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Renten: EZB sorgt für Renditeanstieg
14.03.22 08:45
Union Investment
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den Staatsanleihemärkten gab es in der Berichtswoche bezüglich der Renditen nur eine Richtung: Aufwärts, so die Experten von Union Investment.
Trotz der mit dem Russland/Ukraine-Krieg verbundenen Unsicherheit an den Finanzmärkten hätten weder Euro-Staatspapiere noch US-Schatzanweisungen als sichere Anlagehäfen fungieren können. Vor allem habe die Europäische Zentralbank mit ihrer (falkenhaften) Rhetorik hin zu einer restriktiveren Geldpolitik am Donnerstag die Rentenmärkte unter Druck gesetzt. Gleichzeitig sei in der Berichtswoche ein weiterer Anstieg der Inflationserwartungen in den USA und im Euroraum zu beobachten gewesen. Die Renditen sowohl in den Kern- als auch den Peripherieländern seien unisono angestiegen.
Darüber hinaus hätten die auf dem EU-Gipfel vorliegenden Vorschläge zur Finanzierung einer EU-weiten Verteidigung und Energieinfrastruktur die Investoren zur Vorsicht veranlasst. Weitere gemeinsame umfangreiche EU-Anleiheplatzierungen stünden im Raum, der Begriff Schuldenvergemeinschaftung mache zunehmend am Markt die Runde.
Im Euroraum seien die Staatsanleihemärkte unter Druck gekommen. Im Rentenbereich seien die Anleger vor allem am Donnerstag von der EZB auf dem falschen Fuß erwischt worden. Die deutsche Zinsstrukturkurve habe sich in der Berichtwoche im Laufzeitbereich zwischen zwei und 30 Jahren um bis zu 35 Basispunkte nach oben verschoben. Dies habe vor allem auf die kürzeren Laufzeiten zugetroffen. Damit sei letztlich eine sogenannte bearishe Verflachung der Zinskurve zu beobachten gewesen.
Bundespapiere mit 30 Jahren Laufzeit hätten mit einem Anstieg von 27 Basispunkten noch den geringsten Renditezuwachs aufgewiesen. Die zehnjährige Bundrendite sei bis auf 0,3 Prozent gesprungen, habe per Freitagmittag mit 0,26 Prozent etwas darunter gelegen.
Der Zinsanstieg habe auch die Peripheriemärkte umfasst. Der vielbeachtete Renditeabstand (Spread) zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen habe sich vor dem Hintergrund der EZB und des EU-Gipfels zunächst sehr schwankungsfreudig gezeigt. Dieser habe aber im Vergleich zum Vorwochenschluss mit 161 Basispunkten im Zehnjahresbereich per Freitagmittag nahezu unverändert gelegen. Auf Gesamtmarktebene (iBoxx Euro Sovereign) hätten Euro-Staatsanleihen bis Donnerstagabend rund 2,5 Prozent verloren.
Am US-Staatsanleihemarkt sei die Entwicklung ähnlich verlaufen, die zehnjährigen Schatzanweisungen hätten am Donnerstag wieder die Zwei-Prozentmarke erreicht. Im Vorfeld der Sitzung der US-Notenbank am kommenden Mittwoch sei angesichts der jüngsten hohen US-Inflationsdaten ein Zinsschritt um 50 Basispunkte ins Spiel gebracht worden. Die US-Zinskurve habe sich parallel zur Euro-Kurve entwickelt. Auch dort hätten sich die Renditen in den kürzeren Laufzeiten etwas stärker (fünfjährige Anleihen plus 28 Basispunkte) als in den längeren Fälligkeiten erhöht.
Euro-Unternehmenspapiere hätten bis Donnerstagabend etwas schwächer tendiert (ICE BofA Euro Corp.-Index). Die Risikoprämien hätten sich zunächst ausgeweitet, seien zum Wochenschluss hin aber wieder etwas zurückgekommen. Am Primärmarkt seien sogar einige Neuemissionen platziert worden. Die Liquidität am Markt habe in der Berichtswoche als gut bezeichnet werden können.
In US-Dollar oder Euro notierte Anleihen aus den Schwellenländern hätten sich in den vergangenen Handelstagen gut gehalten (J.P. Morgan EMBI Global Diversified Sovereign-Index). Die Assetklasse habe insgesamt zwar weitere Mittelabflüsse verzeichnet, was für etwas Druck gesorgt habe. Aber auch hier seien die Risikoaufschläge gegenüber US-Staatsanleihen, die in der Spitze bei 526 Basispunkten gelegen hätten, wieder zurückgekommen und seien per Freitag unter die 500er-Marke gefallen.
Nachrichtlich habe JP Morgan vergangene Woche bekannt gegeben, russische Anleihen zum 31. März aus seinen Indices zu entfernen.
Am Mittwoch tage die US-Notenbank FED und werde dort aller Wahrscheinlichkeit nach erstmals nach einer langen Phase des Leitzinses nahe Null eine erste Zinserhöhung um wohl 0,25 Prozent beschließen. FED-Chef Powell habe dies bei seinen letzten Auftritten angekündigt. Die Inflationsentwicklung werde auch für die FED zu einem immer größeren Problem, zumal die preistreibenden Effekte in der Breite zunehmen würden. Auch würden Faktoren wie eine gut ausgelastete US-Wirtschaft und ein solider Arbeitsmarkt für eine Anhebung sprechen.
Eine Wachstumsverlangsamung dürfte die FED nicht davon abhalten, eine Normalisierung ihrer Geldpolitik einzuleiten. Die Experten würden bis Ende des laufenden Jahres fünf Zinserhöhungen erwarten. Darüber hinaus tagen in der neuen Woche sowohl die Bank of England als auch die Bank of Japan, wir haben also wieder einmal eine Notenbankwoche vor uns, so die Experten von Union Investment. Bei den Konjunkturdaten würden die Experten auf den ZEW-Index verweisen, der am Dienstag veröffentlicht werde. (Ausgabe vom 11.03.2022) (14.03.2022/alc/a/a)
Trotz der mit dem Russland/Ukraine-Krieg verbundenen Unsicherheit an den Finanzmärkten hätten weder Euro-Staatspapiere noch US-Schatzanweisungen als sichere Anlagehäfen fungieren können. Vor allem habe die Europäische Zentralbank mit ihrer (falkenhaften) Rhetorik hin zu einer restriktiveren Geldpolitik am Donnerstag die Rentenmärkte unter Druck gesetzt. Gleichzeitig sei in der Berichtswoche ein weiterer Anstieg der Inflationserwartungen in den USA und im Euroraum zu beobachten gewesen. Die Renditen sowohl in den Kern- als auch den Peripherieländern seien unisono angestiegen.
Darüber hinaus hätten die auf dem EU-Gipfel vorliegenden Vorschläge zur Finanzierung einer EU-weiten Verteidigung und Energieinfrastruktur die Investoren zur Vorsicht veranlasst. Weitere gemeinsame umfangreiche EU-Anleiheplatzierungen stünden im Raum, der Begriff Schuldenvergemeinschaftung mache zunehmend am Markt die Runde.
Im Euroraum seien die Staatsanleihemärkte unter Druck gekommen. Im Rentenbereich seien die Anleger vor allem am Donnerstag von der EZB auf dem falschen Fuß erwischt worden. Die deutsche Zinsstrukturkurve habe sich in der Berichtwoche im Laufzeitbereich zwischen zwei und 30 Jahren um bis zu 35 Basispunkte nach oben verschoben. Dies habe vor allem auf die kürzeren Laufzeiten zugetroffen. Damit sei letztlich eine sogenannte bearishe Verflachung der Zinskurve zu beobachten gewesen.
Bundespapiere mit 30 Jahren Laufzeit hätten mit einem Anstieg von 27 Basispunkten noch den geringsten Renditezuwachs aufgewiesen. Die zehnjährige Bundrendite sei bis auf 0,3 Prozent gesprungen, habe per Freitagmittag mit 0,26 Prozent etwas darunter gelegen.
Am US-Staatsanleihemarkt sei die Entwicklung ähnlich verlaufen, die zehnjährigen Schatzanweisungen hätten am Donnerstag wieder die Zwei-Prozentmarke erreicht. Im Vorfeld der Sitzung der US-Notenbank am kommenden Mittwoch sei angesichts der jüngsten hohen US-Inflationsdaten ein Zinsschritt um 50 Basispunkte ins Spiel gebracht worden. Die US-Zinskurve habe sich parallel zur Euro-Kurve entwickelt. Auch dort hätten sich die Renditen in den kürzeren Laufzeiten etwas stärker (fünfjährige Anleihen plus 28 Basispunkte) als in den längeren Fälligkeiten erhöht.
Euro-Unternehmenspapiere hätten bis Donnerstagabend etwas schwächer tendiert (ICE BofA Euro Corp.-Index). Die Risikoprämien hätten sich zunächst ausgeweitet, seien zum Wochenschluss hin aber wieder etwas zurückgekommen. Am Primärmarkt seien sogar einige Neuemissionen platziert worden. Die Liquidität am Markt habe in der Berichtswoche als gut bezeichnet werden können.
In US-Dollar oder Euro notierte Anleihen aus den Schwellenländern hätten sich in den vergangenen Handelstagen gut gehalten (J.P. Morgan EMBI Global Diversified Sovereign-Index). Die Assetklasse habe insgesamt zwar weitere Mittelabflüsse verzeichnet, was für etwas Druck gesorgt habe. Aber auch hier seien die Risikoaufschläge gegenüber US-Staatsanleihen, die in der Spitze bei 526 Basispunkten gelegen hätten, wieder zurückgekommen und seien per Freitag unter die 500er-Marke gefallen.
Nachrichtlich habe JP Morgan vergangene Woche bekannt gegeben, russische Anleihen zum 31. März aus seinen Indices zu entfernen.
Am Mittwoch tage die US-Notenbank FED und werde dort aller Wahrscheinlichkeit nach erstmals nach einer langen Phase des Leitzinses nahe Null eine erste Zinserhöhung um wohl 0,25 Prozent beschließen. FED-Chef Powell habe dies bei seinen letzten Auftritten angekündigt. Die Inflationsentwicklung werde auch für die FED zu einem immer größeren Problem, zumal die preistreibenden Effekte in der Breite zunehmen würden. Auch würden Faktoren wie eine gut ausgelastete US-Wirtschaft und ein solider Arbeitsmarkt für eine Anhebung sprechen.
Eine Wachstumsverlangsamung dürfte die FED nicht davon abhalten, eine Normalisierung ihrer Geldpolitik einzuleiten. Die Experten würden bis Ende des laufenden Jahres fünf Zinserhöhungen erwarten. Darüber hinaus tagen in der neuen Woche sowohl die Bank of England als auch die Bank of Japan, wir haben also wieder einmal eine Notenbankwoche vor uns, so die Experten von Union Investment. Bei den Konjunkturdaten würden die Experten auf den ZEW-Index verweisen, der am Dienstag veröffentlicht werde. (Ausgabe vom 11.03.2022) (14.03.2022/alc/a/a)


