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Renten: Deutliche Renditeanstiege durch Trumpflation


18.11.16 11:29
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Donald Trump ist tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt worden, so Jens Herdack, CEFA und CIIA bei der Weberbank.

Auch wenn die Analysten der Weberbank die Möglichkeit eines Sieges nicht mehr ausgeschlossen hatten, waren sie doch einigermaßen erstaunt über den Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen. Bereits vor dem Börsenstart in Europa sei dementsprechend auch bei den Analysten im Büro über die möglichen Konsequenzen für die von ihnen betreuten Portfolios diskutiert worden. Zumal die asiatischen Börsen mit deutlichen Kursrückgängen reagiert hätten. Sei es richtig gewesen, die Kassequote nicht aufzubauen und stattdessen die US-Aktienquote auf erhöhtem Niveau zu belassen, weil ein Trump-Sieg zu einem stärkeren US-Dollar führen müsste? Würde die Goldposition die erwartete Pufferwirkung zeigen?

Was dann gefolgt sei, sei bestimmt nicht von vielen Marktteilnehmern erwartet worden: Zunächst sei der Goldpreis auf 1.337 US-Dollar gestiegen. Die Aktienbörsen in Europa hätten nur leicht im Minus eröffnet und im Tagesverlauf sogar ins Plus gedreht, während der Goldpreis zu fallen begonnen habe. Der US-Dollar habe sich zunächst entgegen der Analysten-Erwartung schwächer gezeigt. Dann jedoch habe er wie erwartet begonnen zu steigen. Auch die US-Aktienmärkte hätten mit teils deutlichen Kursanstiegen reagiert. Insofern habe es sich gelohnt, weiter auf US-Aktien in Kombination mit dem US-Dollar zu setzen. Die Goldposition der Analysten der Weberbank zeigte hingegen nur kurzzeitig die erhoffte Pufferwirkung.

Wie könne das sein? Wochenlang sei an den Märkten über die Gefahr eines Trump-Sieges diskutiert worden und dann würden die US-Aktien steigen? Am Ende würden bei der Unternehmensbewertung dann doch die nackten Zahlen zählen. Und die Schätzungen für die Gewinne der US-Unternehmen würden unter einem Präsidenten Donald Trump zunächst sehr positiv ausfallen. Die von ihm geplante Unternehmenssteuersenkung von derzeit durchschnittlich 35% auf 15% würde den Gewinn der Unternehmen signifikant unterstützen. Seine geplanten massiven Infrastrukturprogramme würden an die Ronald Reagan-Ära erinnern und die heimische Wirtschaft ebenfalls deutlich unterstützen.

Dass die Refinanzierung dieser ganzen Ausgaben unklar sei und er ebenfalls über protektionistische Maßnahmen nachdenke, gerate da in den Hintergrund. Zunächst einmal dürften insbesondere kleine und mittlere binnenwirtschaftlich orientierte Unternehmen profitieren. Deshalb habe dieses Aktiensegment in den letzten Tagen bereits deutliche Kursgewinne verbuchen können. Obendrein habe sein gemäßigteres Auftreten nach der Wahl die Aktienmärkte beruhigt.

An den Rentenmärkten sehe es dagegen anders aus. Hier zähle, dass Trump durch bloße Ankündigungen etwas geschafft habe, was die größten Notenbanken unter Aufwendung von hunderten Milliarden US-Dollar nicht vollbracht hätten. Sein Sieg habe dazu geführt, dass die Inflationserwartungen in Antizipation einer anziehenden US-Konjunktur deutlich gestiegen seien. Das wiederum führe zu steigenden Zinserwartungen und das wiederum zu fallenden Rentenkursen bzw. steigenden Renditen. So sei die 10-Jahresrendite amerikanischer Staatsanleihen von ca. 1,8 auf 2,3 Prozent gesprungen. Die Rendite vergleichbarer Bundesanleihen sei von nahe 0 auf fast 0,4 Prozent geklettert. Was wenig klinge, sei für den Rentenmarkt ein sehr deutlicher Anstieg. Zur Einordnung helfe ein Blick auf die Kursrückgänge bei 10-jährigen Bundesanleihen in Höhe von fast 3 Prozent.

Natürlich sei der Anstieg der Inflationserwartungen nicht allein Donald Trump geschuldet. Die Analysten der Weberbank hatten zuletzt darauf hingewiesen, dass ein Basiseffekt bei den Energiepreisen dazu führen würde, dass die Inflation und einhergehend die Schätzungen bis Jahresende anziehen würden. Trump habe diesen Effekt jedoch nochmal spürbar verstärkt. Was bei bestehenden Rentenpositionen belaste, bringe natürlich ein attraktiveres Renditeumfeld für Neuinvestitionen mit sich. Denn dass sich die Zinslandschaft durch einen Wahlsieg Trumps komplett drehe, sei nicht zu erwarten. Insofern könnten weiter steigende Renditeniveaus attraktive Einstiegsrenditen generieren.

Aktienseitig werde das ohnehin positive Bild der Analysten für US-Aktien durch mögliche Maßnahmen des neuen US-Präsidenten zusätzlich unterstützt. Auch im Hinblick auf vor uns liegende Stolpersteine in Europa, wie z.B. Wahlen in Frankreich oder das italienische Referendum, mit potenziell extremeren politischen Strömungen oder die Nachwirkungen des Brexit, erscheint es uns attraktiv, Positionen in US-Dollar zu halten, so die Analysten der Weberbank. Denn auch aktuell habe sich wieder gezeigt, dass der US-Dollar eine gewisse Absicherungswirkung in Krisenzeiten zeige. Das solle aber nicht heißen, dass europäische Unternehmen keine Opportunitäten aufweisen würden. Im Gegenteil: Die Gewinnschätzungen für eben jene seien zuletzt wieder erfreulich angehoben worden. Gold müsse vor dem Hintergrund steigender Realrenditen in den nächsten Wochen beweisen, dass es weiter als Absicherungsinstrument eingesetzt werden könne. (18.11.2016/alc/a/a)