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Renten: Kurze Laufzeiten bleiben für Anleger das Segment der Wahl


30.11.18 12:45
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - In der aktuellen Korrektur am Aktienmarkt ist zuletzt häufiger ein auf den ersten Blick unverständlich anmutendes Phänomen aufgetreten: Aktien, die gute Ergebnisse lieferten und für die die Analysten ihre Gewinnschätzungen sogar weiter anhoben, verzeichneten teils zweistellige Kursverluste, so Jens Herdack, CEFA und CIIA bei der Weberbank.

Bei der Ursachenforschung stoße man schnell auf eine derzeit von vielen Finanzmarktakteuren geführte Diskussion um den Konjunkturzyklus. So würden viele Analysten argumentieren, dass sich die USA nach nun fast zehn Jahren Aufschwung im konjunkturellen Spätzyklus befänden. Für die USA lasse sich diese Argumentation durchaus nachvollziehen, da ein Spätzyklus historisch durch steigende Zinsen und eine geringe, weiter fallende Arbeitslosigkeit begleitet gewesen sei. Das zuletzt gemeldete Lohnwachstum von 3,1% wäre hingegen etwas höher zu erwarten gewesen. Aber ohnehin sei der Ansatz der Zyklustheorie - wie alle Modelle - nur ein Erklärungsversuch. Tatsache sei, dass man in Europa immer noch mit den Folgen der Finanzkrise und damit höheren Arbeitslosenraten kämpfe. Eine erste Leitzinsanhebung der europäischen Notenbank (EZB) werde inzwischen erst für das zweite Halbjahr 2019 erwartet, und von Lohnkostendruck könne ebenfalls keine Rede sein.

Zudem sei es in den letzten Jahren immer schwieriger geworden, von einem "normalen" Konjunkturzyklus zu sprechen. Denn durch den massiven Eingriff der Notenbanken nach der Finanzkrise sei die Konjunktur nicht nach einem theoretischen Zyklus verlaufen. Zudem sei es auch einmalig in der Geschichte der USA, dass ein Präsident inmitten einer ohnehin schon sehr gut laufenden wirtschaftlichen Phase den Markt durch Steuergeschenke zusätzlich befeuere. Insofern könnte der Zyklus sogar eine nochmalige Verlängerung erfahren haben. Trotzdem werde über die Spätzyklusfrage am Markt spekuliert. Und aus vergangenen spätzyklischen Phasen könne u.a. abgeleitet werden, dass sich die Präferenz der Anleger in einem solchen Umfeld den Aktien von Unternehmen mit größerer Marktkapitalisierung und defensiven Branchen zuwende.

Einen solchen Richtungswechsel hätten die Anleger recht plötzlich eingeleitet, weshalb zum Teil auch Aktien deutliche Korrekturen gezeigt hätten, für die man es aufgrund ihrer Gewinnsituation nicht erwartet hätte. Losgelöst von der eher akademischen Frage, wo wir uns im Konjunkturzyklus nun genau befinden, halten wir es für durchaus angeraten, Chancen für das vor uns liegende Jahr eher im Segment der defensiven Unternehmen mit einer hohen Marktkapitalisierung zu suchen, so die Analysten der Weberbank. Denn dass der Aktienmarkt auch 2019 weitere Chancen biete, sei aus fundamentaler Sicht sehr wahrscheinlich.

Für US-Aktien werde nach einem über 20%-igen Wachstum 2018 auch für 2019 ein solides Wachstum von über 10% erwartet, und auch die Bewertungen hätten sich in der jüngsten Korrektur deutlich abgebaut. Für europäische Aktien werde ein Gewinnwachstum im hohen einstelligen Bereich erwartet. Und auch bei den Schwellenländeraktien, die im aktuellen Umfeld am stärksten korrigiert hätten, seien die Schätzungen positiv. Sollte der Handelskonflikt der USA mit China in den Hintergrund rücken, würden die Analysten das Segment als durchaus aussichtsreich einschätzen.

Auch in einem anderen Markt sei ein deutlicher Wechsel der Erwartungshaltung zu beobachten gewesen: Einem starken Anstieg des Brent-Ölpreises in Richtung der 90-USD-Marke sei ein dramatischer Sturz auf unter 60 USD gefolgt. Seien die Gründe ebenfalls in einer Spätzykluszyklusüberlegung zu finden, die über den Weg eines erwarteten geringeren globalen Wachstums zu einer geringeren Nachfrage führe? Nur teilweise. Die bedeutenden Energieagenturen hätten zwar ihre Nachfrage-, aber eben auch ihre Angebotsprognosen für 2019 geändert. Aus einer mit Blick auf scharfe Iransanktionen erwarteten knappen Versorgung des Ölmarktes sei ein Szenario eines deutlichen Überangebotes geworden. Denn hätten die USA zunächst drastische Maßnahmen gegen den Iran angekündigt, mit denen man die iranischen Ölexporte auf null habe reduzieren wollen, seien dann nur sehr gemäßigte Restriktionen mit Ausnahmeregelungen für die wichtigsten Abnehmerländer gefolgt. Zusätzlich hätten die USA stark steigende Lager in Folge einer rekordhohen Schieferölproduktion gemeldet. Diese Gemengelage lasse für 2019 nun eher gemäßigte Ölpreise erwarten.

Mit Blick auf die rückläufigen Anleihekäufe und die Wiederanlageaktivitäten der EZB werde eine natürliche Gleichgewichtsbildung am Rentenmarkt sehr wahrscheinlich auch 2019 nur bedingt möglich sein. Ihre Käufe dürften aufgrund der schieren Größe der EZB-Bilanz weiter dämpfend auf den Markt wirken. Tendenziell sollte die Diskussion um den Start von Zinserhöhungen aber zu einem leicht steigenden Renditeniveau führen. Dieser Umstand lasse Papiere mit kurzen Laufzeiten damit weiterhin angeraten erscheinen, um Kursrückgänge bei zwischenzeitlichen Zinsanstiegen zu begrenzen. (30.11.2018/alc/a/a)