Erweiterte Funktionen

Renten: An der Zentralbank führt kein Weg vorbei


15.12.17 12:33
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Zum Ende eines Jahres stellt sich traditionsgemäß die Frage, wie es in Erinnerung bleiben wird und welche Erwartungen wir an das nächste haben dürfen, berichten die Analysten der Weberbank.

Entsprechend dieser Überlegung würden die Analysten in der aktuellen Ausgabe die vergangenen zwölf Monate kurz Revue passieren lassen und einen Ausblick darauf geben, welche Ereignisse die Marktentwicklungen im nächsten Jahr prägen könnten.

Wenn man an den Beginn des Jahres zurückdenkt, wird die Erinnerung an die vielen Unsicherheitsfaktoren wach, die großes Potenzial für Rückschläge beim gesamtwirtschaftlichen Wachstum zu bieten schienen: Einerseits waren die Augen auf den neuen US-Präsidenten gerichtet, den zum damaligen Zeitpunkt niemand ernsthaft einschätzen konnte, der aber mit großen Versprechungen in sein Amt gestartet war, so die Analysten der Weberbank. Andererseits hätten die Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland - mit der akuten Gefahr politischer Verwerfungen - der Fantasie bezüglich negativer Auswirkungen keine Grenzen gesetzt.

Jetzt, fast ein Jahr später, nach dem alle Wahlen abgehalten worden seien und sogar ein katalonisches Unabhängigkeitsreferendum überstanden sei, lasse sich sagen: Alles halb so schlimm! Zwar seien die Handlungen Donald Trumps immer noch schwer vorhersehbar, und gemessen an seinen Ankündigungen sei es politisch für ihn kein besonders erfolgreiches Jahr gewesen, aber zumindest lasse sich aktuell für die Wirtschaft kein nachhaltiger Schaden erkennen. Dementsprechend positiv falle auch das Fazit dieses Jahres aus: Nahezu alle Volkswirtschaften weltweit hätten gute Wachstumszahlen vorgelegt, und vor allem die exportorientierten Nationen hätten stark vom ansteigenden Welthandel profitieren können.

Trotz dieses sogenannten Goldilocks-Szenarios, also einem leicht überdurchschnittlichen Wachstum bei niedriger Inflation und geringen Zinsen, scheine eine gewisse Vorsicht mit Blick auf das nächste Jahr angebracht. So hätten die zuletzt veröffentlichten Konsumdaten vor allem für die größeren europäischen Länder enttäuscht, und auch die Produktionszahlen seien hinter den Erwartungen zurückgeblieben. In der Konsequenz bedeute das eine wachsende Diskrepanz zwischen den realwirtschaftlichen Daten und den ermittelten Erwartungen zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung, welche z.B. durch den IFO-Index abgebildet würden, der im November mit 117,5 Punkten ein neues Rekordhoch erreicht habe. Hier würden die Analysten ein gewisses Enttäuschungspotenzial erkennen, aber trotzdem von einem soliden Wirtschaftswachstum für das nächste Jahr ausgehen.

Die Aktienmärkte hätten ein (fast) perfektes Jahr erlebt. Zumindest wenn man den amerikanischen S&P 500 betrachte, bestehe noch die Chance, dass dieser, unter Berücksichtigung der Dividendenzahlungen, in allen zwölf Monaten des Jahres im Plus schließe. Doch auch die europäischen und deutschen Indices hätten kaum Hoffnungen unerfüllt gelassen und hätten diverse (Allzeit-)Hochs zu bieten gehabt. Trotz der durch Gewinnmitnahmen begründeten Konsolidierung der letzten Monate und der bislang ausbleibenden Jahresendrallye lasse sich somit auch für den Aktienmarkt ein sehr positives Jahr verbuchen.

Wenn man die Vorzeichen für 2018 betrachte - z.B. die US-Steuerreform oder die angehobenen Gewinnschätzungen vieler Unternehmen - ließe sich die Geschichte von den immer weiter steigenden Aktienmärkten bedenkenlos fortschreiben. Doch wie schon bei der Konjunktur sei auch hier "nicht alles Gold, was glänzt". Ob und in welcher Form es Donald Trump gelinge, die Reform der amerikanischen Unternehmenssteuern und weitere Vorhaben umzusetzen, scheine im Lichte der jüngsten Ereignisse, wie der Nachwahl in Alabama, wieder ungewisser geworden zu sein.

Weiterhin habe sich 2017 ein neues Phänomen am Aktienmarkt gezeigt: Die Anleger seien entweder euphorisch oder gleichgültig gewesen, und das bei geringer Schwankungsbreite. Negative Ereignisse hätten die Märkte kaum bewegt und somit nur geringe Kurskorrekturen nach sich gezogen. Obwohl diese Einstellung erheblichen Anteil am positiven Gesamtergebnis habe, wachse doch die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Stimmung irgendwann umkehre und ein überraschendes Ereignis im nächsten Jahr zu Kursverlusten führen könne.

Dementsprechend sei das Bild der Analysten für das nächste Jahr grundsätzlich positiv mit leichten Einschränkungen. Dank des erwarteten Wachstums bei den Unternehmensgewinnen und dem Anziehen des Welthandels, welches vor allem Aktien in den Exportnationen Deutschland und Japan zugute kommen dürfte, würden die Analysten von weiter steigenden Kursen an den Aktienmärkten ausgehen, wobei größere Rücksetzer nicht auszuschließen seien.

An den Rentenmärkten führe natürlich auch in diesem Jahr kein Weg an den Zentralbanken vorbei, vor allem wenn man bedenke, dass bis zum Jahresende noch einige Entscheidungen anstünden. Während allerdings weder die Ankündigungen der EZB, noch Janet Yellens letztes Statement als Präsidentin der US-Notenbank (FED) die Märkte nachhaltig bewegt hätten, biete die Bank of Japan (BoJ) das größte Überraschungspotenzial.

So dürfte der Ende der Woche veröffentlichte Konjunkturbericht weiteren Aufschluss darüber geben, ob die BoJ einen Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik vorbereite, wie die letzten Äußerungen des Zentralbank-Präsidenten vermuten lassen würden. Unabhängig von der BoJ würden die Reduzierung der Anleihekäufe durch die EZB im Januar nächsten Jahres und der Amtsantritt des neuen FED-Präsidenten Jerome Powell im kommenden Februar an den Rentenmärkten alle Voraussetzungen für ein interessantes Jahr 2018 bieten, welches nach Ansicht der Analysten allerdings von erhöhter Unsicherheit geprägt sein dürfte. (15.12.2017/alc/a/a)