Renten: Die FED hält ihren Kurs


28.06.17 10:20
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Ob der EZB-Chef die Marktreaktionen während und nach seiner Ansprache in Sintra gestern so tatsächlich beabsichtigt oder gar erwartet hatte, wird man wohl nur dann erfahren, wenn er heute auf diese Marktreaktionen reagiert, so die Analysten der National-Bank AG.

Die Möglichkeit dazu hätte er ja, da das EZB-Forum heute zu Ende gehe und er einen weiteren Auftritt habe. Letztlich habe Mario Draghi gestern wenig Neues gesagt: Dass die Wirtschaft im Euroraum Fuß gefasst habe, sei offensichtlich. Deflationsrisiken seien ebenfalls nicht mehr zu erkennen, insbesondere wenn man der Lesart der EZB folge, wonach man durch temporäre Effekte hindurchschauen müsse. Dementsprechend stehe weiteren Anpassungen der EZB-Politik zurzeit wenig entgegen. Ändere das etwas an dem bislang bekannten Drehbuch? Nein.

Zugleich habe Draghi nämlich auch gesagt, dass die Wirtschaft hierzulande weiterhin die Unterstützung der Geldpolitik benötige. Daher dürfte als nächster Schritt wieder eine Änderung des Wording in der Erklärung auf einer der nächsten Pressekonferenzen vorgenommen werden. Im Herbst dürfte es dann konkrete Aussagen geben, wie das QE-Programm in 2018 zurückgeführt werden solle. Und erst nach Rückführung des QE-Volumens auf null werde das Thema Leitzinserhöhung auf der Agenda stehen. Nur ein schnelles und nachhaltiges Anziehen der Teuerungsrate könnte dieses Vorgehen ändern.

Die Investoren hätten die Aussagen wohl zum Anlass genommen, um die Gewinne der letzten Tage zu realisieren. Wie von der EZB habe es von den FED-Vertretern ebenfalls kaum Neues gegeben. Janet Yellen habe deutlich gemacht, dass sie den Kurs gradueller Leitzinsanpassungen für richtig halte und ihn daher beibehalten möchte. Die Aussage, wonach es zu Lebzeiten - die Frage sei hier, wessen gemeint seien - keine Finanzkrise mehr geben werde, sei dagegen mutig. Zweifelsohne seien die Finanzintermediäre deutlich robuster aufgestellt. Doch müssten Finanzkrisen immer von diesen ausgehen?

Wenig Beachtung hätten die US-Konjunkturdaten gefunden. So habe sich der Preisauftrieb im Immobilienmarkt in wichtigen Regionen verlangsamt, und das Verbrauchervertrauen des Conference Board habe nur auf den ersten Blick sehr gut ausgesehen. Die headline sei gestiegen, was jedoch auf die deutlich verbesserte Lagebeurteilung durch die Verbraucher zurückzuführen sei. Die Komponente, die die Perspektive messe, sei im Monatsvergleich gesunken.

Möglicherweise mache sich doch allmählich Enttäuschung über die US-Administration breit. Dazu würden die Ergebnisse der Level IV-Konsultationen passen, die den IWF dazu veranlasst hätten, die Wachstumsprognosen für die USA für das laufende und die kommenden Jahre zu reduzieren. Die von der Trump-Administration avisierten Wachstumsraten halte der IWF für nicht erreichbar. Die Wirkung von Steuererleichterungen und Infrastrukturinvestments seien mangels konkreter Informationen nicht berücksichtigt.

Wenn Draghi sich falsch verstanden gefühlt habe, könne er das heute gerade rücken. Daher dürften die Aussagen der Notenbanker in Sintra erneut von großem Interesse sein und die Bedeutung der Konjunkturdaten in den Hintergrund rücken, was den Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) heute Morgen unter Druck bringen dürfte. Im Tagesverlauf dürfte er sich zwischen 162,70 und 163,95 bewegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries dürfte zwischen 2,13 und 2,28% schwanken, wobei die Platzierung der 7-jährigen T-Notes trotz höherem Renditeniveau auf die Kurse drücken dürfte. (28.06.2017/alc/a/a)






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