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Renteninvestoren sehen sich großen Herausforderungen gegenüber
10.01.20 11:58
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Volatilität sollte 2020 zurückkommen - titelten wir in der Jahresschlussausgabe 2019 von Finanzmarkt aktuell, so Jens Herdack, CEFA, CIIA bei der Weberbank.
Als Auslöser hätten die Analysten der Weberbank die US-Politik oder Notenbank-Aktivitäten vermutet. Dass sich diese Vermutung so schnell bewahrheiten würde, hätten auch die Analysten aber nicht erwartet. Ausgelöst durch die gezielte Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani im Auftrag der US-Regierung, habe erneut die Angst das Börsengeschehen der ersten Handelswoche des Jahres dominiert und damit für eine auffällig große Schwankungsbreite vieler Kurse gesorgt.
In direkter Reaktion sei der Ölpreis um über 8 Prozent in die Höhe geschossen, da Risiken bezüglich der Ölversorgung eingepreist worden seien. Denn neben der irakischen Ölproduktion in Höhe von ca. 4 Millionen Fass am Tag treibe die Marktteilnehmer auch die Furcht um, dass der Iran die Öltransporte durch die Straße von Hormus behindern könnte. Durch diese Meeresenge am Persischen Golf würden rund 17 Millionen Fass pro Tag bzw. 17 Prozent der globalen täglichen Ölnachfrage transportiert. Ein höherer Ölpreis würde im weiteren Verlauf die Wirtschaft belasten und somit hätten auch die Aktienmärkte mit Kursverlusten reagiert. Umgekehrt seien die Preise von Anlageklassen gestiegen, die als "sichere Häfen" gelten würden. So habe der Goldpreis seit Jahresbeginn zwischenzeitlich um 6 Prozent zugelegt, und die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei aufgrund der großen Nachfrage wieder auf minus 0,3 Prozent geschrumpft.
So schnell die Sorgen gekommen waren, so schnell scheinen sie aber auch schon wieder abzuklingen, so die Analysten der Weberbank. Nachdem Hoffnung bestehe, der Iran beschränke seine Rache auf die Bombardierung zweier US-Militärbasen im Irak, habe auch Präsident Trump keine weiteren Militärschläge mehr angekündigt. In der Folge sei der Ölpreis sogar unter sein Jahresanfangsniveau zurückgefallen. Gold habe jedoch Teile seiner Kursgewinne verteidigen können. Vice versa hätten sich die Aktienmärkte erholt.
Ein Blick auf die fundamentalen Wirtschaftsdaten könne die geschilderten Entwicklungen an den Märkten sehr gut erklären: So sei im ersten Quartal 2020 eine deutliche Überversorgung des globalen Ölmarktes zu erwarten, da die OPEC mit ihren jüngsten Kürzungsbeschlüssen den Überhang der Produktion gegenüber der aktuellen globalen Nachfrage nicht vollständig ausgleichen könne. Das spreche eher gegen einen deutlichen Anstieg des Ölpreises aus fundamentaler Sicht. Gold hingegen sei auch schon im letzten Jahr gefragt gewesen. So habe die Nachfrage von Investoren nach goldunterlegten Anlageprodukten auf einem sehr hohen Niveau gelegen und die Notenbanken hätten Gold in einem Umfang gekauft, den man seit der Nixon-Ära der 70er Jahre nicht mehr gesehen habe.
Die Aktienmärkte würden ihrerseits durch die weiter auskömmliche Liquiditätsbereitstellung der Notenbanken unterstützt. So kaufe die US-Notenbank weiterhin kurzlaufende Staatsanleihen im Volumen von monatlich 60 Mrd. USD und die Europäische Zentralbank Anleihen im monatlichen Gegenwert von 20 Mrd. Euro. Da die Gewinnschätzungen im letzten Jahr bei steigenden Kursen jedoch deutlich zurückgegangen seien, befänden sich die Aktienbewertungen zu Beginn dieses Jahres auf im Vergleich zum Vorjahr erhöhtem Niveau. Da sei es verständlich, dass die Aktienmärkte sehr nervös auf jegliche Art von Ereignissen reagieren würden, die die konjunkturelle Entwicklung gefährden könnten. Denn ein Anstieg der Gewinne im Zusammenspiel mit wieder steigenden Auftragszahlen und einer sich erholenden Industrieproduktion würde zunächst die Basis für weitere Kursanstiege legen, auch wenn diese aufgrund der gestiegenen Bewertungsniveaus wahrscheinlich nicht so hoch wie im letzten Jahr ausfallen würden.
Renteninvestoren sähen sich weiter großen Herausforderungen gegenüber. Während vor Jahresfrist wenigstens Rentensatellitensegmente wie Hochzins- oder Schwellenländeranleihen noch attraktive Renditeniveaus aufgewiesen hätten, seien auch diese inzwischen weitestgehend abgegrast. Leider habe sich dieser Trend kurz vor Jahresende noch einmal beschleunigt. Selbst Anleihen geringerer Bonität würden kaum noch attraktive Renditeaufschläge im Vergleich zu besseren Bonitäten aufweisen. Wolle der Anleihen-Investor sein Risiko nicht deutlich steigern, werde er im Jahr 2020 wohl mit geringeren Erträgen leben müssen, als es im letzten Jahr noch möglich gewesen sei. (10.01.2020/alc/a/a)
Als Auslöser hätten die Analysten der Weberbank die US-Politik oder Notenbank-Aktivitäten vermutet. Dass sich diese Vermutung so schnell bewahrheiten würde, hätten auch die Analysten aber nicht erwartet. Ausgelöst durch die gezielte Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani im Auftrag der US-Regierung, habe erneut die Angst das Börsengeschehen der ersten Handelswoche des Jahres dominiert und damit für eine auffällig große Schwankungsbreite vieler Kurse gesorgt.
In direkter Reaktion sei der Ölpreis um über 8 Prozent in die Höhe geschossen, da Risiken bezüglich der Ölversorgung eingepreist worden seien. Denn neben der irakischen Ölproduktion in Höhe von ca. 4 Millionen Fass am Tag treibe die Marktteilnehmer auch die Furcht um, dass der Iran die Öltransporte durch die Straße von Hormus behindern könnte. Durch diese Meeresenge am Persischen Golf würden rund 17 Millionen Fass pro Tag bzw. 17 Prozent der globalen täglichen Ölnachfrage transportiert. Ein höherer Ölpreis würde im weiteren Verlauf die Wirtschaft belasten und somit hätten auch die Aktienmärkte mit Kursverlusten reagiert. Umgekehrt seien die Preise von Anlageklassen gestiegen, die als "sichere Häfen" gelten würden. So habe der Goldpreis seit Jahresbeginn zwischenzeitlich um 6 Prozent zugelegt, und die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei aufgrund der großen Nachfrage wieder auf minus 0,3 Prozent geschrumpft.
Ein Blick auf die fundamentalen Wirtschaftsdaten könne die geschilderten Entwicklungen an den Märkten sehr gut erklären: So sei im ersten Quartal 2020 eine deutliche Überversorgung des globalen Ölmarktes zu erwarten, da die OPEC mit ihren jüngsten Kürzungsbeschlüssen den Überhang der Produktion gegenüber der aktuellen globalen Nachfrage nicht vollständig ausgleichen könne. Das spreche eher gegen einen deutlichen Anstieg des Ölpreises aus fundamentaler Sicht. Gold hingegen sei auch schon im letzten Jahr gefragt gewesen. So habe die Nachfrage von Investoren nach goldunterlegten Anlageprodukten auf einem sehr hohen Niveau gelegen und die Notenbanken hätten Gold in einem Umfang gekauft, den man seit der Nixon-Ära der 70er Jahre nicht mehr gesehen habe.
Die Aktienmärkte würden ihrerseits durch die weiter auskömmliche Liquiditätsbereitstellung der Notenbanken unterstützt. So kaufe die US-Notenbank weiterhin kurzlaufende Staatsanleihen im Volumen von monatlich 60 Mrd. USD und die Europäische Zentralbank Anleihen im monatlichen Gegenwert von 20 Mrd. Euro. Da die Gewinnschätzungen im letzten Jahr bei steigenden Kursen jedoch deutlich zurückgegangen seien, befänden sich die Aktienbewertungen zu Beginn dieses Jahres auf im Vergleich zum Vorjahr erhöhtem Niveau. Da sei es verständlich, dass die Aktienmärkte sehr nervös auf jegliche Art von Ereignissen reagieren würden, die die konjunkturelle Entwicklung gefährden könnten. Denn ein Anstieg der Gewinne im Zusammenspiel mit wieder steigenden Auftragszahlen und einer sich erholenden Industrieproduktion würde zunächst die Basis für weitere Kursanstiege legen, auch wenn diese aufgrund der gestiegenen Bewertungsniveaus wahrscheinlich nicht so hoch wie im letzten Jahr ausfallen würden.
Renteninvestoren sähen sich weiter großen Herausforderungen gegenüber. Während vor Jahresfrist wenigstens Rentensatellitensegmente wie Hochzins- oder Schwellenländeranleihen noch attraktive Renditeniveaus aufgewiesen hätten, seien auch diese inzwischen weitestgehend abgegrast. Leider habe sich dieser Trend kurz vor Jahresende noch einmal beschleunigt. Selbst Anleihen geringerer Bonität würden kaum noch attraktive Renditeaufschläge im Vergleich zu besseren Bonitäten aufweisen. Wolle der Anleihen-Investor sein Risiko nicht deutlich steigern, werde er im Jahr 2020 wohl mit geringeren Erträgen leben müssen, als es im letzten Jahr noch möglich gewesen sei. (10.01.2020/alc/a/a)


