Renten: EZB überinterpretiert?


30.03.17 09:45
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Das Tagesereignis hätte gestern das formale Austrittsgesuch UKs aus der EU werden sollen, denn gegen Mittag wurde der entsprechende Brief in Brüssel überreicht, so die Analysten der National-Bank AG.

Die Kapitalmärkte hätten kaum reagiert. Das GBP habe unwesentlich schwächer tendiert. Letztlich sei der formale Akt von untergeordneter Bedeutung. Schließlich seien nun die Verhandlungen eröffnet, und die Uhr ticke. Jetzt habe Europa neben der immer schwelenden Staatsschuldenkrise eine weitere große Baustelle, die wahrscheinlich nicht zur Stabilisierung beitragen werde, auch wenn die Konjunktur derzeit etwas Anderes signalisiere.

Immerhin scheine es bei einer anderen Großbaustelle Fortschritte zu geben: Dem Vernehmen nach solle bei den Gesprächen zwischen den Gläubigervertretern und der griechischen Regierung in einigen strittigen Punkten Einigung erzielt worden sein, sodass die Wahrscheinlichkeit deutlich gestiegen sein solle, dass zum nächsten ECOFin-Treffen am 7. April etwas Zählbares auf dem Tisch liege. Allerdings bleibe immer noch offen, ob der IWF finanziell an Bord sein werde.

Die US-Notenbanker hätten die Investoren einmal mehr unisono auf weitere Straffungen der Geldpolitik vorbereitet. Insgesamt hätten die Aussagen aber wenig Neues gebracht. Ähnlich werde es vermutlich heute sein, da sich erneut viele US-Notenbankvertreter äußern würden. Die Investoren sollten sich also mindestens auf zwei weitere Leitzinsanhebungen im laufenden Jahr einstellen und den Juni-Termin im Auge behalten. Wolle sich die FED die Option auf insgesamt vier Erhöhungen offen halten, sollte sie im Juni handeln.

Marktbestimmendes Thema seien jedoch Aussagen aus EZB-Kreisen gewesen, wonach sich die Notenbanker sehr schwer damit tun würden, die Rhetorik auf dem nächsten Treffen des EZB-Rats zu ändern, denn die Aussagen von Mario Draghi auf der letzten Pressekonferenz seien überinterpretiert worden. Dass die Investoren Leitzinsanhebungen bereits für das erste Quartal 2018 einzupreisen begonnen hätten, sei so nicht beabsichtig gewesen. Die Aussagen auf der Pressekonferenz seien eindeutig gewesen: Die konjunkturellen Perspektiven im Euroraum würden sich zusehends aufhellen, sodass der geldpolitische Stimulus irgendwann auslaufen könne, sofern auch die Preisentwicklung mitspiele.

Zugleich habe der EZB-Chef betont, dass die Wirtschaft vorerst der Unterstützung durch die Geldpolitik bedürfte, weil auch der Preisauftrieb noch schwach sei. Von einer bevorstehenden Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik sei keine Rede gewesen. Deutlich sei lediglich geworden, dass sich das QE-Programm dem Ende zuneige, aber erst in 2018. Die europäischen Notenbanker hätten heute einmal mehr Gelegenheit dazu, das gerade zu rücken. Daneben würden die europäischen Stimmungsindikatoren auf Wachstum deuten. Die Preisdynamik gemessen an den deutschen Verbraucherpreisen werde nachlassen. Die US-Daten dürften kaum Bedeutung haben.

Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) dürfte mit leichten Gewinnen in den Tag starten. Über den Tag dürfte er sich zwischen 160,30 und 161,85 bewegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries dürfte zwischen 2,33 und 2,49% schwanken. (30.03.2017/alc/a/a)





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