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Renten: Wahrscheinlichkeit der Zinserhöhung in den USA steigt
03.06.16 12:02
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - In drei Wochen herrscht endlich Klarheit, zwar noch nicht über den Fußball-Europameister, aber darüber, ob die Briten in der Europäischen Union verbleiben, so die Analysten der Weberbank.
Die Umfragen würden zeigen, dass sich die Lager der Befürworter und der Gegner immer noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern würden, wobei circa 10% noch unentschlossen seien. Die Analysten seien der Überzeugung, dass ein Austritt für das Vereinigte Königreich (UK) deutliche wirtschaftliche Nachteile haben werde. U. a. würden Studien der Bank of England und des Internationalen Währungsfonds davon ausgehen, dass jeder Brite das Äquivalent eines Monatsgehaltes einbüßen würde. Zudem würden lange Verhandlungen über die zukünftige Beziehung Großbritanniens zur EU folgen, die zwischenzeitlich für Unsicherheit bei Investoren und Konsumenten führen könnte. Bereits jetzt habe die Deutsche Börse die Entscheidung über eine Fusion mit der Londoner Börse vertagt. Auch diverse Gesetze, die auf EU-Vorgaben beruhen würden, würden sicherlich geändert.
Insbesondere die wichtige Finanzbranche müsste sich neu organisieren. Zurzeit könnten die von London aus agierenden Banken ihr kontinentaleuropäisches Geschäft im Rahmen der so genannten EU-Pass-Regelung betreiben. Entfalle dieser, müssten die Filialen innerhalb der EU neu organisiert und genehmigt werden. Auch aus diesem Grund sei die Finanzbranche gegen einen Austritt und habe bereits mit Konsequenzen gedroht. Profiteure hiervon könnten die Finanzplätze in Paris und Frankfurt sein. Zudem weise UK ein Leistungsbilanzdefizit auf, das durch das Ausland finanziert werden müsse. Die Briten seien somit auf ausländisches Kapital, insbesondere aus der EU, angewiesen. Ein Austritt dürfte aber zumindest kurz- bis mittelfristig diese Kapitalströme stören. Leider werde der Kampf um die Stimmen nicht auf rationaler, sondern auf emotionaler Ebene geführt und Themen, wie Flüchtlinge und die Zuwanderung aus der Ost-EU hätten ein entsprechend hohes Gewicht.
Eine Prognose über den Ausgang der Volksabstimmung könnten die Analysten an dieser Stelle nicht geben. Zwar hätten die Ergebnisse bisheriger Umfragen, z.B. zum Ausgang der letzten Unterhaus-Wahl oder zur Unabhängigkeit Schottlands gezeigt, dass diese deutlich falsch liegen könnten. Der Kapitalmarkt scheine aber die Wahrscheinlichkeit eines Austritts allmählich auszupreisen. So würden die Risikoaufschläge für britische Anleihen zurückgehen, das Britische Pfund steige gegenüber dem Euro und auch der britische Aktienmarkt zeige sich bisher insgesamt relativ unbeeindruckt.
Anleger sollten sich auf dieses mögliche Ereignisrisiko einstellen. Komme es zu einem Austritt, könnte dies für Turbulenzen an den Märkten sorgen. Diese Möglichkeit könnte auch die amerikanische Notenbank bewegen, sodass die Analysten von ihr keine Zinserhöhung vor dem Brexit-Entscheid erwarten würden. Die größten Verwerfungen erwarte man in Europa, sodass eine mögliche Strategie darin bestehen könne, dass man die Risiken in Europa, sowohl auf der Aktien- als auch auf der Rentenseite, reduziere. Der Aufbau von Liquidität wäre bei einem Verbleib und dann ggf. steigenden Märkten kontraproduktiv. Sinnvoller sei aus Sicht der Analysten, dass der Anleger das positive wirtschaftliche Umfeld in den USA nutze und die US-Aktien-Quote zulasten der europäischen Allokation deutlich ausbaue. Die Erfahrung zeige, dass der amerikanische Aktienmarkt sich robuster gegenüber europäischen Krisen zeige.
Auf der Rentenseite erscheine es sinnvoll, Positionen im Britischen Pfund und britischer Emittenten zu reduzieren. Da ebenfalls ein Anstieg der Risikoaversion zu erwarten wäre, sollten Anlagen, die unter einem Anstieg der Risikoprämien/ -aufschläge besonders leiden würden, ebenfalls reduziert werden. Hierzu würden u. a. Wandelanleihen, Anleihen der EU-Peripherieländer und Anleihen minderer Bonitäten zählen. Im Gegensatz zu den Aktien sei hier die Liquidität gegenüber anderen Rentenanlagen zu bevorzugen. So könnten Bundesanleihen in ihrer Wahrnehmung als "sicherer Hafen" zwar zu den Profiteuren bei einem Austritt gehören, allerdings müsse der Anleger niedrige bis negative Renditen in Kauf nehmen, und zu lange Laufzeiten würden das Risiko von Kursverlusten bei Renditeanstiegen bergen. Bei einem Verbleib UKs in der EU sollte die Risikoaversion abnehmen und die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in den USA zunehmen, die auch Einfluss auf die Bundrenditen haben dürfte.
Der obige Absatz beschreibe nur Handlungsalternativen zur Vorbereitung auf einen möglichen Brexit und sei keine Abkehr von der übergeordneten Meinung eines weltweit moderaten Wirtschaftswachstums. Der US-Dollar sollte mit den Zinsfantasien gegenüber dem Euro an Stärke gewinnen, und auch die Gewinnschätzungen der Analysten für die Unternehmen dies- und jenseits des Atlantiks würden inzwischen wieder positive Tendenzen aufweisen. (03.06.2016/alc/a/a)
Die Umfragen würden zeigen, dass sich die Lager der Befürworter und der Gegner immer noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern würden, wobei circa 10% noch unentschlossen seien. Die Analysten seien der Überzeugung, dass ein Austritt für das Vereinigte Königreich (UK) deutliche wirtschaftliche Nachteile haben werde. U. a. würden Studien der Bank of England und des Internationalen Währungsfonds davon ausgehen, dass jeder Brite das Äquivalent eines Monatsgehaltes einbüßen würde. Zudem würden lange Verhandlungen über die zukünftige Beziehung Großbritanniens zur EU folgen, die zwischenzeitlich für Unsicherheit bei Investoren und Konsumenten führen könnte. Bereits jetzt habe die Deutsche Börse die Entscheidung über eine Fusion mit der Londoner Börse vertagt. Auch diverse Gesetze, die auf EU-Vorgaben beruhen würden, würden sicherlich geändert.
Insbesondere die wichtige Finanzbranche müsste sich neu organisieren. Zurzeit könnten die von London aus agierenden Banken ihr kontinentaleuropäisches Geschäft im Rahmen der so genannten EU-Pass-Regelung betreiben. Entfalle dieser, müssten die Filialen innerhalb der EU neu organisiert und genehmigt werden. Auch aus diesem Grund sei die Finanzbranche gegen einen Austritt und habe bereits mit Konsequenzen gedroht. Profiteure hiervon könnten die Finanzplätze in Paris und Frankfurt sein. Zudem weise UK ein Leistungsbilanzdefizit auf, das durch das Ausland finanziert werden müsse. Die Briten seien somit auf ausländisches Kapital, insbesondere aus der EU, angewiesen. Ein Austritt dürfte aber zumindest kurz- bis mittelfristig diese Kapitalströme stören. Leider werde der Kampf um die Stimmen nicht auf rationaler, sondern auf emotionaler Ebene geführt und Themen, wie Flüchtlinge und die Zuwanderung aus der Ost-EU hätten ein entsprechend hohes Gewicht.
Anleger sollten sich auf dieses mögliche Ereignisrisiko einstellen. Komme es zu einem Austritt, könnte dies für Turbulenzen an den Märkten sorgen. Diese Möglichkeit könnte auch die amerikanische Notenbank bewegen, sodass die Analysten von ihr keine Zinserhöhung vor dem Brexit-Entscheid erwarten würden. Die größten Verwerfungen erwarte man in Europa, sodass eine mögliche Strategie darin bestehen könne, dass man die Risiken in Europa, sowohl auf der Aktien- als auch auf der Rentenseite, reduziere. Der Aufbau von Liquidität wäre bei einem Verbleib und dann ggf. steigenden Märkten kontraproduktiv. Sinnvoller sei aus Sicht der Analysten, dass der Anleger das positive wirtschaftliche Umfeld in den USA nutze und die US-Aktien-Quote zulasten der europäischen Allokation deutlich ausbaue. Die Erfahrung zeige, dass der amerikanische Aktienmarkt sich robuster gegenüber europäischen Krisen zeige.
Auf der Rentenseite erscheine es sinnvoll, Positionen im Britischen Pfund und britischer Emittenten zu reduzieren. Da ebenfalls ein Anstieg der Risikoaversion zu erwarten wäre, sollten Anlagen, die unter einem Anstieg der Risikoprämien/ -aufschläge besonders leiden würden, ebenfalls reduziert werden. Hierzu würden u. a. Wandelanleihen, Anleihen der EU-Peripherieländer und Anleihen minderer Bonitäten zählen. Im Gegensatz zu den Aktien sei hier die Liquidität gegenüber anderen Rentenanlagen zu bevorzugen. So könnten Bundesanleihen in ihrer Wahrnehmung als "sicherer Hafen" zwar zu den Profiteuren bei einem Austritt gehören, allerdings müsse der Anleger niedrige bis negative Renditen in Kauf nehmen, und zu lange Laufzeiten würden das Risiko von Kursverlusten bei Renditeanstiegen bergen. Bei einem Verbleib UKs in der EU sollte die Risikoaversion abnehmen und die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in den USA zunehmen, die auch Einfluss auf die Bundrenditen haben dürfte.
Der obige Absatz beschreibe nur Handlungsalternativen zur Vorbereitung auf einen möglichen Brexit und sei keine Abkehr von der übergeordneten Meinung eines weltweit moderaten Wirtschaftswachstums. Der US-Dollar sollte mit den Zinsfantasien gegenüber dem Euro an Stärke gewinnen, und auch die Gewinnschätzungen der Analysten für die Unternehmen dies- und jenseits des Atlantiks würden inzwischen wieder positive Tendenzen aufweisen. (03.06.2016/alc/a/a)


