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Renten: Kursgewinne bei EM-Staatsanleihen


30.05.22 09:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Worte von EZB-Chefin Lagarde wurden am Rentenmarkt eher freundlich interpretiert, so die Experten von Union Investment.

Mit ihrer Aussage von zwei Schritten von je 25 Basispunkten sei einem 50er-Schritt eine Absage erteilt worden, was bis zur Wochenmitte zu leicht rückläufigen Renditen bei europäischen Staatsanleihen geführt habe. Am Donnerstag seien diese Gewinne dann jedoch wieder verloren gegangen.

Größere Kursgewinne seien bei den risikobehafteten Anleiheklassen auszumachen gewesen. Staatsanleihen aus den Peripherieländern hätten rückläufige Risikoaufschläge verzeichnet. Nachdem die Spreads in Italien in der Vorwoche die Marke von 200 Basispunkten überschritten hätten, sei es nun wieder in Richtung 190 gegangen. Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi habe erst letzte Woche sein Parlament dazu aufgerufen, nun dringend notwendige Reformen umzusetzen. Unterstützung habe Draghi in der vergangenen Woche von EU-Kommissar Gentiloni erhalten, der auf eine dringende Umsetzung des EU-finanzierten Wiederaufbauprogramms gedrängt habe.

Positiv dürfte sich auch die neuerliche Aussetzung des sogenannten Stabilitäts- und Wachstumspakts auswirken. Die strengen Schuldenvorgaben der Europäischen Union sollten angesichts der Ukraine-Krise um ein weiteres Jahr ausgesetzt werden und erst 2024 wieder in Kraft treten. Insgesamt hätten Peripherieanleihen in der vergangenen Woche leicht Kursgewinne verzeichnen können.

Darüber hinaus habe auch die Nachfrage nach Unternehmensanleihen wieder etwas angezogen. Das etwas positivere Umfeld würden etliche Emittenten für die Ausgabe von neuen Anleihen nutzen, was einen größeren Rückgang der Risikoaufschläge verhindert habe.

In den vergangenen Handelstagen seien die Inflationserwartungen merklich zurückgekommen. Hieran seien die Notenbanken nicht ganz unschuldig, hätten die Währungshüter zuletzt doch umfangreiche Zinsschritte angedeutet. Bei US-Staatsanleihen sei es daher zu Kursgewinnen gekommen. Eine Auktion einer siebenjährigen Anleihe habe eine enorm hohe Nachfrage erzielen können. Auf den aktuellen Renditenniveaus hätten sich insbesondere viele Privatanleger gefunden, die zu Käufen bereit gewesen seien. In einem Umfeld von etwas erhöhter Risikobereitschaft hätten sich auch wieder mehr Käufer bei EM-Staatsanleihen gefunden. In diesem Zusammenhang seien die Risikoaufschläge im Wochenvergleich um gut 25 Basispunkte zurückgekommen. (Ausgabe vom 27.05.2022) (30.05.2022/alc/a/a)