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Renten: Niedrigzinsumfeld bleibt noch länger bestehen
12.10.15 08:30
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Nachdem die US-Notenbank (FED) die Zinsen nicht angehoben und die Wahlen in Griechenland und Spanien für wenig Aufruhr gesorgt haben, scheinen sich die Nachrichten nur noch um den Abgas-Skandal bei Volkswagen zu drehen, so die Analysten der Weberbank.
Da es sich hierbei um ein Problem eines einzelnen Unternehmens handele, wollten die Analysten den Blick auf das Große und Ganze lenken: Kurz nach der Zinsentscheidung der FED habe es ausgemachte Sache zu sein geschienen, dass die Zinsen nun im Dezember angehoben würden. Aber auch diese Gewissheit schwinde langsam, so werde die Wahrscheinlichkeit vom Markt hierfür aktuell mit lediglich 35% taxiert. Verantwortlich seien die zuletzt enttäuschenden Arbeitsmarktdaten und die Revision der Vormonate nach unten.
So habe schließlich auch die FED von einer Erhöhung der Leitzinsen Abstand genommen - wegen des Abwärtsdrucks auf die Inflation durch weiter fallende Ölpreise, den starken Dollar sowie die gestiegene Unsicherheit über die globalen Konjunktur- und Finanzmarktaussichten. Vor allem die Entwicklung der Schwellenmärkte gebe durchaus Anlass zur Sorge. Insbesondere Brasilien sei in einer gefährlichen Spirale aus hoher Arbeitslosigkeit, hoher Inflation und wachsendem Haushaltsdefizit.
In China stehe in den nächsten Tagen ein wichtiges Datum an: Am 19. Oktober würden erstmals BIP-Zahlen veröffentlicht, die nach international geltenden Richtlinien erstellt worden seien. Bereits im Vorfeld seien einige Quartale revidiert worden, sodass zum Beispiel das Wachstum 2014 nur noch 7,3% (zuvor 7,4%) betragen habe. Für 2015 werde ein Wachstum von 7% angestrebt. Dass dieses Ziel für das 3. Quartal verfehlt werde, sei nicht auszuschließen.
Europa entwickele sich weiterhin stabil, auch wenn sich das Bild leicht eintrübe. Zurzeit sei das Wachstum in den USA und Europa durch den Dienstleistungssektor und den Konsum getrieben. Enttäuschend seien die schwachen deutschen Auftragseingänge und die Industrieproduktion, dies allerdings saisonal bedingt. Momentan scheine der schwache Euro nicht den stützenden Effekt zu haben, wie die Analysten ihn erwartet hätten.
Die niedrigen Preise für Öl und Industrierohstoffe würden sich positiv auf die Volkswirtschaften der rohstoffimportierenden Staaten auswirken und deren Inflation niedrig halten. Dieser Umstand erschwere freilich die aktuellen Bemühungen der Notenbanken, die Inflationserwartungen zu erhöhen. Den rohstoffexportierenden Ländern würden hingegen die Einnahmen fehlen, was teils durch höheren Umsatz ausgeglichen werden solle. Durch dieses Handeln, wie beispielsweise die Ausweitung bzw. Beibehaltung der Ölfördermengen, werde der Preisverfall zusätzlich verschärft - zum Teil in ruinösem Ausmaß, wie zum Beispiel in Venezuela.
Die Aktienmärkte hätten sehr schwankungsintensive Tage hinter sich und alte Tiefststände ausgetestet, von denen sie sich aktuell wieder erholt hätten. Die kommende Q3-Bilanzsaison werde zeigen, ob die aufgetretenen Sorgen durch die Zahlen der Unternehmen bestätigt oder widerlegt würden.
Obwohl der Aktienmarkt zurzeit von großer Unsicherheit geprägt sei, wie die gestiegenen Schwankungsbreiten zeigen würden, und trotz der beschriebenen Probleme würden die Analysten ihr mittelfristig positives Bild für Aktien beibehalten. Die Datenlage habe sich zwar leicht eingetrübt, zeichne aber weiterhin ein robustes Bild des Konjunkturumfeldes in den USA und Europa. Daher seien die Analysten vom weiteren Kurspotenzial der Aktienmärkte überzeugt.
An den Rentenmärkten sei ein zweigeteiltes Bild zu beobachten: Die Renditen amerikanischer und deutscher Staatsanleihen seien wieder zurückgegangen. So seien beispielsweise die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zeitweise wieder in Richtung 2% gefallen. Dagegen seien die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen stark gestiegen. Dadurch würden sich für diese Papiere zwar Chancen und attraktive Renditeniveaus bieten, aber ein Investment sollte sehr selektiv erfolgen und aktiv gemanagt werden. Die weiterhin niedrige Inflation und die schwache Kreditnachfrage im Euroraum könnten die EZB zu erneutem Handeln veranlassen. Denkbar seien weitere Zinssenkungen und/oder die weitere Bereitstellung von Liquidität durch den Ankauf von Anleihen. (Ausgabe vom 09.10.2015) (12.10.2015/alc/a/a)
Da es sich hierbei um ein Problem eines einzelnen Unternehmens handele, wollten die Analysten den Blick auf das Große und Ganze lenken: Kurz nach der Zinsentscheidung der FED habe es ausgemachte Sache zu sein geschienen, dass die Zinsen nun im Dezember angehoben würden. Aber auch diese Gewissheit schwinde langsam, so werde die Wahrscheinlichkeit vom Markt hierfür aktuell mit lediglich 35% taxiert. Verantwortlich seien die zuletzt enttäuschenden Arbeitsmarktdaten und die Revision der Vormonate nach unten.
So habe schließlich auch die FED von einer Erhöhung der Leitzinsen Abstand genommen - wegen des Abwärtsdrucks auf die Inflation durch weiter fallende Ölpreise, den starken Dollar sowie die gestiegene Unsicherheit über die globalen Konjunktur- und Finanzmarktaussichten. Vor allem die Entwicklung der Schwellenmärkte gebe durchaus Anlass zur Sorge. Insbesondere Brasilien sei in einer gefährlichen Spirale aus hoher Arbeitslosigkeit, hoher Inflation und wachsendem Haushaltsdefizit.
In China stehe in den nächsten Tagen ein wichtiges Datum an: Am 19. Oktober würden erstmals BIP-Zahlen veröffentlicht, die nach international geltenden Richtlinien erstellt worden seien. Bereits im Vorfeld seien einige Quartale revidiert worden, sodass zum Beispiel das Wachstum 2014 nur noch 7,3% (zuvor 7,4%) betragen habe. Für 2015 werde ein Wachstum von 7% angestrebt. Dass dieses Ziel für das 3. Quartal verfehlt werde, sei nicht auszuschließen.
Die niedrigen Preise für Öl und Industrierohstoffe würden sich positiv auf die Volkswirtschaften der rohstoffimportierenden Staaten auswirken und deren Inflation niedrig halten. Dieser Umstand erschwere freilich die aktuellen Bemühungen der Notenbanken, die Inflationserwartungen zu erhöhen. Den rohstoffexportierenden Ländern würden hingegen die Einnahmen fehlen, was teils durch höheren Umsatz ausgeglichen werden solle. Durch dieses Handeln, wie beispielsweise die Ausweitung bzw. Beibehaltung der Ölfördermengen, werde der Preisverfall zusätzlich verschärft - zum Teil in ruinösem Ausmaß, wie zum Beispiel in Venezuela.
Die Aktienmärkte hätten sehr schwankungsintensive Tage hinter sich und alte Tiefststände ausgetestet, von denen sie sich aktuell wieder erholt hätten. Die kommende Q3-Bilanzsaison werde zeigen, ob die aufgetretenen Sorgen durch die Zahlen der Unternehmen bestätigt oder widerlegt würden.
Obwohl der Aktienmarkt zurzeit von großer Unsicherheit geprägt sei, wie die gestiegenen Schwankungsbreiten zeigen würden, und trotz der beschriebenen Probleme würden die Analysten ihr mittelfristig positives Bild für Aktien beibehalten. Die Datenlage habe sich zwar leicht eingetrübt, zeichne aber weiterhin ein robustes Bild des Konjunkturumfeldes in den USA und Europa. Daher seien die Analysten vom weiteren Kurspotenzial der Aktienmärkte überzeugt.
An den Rentenmärkten sei ein zweigeteiltes Bild zu beobachten: Die Renditen amerikanischer und deutscher Staatsanleihen seien wieder zurückgegangen. So seien beispielsweise die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zeitweise wieder in Richtung 2% gefallen. Dagegen seien die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen stark gestiegen. Dadurch würden sich für diese Papiere zwar Chancen und attraktive Renditeniveaus bieten, aber ein Investment sollte sehr selektiv erfolgen und aktiv gemanagt werden. Die weiterhin niedrige Inflation und die schwache Kreditnachfrage im Euroraum könnten die EZB zu erneutem Handeln veranlassen. Denkbar seien weitere Zinssenkungen und/oder die weitere Bereitstellung von Liquidität durch den Ankauf von Anleihen. (Ausgabe vom 09.10.2015) (12.10.2015/alc/a/a)


