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Renten: Steilere Zinskurve durch robuste Konsumdaten und steigende Zinserwartungen


25.04.22 09:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der vergangenen Woche fachten robuste Konsumdaten die Angst vor anhaltend hoher Inflation an und führten Stand Freitagmittag zu einem weiteren Renditeanstieg, so die Experten von Union Investment.

Die konstante Flut falkenhafter Kommentare europäischer und US-amerikanischer Notenbanker sowie die damit einhergehend weiter ansteigenden Zinserwartungen, hätten insbesondere kurzlaufende Bundesanleihen belastet, sodass sich die Zinsstrukturkurve etwas verflacht habe. US-Treasuries mit fünf Jahren Laufzeit hätten in der vergangenen Woche die 3 Prozent Renditemarke erstmalig seit Mitte 2018 nach oben überwinden können und somit wieder eine inverse US-Zinsstrukturkurve im Laufzeitenbereich bis zehn Jahre verursacht. Insgesamt habe sich an dem fundamentalen Umfeld am Anleihemarkt in der vergangenen Woche nicht viel geändert, die Notenbanken würden mit ihrer strafferen Zinspolitik weiterhin den Markt dominieren und somit sinkenden Anleiherenditen entgegenwirken.

Insbesondere die EZB habe in der vergangenen Woche überrascht. Nach der Sitzung der Europäischen Zentralbank am Gründonnerstag, auf der EZB-Chefin Christine Lagarde eine eher abwartende Haltung eingenommen habe, was die Normalisierung der Geldpolitik angehe, hätten sich mehrere Mitglieder der Europäischen Zentralbank in der vergangenen Woche für ein schnelleres Handeln ausgesprochen. So würden diese ein Ende der Wertpapierkäufe im zweiten Quartal befürworten, was einen ersten Zinsschritt im Juli möglich machen würde.

Bedingt durch diese Aussagen habe der Markt mittlerweile in diesem Jahr drei Zinsschritte um jeweils 25 Basispunkte eingepreist. Ob dies so eintreten werde, dürfte von der weiteren Inflationsentwicklung abhängig sein, die im Euroraum zum Großteil durch die höheren Energie- und Lebensmittelpreise verursacht sei, während sie in den USA mehr durch den starken Konsum getrieben sei.

Anleihen aus den Emerging Markets hätten vergangene Woche die stärksten Kursverluste (-0,9 Prozent bis Donnerstagabend) verzeichnet, da die chinesische Notenbank den von den Marktteilnehmern erhofften Stimulus nicht geliefert habe. Auch Unternehmensanleihen guter Bonität (Investment Grade) hätten in diesem Umfeld 0,6 Prozent abgegeben. Staatsanleihen aus Kerneuropa hätten sich mit einem Minus von 0,5 Prozent leicht besser halten können als der Euro-Peripheriemarkt, welcher in der Woche mit einem Minus von 0,6 Prozent etwas mehr eingebüßt habe.

Der Euro habe mit einem Stand von 1,08 US-Dollar je Euro nahezu unverändert zur US-Valuta notiert. Am Ölmarkt sei der Preis der Sorte Brent pro Fass im Vergleich zur Vorwoche um gut vier Prozent gefallen, nachdem es sich in den Tagen vor Ostern deutlich verteuert habe. (Ausgabe vom 22.04.2022) (25.04.2022/alc/a/a)