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Renten: Niedrigzinsumfeld bleibt bestehen
04.09.15 11:40
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Sorgen um den Zustand der chinesischen Volkswirtschaft bestimmten in den letzten Wochen die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse, so die Analysten der Weberbank.
Wie bereits vor zwei Wochen an dieser Stelle ausgeführt, sei eine Vielzahl von Faktoren zusammengekommen, die die Stimmung schlagartig verschlechtert hätten. Zum einen habe das Reich der Mitte eine Reihe von Wirtschaftsdaten veröffentlicht, die den Schluss zugelassen hätten, dass das Wachstumsziel in Höhe von sieben Prozent in diesem Jahr verfehlt werden könnte. Zum anderen habe der Abwärtstrend an den chinesischen Börsen wieder an Fahrt aufgenommen, sodass mittlerweile alle seit Jahresanfang aufgelaufenen Gewinne sowohl in Hongkong als auch in Schanghai weggeschmolzen seien.
Der Aufschwung an den Börsen sei aufgrund von diversen staatlichen Erleichterungen hausgemacht gewesen und habe von vornherein auf wackeligen Beinen gestanden. Der starke Einbruch habe dennoch überrascht. Auch die Zweifel am Gesundheitszustand Chinas seien berechtigt, ebenso an der Glaubwürdigkeit der Wirtschaftsstatistiken. Oder sei es nicht ungewöhnlich, dass Chinas Statistikbehörde die Wachstumsdaten viel schneller als zum Beispiel Deutschland veröffentliche und diese anders als in allen anderen Ländern niemals revidiert werde?
"Es steht um Chinas Wirtschaft viel schlechter, als die Regierung uns Glauben lässt", würden die einen sagen. "Alles nicht so schlimm", würden die anderen sagen. Und: "Die Chinesen haben ihr Pulver weitestgehend trocken gehalten und die Geldschleusen noch nicht einmal wirklich geöffnet". In der Tat spalte die Causa China derzeit stark.
Die Analysten würden auch denken, dass die chinesische Regierung die Zügel fest in der Hand halte und mit aller Macht das Wachstumsziel erreichen wolle. Hierfür bestehe noch reichlich geld- und fiskalpolitischer Spielraum. Für die Zukunft würden die Analysten aber einen flacheren Wachstumspfad erwarten, wodurch die Wachstumsimpulse für die entwickelte Welt ebenfalls schwächer ausfallen sollten. Da dieser Prozess bereits seit einigen Jahren laufe und daher nicht unerwartet komme, bereite er den Analysten auch keine nachhaltigen Sorgen.
Die Wirtschaftserholung in den USA und Europa schreite nämlich dessen ungeachtet voran und werde zudem von sehr niedrigen Rohstoffpreisen begleitet. Der vergleichsweise günstige Euro-Wechselkurs verschaffe den Euro-Ländern zusätzlichen Rückenwind. Europas Wirtschaft habe allen Griechenlandsorgen zum Trotz einen langsamen, wenngleich stetigen Wachstumskurs eingeschlagen, zu dem nahezu alle Länder beitragen würden. Und in den USA sei die Erholung so gut, dass nicht mehr über das "Ob", sondern über das "Wann" einer Zinswende diskutiert werde.
Für die Rentenmärkte würden Zinserhöhungen normalerweise eine größere Rolle spielen. Jedoch könne die Notenbank mit dem Leitzins nur das kurze Ende der Zinskurve direkt beeinflussen. Für mittlere und lange Laufzeiten würden Erwartungen an die Wirtschaftsentwicklung eine weitaus wichtigere Rolle spielen. Ebenso würden Erwartungen an die Inflation mit einfließen. Steige diese, würden auch die nominalen Renditen steigen, und die Kurse fallen.
In Europa sei mit einer fortgesetzten Nullzinspolitik zu rechnen, und die Inflation sollte aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise sehr niedrig bleiben. Ebenso in den USA, wo der Zinserhöhungspfad flach verlaufen werde. Die gestiegenen Risikoprämien könnten nun eine interessante Kaufchance bieten.
Im Bereich der Schwellenländeranleihen sei aber Vorsicht geboten: Während Anleihen aus Rohstoffregionen in lokaler Währung unter Druck stünden, seien entsprechende Papiere in harten Währungen attraktiver. Aufgrund des Preisverfalls beim Rohöl und anderen Rohstoffen, aber auch aufgrund der Wirtschaftskrisen zum Beispiel in Russland und Brasilien, hätten die Währungen stark abgewertet.
Die globalen Aktienmärkte würden sich im Zuge der Sorgen um China derzeit angeschlagen zeigen. Zu beobachten sei ein Rückzug der Anleger von allen risikobehafteten Wertpapieren und der Versuch, die in diesem Jahr erreichten Gewinne zu sichern. Die Kurse deutscher und anderer europäischer Unternehmen hätten in der Folge schmerzhafte Verluste hinnehmen müssen.
Aber auch in den USA und Japan seien die Börsen zuletzt eingestürzt. Da die fundamentale Situation der meisten Aktienmärkte unverändert sehr solide sei, seien es offensichtlich Sorgen und Ängste um die Zukunft, die die Marktteilnehmer umtreiben würden. Wackele China, so breche die ganze Welt zusammen, so scheine es. Die Analysten würden erwarten, dass die Ängste keine sich selbst erfüllende Prophezeiung auslösen würden.
Das Wachstum sollte weder in Asien noch in China zusammenbrechen, werde sich aber voraussichtlich weiterhin abschwächen. Das "Konjunkturpaket" aus niedrigen Rohstoffpreisen und günstigem Euro-Wechselkurs werde europäischen Unternehmen im Gegenzug in die Karten spielen. Angst sei an der Börse ein schlechter Ratgeber. Besser sei es, Ruhe zu bewahren und seine Aktienpositionierung zu überprüfen. Eine Strategie sei es jetzt, Unternehmen mit geringer Asien-Verflechtung zu bevorzugen. (04.09.2015/alc/a/a)
Wie bereits vor zwei Wochen an dieser Stelle ausgeführt, sei eine Vielzahl von Faktoren zusammengekommen, die die Stimmung schlagartig verschlechtert hätten. Zum einen habe das Reich der Mitte eine Reihe von Wirtschaftsdaten veröffentlicht, die den Schluss zugelassen hätten, dass das Wachstumsziel in Höhe von sieben Prozent in diesem Jahr verfehlt werden könnte. Zum anderen habe der Abwärtstrend an den chinesischen Börsen wieder an Fahrt aufgenommen, sodass mittlerweile alle seit Jahresanfang aufgelaufenen Gewinne sowohl in Hongkong als auch in Schanghai weggeschmolzen seien.
Der Aufschwung an den Börsen sei aufgrund von diversen staatlichen Erleichterungen hausgemacht gewesen und habe von vornherein auf wackeligen Beinen gestanden. Der starke Einbruch habe dennoch überrascht. Auch die Zweifel am Gesundheitszustand Chinas seien berechtigt, ebenso an der Glaubwürdigkeit der Wirtschaftsstatistiken. Oder sei es nicht ungewöhnlich, dass Chinas Statistikbehörde die Wachstumsdaten viel schneller als zum Beispiel Deutschland veröffentliche und diese anders als in allen anderen Ländern niemals revidiert werde?
"Es steht um Chinas Wirtschaft viel schlechter, als die Regierung uns Glauben lässt", würden die einen sagen. "Alles nicht so schlimm", würden die anderen sagen. Und: "Die Chinesen haben ihr Pulver weitestgehend trocken gehalten und die Geldschleusen noch nicht einmal wirklich geöffnet". In der Tat spalte die Causa China derzeit stark.
Die Analysten würden auch denken, dass die chinesische Regierung die Zügel fest in der Hand halte und mit aller Macht das Wachstumsziel erreichen wolle. Hierfür bestehe noch reichlich geld- und fiskalpolitischer Spielraum. Für die Zukunft würden die Analysten aber einen flacheren Wachstumspfad erwarten, wodurch die Wachstumsimpulse für die entwickelte Welt ebenfalls schwächer ausfallen sollten. Da dieser Prozess bereits seit einigen Jahren laufe und daher nicht unerwartet komme, bereite er den Analysten auch keine nachhaltigen Sorgen.
Für die Rentenmärkte würden Zinserhöhungen normalerweise eine größere Rolle spielen. Jedoch könne die Notenbank mit dem Leitzins nur das kurze Ende der Zinskurve direkt beeinflussen. Für mittlere und lange Laufzeiten würden Erwartungen an die Wirtschaftsentwicklung eine weitaus wichtigere Rolle spielen. Ebenso würden Erwartungen an die Inflation mit einfließen. Steige diese, würden auch die nominalen Renditen steigen, und die Kurse fallen.
In Europa sei mit einer fortgesetzten Nullzinspolitik zu rechnen, und die Inflation sollte aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise sehr niedrig bleiben. Ebenso in den USA, wo der Zinserhöhungspfad flach verlaufen werde. Die gestiegenen Risikoprämien könnten nun eine interessante Kaufchance bieten.
Im Bereich der Schwellenländeranleihen sei aber Vorsicht geboten: Während Anleihen aus Rohstoffregionen in lokaler Währung unter Druck stünden, seien entsprechende Papiere in harten Währungen attraktiver. Aufgrund des Preisverfalls beim Rohöl und anderen Rohstoffen, aber auch aufgrund der Wirtschaftskrisen zum Beispiel in Russland und Brasilien, hätten die Währungen stark abgewertet.
Die globalen Aktienmärkte würden sich im Zuge der Sorgen um China derzeit angeschlagen zeigen. Zu beobachten sei ein Rückzug der Anleger von allen risikobehafteten Wertpapieren und der Versuch, die in diesem Jahr erreichten Gewinne zu sichern. Die Kurse deutscher und anderer europäischer Unternehmen hätten in der Folge schmerzhafte Verluste hinnehmen müssen.
Aber auch in den USA und Japan seien die Börsen zuletzt eingestürzt. Da die fundamentale Situation der meisten Aktienmärkte unverändert sehr solide sei, seien es offensichtlich Sorgen und Ängste um die Zukunft, die die Marktteilnehmer umtreiben würden. Wackele China, so breche die ganze Welt zusammen, so scheine es. Die Analysten würden erwarten, dass die Ängste keine sich selbst erfüllende Prophezeiung auslösen würden.
Das Wachstum sollte weder in Asien noch in China zusammenbrechen, werde sich aber voraussichtlich weiterhin abschwächen. Das "Konjunkturpaket" aus niedrigen Rohstoffpreisen und günstigem Euro-Wechselkurs werde europäischen Unternehmen im Gegenzug in die Karten spielen. Angst sei an der Börse ein schlechter Ratgeber. Besser sei es, Ruhe zu bewahren und seine Aktienpositionierung zu überprüfen. Eine Strategie sei es jetzt, Unternehmen mit geringer Asien-Verflechtung zu bevorzugen. (04.09.2015/alc/a/a)


