Hinweis darauf geben würden, wie sich die Wirtschaftsleistung der Eurozone im dritten Quartal entwickelt habe.
Außerdem würden am Dienstag (31.10.) die BIP-Zahlen zur Eurozone und den restlichen Euro-4-Ländern folgen. Für die Eurozone würden die Analysten erwarten, dass die Wirtschaft um 0,2% geschrumpft sei, wobei insbesondere die Industrie rezessive Tendenzen aufweise, während der Dienstleistungssektor stagniert haben dürfte. Zuletzt erscheinen am gleichen Tag (31.10.) Inflationszahlen aus der Eurozone für den Oktober, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Dort würden die Analysten einen weiteren, spürbaren Rückgang der Inflation in der Eurozone von derzeit 4,3% auf 3% erwarten. Grund hierfür seien vor allem Basiseffekte der italienischen Energieinflation. Wichtig seien dann schließlich noch die US-Arbeitsmarktzahlen am Freitag (03.11.). (26.10.2023/alc/a/a)
Die zehnjährigen T-Notes hätten am Montagmorgen noch die 5%-Marke übersprungen, um dann bis Dienstag um rund 20 Basispunkte auf 4,80% zurückzufallen. Von dort aus habe der Markt dann einen neuen Anlauf genommen, sodass die zehnjährigen Renditen nunmehr bereits bei 4,97% lägen. Die entsprechenden Bundrenditen hätten 2,80% und 2,97% geschwankt.
Durchgeschüttelt werde der Markt unter anderem durch den Krieg zwischen Hamas und Israel, einer enttäuschend verlaufenen Treasury-Auktion sowie der Nachricht, dass der Fondsmanager Bill Ackman seine Wette auf fallende US-Anleihekurse glatt gestellt habe. Für die nächsten Tage sei auf die heutige EZB-Sitzung zu schauen und auf die Frage, ob unter dem neuen Sprecher des Repräsentantenhauses - ja, die Republikaner hätten es tatsächlich geschafft, einen neuen Sprecher zu wählen - ein neuer Haushalt verabschiedet werden könne oder nicht.
In Bezug auf den Krieg zwischen der Hamas und Israel schwinge das Pendel gerade in Richtung "umfassende Bodenoffensive Israels in Gaza weniger wahrscheinlich", weswegen die Ölpreise kräftig nachgegeben hätten. Kurzzeitig habe dies die fallenden Renditen verstärkt, da weniger Inflationsdruck erwartet werde. Mittlerweile sei dieser Effekt aber verpufft, unter anderem weil die Auktion neuen zehnjähriger Titel im Volumen von 52 Mrd. US-Dollar vom Markt nicht ganz reibungslos absorbiert worden sei. Dies habe die Furcht geweckt, ob der Rentenmarkt die Neuverschuldung der nächsten Monate bewerkstelligen könne, ohne dass es zu höheren Zinsen komme.
Dazu könnte sich noch die Unsicherheit darüber gesellen, ob der neue Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson die Verabschiedung eines neuen Haushalts erschwere oder nicht. Der temporärere Haushalt laufe am 17. November aus. Ohne neuen Haushalt drohe mal wieder ein Government Shutdown, also ein Ausgabestopp in vielen Bereichen des öffentlichen Sektors. Johnson sei dem Trump-Lager zuzurechnen und leugne weiterhin, dass dieser die Wahl verloren habe.
Das Highlight des heutigen Tages, das auch auf die Entwicklungen in den nächsten Tagen ausstrahlen könne, sei die EZB-Notenbanksitzung, die dieses Mal in Athen stattfinde. Es gebe wenig Zweifel daran, dass es die EZB dieses Mal tatsächlich pausieren werde, sodass der Einlagenzins bei 4,00% bleiben sollte (Hauptrefinanzierungssatz: 4,50%). Es werde daher eher auf die Rhetorik ankommen bzw. darauf, wie stark das Wort Pause betont werde. Denn das Wort Pause sei letztlich mit der "Drohung" verknüpft, dass der Zins zu einem späteren Zeitpunkt doch noch angehoben werden könnte. Aber vermutlich werde auch über andere monetäre Instrumente diskutiert oder gar entschieden.
Möglich sei beispielsweise, dass der Mindestreservesatz angepasst werde. Dieser liege bei 1%. Vordergründig würde eine Anhebung bedeuten, dass die Geldpolitik auf diesem Weg gestrafft werde. Tatsächlich sei aber immer noch so viel Liquidität im Markt, dass es auch nach einer deutlichen Erhöhung des Mindestreservesatzes nicht zu einer Knappheit an Liquidität kommen werde. Geldpolitisch würde diese Maßnahme also verpuffen. Warum also die Idee, den Mindestreservesatz zu erhöhen? Um die Ausgabenseite der EZB und damit letztlich ihr Eigenkapital zu schonen, da die Mindestreserve seit einigen Monaten nicht mehr verzinst werde. Letztlich gehe es einigen Befürwortern dieses Schrittes wohl auch darum, dass die Staaten um ihre Einnahmen fürchten würden, denn die EZB zahle - wenn sie Gewinne erwirtschafte - diese an die Finanzminister aus. Kritiker würden daher monieren, dass die EZB die Geldpolitik nicht mit fiskalpolitischen Überlegungen vermischen sollte.
Eine andere Frage sei, ob die Anleihen aus dem PEPP Programm, das unverändert bis Ende 2024 laufen solle, nicht doch schneller abgebaut würden. Aus Sicht der EZB habe das PEPP Programm einen wichtigen Vorteil. Wenn es zu massiven Spreadausweitungen bei einigen Ländern komme, dann könnten die monatlichen Reinvestitionen von Anleihen, die gerade auslaufen würden, auf die Länder konzentriert werden, deren Spreads gerade besonders stark steigen würden. Dadurch könne der Bondmarkt stabilisiert werden. Eine jüngst erschienene Studie des Forschungsinstituts ZEW habe gezeigt, dass die EZB in den Monaten April bis September 2023 frei werdende Gelder verstärkt in italienische Anleihen investiert habe. Angesichts der großen Unsicherheit, die gerade die Finanzmärkte beherrsche, sei zu vermuten, dass die EZB dieses Instrument so lange wie möglich behalten möchte.
Datenseitig erscheine morgen (27.10.) der PCE-Preisindex für den September. Unser Nowcast stimmt mit dem Konsens überein, dass die Preise um 3,4% auf Jahresbasis respektive 0,3% auf Monatsbasis gestiegen sind, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Des Weiteren würden morgen Zahlen zur spanischen Konjunktur (BIP Q3) veröffentlicht, die einen ersten Hinweis darauf geben würden, wie sich die Wirtschaftsleistung der Eurozone im dritten Quartal entwickelt habe.
Außerdem würden am Dienstag (31.10.) die BIP-Zahlen zur Eurozone und den restlichen Euro-4-Ländern folgen. Für die Eurozone würden die Analysten erwarten, dass die Wirtschaft um 0,2% geschrumpft sei, wobei insbesondere die Industrie rezessive Tendenzen aufweise, während der Dienstleistungssektor stagniert haben dürfte. Zuletzt erscheinen am gleichen Tag (31.10.) Inflationszahlen aus der Eurozone für den Oktober, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Dort würden die Analysten einen weiteren, spürbaren Rückgang der Inflation in der Eurozone von derzeit 4,3% auf 3% erwarten. Grund hierfür seien vor allem Basiseffekte der italienischen Energieinflation. Wichtig seien dann schließlich noch die US-Arbeitsmarktzahlen am Freitag (03.11.). (26.10.2023/alc/a/a)


