Renten: Die EZB beurteilt die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum erneut optimistischer


10.03.17 08:15
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Mario Draghi hat die Investoren wohl gestern auf dem falschen Fuß erwischt, so die Analysten der National-Bank AG.

Anders lasse sich die deutliche Reaktion der Staatsanleihekurse im Euroraum und in ihrem Sog auch der US-Treasuries nicht erklären. Dabei habe er nur den bereits eingeschlagenen Kurs fortgesetzt: Die europäischen Konjunkturdaten und vor allem die Stimmungsindikatoren würden am aktuellen Rand eine Stabilisierung bzw. leichte Beschleunigung des Wirtschaftswachstums im Euroraum signalisieren. Dem hätten die ganz leicht nach oben revidierten Wachstumsschätzungen der EZB Rechnung getragen.

Zugleich seien die Inflationserwartungen für das laufende und das kommende Jahr etwas nach oben gesetzt worden, wobei der erwartete Preisanstieg für 2017 von 1,3 auf 1,7% dann doch stärker sei, als man es habe erwarten können. Für die kommenden beiden Jahre gehe die EZB davon aus, dass die Verbraucherpreise weiterhin leicht unter ihrer Zielmarke liegen würden. Der EZB-Chef erwarte zwar, dass die zyklischen Aufschwungskräfte etwas stärker würden. Für Lohnsteigerungen sehe er im Euroraum aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit jedoch wenig Spielraum. Daher habe er die Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Gipfel ermahnt, weitere Strukturreformen durchzuführen.

Ohne ein spürbares Anziehen der Kernrate der Verbraucherpreise werde die EZB ihren eingeschlagenen Weg nicht ändern. Die optimistischere Beurteilung der wirtschaftlichen Perspektiven habe jedoch Konsequenzen: Die TLTROs würden mit der letzten Bereitstellung Ende März auslaufen. Die Investoren sollten sich außerdem darauf einstellen, dass das Volumen des QE-Programms beginnend mit Januar 2018 zurückgeführt werde. Die Entscheidungen dazu würden kaum vor dem Herbst getroffen werden, sofern nichts Unvorhergesehenes passieren sollte.

Die Auswirkungen der Aussagen von Mario Draghi würden zwar noch einige Zeit nachwirken. Heute stehe jedoch ganz der US-Arbeitsmarktbericht im Fokus. Was die Konsensusprognose hinsichtlich der Zahl neu geschaffener Stellen wert sei, sei heute unklar. Schließlich habe der ADP-Bericht für eine Änderung der Erwartungshaltung gesorgt. Vermutlich würden die Marktakteure eher von einer Zunahme der Zahl neuer Stellen oberhalb der geschätzten 200 Tsd. ausgehen. Zumindest die Jobless Claims der letzten vier Wochen würden ebenfalls dafür sprechen. Die Entwicklung der durchschnittlichen Stundenlöhne sei ebenso von großer Bedeutung.

Irgendwann sollte es sich doch bemerkbar machen, dass der US-Arbeitsmarkt angespannt sei. Hier würde es sicher helfen, wenn die Industrie und vor allem der Bergbau wieder eingestellt hätten. Letzteres sei in Anbetracht der Zunahme der Zahl aktiver Ölförderanlagen gar nicht so unwahrscheinlich. Immerhin würden heute Morgen die deutschen Außenhandelszahlen noch Beachtung finden. Der Außenhandelsüberschuss dürfte kleiner geworden sein, was vor allem an der Verteuerung von Rohstoff- und hier Ölimporten liegen dürfte.

Die Investoren würden sich mit der Positionierung bis zur Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichtes zurückhalten. Und selbst danach dürften sie ihre abwartende Haltung nicht unbedingt aufgeben. Schließlich tage in der kommenden Woche die FED. Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) dürfte mit leichten Kursverlusten in den Freitag starten. Er sollte sich zwischen 159,15 und 160,65 bewegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries dürfte zwischen 2,52 und 2,66% schwanken. (10.03.2017/alc/a/a)





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